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Reisebericht: Reisen in Taiwan: Auf nach Matsu!
Eine 2-tägige Reise zu den Inseln vor der Küste Chinas.
Erster Tag
Nach Matsu wollte ich schon immer mal fahren. Inseln, über die man nicht viel weiß. Waren einmal stark umkämpft, aber konnten von den kommunistischen Truppen nicht eingenommen werden. Tunnel und andere Orte, die an die militärische Vergangenheit erinnern. Oft von Nebel eingehüllt, im Winter wesentlich kälter als Taiwan. Wenig Einwohner, meist Alte, Kinder und Soldaten. Schroffe Felsen, Vögel, die da nisten.
Also viel wusste ich nicht über Matsu vor meiner 2-tägigen Reise. Das war auch gut so, überraschen lassen, einfach mal hinfahren. Und dann sind wir los mit dem Schiff, von Keelung aus.
Keelung ist eine wichtige Hafenstadt nordöstlich von Taipeh. Mit dem Bummelzug knapp eine Stunde von der Hauptstadt entfernt. Den Hafen hatte ich schon oft gesehen, von den Hügeln aus, die die überschaubare Stadt umgeben, aber dies ist das erste Mal, dass ich die Hafenanlagen vom Schiff aus sehe. Dieses, die Tai-Ma (Taiwan-Matsu) Fähre, legt um etwa 10 Uhr abends ab und schiebt sich gemächlich aus dem Hafen heraus, vorbei an Containerschiffen, riesigen Kränen, einem großen Kreuzfahrtschiff und schließlich der Mole. Grün für Backbord oder Steuerbord? Merk ich mir nie. Dann die weite See. Kaum Wellen. Der Mond schon ziemlich rund, in seinem Schein sehen wir die kleine Keelung-Insel. Dann der Nordküste entlang. Man erkennt die Küstenstraße an den Laternen und auf dem Meer Tintenfischkutter an Ihren grellen flutlichtartigen Lampen, die die Meerestiere anlocken sollen
Die Fähre ist nicht übermäßig groß. Außer einem Aufenthaltsraum mit Tresen, an dem sich die Leute Instant-Nudelsuppen kaufen, gibt’s nichts an Unterhaltung. Kein Casino, kein Kino, keinen Duty-Free Shop. Bleibt uns nichts anderes übrig als uns aufs Ohr zu hauen. Die Pritschen befinden sich auf zwei Seiten eines Ganges und haben Vorhänge für die Privatsphäre. Keine Matrazen, sondern Tatami-Geflecht. Ganz angenehm. Die See ist während der gesamten Überfahrt bis auf ein einstündiges Zwischenspiel mit Ruckeln und seltsamen Geräuschen relativ ruhig und niemand muss Gebrauch vom Erbrechbecken in der Toilette machen.
In den frühen Morgenstunden dann plötzlich Musikgeplärre aus der Lautsprecheranlage. Irgendwelche taiwanesischen Schnulzen, die einen nicht weiterschlafen lassen. Ich wollte sowieso aufstehen, um die Ankunft auf der Insel Dongyin nicht zu verpassen. Wenn man schon einmal nach Matsu fährt, sollte man sich auch diese Insel eigentlich nicht entgehen lassen, weil sie landschaftlich sehr reizvoll ist, aber wir gehen diesmal nicht vom Schiff, keine Zeit. Der Hafen sieht ziemlich karg aus. Soldaten am Pier, die das Schiff vertäuen. Leute verlassen die Fähre über die Gangway, andere kommen herauf. Inzwischen ist die Sonne hinter den Bergen der Insel aufgegangen. Frische Morgenatmosphäre. Macht Spaß, den Arbeitern am Bug zuzuschauen, wie Sie die Taue herablassen und später wieder heraufziehen. Nach einem kurzen Aufenthalt geht es dann schon weiter.
Die Überfahrt von Keelung auf Taiwan nach Dongyin hat etwa acht Stunden gedauert. Jetzt noch mal zwei Stunden und wir sind in Nangan, der größten Insel von Matsu. Zu aufgedreht, um jetzt noch mal in die Koje zurückzugehen, setze ich mich auf eine Bank an Deck und lasse mich von Wind und Gischt erfrischen, und einem Dosenkaffee auf leeren Magen. In der Ferne sieht man Schiffe und Flugzeuge, die irgendwo zwischen Festlandchina und Taiwan verkehren. Nicht ganz sicher über deren Routen.
