Piemont: Mit allen Sinnen reisen

Reisebericht

Piemont: Mit allen Sinnen reisen

Reisebericht: Piemont: Mit allen Sinnen reisen

Wer in das Piemont verreist, pflegt für gewöhnlich, seinen Gaumen zu verwöhnen. Wer wissen will, wie wir in den 4 Tagen unserer Kurzferien auch auf einen anderen Geschmack gekommen sind, sinn - voll reisten, ohne dass wir etwas entbehren mussten, kann hier fündig werden.

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Ghemme

Das erste Mal wurde Ghemme im Jahr 1000 schriftlich in einer Urkunde erwähnt. Im 15. Jahrhundert hatten verschiedene Familien aus Novara und Mailand Häuser und Grundbesitz in Ghemme. Im Laufe der Geschichte war der Ort Lehen verschiedener Familien, unter anderen der Tettoni (16.–17. Jahrhundert), der Homodei (17. Jahrhundert), der Modegnani (18. Jahrhundert).
Wir fragen in Ghemme nach, wo man gut essen kann. Da es Sonntag ist und unser ausgewähltes Lokal geschlossen hat, stehen wir vor Ghemmes Kirche, wo wir zwei ältere Damen treffen. Wir haben keine allzulange Reise vor uns und suchen den „Ghufo Nero“ wie empfohlen auf, „dove si mangia molto bene...“
Wir haben nicht reserviert. Il padrone schaut in dem grossen Saal mit langen gedeckten Tischen etwas ratlos herum und verweist uns an einen der Zweiertische. Die ersten Gäste treffen ein, Antipasti werden herumgereicht, nicht allzu knapp auf Platten angerichtet. Wir entscheiden uns, eine Portion zu nehmen, denn es sieht so aus, als wäre Fellini auch schon hier gewesen... Familien lassen sich an den langen Tischen nieder, ohne Zwischenräume, Mensch an Mensch, Familienessen eben, wie man es in Italien am Sonntag pflegt. Durchwegs sind diese Lokale gut und preiswert.



Sonntagsvergnügen 1



Der Geräuschpegel steigt. Zwischen den einzelnen Gängen, die appetitlich auf Carelli angerichtet werden, verstreicht Zeit. Slow Food eben, in der schönsten Ausprägung. Primo, Secondo, Dolce sind in Überfülle auf den Wägelchen angerichtet, das Personal nimmt die Teller entgegen, die der padrone mit saftigen Fleischstücken angehäuft hat, verschwindet in alle Ecken des grossen Raumes. „da, ich hätte gerne heissen Schinken, ein Stück Braten und jene Wurst...“
Bis zum Dolce verstreicht einige Zeit, denn alle Gäste werden gleichzeitig bedient. Es ist wie in einer grossen Familie. Lachende Gesichter, bambini, die gesittet auf ihren Stühlen sitzen und von Müttern oder Grossmüttern gefüttert werden, Junge Leute, alle um die Zwanzig, lachend und wild durcheinander gestikulierend, Ältere Menschen, inmitten ihrer Familie. Essen wird hier zu einer Art Ess – Theater, wir haben unseren Spass daran. Gestärkt und guter Dinge treten wir nach ungefähr zwei Stunden unsere Heimreise an. Wir haben eine tüchtige Prise Piemonte geschnuppert und freuen uns schon auf einen nächsten Besuch!



Allgemein

Das Piemont zählt zu den reichsten Gegenden Italiens. Die Arbeitslosenquote liegt mit etwa 3 % deutlich unter dem italienischen Durchschnitt (11 %). Einige der wichtigsten italienischen Unternehmen haben hier ihren Sitz, darunter die Automobilhersteller Fiat und Lancia (beide in Turin), daneben der Nahrungsmittelhersteller Ferrero in Alba und das Elektronikunternehmen Olivetti in Ivrea. Neben moderner Industrie in und um Turin, der Wollverarbeitung in Biella und den Dienstleistungsunternehmen hat auch die Landwirtschaft eine große Bedeutung: in der Po-Ebene wird neben Reis (ein Drittel der europäischen Reisproduktion stammt von hier, Piemont ist das größte europäische Reisanbaugebiet), Obst und Gemüse angebaut, die Hügelgebiete liefern Wein und Haselnüsse, im Aostatal wird Rinderzucht betrieben.

