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Reisebericht: Südfrankreich - Lavendelblüte in der Haute- Provence
Das Department „Alpes de Haute Provence“ befindet sich im sonnigen Südosten Frankreichs. Auf engem Raum entdeckt man hier unterschiedlichste Landschaften: schroffe, bizarre Gebirgszüge mit wild zerklüfteten Schluchten; sanfte Hügelketten und weite Ebenen; dichte Wälder, karge Plateaus, Weinberge, Olivenhaine und Lavendelfelder.
Durch die „Montagne du Lubéron“
Unsere heutige Tour führt uns durch die Landschaft des Lubéron, einen ca. 60 km langen Bergrücken (727 - 1.124m) und den „Parc Naturel regional du Lubéron“. Üppige Natur wie Pinienwälder und Weinfelder aber auch zerklüftete Felsen und karge Gipfel prägen das Landschaftsbild. Dazwischen malerische Dörfer, die sich an Felshänge schmiegen.
Manosque und Pertuis sind unsere ersten Stationen, ehe wir in Ansouis in Sichtweite des Château du Ansouis, unter uralten Platanen eine Mittagspause einlegen. Der Balzgesang von gefühlten Millionen von Zikaden ist ohrenbetäubend. Wie halten die Dorfbewohner das nur aus !?!? Den vorzüglichen Geschmack des frischen Salats mit rohem Schinken und warmem Ziegenkäse mindert der Lärm dennoch nicht.
Die Temperatur steigt. Die Hitze senkt sich bleischwer herab. 38° Grad werden angezeigt. Also wieder auf den Motorroller geschwungen und den - zugegeben warmen - Fahrwind genossen. Kleine Nebenstraßen, auf denen der Teer gelegentlich zu entkommen versucht, führen uns über Loumarin (ältestes Renaissanceschloss der Provence), Lacoste (u.a. bekannt durch das oberhalb des Ortes liegende ehemalige Schloss des Marquis de Sade), Menerbes (Abbaye de Saint-Hilaire) nach Gordes, Wie ein Adlerhorst thront die kleine Stadt mit ihren engen Gassen und hohen, schmalen Häusern malerisch hoch über dem Tal des Calavon auf dem Berg, überragt vom trutzigen „Chateau de Gordes“.
Wenige Kilometer weiter liegt versteckt in den Hügeln und nur durch eine schmale Zufahrtsstraße zu erreichen das 1148 gegründete Zisterzienserkloster Notre-Dame de Sénanque. Das Leben wird hier noch nach dem Jenseits und der Lavendel nach Süden ausgerichtet. Die Strenge des Bauwerks entspricht dem Geist des Ordens, nach dem die Gebäude völlig schmucklos sein müssen, um die Mönche nicht vom Wesentlichen abzulenken. Das Kloster ist ein Fotomotiv par excellence und ein Wahrzeichen der Provence. Mit der Stille vergangener Zeiten ist es allerdings vorbei. In der Hochsaison herrscht im Kreuzgang Rushhour.
Auf der Rückfahrt machen wir noch eine Rast in Apt, der „Welthauptstadt der kandierten Früchte“ und einer der frühesten Bischofssitze der Region. Apt liegt umgeben von Obstplantagen und Rebflächen an der „Via Domitia“, der alten Römerstraße von Mailand nach Arles. Wir bummeln noch ein wenig durch die hübsche Altstadt, genießen einen großen Café au lait, dann führen uns kilometerlange, alte Platanenalleen zurück.
Rund um den „Lac de Serre-Ponçon“
Der Lac de Serre-Ponçon, Europas größtes Kunstgewässer, wurde 1960 geflutet und erstreckt sich über 3.000 ha. Zwischen Espinasses und Embrun ist der See 20 km lang und kann ca. 1.3 Mio. m³ Wasser aufnehmen, die von einem mächtigen Staudamm gebändigt werden. Entlang des Sees verläuft eine malerische Straße, die ihn fast in seiner Gesamtheit umfährt. Auf der kurvenreichen Strecke ergeben sich uns immer wieder atemberaubende Aussichten auf idyllisch gelegene, malerische Buchten, das türkisblaue Wasser und ein sonnenverwöhntes Bergpanorama im Hintergrund. Einige Aussichtspunkte zwingen uns einen Halt förmlich auf. In zahlreichen Windungen folgt die gut befahrbare Straße dem Berghang über dem fjordartigen Ufer des Sees, scheint sich zu entfernen und in den umliegenden Bergen zu verschwinden, um dann nach der nächsten Kurve vor einem prachtvollen Seepanorama wieder hoch über dem See aufzutauchen.