Nangan in Sicht. Man sieht gleich, dass die Insel recht bergig ist. Keine riesigen Berge, aber auch kaum Flachland zu sehen. Der Hafen namens Fu’ao, ist etwas größer als der von Dongyin und es gehen hier auch mehr Leute und Fahrzeuge von Bord. Es ist immer noch früh am Morgen, etwa 9 Uhr, aber die Sommersonne brennt einem schon im Nacken. Schnell Schatten suchen. Am Kai gibt’s einen 7 Eleven Laden, bei dem wir uns mit Getränken und Sandwiches eindecken.
Wir treffen unsere nette Begleiterin vom Nationalen Landschaftsschutzgebiet Matsu und diskutieren, was für den Tag geplant ist. Nach zehn Stunden auf dem Meer geht es nun schnurstracks… wieder aufs Meer. Diesmal aber mit einer kleinen Jacht für eine 2-stündige Bootsfahrt zu Inseln, auf denen sich nistende Vögel beobachten lassen. Die Temperaturen nähern sich inzwischen 30 Grad im Schatten und die Hitze wird dadurch verstärkt, dass uns nun Schwimmwesten angelegt werden. Hätte nie gedacht, wie warm Schwimmwesten sein können. Auf dem Boot sind wohl an die 20 Touristen, die sich für die Vogelwelt Matsus oder einfach nur für die Insellandschaft interessieren. Die ersten an Bord sind schnell eine kleine Treppe hoch auf das obere Deck geklettert, wo der Kapitän hinter dem Steuerrad steht und wo es, wie ich erst am Ende der Bootsfahrt feststelle, wesentlich kühler und erfrischender ist. Wir steigen ganz zum Schluss ein und sitzen im schwülwarmen Innenraum.
Ein freundlicher älterer Herr mit Fliegersonnenbrille weiht uns dann auf Chinesisch in die Geheimnisse des Naturraums der Inseln ein und los geht die Fahrt. Das erstaunlich PS-starke Boot erzeugt eine starke Welle, die der Reling bedrohlich nahe kommt. Alle sind guter Stimmung, bis auf eine Frau mittleren Alters, die schon bald mit Seekrankheit zu kämpfen hat und im weiteren Verlauf nur noch elend auf dem Boden kauert. Ein junges, etwas dickliches Mädchen kümmert dies wenig und sie ist auch sonst nicht sonderlich an der Bootsfahrt interessiert. Tief versunken spielt sie mit ihrem Smartphone und kriegt überhaupt nichts von Inseln, Vögeln und Matsus Naturwelt mit.
Wir, die Interessierten, müssen dann leider auch feststellen, dass sich die Vögel, die in großer Anzahl die kargen Felsen auf den kleinen unbewohnten Inseln bevölkern, nicht aus der Nähe beobachten lassen. Anlegen nicht möglich/erlaubt. Man hört einiges Kreischen aus der Ferne und sieht Möwen und Seeschwalben ihre Kreise am Himmel ziehen, aber nur die Leute mit Teleobjektiv und Fernrohr können wirklich erkennen, um welche Vögel es sich dabei handelt. Nichtsdestotrotz ist es eine vergnügliche Reise. Wir kommen auch an der Insel Beigan vorbei, auf der wir am Abend übernachten werden, und sehen sogar das kleine Dorf mit unserer Herberge.
