Island 2011 - Version 2 - Gliederung nach Themen

Reisebericht

Island 2011 - Version 2 - Gliederung nach Themen

Reisebericht: Island 2011 - Version 2 - Gliederung nach Themen

Eine Reisebeschreibung einer Islandreise im Mai/Juni 2011 nach Stichworten, die auf einen chronologischen Erzähl-Ablauf weitgehend verzichtet. Es handelt sich um eine Rundtour mit Auto und Zelt, mit den Schwerpunkten, Tiere und Landschaften zu erleben.

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Einsamer Taucher in der Nacht ... (1)



Walfang

Natürlich lässt sich das Thema "Wale" nicht abschließen, ohne nicht wenigstens das Thema "Walfang" gestreift zu haben. Seit 2006 wurde in Island die kommerzielle Jagd auf Wale wieder freigegeben. Keine hemmungslose Jagd, sondern in Lizenz nach jährlich festgelegten Quoten. Regierung und Walfang-Lobby berufen sich auf das Recht zur Nutzung natürlicher Ressourcen und einer nachhaltige Jagd, die nur einen unerheblichen Bruchteil der Population entnimmt, der problemlos regeneriert werden könne. Auch die Fischfanglobby setzt sich indirekt für Walfang im Sinne einer Steigerung der Fangerträge ein. Nach dem Motto: Was nicht im Walmagen landet, kann zusätzlich aus dem Meer gefischt werden.

Betroffen vom Walfang sind Zwergwale und Finnwale. 2011 wurde eine Quote von 337 Zwergwale und 154 Finnwale zum Abschuss freigegeben, angeblich eine im letzten Moment getroffene Trotzentscheidung der - auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2009 - abgewählten konservativen Regierung unter Geir Harde. Die von der sozialdemokratisch - grünen Nachfolgeregierung nicht rückgängig gemacht wurde. Von dieser freigegebenen Quote wurde allerdings nur ein Bruchteil, nämlich 58 Zwergwale, erlegt.. Finnwale hingegen wurden überhaupt keine erlegt. Das liegt daran, dass die Isländer Finnwal nicht mögen und insofern keine Nachfrage besteht.

Daher wird Finnwal nach Japan exportiert. Wegen der Tsunamikatastrophe von März 2011 ist jedoch auch dieser Exportmarkt weggebrochen, so dass die Jagd auf Finnwale (vom einzigen Lizenznehmer) vorläufig und bis auf weiteres eingestellt wurde. Ersatzabsatzmärkte finden sich keine, der Handel mit Walfleisch ist ohnehin schwierig und in den meisten Ländern der westlichen Welt verboten (außer Norwegen und Japan).

Walfang ist nicht für alle Isländer ein Thema. Die meisten Isländer könnten wohl darauf verzichten. Die Tradition des Walfleischkonsums, die häufig als Begründung herhalten muss, hat heute nicht mehr die Bedeutung früherer Zeiten. Dass Wale, rein materiell und volkswirtschaftlich betrachtet, mehr Wert sind als der Gegenwert von Fleisch und Tran, haben die Whale watching - Unternehmen in Husavík bewiesen. Diese fingen 1995 an und konnten ihre Aktivitäten und Umsätze nach und nach steigern. Sie haben sich selbst, aber auch dem Ort, zu einem spürbaren Aufschwung verholfen. Wer in Husavík war und gesehen hat, wieviele Ausfahrten pro Tag durchgeführt werden, die zumeist voll ausgebucht sind, die ganze Haupt- und Mittelsaison hindurch, braucht nur einmal grob überschlägig zu rechnen, um die Wertschöpfungskette des Clusters "Waltourismus" zu verstehen.

So gesehen, gehe ich davon aus, dass sich das Thema "Walfang in Island" bald von selbst erledigen wird. Zumal Island ohnehin in die EU drängt, die Beitrittsverhandlungen laufen ja gerade. Diese werden nicht am trotzigen Beharren der Isländer auf Beibehaltung des Walfangs scheitern. Eher schon am Widerwillen, Souveränitätsrechte an Brüssel abzugeben und sich von dort aus in die Festlegung der Fischfangquoten hineinreden lassen zu müssen. Dieser mit dem EU-Beitritt verbundene Souveränitätsverzicht in eigenen Hoheitsgewässern, wäre für die Isländer schon eher eine "dicke Kröte", die sie zu schlucken hätten.

Allerdings ist zu hören, dass Skeptiker und Gegner eines EU-Beitritts in Island wieder mehr Aufwind bekommen haben sollen. In dem Maße, wie sich die isländische Wirtschaft vom Finanzcrash 2008 nach und nach erholt, steigt auch wieder das nationale Selbstbewusstsein. Und der Drang nach bündnis-politischer Unabhängigkeit, der Teil des isländischen Selbstverständnisses ist.

Die Entwicklung ist noch völlig offen und bleibt abzuwarten...



Einsamer Taucher in der Nacht ... (2)


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Kommentare

  • RELDATS

    Gefällt mir gut, der Bericht und die Bilder, so wie mir Island
    selbst gefallen hat.
    Nette Grüße von Josef

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