Atacama - Flamingos, Salz und heiße Quellen

Reisebericht

Atacama - Flamingos, Salz und heiße Quellen

Reisebericht: Atacama - Flamingos, Salz und heiße Quellen

Seit feststand, dass meine Frau und ich unsere Tochter in Chile für fünf Wochen besuchen würden, hatte ich Mengen von Reiseberichten über das Land verschlungen. Um dieses langgestreckte Land auch nur halbwegs kennen zu lernen, wollten wir in fünf Wochen auch mindestens fünf unterschiedliche Gegenden besuchen. Für mich war die Atacama-Wüste ein absolutes Muss. Zur Not auch alleine!!

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Toconao und Valle de Jerez

Toconao

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Toconao liegt am Hang, etwas oberhalb der großen salzigen Ebene. Von Norden kommend überquert man direkt hinter dem Ortseingang einen größeren wasserführenden Bach, dessen Wassermenge einen mehr als verwundert. Soll das ganze Wasser aus den Bergen kommen? Es war nichts grünes zu sehen, vor dem Ortseingang. Auch in der Wüste, die gut zu überblicken ist, zeichnet sich kein grünes Band ab. Ein langer Bachlauf ist diesem Wasser anscheinend nicht vergönnt, bevor die Wüste es wieder verschluckt. Auf jeden Fall wird das Wasser der Grund für die Ansiedlung an dieser Stelle sein.



Der Ortskern wird von einem nett angelegten Platz eingenommen, auf dem ein kleiner Park in der Gluthitze des Tages sein Dasein fristet. Alles Grünzeug ist hinter niedrigem, weiß getünchtem Maschendraht weggesperrt worden. Das untere Ende des Platzes wird von dem dreigeschossigen Kirchturm geprägt, der ganz in weiß, mit einer Tür aus Kakteenholz, einige Meter vor der Kirche steht. Im Inneren dieser kleinen Kirche sind viele großformatige Ölgemälde zu bestaunen. Eines dieser Bilder hatte mich sehr beeindruckt. Es stellt Jesus mit stark blutenden Wunden unter dem Kreuz dar und ein Weinstock wächst aus einer dieser Wunden. Dies ist mein Blut... .



Toconao

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Auch in dieser Kirche ist das gesamte alte Dachgestühl aus Kakteenholz gebaut. Mittlerweile ist es vom Ruß der Öllämpchen fast schwarz. Die neue Treppe zur Empore ist zwar aus dem selben Holz, aber erst einige Monate alt und fast so hell wie unsere heimische Buche.

Das Kunsthandwerk, das in den umliegenden Läden angeboten wird, entspricht sehr dem, das in der gesamten Gegend gerne an Touristen verkauft wird und in gleicher Form auch in San Pedro zu kaufen ist. Überwiegend handelt es sich um Strickwaren aus Wolle von Schafen und Alpakas. Lediglich den Kirchturm von Toconao als Miniatur gibt's wahrscheinlich nur hier zu kaufen.



oberhalb von Toconao

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Mehr zufällig bin ich beim Verlassen Dorfes an den drei großen Holzkreuzen vorbeigekommen, die am oberen Ortsrand im Wüstensand stehen. Sehr wahrscheinlich sind sie regelmäßig das Ziel von Prozessionen, die vom Dorf hier heraufziehen aber etwas genaues konnte ich dazu nicht erfahren.
Drei wettergegerbte Holzkreuze vor dem fast endlosen Nichts aus Stein und Sand und Salz und blauem Himmel. Sehr wahrscheinlich ist hierbei das auf fast nichts Reduzierte gerade das besonders Imposante.



Noch vor dem Verlassen des Orts in südlicher Richtung weist ein wenig auffälliges Hinweisschild auf das Valle de Jerez hin. In meinen Reiseführern war das Tal nicht existent aber da ich nun einmal hier war und der Tag noch annähernd zur Hälfte zur Verfügung stand, habe ich dem Hinweis folgend, den Ort Richtung Berge verlassen. Nach wenigen hundert Metern erreicht man ein kleines Plateau, das von der Hauptstraße aus nicht einzusehen ist. Hier zwängt sich die Straße so nah an einem kleinen Gebäude vorbei, dass einem aufgrund der ansonsten sehr reichlich zur Verfügung stehenden Fläche schon aus einiger Entfernung klar ist, dass es sich bei diesem Gebäude nur um ein Mauthäuschen handeln kann. Hinter der Schranke, die hochgeklappt an das Häuschen angelehnt war, schlängelte sich die Piste weiter bergauf in die Hügelgegend. Zwei Mädchen, die zu dieser Tageszeit wohl überhaupt nicht mit zahlungswilliger Kundschaft gerechnet hatten, ließen sich nur unwillig in ihrem wohl sehr wichtigen Gespräch unterbrechen um mein Eintrittsgeld entgegenzunehmen und mir die obligatorischen Eintrittszettel durch das Wagenfenster zu reichen.



hallo, niemand da????

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Irgendwie war die Situation für mich recht belustigend zumal ich überhaupt keine Ahnung hatte, was ich für mein Geld noch zu sehen kriegen würde. Neugierig war ich jetzt schon. Einige Hügel weiter konnte ich dann auch den recht großen Parkplatz sehen, der zudem über eine Menge palmwedelüberdachte Stellplätze für die Pkw's der erwarteten Touristenströme verfügte. An diesem Tag und zu dieser Zeit war ich aber das einzige Touristentröpfchen, das möglicher Weise dem Strom voranschwamm. Mit dem Aussuchen eines Parkplatzes in der Nähe der Hinweisschilder, die alle in die selbe Richtung zeigten, hatte ich dann keine großen Probleme. Ich erwartete wenig in dieser trostlosen Wüstenlandschaft. Aber ich bekam dann doch viel zu sehen.