Zurück an Land. Mittag. Hunger. Was gibt’s in Matsu denn so zu futtern? Wir fahren vom Hafen Fu’ao mit dem Auto Richtung Westen zum Ort Matsu. Dies ist zwar der größte Ort auf der Insel, ist aber um die Mittagszeit so verlassen als wäre er evakuiert worden. Für reges Treiben auf der Hauptstraße sorgen lediglich unzählige Schwalben, die ohne Angst vor den menschlichen Bewohnern unter Dachvorsprüngen ihre Küken füttern. Wir betreten ein unscheinbares Restaurant und wollen uns auch befüttern lassen. Vor der Reise habe ich mich über Matsus Spezialitäten schlau gemacht und besonders beim Gedanken an die in den Prospekten beschriebenen Matsu-Hamburger läuft mir schon jetzt das Wasser im Mund zusammen. Wir setzen uns und der betagte freundliche Chef des Restaurants kommt persönlich an unseren Tisch, um uns die Leckereien vorzustellen. Ich verstehe ihn nur schwer, da er eine Mischung aus Chinesisch, Taiwanesisch und Matsu-Dialekt spricht und mir die Konzentration mit knurrendem Magen sowieso schwer fällt. Dann kommt das Essen auf den Tisch. Besonders ins Auge fällt der rote gebratene Reis, der mit Hongzao, einer hefeartigen Masse, die ein Nebenprodukt der Sorghum-Schnaps Produktion in Matsu ist, zubereitet wird. Ich greife mir aber erst einmal einen Matsu-Hamburger. Groß wie ein kleines Brötchen mit Sesamkörnern oben drauf. Wird aufgeschnitten und dann mit einer Mischung aus gebratenem Ei, Gemüse und Austern gefüllt. Lecker, lecker, lecker. Ich probiere auch verschiedene Arten von Muscheln (nicht ganz so mein Fall), Fischsuppe und Algengemüse. Und schließlich lass ich mir die übrig gebliebenen Matsu-Hamburger einpacken, als Proviant für unterwegs.
Frisch gestärkt gehen wir in die pralle Sonne hinaus und machen uns zu einen kurzen Spaziergang zu einer Anhöhe in der Nähe auf. Auf dieser Anhöhe steht eines der Wahrzeichnen von Matsu, eine etwa 30 Meter hohe schneeweiße Statue der Göttin Mazu, die größte Mazu-Statue in ganz Taiwan. Ganz in der Nähe bietet eine Frau umsonst ein Getränk an, das aus wilden Kräutern gebraut wird. Etwas bitter, sehr gewöhnungsbedürftig. Nach dem Besuch der Statue gehen wir zurück zum Ort und besuchen den sehr schönen Tianhou Temple, der ebenfalls zu Ehren der Göttin errichtet wurde. Der Legende nach wurde der Körper des Mädchens, das später als Göttin Mazu verehrt wurde, von der Meeresströmung in den nahen Hafen Magang getrieben. Die Bewohner brachten den Körper zurück in die Heimat des Mädchens auf dem chinesischen Festland, behielten aber die Kleider für sich und begruben sie vor Ort. An derselben Stelle wurde später dann der Tianhou Tempel errichtet.
Damit erst einmal genug von Religion. Wir setzen uns wieder ins Auto und folgen der Hauptstraße der Insel erst nach Süden und dann nach Osten, vorbei am Dorf Jinsha, bekannt für die typischen Steinhäuser, die es überall auf Matsu zu sehen gibt. Dann erspähen wir aus der Ferne das „eiserne Fort“, eine kleine Festung auf einem winzigen Felsen im Meer. Hier waren zu Kriegszeiten Tauchereinheiten stationiert. Wir folgen weiter der Straße und müssen dabei zum Teil starkes Gefälle meistern. Ich stelle mir vor, dass diese Strecke ein ideales Trainingsgelände für ambitionierte Radfahrer und Langstreckenläufer sein könnte, besonders da die Straße kaum befahren ist und zum Großteil im Schatten der Bäume liegt.
Da die Sonne weiter hoch am Himmel steht, freuen wir uns nun auf den nächsten Stopp, den kühlen Beihai Tunnel. Vor dem Tunnel sehen wir ein oft fotografiertes Denkmal, das Soldaten mit Picken zeigt und das an deren Verdienste beim Bau des vom Militär genutzten Tunnels erinnern soll. Dann geht’s in den Tunnel hinein, einen großen Gang hinab. In einer Nische sehen wir Soldatenattrappen. Schließlich kommen wir zu einer Anlegestelle für kleine Boote, eine Gruppe von Touristen ist bereits eingestiegen. Es gibt traditionelle Holzboote für mehrere Passagiere, die von einem Gondoliere gesteuert werden, und Zweier-Kajaks für die, die selbst paddeln wollen. Ich setze mich in ein Holzboot und schon machen wir uns auf eine gemächliche Fahrt durch den Tunnel. Der Gondoliere erzählt uns einiges über die Geschichte des Tunnels und wie viele Militärboote zu Kriegszeiten darin versteckt werden konnten. Langsam treiben wird durch die Höhle und kommen nach etwa 20 Minuten wieder am Ausgangspunkt an.