In der südalpinen Festungsstadt Embrun am Nordostufer des Sees gönnen wir uns und der Siwi eine Pause. Ein Baguette und der obligatorische Café au lait für uns und einige Tropfen Öl für den Roller. Tip: Sehenswert ist der mittelalterliche Wehrturm Tour Brune (die Aussicht entschädigt für 132 beschwerliche Treppenstufen) und die freskengeschmückte Kirche Notre-Dame du Réal aus dem 12. Mehr Jh., eine provençalische Pfeilerbasilika mit einer der ältesten Kirchenorgeln von Frankreich (15. Jh.). Wir verlassen Embrun in südliche Richtung und riskieren dabei nochmals einen Blick zurück. Die Silhouette der Stadt auf ihrer Felsterrasse hoch über der Durance ist herrlich. Dann kommt uns auch gleich wieder der Lac de Serre Ponçon ins Blickfeld.
Im Örtchen Savines-les-Lac am Ufer des Sees biegen wir auf die D954 und D7 ab. Die kleinen Sträßchen sind kaum befahren und das Kurvenwedeln ist Fahrspass pur.
Hoch über dem See stoßen wir auf eine ganz und gar ungewöhnliche Besonderheit der Natur: die Erdpyramiden /Feenkamine "Demoiselles Coiffèes". Diese sind durch Verwitterung entstanden, wobei die Hüte durch festere Gesteinsschichten gebildet werden, so dass die Witterung nur die ungeschützten Bereiche erodiert. Leider hat sich am Fuße der Pyramiden ein großer Souvenirstand breitgemacht.
Zurück am Ufer des Stausees machen wir beim Weiler Greolier noch einen Abstecher auf der D900c in die (Schlucht) Georges de la Blanche. Erst geht es auf schmalster Straße den Abgrund entlang; dann weitet sich die Schlucht zum Tal und vor uns liegen weite, hellrote Mohnfelder in der Nachmittagssonne der Haute-Provence. Ein traumhafter Abschluss der heutigen Tour.
Col de la Bonette & Col de la Lombarde
Die nördliche Auffahrt zum „Dach der Alpen“ beginnt im Ubaye-Tal von Jausiers. Direkt am Ortsausgang beginnt sich das Asphaltband im stetig enger werdenden Tal kurvenreich himmelwärts zu schrauben. Auf ca. 2.600m Höhe erreichen wir bei Km 20 die Überreste der „Casernes de Restefond“, eine alte Festungsanlage. Die Gegend war jahrelang ein umkämpftes Grenzgebiet zu Italien. Die Straße zieht sich weitere 2 km am Berghang entlang, und wir passieren den zwischengelagerten „Col de Restefond (2.680). Die grünen Berghänge haben hier längst einer kargen, braunen und felsigen Hochalpenlandschaft Platz gemacht. Es wird spürbar kälter. Über dem vor uns liegenden Berggipfel hängt eine dunkle Wolkenwand und der Wind nimmt stetig zu. Jetzt nur kein Regen ! Endlich ist der Pass (2.715) erreicht. Von hier oben haben wir einen atemberaubenden Rundblick über den Nationalpark „Parc National du Mercantour“, den die Passstraße im weiteren Verlauf durchquert. Auf die Klettertour hinauf zur Cime de la Bonette (2.802) verzichten wir heute, da der Wind mittlerweile gefühlte Sturmstärke erreicht hat und unsere Silver Wing kräftig durchschüttelt. Gemütlich ist anders! Noch schnell ein Gipfelphoto geschossen, dann geht es knapp unterhalb des Kammes den Hang entlang wieder talabwärts. Ich weis nicht, was mir dabei mehr den Atem nimmt; der böige Wind oder der Klammergriff der besten Sozia der Welt.
Die Abfahrt ins Tal der Tinée mit seinen weinroten, steil aufragenden Felswänden wird immer wieder durch kurze Fotostopps unterbrochen. Vor lauter Landschaft genießen kommen wir fast nicht zum Fahren; die Aussicht auf die grandiose Bergwelt ist einfach zu schön.
Im grässlich anzuschauende Wintersportort Isola 2000 - wie kann man hier im Sommer nur freiwillig Urlaub machen - beginnt unser Anstieg zum Col de la Lombarde (2.350). Der Pass markiert die Grenze zwischen dem französischen Département Alpes-Maritimes und der italienischen Region Piemont und verbindet die Täler der Tinée und der Stura di Demonte. Die ersten Kilometer durch das schluchtartige Tal sind steil und kurvenreich, doch unbeeindruckt schraubt sich die Silver Wing aufwärts. Dann weitet sich das Tal mehr und mehr und wir erreichen eine karge Alm mit einem Landschaftsbild der besonders steinigen Art: Fels und Geröll in allen möglichen Farben, rundum schroff dem Himmel zustrebende Berge und mittendrinn: eine Pommesbude !
Langeweile kommt auch bei Abfahrt nicht auf. Schöne Serpentinengruppen machen Fahrfreude. Bis zu 14% Gefälle und die recht schmale Straße fordern jedoch ständige Konzentration. Vom italienische Vinadio aus geht es über den Col de Larche (1.948m), einem nicht besonders spektakulären Alpenpass, eingebettet zwischen den mächtigen Gipfeln des Tête de Moise (3.104 m) und denen des Tête de l'Enchastraye durch das Tal der Ubaye zurück.
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