Piemont: Mit allen Sinnen reisen

Reisebericht

Piemont: Mit allen Sinnen reisen

Reisebericht: Piemont: Mit allen Sinnen reisen

Wer in das Piemont verreist, pflegt für gewöhnlich, seinen Gaumen zu verwöhnen. Wer wissen will, wie wir in den 4 Tagen unserer Kurzferien auch auf einen anderen Geschmack gekommen sind, sinn - voll reisten, ohne dass wir etwas entbehren mussten, kann hier fündig werden.

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Vercelli

Im Herzen Vercellis, zwischen richtungsgetrennten Fahrbahnen, ist ein Grünstreifen angelegt. der für die Bevölkerung der Reisstadt zur Erholung dient. Auf 900 Metern (!) Gibt es für Fussgänger, Fahrräder und Kinderwagen ...genügend Raum.
Am Sonntagmorgen zeigt sich die sonst lebhafte Metropole des Reisanbaus äusserst ruhig. Auffallend: die vielen älteren Männer im Strassenkaffee.



Morgenkaffee



An einer alten Kirchenmauer entdecke ich ein Relief, das mich sehr interessiert. Die Erklärung für das Flechtmuster finde ich bei Wikipedia:



Jagdzene mit Flechtmuster



„Ornamente aus Flechtwerk und Knoten sind geographisch über den größten Teil des Abendlandes verbreitet. Zeugnisse sind erhalten aus frühen Kulturen seit der Bronzezeit, der keltischen Kunst, den Verbreitungsgebieten der hellenistisch-römischen Kultur, den islamisch-maurischen Kulturen. Eine Hochblüte erlebte das Flechtornament im frühen Mittelalter und in der Buchmalerei bis in die Renaissance.“



Kentaur



Gleich daneben eine andere Relieftafel. Die Symbolsprache der Antike scheint hier noch lebendig zu sein:
Als Mischwesen werden die Kentauren als lüsternes und unbeherrschtes Volk bezeichnet . Abstammung laut Wikipedia: Die Kentauren sollen von Ixion, dem König der Lapithen in Thessalien, und einer Wolke abstammen, der Hera auf den Rat des Zeus ihre Gestalt gegeben hatte, als sie der betrunkene Ixion bei einem Gelage der Götter belästigte. Als Ixion das Trugbild „anstach“, zeugte er damit entweder einen Bastard, den Kentauros, der sich später mit den Stuten des Magnesias paarte und damit die Kentauren schuf, oder aber die Kentauren entstanden direkt aus dieser Wolke, die den Namen Nephele bekam.




Teatro Civico



Doch nun zum Zentrum Vercellis mit der Piazza Cavour. der Engelsturm oder Torre dell'Angelo überragt den Platz. Er stammt aus dem 14. Jahrhundert. Darunter ein ockerfarbiges Gebäude aus der gleichen Zeit. Es steht unter Denkmalschutz und wird deshalb wohl noch eine Weile vor sich hinbröckeln, bevor sich der Staat seiner annimmt. Die Renovation dieses Gebäudes wäre sehr kostspielig, so dass sich die Bewohner des Hauses eine Sanierung nicht leisten können.



Romeo und Julia in Vercelli



In der Nähe des Bahnhofs, wo wir unser Auto parkiert haben, staunen wir über die gigantischen Ausmasse der Basilika Sant'Andrea. Sie ist nur schwer abzulichten, weil zu nahe fotografiert werden muss.



Basilica Sant'Andrea



Der mächtige Kirchenbau ist um 1224 entstanden. Die reich gegliederte Basilika ist aussen romanisch, innen gotisch. 1291 fand die Grundsteinlegunge statt. Wegen der hohen finanziellen Mittel konnte der Bau bereits 1227 vollendet werden. Der unbekannte Baumeister schuf eine der ersten gotischen Raumkonzepte auf italienischem Boden. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurden Renaissanceelemente eingebaut. Der freistehende Campanile stammt aus dem 15. Jahrhundert. Beachtenswert sind die zahlreichen Schmuckelemente der Fassade.