Es ist schon Nachmittag als wir aus dem Tunnel herauskommen und an der Zeit, zurück zum Hafen Fu’ao zu fahren, da wir noch von Nangan aus mit dem Boot nach Beigan übersetzen wollen, um dort im Dorf Qinbi, wo wir übernachten werden, nicht den Sonnenuntergang zu verpassen. Die Fahrt zurück zum Hafen geht erstaunlich schnell. Mir wird dadurch bewusst, wie klein die Insel wirklich ist. Auf der Karte, die ich vor der Reise studiert hatte, sah das alles viel größer aus.
Die Überfahrt von Fu’ao zum Hafen Baisha, an der südlichen Spitze von Beigan, dauert etwa eine halbe Stunde. Baisha ist ein kleiner Hafen mit ein paar alten Fischerbooten. Wir werden dort schon von unserem nächsten Begleiter erwartet und fahren zügig Richtung Qinbi im Norden der Insel. Es bleibt uns sogar noch etwas Zeit von Qinbi aus weiter zum nächsten Ort namens Qiaozi zu fahren. Dieses kleine Nest ist dafür bekannt, dass es hier mehr Götter (in Form von Statuen in Tempeln) gibt als Einwohner. Wir machen ein paar Fotos dort und sind schon wieder im Auto zurück nach Qinbi.
Kurz vor Sonnenuntergang kommen wir in Qinbi an. Dies ist wohl der bekannteste Ort von ganz Matsu, beliebt, weil man hier die gut erhaltenen/restaurierten traditionellen Häuser der Inseln begutachten und in einem Gästehaus übernachten kann. Das Dorf schmiegt sich an einen Hang mit Blick auf einen Strand, auf eine kleine Insel dahinter und, bei gutem Wetter, sogar bis auf die Küste des chinesischen Festlands. Ich muss gestehen, dass ich mir den Ort etwas anderes vorgestellt hatte. Ich erwartete ein Dorf am Ende der Welt, schwer zu erreichen, und auf hohen, gefährlichen Klippen gebaut. Stellt sich heraus, dass das Dorf bequem per Küstenstraße, selbst mit einem Bus, zu erreichen ist, und man braucht nur ein paar Treppen hochzusteigen und schon ist man bei den Häusern angekommen.
Bevor wir im Gästehaus einchecken, gehen wir zu einer Terrasse, von der man einen hervorragenden Blick auf die Bucht hat. Die untergehende Sonne taucht das ganze Panorama in ein warmes Orange-Gelb. Am Strand spielen Familien und Pärchen und neben uns haben sich zwei Profifotografen postiert, die das ganze mit Ihren Pro-Nikons ablichten. Von den beiden bekommen wir dann noch einen Tipp für einen besonders guten Ort zum Fotografieren von Qinbi in der Dämmerung, einer Schule ein paar Hundert Meter die Straße rauf. Von dort kann man das ganze Dorf samt Strand und Straße bei längerer Belichtungszeit im Fastdunkel noch hervorragend einfangen.
Dann geht’s zu unserem „Homestay“ wie private Gasthäuser in Taiwan oft genannt werden. Unsere Zimmer befinden sich in einem alten Haus, das vor kurzem wunderbar restauriert wurde. Dusche mit warmen Wasser und starkem Strahl, genau das richtige nach einem langen Tag. Abschließend bestellen wird noch ein kleines, leckeres Abendmahl und gönnen uns ein Taiwan Beer. Wie sitzen draußen vor dem Homestay und lauschen den Geräuschen der Wellen am Strand.
Zweiter Tag
Wenn ich mal auf Reisen bin, dann werde ich gierig. Gierig nach allem, was es zu sehen gibt. Machen andere im Bus oder Zug ein Nickerchen, klebe ich am Fenster. Acht Stunden öde russische Tundra am Stück? Kein Problem! Ich schlafe erst, wenn es stockdunkel ist und wache mit den ersten Vögelstimmen auf. Schlafen kann ich ja zu hause wieder. Am zweiten Tag unserer Matsu-Reise bin ich dann natürlich als erster aus dem Bett. Es ist noch dunkel, aber die Vögel beginnen schon zu zwitschern. Die Steintreppe hinab, über die leere Straße und runter zum Strand. Das Meer ist genauso schlaff wie am gestrigen Abend. Schuhe aus und durch den Sand. Es ist erfrischend kühl. Auf den dunklen Felsen flitzen kleine Krebse hin und her. Kommt man zu nahe, sind sie sofort verschwunden. Ich setze mich vor eine Bunkerruine, in der früher einmal Soldaten gekauert haben müssen, die mit Bangen zum chinesischen Festland herüberschauten. Heute sieht man auf dem Meer nur vereinzelte Fischerboote. Ich sitze und lasse den Morgen kommen. Und sieh da, die Sonne sendet schon bald erste Strahlen über den Berg, an dessen Hang sich das Dorf Qinbi befindet.
