Reisebericht

Reisebericht: Oststeiermark und Umgebung

Reisebericht: Oststeiermark und Umgebung

Da wir sehr gerne die Landschaften besuchen, in denen Weinbau betrieben wird, sollte es diesmal die Oststeiermark mit Abstecher in den Süden sein. Da die slowenische Grenze sehr nah ist, lohnt auch ein Ausflug in das Nachbarland.

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Riegersburg

 
 
 
 
 

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Wir hatten die Qual der Wahl, es gibt so viele Burgen und Schlösser in der Südöstlichen Steiermark. Wir wählten die Riegersburg östlich von Graz, nahe der ungarischen und der slowenischen Grenze, umgeben von Weinhügeln, Feldern und Obstanbauflächen. Schon von weitem ist die prächtige Burg auf dem höchsten Hügel zu sehen.

Das Dorf selbst ist klein und schnell durchschritten, zur Burg muss man steil hinauf. Es gibt zwar einen Aufzug, den wollten wir jedoch nicht nehmen. Klettern wollten wir allerdings auch nicht, was ebenfalls im Angebot war. Es bieten sich durch jedes der Tore hindurch lohnende Ausblicke sowohl bergauf als auch bergab. Innerhalb des Burgeländes wird seit den Zeiten der Burgherrin Elisabeth Katharina Wechsler, verehelichte Freifrau von Galler, genannt die “Gallerin” oder die „schlimme Liesl“ die Mitte des 17. Jahrhunderts ein erstaunlich emanzipiertes Leben führte, Wein angebaut. Mir hat es gut gefallen, dass die Weinstöcke zu den Schießscharten hinauswuchsen. „Die beste Verwendung für Schießscharten überhaupt.“ Das war mein Gedanke, als wir auf einem Vorplatz der Hauptburg gelangten, der in einem großen Rund an den Mauern entlang an die Toten der beiden Weltkriege gemahnt.

Die Burg selbst ist gut erhalten bzw. gut restauriert. Den Sommer über ist sie zu besichtigen und damit auch die Ausstellung über die Hexenverfolgung in der Steiermark, die in der südöstlichen wohl die meisten Opfer forderte. Viele Dokumente sind in den einzelnen Räumen der Burg ausgestellt, auch Folterwerkzeuge und „Hexenzubehör”. Mich haben der "ausgestopfte" Teufel in der Ecke, die eingerichtete Hexenküche und der Rost, der, von unten rot beleuchtet, Feuer symbolisieren sollte und zu überschreiten war, eher gestört. Die Geschichten sind schlimm genug, mit solchen Utensilien werden sie eher ins märchenhafte gerückt. Wie wenig märchenhaft diese Zeit gewesen sein muss, zeigt der Film, über Heinrich Kramer (Institoris), den hasserfüllten Schreiber des „Hexenhammer“, der keine Folterart ausließ und dem kein Tod schrecklich und qualvoll genug sein konnte, was alles zum Schluss in Köln und durch Jakob Sprenger geadelt und danach in Wirkung gesetzt wurde. Ich weiß nicht, ob je ein schrecklicheres Buch als dieses verfasst wurde. Es genügte im 15. und 16. Jahrhundert herum, einen grünen Daumen zu haben, sprich, Pflanzen im Winter zum blühen zu bringen, um als Hexe angeklagt zu werden. Es waren die weltlichen Gerichte, die die Urteile sprachen. Erst 1783 kam der Straftatbestand der Hexerei nicht mehr vor.

Als wir die „Hexen-Räume“ durchschritten hatten, wurden wir durch einen Barocksaal geleitet, der die andere Seite dieser Zeit repräsentiert. Auch hier hat man ein Puppentheater aufgebaut, um Prunk und Festessen deutlich zu machen.

Was mir immer wieder Freude macht, ist die Entdeckung solider Handwerksarbeit – die Folterwerkzeuge schließe ich aus, obwohl auch sie auf Dauer angelegt waren – Möbel, die immer noch uneingeschränkt benutzt werden könnten, dürfte man es denn in solchen Räumen, schmiedeeiserne Beschläge, Scharniere, Klinken die wahrscheinlich nur ein Tröpfchen Öl benötigen, um immer weiter ihre Dienste zu tun. Ganz selbstverständlich sind Schönheit und Funktion miteinander verbunden.



 
 
 
 
 

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Kommentare
  • Blula 03.03.2012 | 19:19 Uhr

    Dein feiner Bericht liest sich wie eine Einladung, dieses schöne Fleckchen Erde endlich einmal zu besuchen. Wunderschön sind auch Deine Fotografien dazu. Sowas gibt kein Reiseführer her.
    Vielen Dank!
    LG Ursula

  • Karu24 03.03.2012 | 19:25 Uhr

    Es freut mich jeweils sehr, wenn ich ein wenig vom Erlebten vermitteln kann. Danke auch.

  • fevi27 (RP) 13.03.2012 | 11:39 Uhr

    Ich als großer Fan der Südoststeiermark habe den Bericht sehr genossen, leider habe ich meinen Lieblingsort: Straden, vermisst. Ansonsten kann ich nur sagen ich liebe dieses Gegend, die Menschen, den Schmäh und die Direktheit. Danke für den Bericht den ich gerne gelesen habe. Unter meinen Reiseberichten gibt es auch einen kurzen Reisebericht über die Südoststeiermark, falls du Lust und Laune hast ihn zu lesen. Alles liebe aus Graz, Eva

  • Karu24 13.03.2012 | 12:12 Uhr

    Danke für Dein Interesse, Eva, gerne schaue ich nach, was ich alles versäumt habe. Wir waren leider nicht lange genug dort, um überall hin zu kommen. Etwas muss man sich ja auch fürs nächste Mal aufsparen. In Graz waren wir auch für ein paar Stunden, eine liebenswerte Stadt ist das. Grüße vom Niederrhein
    Erika

  • ingepeter (RP) 28.03.2012 | 22:06 Uhr

    Eigentlich bin ich ganz froh darüber, dass es nur wenige Reiseführer von dieser Ecke Österreichs gibt, so wird es dort nicht so schnell überlaufen sein und keine dicken Hotelkomplexe den Charme zerstören. Übernachtungen in den privatgeführten kleinen Buschenschanken, sie dürfen nur wenige Zimmer vermieten, runden den Besuch in dieser Region einfach ab. Es war schön mit Dir durch die Region zu "ziehen" , denn ich komme erst wieder im Herbst dort hin.... Gruss Inge

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