Pantanal - tierisch spannend

Reisebericht

Pantanal - tierisch spannend

Reisebericht: Pantanal -  tierisch spannend

Trekking landunter mit Jonny Indiano, dem besten Guide des Pantanal. Wie man eine Survivaltour überlebt, Kontrastprogramm Zivilisation und warum man Brasilien nicht nur einmal besucht.

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Abendstimmung im Pantanal



Die Nacht wird unruhig. Das Gürteltier wühlt ums Zelt herum, Kühe brüllen irgendwo den Vollmond an und ohne Isomatte wird man schnell stocksteif auf dem harten Boden. Wir freuen uns auf den Morgen, den Cafecito, die Brüllaffen die den ganzen Wald rebellisch machen und die Roten Aras über uns im Baum. Jonny hat es irgendwie geschafft zu telefonieren und unseren Abholdienst zu bestellen. Dazu klemmt er sein Mobiltelefon in einen gespaltenen Stock und richtet es millimetergenau wohin auch immer aus. Unser brasilianisches Prepaid Handy hat schon vor 2 Tagen den Empfangsdienst quittiert – von wegen mal schnell zu Hause anrufen!



Pap' schlägt sich



Wir packen alles schön zusammen und machen uns auf den Rückweg, durch die knietiefen Lagunen, über die sandige Straße mit den einsamen Verkehrsschildern, den gefährlichen Brücken, an den Kaimanen und Reihern und allen Jaguaren vorbei, die wir nicht gesehen haben. Schade eigentlich! Aber dann sehen wir unseren Pickup, der uns bis zur Brücke 29 bringt. Sie liegt gleich neben dem Campingplatz zu dem wir jetzt unterwegs sind und hat einen kleinen Versorgungsstützpunkt zu bieten. Verdreckt und durstig kommen ca. 10 Uhr morgens an und da spricht Jonny diesen sehnsüchtigen Gedanken aus, der seit Tagen in unseren Köpfen nistet: Wir sollten erst mal ein Bier trinken.



Verkehrsberuhigung



Campside Idylle

Ein Hundeleben

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Danach genießen wir die Dusche auf dem Campingplatz, holen Zahnbürsten und frische Wäsche aus der Verbannung und essen eine ordentliche Lunchportion. Unser Zelt bekommt ein Upgrade in Form einer Matratze und wir richten uns recht schnell wieder zivil ein. Jonny präpariert ein Boot und Ruten für den Nachmittagstrip auf dem Rio Abobral. Vielleicht sollen wir lernen uns selbst zu versorgen, auf jeden Fall macht es riesig Spaß Piranhas zu angeln, wenn man vorsichtig damit umgeht. Die messerscharfen Zähne der kleinen Biester können einem schnell mal ein Stück Finger amputieren, daher nimmt man besser Metallwerkzeuge um sie vom Haken zu lösen, es knirscht fürchterlich. Kleine Fische werden wieder ausgesetzt, die größeren kommen in den Topf bzw. werden frittiert. You eat what you catch, nur um die Drecksarbeit des Schuppens und Ausnehmens kümmert sich das Küchenpersonal.

Wir teilen unsere Köstlichkeiten am Abend mit einem Paar aus Frankreich, das gerade im Camp angekommen ist (wir erkennen sie an ihrer Schwärmerei für Froschschenkeln ;-).Die meisten Touristen bleiben nur 1 bis 2 Nächte im Pantanal, manche sehen in dieser kurzen Zeit sogar einen Jaguar. Doch wenn man die lange Anreise bedenkt, ist das alles viel zu wenig für dieses Naturparadies.



Art de Piranha



Wir gehen auf Nachtfahrt, es ist schon 17:30 stockdunkel und viel zu früh fürs Bett. Eigentlich folgen alle Touren immer nur der zerstörten Straße, maximal bis zur letzten Brücke, doch ist es immer anders, trifft man unterschiedliche Tierarten. Diesmal scheint die Fahrt recht langweilig zu sein, ein paar Kaimane im Wasser und schlafende Reiher im Baum. Dann auf der Rückfahrt, Herz bleib stehen, sehen wir tatsächlich einen Tapir mit Jungtier. Leider zu weit entfernt für ein Foto aber ein aufregender Moment und mindestens so seltenes Glück wie auf eine Großkatze zu treffen. Darauf noch ein Bierchen und tschüss ihr Mücken bis morgen.