Schnell erhellt sich der Sandstrand und fast gleichzeitig mit der Sonne erscheint auch Sunny, die zum Rand des Wassers geht und mit ihren Zehenspitzen die Temperatur testet. Warm genug. Rein ins Vergnügen. Sie schwimmt ein paar Mal hin und her. Mir ist das Wasser nicht ganz geheuer. Stille Wasser sind tief und wer weiß, was da unten so alles herum schwimmt.
Wir gehen dann zusammen zurück zu den Häusern. Es ist noch zu früh fürs Frühstück und ich spaziere deshalb noch ein bisschen im Dorf herum. Ich folge einer Treppe den Hang hinauf vorbei an alten Häusern und kleinen Gärten und befinde mich schon bald in einem kleinen Hain. Der Weg scheint kein Ende zu nehmen und führt wohl bis ganz auf den Berg hinauf. Zikaden zirpen im Gebüsch und ich fange an zu schwitzen. Wieder die Treppe herunter präsentiert sich mir ein herrlicher Blick auf die Bucht im frühen Morgenschein.
Endlich Frühstück! Kaffee! Kaffee darf nicht fehlen. Wieder draußen, mit Blick aufs Meer. Als nächstes ist Foto-Shooting angesagt, mit alten Häusern als Kulisse. Die ersten Touristen sind auch schon im Dorf eingetroffen und erkunden die Häuser und machen es sich auf den Terrassen, auf denen Holztische und -bänke unter großen Sonnenschirmen stehen, bequem. Wir besichtigen noch zwei weitere Orte von Interesse in Qinbi. Einen kleinen Matsu-Tempel, in dessen Nähe es einen Wünsch-Dir-Was-Froschbrunnen gibt und das alte Haus eines Piraten, der eigentlich mehr ein Geldeintreiber war und Schiffen, die Matsu passierten, Geld für die Durchfahrt abknöpfte.
Und das wars dann auch in Qinbi. Ein interessanter Ort mit schöner Bucht, Sandstrand, alten Häusern und einer freundlichen Gasthausbesitzerin wird in Erinnerung bleiben. Wir machen uns auf den Weg und fahren quer über die Insel zu einem weiteren von Soldaten per Picke aus Granitfelsen gehauenen Tunnel, der seltsamerweise wie der auf Nangan Beihai Tunnel heißt. Hier gibt es aber keine Gondeln oder Kajaks und wir sind auch die einzigen Besucher. Der Tunnel geht ziemlich gerade von einem Ende zum anderen und es gibt auf einer Seite einen etwas feuchten Weg mit Geländer. Was mir hier besonders gefällt ist die Beleuchtung, die den gesamten Tunnel in ein starkes Gold-Orange taucht. Die Spiegelung der vom Licht erhellten Decke auf dem stillen Wasser ist einmalig schön. Am Ende des Tunnels tost die See und ich stelle mir vor, wie gefährlich es gewesen sein muss, bei starkem Seegang Boote durch den kleinen Tunneleingang zu manövrieren.
Gegen Mittag fahren wir zum Ort Tangqi in der Nähe des Flughafens von Beigan. Wir besuchen den kleinen Laden einer 80-jährigen Oma, die es auf Matsu zu bescheidener Berühmtheit gebracht hat. Der Grund dafür sind die unscheinbaren weißen Nudeln, die man schon gleich am Eingang auf einem Holztisch ausgebreitet sieht. Dies sind Fischnudeln, hergestellt aus Fischbrei und Stärke. Die Oma, die von allen liebevoll „Ah-po“ genannt wird, demonstriert uns dann auch gleich an Ort und Stelle, wie sie die Nudeln herstellt. Schließlich werden wir dazu eingeladen, verschiedene, mit diesen Nudeln zubereitete Gerichte zu kosten. Dazu gehören sogar frittierte Nudeln, die leicht und zerbrechlich sind und auf der Zunge zu schmelzen scheinen.
