Zwei Wochen in Portugal - Lissabon-Alfama, Alentejo und Sintra

Reisebericht

Zwei Wochen in Portugal - Lissabon-Alfama, Alentejo und Sintra

Seite 3 von 16
18.09.2012

Stadtbummel durch Alfama und Baixa, Ausflug nach Belem

Das Frühstück ist in Portugal im Allgemeinen nicht sehr üppig. In unserem Hostel gab es Brötchen mit Marmelade und Müsli.
Die Frau, die uns mit Frühstück versorgte, erzählte mir auf meine Anfrage über die Hintergründe der großen Demonstration in Lissabon letzten Sonnabend. Die Leute protestierten gegen die geplanten Steuer- und Sozialabgabenerhöhung der Regierung. Sie selber bekam ca. 450 Euro netto im Monat, musste aber gleichzeitig 450 Euro im Monat Miete zahlen. Ähnlich geht es vielen Leuten in der Region Lissabon.
Nach dem Frühstück erstiegen wir die steilen Treppen der Alfama, um an der bekannten Kathedrale in die Straßenbahn, Linie 28, zu steigen. Die Straßenbahnlinie 28 ist die bekannteste Straßenbahnlinie Lissabons. Sie fährt vom Friedhof Cemiterio dos Prazeres im Stadtviertel Campolide durch das Arbeiterviertel Bairro Alto (beide auf dem Berg) zum Stadtzentrum Baixa (unten) und von dort wieder nach oben über Alfama und Mouraria zum Platz Martim Moniz im oberen Stadtzentrum. Es werden historischen Straßenbahnwagen mit Rollenstromabnehmern eingesetzt. Von Mittags bis Abends sind die Bahnen oft mit Touristen überfüllt.
Auch hier gilt die Viva Viagem-Karte. Wer sich beim Fahrer seine Fahrkarte kauft, bezahlt das Doppelte.
In Portugal ist es üblich, sich an Bus- und Straßenbahnhaltestellen ordentlich in einer Schlange anzustellen. Die Straßenbahnen oder Bussen halten nur an, wenn man vorher winkt.
Wir hatten Glück. Als wir losfuhren, schliefen die meisten Touristen noch. Schon nach einer Station fanden wir jeder einen Sitzplatz. Die Bahn fährt durch enge mittelalterliche Straßen steil nach oben. Einige Streckenabschnitte sind eingleisig. An manchen Stellen ist die Straße so eng, dass die Fußgänger sich an die Häuserwände drücken müssen, um der Straßenbahn auszuweichen. Ab und zu muss die Straßenbahn anhalten, weil Autos auf der Strecke parken oder halten.
Es gibt übrigens noch weitere Straßenbahnlinien in Lissabon, die mit historischen Wagen befahren werden, z.B. die Linien 12 und 25. Die Strecken sind nicht so spektakulär wie die der 28, aber dafür sind die Straßenbahnen auch nicht so voll.
Leider wurden in den letzten Jahren viele Straßenbahnstrecken des einst ausgedehnten Netzes stillgelegt und durch Busse ersetzt.
Eine moderne Niederflurstraßenbahn (Linie 15) fährt vom Stadtzentrum in das Stadtviertel Belem (siehe weiter unten).
Auf der anderen Seite des Tejo gibt es ein zweites, modernes Straßenbahnnetz, welches ausschließlich mit Niederflurstraßenbahnen befahren wird.

Von der Endstelle Martim Moniz bummelten wir durch das Stadtzentrum bis zum Rossio, einem zentralen Platz im Zentrum und Verkehrsknotenpunkt von Metro und Suburbanos (S-Bahn). Hier fanden wir auch den einzigen(?) Biomarkt.
Ein besonderes Erlebnis ist die Auffahrt mit dem Elevador Santa Justa. Dieser altehrwürdige Aufzug bringt einen von der Unterstadt Baixa nach oben ins Stadtviertel Bairro Alto – mit einem schönen Blick auf die Stadt. Auch hier gilt die Viva Viagem-Karte.

Weiter ging es über die Fußgängerzone Rua Augusta zum großen Platz Praca do Comercio am Tejo. In der Rua Augusta fanden wir die Bäckergeschäfte mit den leckersten Backwaren, u.a. Schinken in Blätterteig oder Käse-Schinken in Blätterteig. Es ist übrigens eine preiswerte Alternative zu den oft teuren Restaurants, tagsüber in Bäckereien oder Konditoreien (Pastelaria) essen zu gehen. Hier gibt es schon für wenige Euro gutes Essen (nicht nur Süßes, sondern auch Herzhaftes).