Nach Wikipedia:
„Das Piemonteser Rind ist eine Rasse des Hausrindes, die vor allem in Piemont vorkommt.
Es ist weiß-gelblich, mit grauer Melierung und dunkler Pigmentierung der Hörnerspitzen, der Augen, Ohren, der Schwanzquaste und des Flotzmauls. Das Piemonteser Rind ist mit den Zebus verwandt,( ein im indischen Sobkontinent domestiziertes Hausrind) was sich an der Schädelstruktur und vor allem im Brustwirbelbereich zeigt, wo wie beim Zebu im Unterschied zu allen anderen europäischen Rinderrassen das Ende des Dornfortsatzes gespalten ist. Das genetische Gut dieser antiken tauroindischen Rasse ist durch die jahrtausendelange Isolation im Piemonteser Voralpengebirge unverändert geblieben.
Bullen erreichen eine Widerristhöhe von 132 cm bis 140 cm und ein Gewicht von 600 bis 800 kg. Die Widerristhöhe der Kühe liegt zwischen 127 und 130 cm und ihr Gewicht beträgt 450 kg bis 500 kg.
Durch das Merkmal der Doppellendigkeit - der Schlachtkörper hat auf Kosten von Knochenanteil und Fettauflage einen höheren Anteil wertvoller Schlachtteile - ist das Piemonteser Rind eine besonders gesuchte Rasse der Fleischproduktion. Diese Eigenschaft ist allerdings mit einer hohen Schwergeburtenrate verknüpft.“ Die Slow – Food – Bewegung hat ein Qualiätslabel für diese Rasse entwickelt. Nachzulesen auf:
http://www.lagranda.it/


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Kommentare

  • Hage

    Liebe Ursula, ein lebendiger Reisebericht aus einer schönen Gegend Italiens, die mir bis jetzt ziemlich unbekannt war. Dank Deines Berichts und der schönen Fotos habe ich mehr davon erfahren. LG Hans-Georg

  • Zaubernuss

    Ich danke Dir, Hans-Georg!
    LG: Ursula

  • Blula

    Liebe Ursula! Mit Dir zu reisen, das ist ja stets ein besonderer Genuss und in diesem Fall war es nicht anders. Ich kenne ja beinahe alle Gegenden Italiens, jedoch noch immer nicht das Piemont. Eigentlich eine Schande. Nun aber, durch Deinen wunderschönen und informativen Bericht und die guten Fotografien, bin ich diesem Landstrich schon ein ganzes Stück näher gerückt. Das Piemont kommt jetzt auf meinen Wunschzettel.
    LG Ursula

  • trollbaby

    Mille grazie, Ursula, für diesen Reisegenuss! Italien liebe ich ja auch, nur leider kenne ich das Piemont noch nicht. Nach Deiner wunderbaren Vorstellung dieser Region sehe ich nun, was mir bislang entgangen ist!
    LG Susi

  • agezur

    Alles was es über Italien, speziell Norditalen geschrieben, fotografiert oder empfohlen wird lese ich immer besonders aufmerksam - sprich meist mehrmals!
    Ich liebe diese Landschaft sehr und bin immer interessiert neue Empfehlungen und Beschreibungen zu finden. Danke für deinen Bericht, der ist dafür ein Musterbeispiel !!
    LG Christina

  • Guido

    Liebe Ursula,
    eine Liebeserklärung an "Bella Italia" und seine Bewohner, das Essen und den Wein. Italien ist eben mehr als nur Rimini und Co.
    Ein grossartiger Bericht mit fantastischen Landschafts-Aufnahmen.
    Liebe Grüsse
    Guido

  • Zaubernuss

    Ich danke Euch allen für Eure freundlichen Kommentare!
    LG: Ursula

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  • mpics

    Dein Titel hält, was er verspricht! Man kommt ins Träumen und zwar auf italienisch! :-)
    Ein selten guter und informativer Reisebericht!
    lg Michael

  • ingepeter (RP)

    Liebe Ursula, eine wahrlich schmackhafte Reise, schade, dass ich meinen Hunger nicht mit diesen Genüssen stillen darf. Pizza in Italien ist zwar meist gut, aber nicht die ersehnte typisch italienische Gaumenfreude. Eine Freude sind auch die Fotos, ganz besonders die atmosphärischen Eindrücke in den Abendstunden. Danke auch für den Hinweis auf den Osteria/Slow Food Reiseführer ... Gruss Inge

  • cirrus

    Jetzt gefunden.. und es liest sich immer noch zauberhaft.
    Macht Lust die Gegend zu "erfahren"....
    Liebe Grüße Christel

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