Satt und zufrieden verlassen wir Ah-po und fahren ein Stück weiter unter der Landebahn des Flughafens durch und über einen schmalen Landstreifen samt Sandstrand, über den wir zum östlichen Teil von Beigan gelangen. Hier besuchen wir ein „Krieg und Frieden Gedächtnismuseum“ mit interessanten Ausstellungsstücken, die einem die Kriegsgeschichte Matsus näher bringen. Schwer vorzustellen, dass diese jetzt friedlichen Inseln einmal Schauplatz von schrecklichen Kriegsgeschehnissen waren. Etwas oberhalb des Museums gibt es eine Aussichtsplattform, die einem eine großartige Panoramaaussicht bietet. Ganz rechts sieht man die Landebahn des Flughafens, von dem wir am Abend abheben werden, links sieht man Meer soweit das Auge reicht und in der Mitte eine schätzungsweise einen Kilometer lange bergige Landzunge. Wenn wir mehr Zeit mitgebracht hätten, würde ich jetzt wohl vorschlagen, dem Wanderweg zu folgen, der etwas unterhalb der Aussichtplattform an einem nicht mehr in Betrieb befindlichen Soldatenklo mit in Tarnfarben gestrichenen Wänden beginnt und auf dem man bis zur Spitze der Landzunge gelangen kann. Vielleicht machen wir das ja beim nächsten Besuch.
Jetzt aber erst mal wieder zu einem Strand. Dazu fahren wir ans südliche Ende der Insel nach Banli. Der Strand ist nicht besonders aufregend, aber gleich daneben sehen wir einen interessanten kleinen Tempel, ganz ungewöhnlich in Gelb-Orange gestrichen. Später wird uns erzählt, dass die Farbe von Bedeutung ist und als Schutz vor Feuer dienen soll. Da Orange die Farbe von Feuer ist, so der Glaube der Einheimischen, sieht der Tempel so aus als stände er bereits in Flammen und Feuer in der Nähe wäre deswegen weniger geneigt, auf den Tempel überzugreifen. Bei diesem Tempel neben dem Strand ist die Wahrscheinlichkeit, dass in der Nähe ein Feuer ausbricht, allerdings relativ unwahrscheinlich, da er ziemlich einsam auf einem Feld steht. Wir spielen noch ein bisschen am Strand herum und machen uns dann auf den Weg zurück nach Tangqi.
Dort werden wir zum Abschluss unserer Reise von Mitarbeitern des Nationalen Naturschutzparks Matsu noch zu einem fürstlichen Abendessen eingeladen, natürlich mit ausgewählten Spezialitäten der Inseln. Bevor wir danach zum Flughafen gehen (ist nur ein paar Hundert Meter vom Ort entfernt), schauen wir noch kurz in einem Souvenirladen vorbei. Hier wird uns besonders das Gebäck empfohlen, von welchem vor Jahrzehnten schon ein früherer Präsident der Republik China schwärmte.
Dann geht’s schnell zum Flieger. Warten. Einchecken. Warten. Zum Flugzeug. Anschnallen. Warten. Einschalten von Fotoapparat nicht erlaubt. Und wir heben ab. Orange Juice? Ja, bitte! In weniger als einer Stunde ist Matsu wieder ganz weit weg und der Moloch Taipeh hat uns wieder fest im Griff. Nach der langen Hinreise per Schiff fühlt sich der kurze Rückflug irgendwie komisch, fast betrügerisch an. Als hätte man eine Abkürzung bei einem Langstreckenrennen genommen.
Unsere Matsu-Reise war zwar kurz aber sie hat mir mächtig Spaß gemacht. Das Wetter war toll, die Leute nett, das Essen lecker und gesehen haben wir auch sehr viel. Kann mir vorstellen, mal wieder hin zu fahren. Vielleicht erkunde ich dann die Inseln per Rad.
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Ein spannender Bericht über Inseln die mir bis gerade unbekannt waren. Danke. Herzlichen Gruß, Astrid
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Danke! Na ja, spannend... War mehr ein Ausflug als eine Abenteuerreise. Aber die Inseln sind wirklich interessant, obwohl nicht gerade groß.
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Ein interessanter Bericht über eine mir nicht bekannte Insel. Angenehm flüssige Scheibweise und Bilder zum Text machen es leicht, "dran" zu bleiben und mit dir unterwegs zu sein!
LG Christina -
Danke, Christina!
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