Campanile



Die Basilika gilt als das berühmteste Monument der Stadt. Die dem Heiligen Andreas geweihte und von dem Kardinal Guala Bicchieri zwischen 1219 und 1227 errichtete Kirche stellt eines der italienischen Bauwerke dar, die sich in Art und Form an den französischen Gotikstil anlehnen. Die Fassade, die sich durch ihre farbliche Ausgeglichenheit kennzeichnet, vereint lombardisch-emilianische Motive (Satteldach, Rundbogenportale, Rahmen, doppelte Loggienordnung) mit provenzalischen und normannischen Elementen (Ausschmiegung der Portale, Seitentürme und ihre Giebel, Kapitelle). Oberhalb des Vierungsturms mit mittelalterlichem oktogonalem Sockel, erhebt sich ein oktogonaler Glockenturm, über dem ein für die Benediktiner- und Zisterzienser-Kloster typischer pyramidenförmiger Giebel aus Stein herrscht. Im Jahr 1818 wurde der Auftrag für die Restaurierung dieses Komplexes vergeben, der schon zu jenem Zeitpunkt den Gläubigen nicht mehr zugänglich war. Die unter der Leitung von Carlo Emanuele Arborio Mella durchgeführten Restaurierungsarbeiten wurden im Jahr 1840 fertig gestellt.
Leider waren die Kirche und das Kloster nicht zugänglich. Wir versparen uns den Besuch auf später...


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Kommentare

  • Hage

    Liebe Ursula, ein lebendiger Reisebericht aus einer schönen Gegend Italiens, die mir bis jetzt ziemlich unbekannt war. Dank Deines Berichts und der schönen Fotos habe ich mehr davon erfahren. LG Hans-Georg

  • Zaubernuss

    Ich danke Dir, Hans-Georg!
    LG: Ursula

  • Blula

    Liebe Ursula! Mit Dir zu reisen, das ist ja stets ein besonderer Genuss und in diesem Fall war es nicht anders. Ich kenne ja beinahe alle Gegenden Italiens, jedoch noch immer nicht das Piemont. Eigentlich eine Schande. Nun aber, durch Deinen wunderschönen und informativen Bericht und die guten Fotografien, bin ich diesem Landstrich schon ein ganzes Stück näher gerückt. Das Piemont kommt jetzt auf meinen Wunschzettel.
    LG Ursula

  • trollbaby

    Mille grazie, Ursula, für diesen Reisegenuss! Italien liebe ich ja auch, nur leider kenne ich das Piemont noch nicht. Nach Deiner wunderbaren Vorstellung dieser Region sehe ich nun, was mir bislang entgangen ist!
    LG Susi

  • agezur

    Alles was es über Italien, speziell Norditalen geschrieben, fotografiert oder empfohlen wird lese ich immer besonders aufmerksam - sprich meist mehrmals!
    Ich liebe diese Landschaft sehr und bin immer interessiert neue Empfehlungen und Beschreibungen zu finden. Danke für deinen Bericht, der ist dafür ein Musterbeispiel !!
    LG Christina

  • Guido

    Liebe Ursula,
    eine Liebeserklärung an "Bella Italia" und seine Bewohner, das Essen und den Wein. Italien ist eben mehr als nur Rimini und Co.
    Ein grossartiger Bericht mit fantastischen Landschafts-Aufnahmen.
    Liebe Grüsse
    Guido

  • Zaubernuss

    Ich danke Euch allen für Eure freundlichen Kommentare!
    LG: Ursula

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  • mpics

    Dein Titel hält, was er verspricht! Man kommt ins Träumen und zwar auf italienisch! :-)
    Ein selten guter und informativer Reisebericht!
    lg Michael

  • ingepeter (RP)

    Liebe Ursula, eine wahrlich schmackhafte Reise, schade, dass ich meinen Hunger nicht mit diesen Genüssen stillen darf. Pizza in Italien ist zwar meist gut, aber nicht die ersehnte typisch italienische Gaumenfreude. Eine Freude sind auch die Fotos, ganz besonders die atmosphärischen Eindrücke in den Abendstunden. Danke auch für den Hinweis auf den Osteria/Slow Food Reiseführer ... Gruss Inge

  • cirrus

    Jetzt gefunden.. und es liest sich immer noch zauberhaft.
    Macht Lust die Gegend zu "erfahren"....
    Liebe Grüße Christel

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