Reisebericht

Reisebericht: Delfine in Sanremo

Reisebericht: Delfine in Sanremo

Wann immer ich meinen Kollegen, Freunden oder sonst jemandem erzähle, dass ich mal wieder für zwei, drei Tage nach Sanremo fahre, um Delfine oder Wale zu beobachten, dann ernte ich meist nur ein leises „Toc, Toc, Toc“, das dadurch entsteht, dass sich die angesprochenen mit der Fingerspitze an den Vorderkopf klopfen. Die Leute glauben einfach nicht, dass es diese Tiere in Italien tatsächlich gibt.

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Es geht los! Zunächst aber nur der Küste entlang.

Die Sonne kommt raus, über Land aber noch dichte Wolken. Überm Meer Sonne. Ganz komische Stimmung. Trotzdem freu ich mich. Als wir ablegen, sind vielleicht zehn Leute an Bord, wenn´s hoch kommt. Das ist mir aber egal. Hauptsache, ich hab mir den Platz vorne am Bug gesichert. Wir fahren zunächst in Sichtweite der Küste Richtung Osten. Viel zu nah an der Küste, um hier in der Gegend Delfine zu sehen. Bei jedem der Orte rätsel ich, ob ich sie noch kenne, aber die Stadtsilhouetten habe ich in den 5 Jahren, die ich nicht mehr hier war, komplett aus meinem Gedächtnis gelöscht.



 
 
 
 
 

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Imperia

 
 
 
 
 

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Den Ort allerdings kenne ich aus Tausenden heraus. Mit dem Dom oben am Hügel kann das nur Imperia Porto Maurizio sein. Dacht ich mir´s doch, dass die mit 10 Leuten nicht rausfahren. Hier am Kai von Imperia stehen nochmal etwa 50. Das macht weiter aber nichts, weil die Corsara sicher auch noch das Doppelte verkraften könnte. Kaum 10 Minuten später legen wir wieder ab und fahren nun schnurstrakts raus aufs offene Meer. 18 Knoten macht die Corsara, wenn sie volle Kraft fährt. Das sind etwa 33 km/h. Da lacht sich ein Delfin ´nen Ast. Der, wenn er fliehen müsste, schafft locker 20 km/h mehr. Im Durchschnitt aber fährt die Corsara mit weniger als 20 km/h. Das unterscheidet Whalewatching in Ligurien beispielsweise mit Whalewatching auf den Azoren, wo die Unternehmen mit teilweise affenschnellen Zodiacs unterwegs sind. Nach 25 Minuten ragt auf der Backbord-Seite eine Flosse aus dem Meer. Alles ist total aufgeregt, nur die Besatzung nicht. Ich schätze, dass wir eben an einem Mondfisch vorbeigefahren sind. Ein Delfin jedenfalls war das nicht.



Hinaus auf´s offene Meer!

 
 
 
 
 

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Die Küste verschwindet langsam hinter uns. ´Ne halbe Stunde später sind wir – geschätzt – 20 km weit draußen. Man sieht jetzt nichts mehr von der Küste. Nur diesen Riesen-Pott, die dänische Lexa Maersk. Die muss jetzt ja nun wirklich nicht sein! Da können wir Delfine-Gucken gleich abschminken. Die Stimmung sinkt. Um uns bei Laune zu halten, erklärt die Biologin, wo wir gerade sind und dass man hier die Möglichkeit hat, 8 verschiedene Delfinarten zu entdecken.(Anmerkung: Das stimmt nicht ganz, es sind, wie weiter oben schon geschrieben, 4 Wal- und 4 Delfinarten) „Sie können uns bei der Beobachtung helfen. Melden Sie sich, wenn sie was entdecken.“. Übrigens, solltet ihr auch mal mit der Corsara fahren, werdet ihr die Frau auf jeden Fall wieder erkennen, denn fast jeden Satz beendet sie mit einem „okay?“, bei dem sie das a und das y hinten nach oben zieht. Das ist dermaßen auffällig und auch nervig. Ich hab mal mitgezählt, in 2½ Minuten 22 „Okays“. Das ist sicher Guinness-Buch-Rekord verdächtig. Ob sie selbst das weiß?

Inzwischen ist das Containerschiff aus unserem Blickfeld verschwunden. Wir sind nun das einzige Boot weit und breit. Es ist total ruhig. 50, 60 Augenpaare und die Corsara-Spezialisten mit ihren roten Augen scannen den Horizont ab. Ich selbst kann nirgendwo etwas sehen. Meine Augen sind zu Schlitzen zusammengekniffen, denn es ist gleißend hell. Das Einzige, was ich sehe, ist, dass wir nun in einen Bereich vordringen, in dem die Wasseroberfläche heller erscheint als im übrigen Meer. Ist das Meer hier sauerstoffreicher? Werden wir hier Delfine finden? „Wir sind 11 Meilen (20 km) draußen“, sagt die Biologin, „an einer Stelle, wo das Meer 1500 m tief ist.“ (Nur so am Rande. Von hier aus bis nach Korsika sind es noch etwa 140 bis 150 km. Wir sind also so gesehen relativ nahe an der Ligurischen Küste!)




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Kommentare
  • agezur 02.08.2012 | 19:02 Uhr

    Danke für's mitnehmen. Ich hab gerne diesen Bericht gelesen, oder noch besser ich war gerne mit dir unterwegs. Du verstehst es, Spannung aufzubauen und Vergangenes mit Neuem zu verküpfen. Ein sehr lebendiger und unterhaltsamer Bericht der vor allem Individualisten anspricht!
    LG Christina

  • barbarellasicilia (RP) 05.12.2012 | 19:29 Uhr

    für eine Woche Delfine und Wale im Ligurischen Meer an Bord eines Walforschungssegelschiffes beobachten: www.lamar-reisen.de/wale-und-delfine/ligurien/

  • slides-only 05.12.2012 | 19:33 Uhr

    Natürlich geht es mit Lamar-Reisen auch. Aber viele wollen nicht gleich ne ganze Woche auf See und da ist http://www.sanremocetacei.it/ für mich einfach die bessere Wa(h)l.
    Rüdiger

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