1001 Nacht zu Besuch in der Realität - Marrakesch und der Atlas

Reisebericht

1001 Nacht zu Besuch in der Realität - Marrakesch und der Atlas

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Ein dritter Tag in Marrakesch? Es gibt noch einiges zu sehen...

Ein interessantes Viertel mit einigen Überraschungen ist das alte jüdische Viertel Mellah. Gegründet Ende des 15. Jahrhunderts zur Aufnahme der aus dem maurischen Andalusien vertriebenen Juden, teilen sich heute die Mitglieder der immer noch existierenden jüdischen Gemeinde das Viertel mit arabischen Nachbarn - ein vielfältiges und friedliches Nebeneinander.
Nachdem wir uns in der Medina nach ein paar Tagen ganz gut auskannten, haben wir den jüdischen Friedhof und das alte jüdische Viertel als Ziel gewählt - und wir waren überrascht von den Ausmaßen des Friedhofs (verglichen mit europäischen), vom Besuch in der Synagoge (die wir gar nicht auf dem Plan hatten) und vom Angebot in den hier ansässigen Kräuter- und Gewürzläden.



Überraschend groß angelegt



Ein - im wahrsten Sinn des Wortes - atemberaubendes Erlebnis bietet das Gerberviertel von Marrakesch...
Wir wollten das Gerberviertel sowieso sehen, ein "Guide" meinte, er müsste uns dahin begleiten, aber wir machten ihm klar, dass wir den Weg auch ohne ihn finden würden. In einer der Gerbereien wurden wir dann mit den üblichen "Berber-Gasmasken" (Minze-Bündel) empfangen. Dann wurden wir - verglichen mit den anderen gelesenen Bewertungen - wirklich ausführlich durch mehrere Betriebe geführt, alle Bearbeitungsschritte wurden uns gut erklärt. Uns hat dann sogar der Besuch im Teppichgeschäft noch Spaß gemacht... Und mit 50 Dirham war unser Führer zufrieden.
Angesichts des wirklich extremen Gestankes wird es für uns aber - auch bei weiteren Reisen nach Marrakesch - bei diesem einen Besuch bleiben...



Atemberaubend und interessant



Der Weg zum Jardin Menara ist zum einen ziemlich lang und zum anderen sehr sonnig - also bietet es sich an, für den Weg eine der Kutschen zu mieten, die zwischen Place Djemaa el Fna und Koutoubia auf Kundschaft warten. Verglichen mit ähnlichen Gefährten in Wien oder anderen Städten ist die Fahrt auch durchaus preiswert (hin und zurück inklusive Warten des Kutschers für 2 Personen 200 Dirham).
Die Anlage ist eine Mischung aus Nutz- und Lustgarten - tausende Olivenbäume, unzählige Orangenbäume und Dattelpalmen umgeben das große Bassin mit dem kleinen Pavillon. Hier traf der Pascha von Marrakesch seine Geliebten und es hält sich das Gerücht, dass er die jeweilige Dame nach dem Rendezvous vom kleinen Balkon ins Wasser stieß und sie so ertränkte. Nach einer entsprechenden Tatort-Begehung wurde uns aber klar, dass das so nicht funktioniert haben kann... Mit einem Stoß ist das Wasser nicht zu erreichen, da hätte der Herr sein Opfer schon mit Schwung ein paar Meter weit werfen müssen...
Eine zauberhafte Atmosphäre hat der Pavillon aber ohne Zweifel - und angeblich ist er auch heute noch abendlicher Treffpunkt für Marrakeschs Liebespaare.



Zauberhafter Treffpunkt



Schon im 12. Jahrhundert wurden im Jardin de l'Agdal die ersten Oliven- und Granatafpel-Bäume gepflanzt - und heute ist die riesige Anlage für Marrakesch Ausflugsziel, Nutzgarten und Touristenattraktion in einem.
Bei unserem Besuch war nur ein kleiner Teil des Gartens zugänglich - und selbst hier waren wohl 100.000 Olivenbäume zu sehen, dazu zahlreiche Orangenbäume und Palmen. Außerdem werden hier offensichtlich alle Bäume, Sträucher und Blumen gezogen, die irgendwann irgendwo in der Stadt in öffentlichen Grünanlagen gepflanzt werden sollen. Interessant ist es auch, das Bewässerungssystem hier einmal "live" zu sehen, das sonst meist im Verborgenen bleibt.
Eine Sehenswürdigkeit der besonderen Art verbirgt sich meist im trüben Wasser des größten Bassins, kommt aber bei Fütterungen mit Brot schnell zum Vorschein: Karpfen in U-Boot-Größe!



Pflanzendepot für die Stadt


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Kommentare

  • 238EWT

    Schon 1982 bei einem Besuch Marrakechs wurde mir bewusst, dass ein zweitägiger Aufenthalt nicht ausreichen würde, um nur annähernd die Sehenswürdigkeiten dieser Stadt zu entdecken. Das mittelalterliche Flair nahm mich - winterlicher Kälte und Dauerregen zum Trotz - schon deshalb gefangen, weil ich um diese Zeit kaum anderen Touristen begegnete. Du hast mit Deinem informativen Reisebericht das nachgeholt, was mir damals entging.

    Eine Anmerkung zum Jardin Ménara: Ein Wärter zeigte mir nicht nur gegen einige Dirham in einem Schuppen die Reste eines Bootes, das mit samt dem ungeliebten Pascha von politischen Gegnern im Bassin in die Luft gesprengt worden sei. Jener habe dieses Los wegen seiner verschwenderischen und korrupten Lebensweise verdient gehabt. Von nach dem Liebesspiel versenkten Mätressen hat er nicht berichtet. Dafür von tausenden mit dem Aushub des Bassins zwangsverpflichteten Arbeitern, die nach Fertigstelung desselben durch Flutung bewusst ertränkt worden seien. Wahrheit oder ein orientalisches Märchen? Wikipedia gibt darüber keine Auskunft.

  • Blula

    Hallo Brigitte! Einen sehr schönen Bericht hast Du hier reingestellt. Da ich vor Jahren auch einmal in Marokko gewesen bin, bin ich hier quasi auf Deinen Spuren gewandelt. Konnte mich an Vieles erinnern und die Bilder kamen mir sogleich wieder vor Augen. Das Lesen Deines Berichtes hat mir auch deshalb viel Freude gemacht.
    LG Ursula

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