Nach einigen Metern Fußweg konnte ich von oben herab in einen Canyon sehen, der nicht in diese Welt gehörte.
Die Felswände fielen hier fast senkrecht über annähernd 75 Meter ab um dann in einem Gemenge aus leuchtendem Grün zu enden. Gräser, Büsche, kleine Gärten, Eukalyptusbäume, Obstbäume und Palmen in allen Größen standen auf dem Grund des Tals, durch das sich ein Bach schlängelte, der irgendwo weiter oben aus einer Quelle entspringt und der weiter unten im Ort die Straße quert um dann nach einigen hundert Metern in der Wüste wieder spurlos zu versickern. In solchen Momenten lernt man die Schönheit der Farbe grün neu zu schätzen.



Quebrade de Jerez



Quebrade de Jerez

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Allein für diesen Anblick lohnte der Eintrittspreis. Wer jedoch etwas mehr Zeit hat, sollte die angelegten Pfade nutzen und sich ins Tal hinunter begeben um die Gärten und deren Früchte anzusehen, die dort unten in Mengen gedeihen.



Atacamawüste

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Ich hab's nicht gemacht und bin weitergefahren, am Steinbruch vorbei, der sich mit seinen weißen Marmorwänden über den Parkplatz erhebt und von dem noch heute Felsblöcke gebrochen werden. Dahinter erkletterte der Wagen ein weiteres Hochplateau, das zwar durch einige kleine Canyons unterbrochen wird, von denen aber keiner mehr irgendwelches Grün oder einen Wasserlauf beherbergt.



Also zurück zur Straße, nicht ohne den beiden Mädels zuzuwinken, die jedoch aus ihrem Gespräch nicht aufgesehen hatten und wohl abends der Meinung waren, dass ich mich noch auf dem Gelände aufhalten müsse. Wahrscheinlich hatten sie den einzig zahlenden Gast des Tages aber sowieso schon längst vergessen.


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Kommentare

  • Aries

    Hallo, Rolo,
    Carrizal Bajo...ich glaube es nicht.
    Ich habe irgendwo noch ein Bild, das ein Hinweisschild nach C.B. zeigt - abgerissene Pappe, die in einen Sandhaufen gesteckt worden war.
    Deinen Bericht habe ich mit großem Interesse gelesen.
    Schweizer Hostalbesitzer in Santiago? Wie hieß das Hostal?
    fragt neugierig
    Hedi

  • RC-Redaktion

    Vielen Dank für diesen ausführlichen und eindrucksvoll bebilderten Bericht Ihrer Wüstenreise. Unser Tipp am Sonntag,

    Schöne Grüße - Ihr Team der GEO-Reisecommunity

  • pleuro

    Es ist gerade mal ein Jahr her, dass ich diese Gegend bereiste. Du hast mit Deinem Bericht wunderschöne Erinnerungen wieder geweckt.
    LG Anne

  • Schili

    Seit ich vor einigen Jahren Patagonien bereiste, ist ein ausführlicher Chile-Trip ganz fest geplant....solche Berichte wecken die Sehnsucht...
    Der Suzuki Jimny...oftmals belächelt, gibt es tatsächlich kaum ein Auto, das so geländetauglich und robust ist....komfortables! Reisen ist in der kleinen Schüttelkiste allerdings schwerlich möglich...;-)

    Gruß aus Köln.

  • rolo88

    Genauso war es!!
    Aber es hat trotzdem enorm viel Spaß gemacht.
    LG Rolf

  • Blula

    Ich bin begeistert von Deinem großartigen Bericht und den exzellenten Aufnahmen.
    LG Ursula

  • rolo88

    Hallo Ursula,
    vielen Dank für soviel Lob. Ich muss sagen, dass ich vor unserem Chileaufenthalt noch davon ausgegangen bin, in Europas Süden alt zu werden. Seit wir in Chile waren, bin ich aber von dem Land, seinen Menschen und der absolut vielseitigen Natur derart hingerissen, dass Griechenland wohl auf mich verzichten muss.
    Ich bin deswegen sehr froh, dass meine Freude an diesem Land sich anscheinend in diesem Reisebericht so widerspiegelt, wie du es empfunden hast.
    LG Rolf

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  • FritzDerKleineEntdecker

    "Ich bin begeistert von Deinem großartigen Bericht und den exzellenten Aufnahmen.
    "
    ICH EBENFALLS!!! (eine andere) Ursula

    Deine Berichte sind super Rolf! Weiter So!!!

  • rolo88

    Hallo Ursula,
    danke für den netten Kommentar.
    Ich war mir sicher, dass du Fritz heißen würdest.:-))
    Rolf

  • Schriddels

    Hallo Rolf,
    war in den frühen siebzigern auch des öfteren in Griechenland aber danach nur noch in der großen, weiten Welt. Nach Argentinien und Chile muss ich auch noch und zwar unbedingt. Danke für diesen Reisebericht der mir meinen Traum Chile sehr nahe gebracht hat.

    LG Wolfgang Schriddels

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