Die Fußgängerzone Rua Augusta endet an dem großen Platz Praca de Comercio – unmittelbar am Ufer des Tejo gelegen. Ein prächtiger Platz – leider völlig zubetoniert und ohne jegliche Bäume, Sträucher oder Rasen.

Von hier aus liefen wir entlang der Hauptstraße Rua do Arsenal zum Bahnhof Cais do Sodre – ebenfalls am Ufer des Tejo und zentrumsnah gelegen. Hier stiegen wir in die Straßenbahn und fuhren in das Stadtviertel Belem. In Belem gibt es neben schönen Parks und einem Botanischen Garten den Palacio de Belem (ein Palast, in dem jetzt der Präsident wohnt), den Verteidigungsturm Torre de Belem und das berühmte Kloster Mosteiro dos Jeronimos (UNESCO-Weltkulturerbe) zu sehen. Das Hieronymitenkloster ist eines der bedeutendsten Bauwerke Portuals. Hier wurden einige Könige, bedeutende Schriftsteller sowie der portugiesische Seefahrer Vasco da Gama begraben. Entsprechend groß ist auch der Besucherandrang vor dem Kloster.
Außerdem gibt es in Belem die älteste Bäckerei Lissabons. Man erkennt sie schon an den Menschenschlangen davor.

Nachdem wir genug von Belem gesehen hatten, fuhren wir mit der Straßenbahn wieder ins Stadtzentrum zurück. Während meine Freundin sich im Hostel ausruhte, ging ich zum nahegelegenen Bahnhof Santa Apolonia, um die Fahrkarten für unsere Fahrt am Wochenende nach Evora zu kaufen. In Portugal sind alle Fernzüge reservierungspflichtig. Die Platzkarten werden mit den Fahrkarten zusammen verkauft und die Reservierung ist im Fahrpreis mit enthalten. Der recht kleine Bahnhof Santa Apolonia ist der älteste Bahnhof Lissabons – mit schönem Marmorfußboden. Von hier fahren die Suburbanos (S-Bahn-Züge) in Richtung Azumbela sowie alle Fern- und Regionalzüge in Richtung Norden ab. In Lissabon gibt es verwirrend viele Bahnhöfe: Santa Apolonia in Richtung Norden, den neuen Hauptbahnhof Oriente für alle Fernzüge, Entre Campos und Sete Rios für alle Züge über die Brücke Ponte 25 de Abril nach Süden, Rossio in Richtung Sintra und Cais do Sodre in Richtung Cascais. Dazu kommen noch zahlreiche S-Bahn-Stationen, an denen nur die Suburbanos halten.
Ich fragte am Informationsschalter wegen dem angekündigten Streik bei der Portugiesischen Staatsbahn CP. Der Mann am Schalter erklärte mir, dass während des gesamten Monats September immer wieder einzelne Vorortszüge wegen Streiks ausfielen. „Aber,“ so sagte er lächelnd, „wir haben viele Züge.“ Damit meinte er, dass bei der großen Anzahl der eingesetzten Vorortszüge die paar wenigen durch Streik ausfallenden Züge gar nicht ins Gewicht fällen würden. Im Übrigen seien die Fernzüge nicht vom Streik betroffen.
Auf dem Weg vom Bahnhof nach Hause erledigte ich gleichzeitig noch einige Lebensmitteleinkäufe für den nächsten Tag.

Verbindungen nach Belem: vom Rossio, Praca do Comercio oder Bahnhof Cais do Sodre mit der Straßenbahn Linie 15.



Largo da Se im Stadtviertel Alfama, Lissabon


Teilen auf

Mein Interessenprofil

Bitte melden Sie sich an, um Reiseziele zu Ihrem Interessenprofil hinzuzufügen.

Kommentare

  • reisefreudig

    Servus Eckhart,

    ...da ich als Reiseleiter zuletzt erst im April eine Gruppe durch Portugal führte ( viele Punkte Deiner Reise sind gleich unserem Programms ) hat mir Dein Beitrag hier sehr gut gefallen und ich gratuliere Dir zu den schönen Bildern.
    "Durch Dein Auge" ( Kamera ) hast Du vermutlich vielen einen "Guster" gemacht, in dieses wunderschöne Land zu reisen.
    lg Harald

  • davida

    Hallo,
    bei deinem Reisebericht und den tollen Bildern werden Erinnerungen wach. Lissabon ist eine super Stadt, von der ich viele identische Fotos habe. War schon toll. :-)
    LG Verena

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Zwei Wochen in Portugal - Lissabon-Alfama, Alentejo und Sintra 5.00 4

Beliebte Community-Inhalte: AustralienNorwegenThailandVietnamItalienBarcelonaIndien ReiseführerIndien Tipps