Rio Abobral



Pantanal Wecker

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Der Tagesanbruch im Pantanal geht immer mit erheblichem Lärmpegel einher. Im Camp gibt es keine Brüllaffen aber ein paar Ibisse, die pünktlich um 5 Uhr zum Wecken ansetzten. Dann fliegen kleine Papageien ein, die Hyzintharas in der Palme hinter dem Küchentrakt tauschen Morgennachrichten und das Personal klappert mit den Kaffetassen. Es gibt Frühstücksbuffet und anschließend eine Bootstour mit Jonny und einem befreundeten Mädchen aus dem Lager. Sie und ihre Mutter wohnen derzeit hier, da das Wasser zu Hause am Rio Parana noch zu hoch steht und sie nicht fischen können. Doch auch das Camp ist noch nicht lange trocken und wurde gerade mal vor einer Woche wieder eröffnet. Vielleicht war das auch der wahre Grund für die lange Funkstille zwischen uns und der Agentur, die wussten einfach nicht, wann das Wasser den Platz wieder freigeben würde.



Abendstund hat Gold im Mund



Wir verbringen einen völlig entspannten Tag auf und am Rio Abobral. Das Wetter scheint umzuschlagen. Trüb hängt der Himmel über dem Fluss und fast könnte man ein wenig frösteln. Als Tourist, Indianer tun das natürlich nicht. Und überhaupt, wieso erwarten alle dass der brasilianische Winter sonnig und warm ist. Bei euch zu Hause ist es doch auch kalt im Winter. Aber auch Jonny merkt, dass bei diesem Wetter nicht viel los ist mit den Tieren und bevor es gar langweilig wird fängt er lieber einen Piranha. Drüben am Ufer liegt ein Kaiman, der lässt sich bestimmt auf ein Fotoshooting ein. Der Piranha wird ihm genau vor die Nase gehängt und tatsächlich macht sich die Echse an die Verfolgung. So nahe kommt sie, dass der Mindestabstand des Tele unterschritten wird, sie könnte glatt ins Boot springen. Aber Kaimane sind keine Menschenfresser und auch nicht so groß wie Krokodile. Es ist ein Riesenspaß für uns alle und zum Abendessen fangen wir selbst noch ein paar von den leckeren goldenen Fischen.



Anglerglück


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Kommentare

  • traveltime

    Was für eine Reise!
    Was für ein Erlebnis!
    Was für Fotos!
    Was für ein genialer Reisebericht!
    Danke!*****
    LG Rolf

  • mamaildi

    Genau das, was Rolf hier schon geschrieben hat, lag mir auch auf der Zunge. Einfach in jeder Hinsicht beeindruckend - die Reise, die Bilder, der Bericht.
    Hab ich das richtig verstanden, du erwähnst es am Anfang deines Berichtes: ihr wart mit FlipFlops im Busch???
    Ein dickes Merci und viele Grüße von Ildiko

  • ToniE

    Bei diesem Bericht war es einfach durchzuhalten, wie du zum Schluss schreibst.
    Klasser Bericht von einer wunderbaren Reise.
    1a.
    TONI

  • doubleegg

    Vielen Dank für eure netten Kommentare und Bewertungen! Was die FlipFlops betrifft, möchte ich hier klarstellen, dass ich keine getragen habe. Die Brasilianer empfehlen und können das, aber mir wären sie bei jedem Schritt vom Fuß gerutscht. Also barfuß oder mit Sandalen - auf jeden Fall sticht man sich ne Menge Dornen und Gestrüpp in die ständig aufgeweichten Füße... Spezielle Aquaschuhe wären wohl angebracht.
    Herzlich Elke

  • astrid

    Was für ein großartiger Bericht! Noch dazu durfte ich ihn trockenen Fußes erleben! Vielen Dank!
    LG Astrid

  • RC-Redaktion

    Ein toller Reisebericht. Unsere Empfehlung auf der Startseite für Sonntag.

  • BuWe

    Fortsetzung folgt... , so bleibt die Spannung erhalten. Seite 1 hat mir sehr gut gefallen, die Tierfotos sind klasse. Leider erhalte ich beim Blättern nur noch leere Seiten. VG Anne Do.

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  • 238EWT

    Kein Wunder, Anne Do, ich habe den Text heißhungrig verschlungen. Allerdings erst heute. Schau mal nach. Vielleicht wurde nachgelegt.

  • freeneck-farmer

    Ein Bericht das ich im einem durch gelesen habe. Sehr gut beschrieben und gute Bilder. Ein richtig tolle Erfahrung.
    LG Anneken

  • joki-mau

    Ein kurzweiliger Bericht, mit hervorragenden Fotos. Iguacu - sensationell !!!
    LG Ingrid

  • Zaubernuss

    Liebe Elke
    Euer Abenteuer in Pantanal hat mich bis zuletzt gefesselt. Die lebendige Erzählweise, Dein Humor in kritischen Situationen und die zahlreichen vortrefflichen Bilder, die Deinen Reisebericht abrunden, haben mir gezeigt, dass es sich lohnt, Unbekanntes an sich heranzulassen... Ganz herzlichen Danke, dass Du mich hast teilnehmen lassen. LG: Ursula

  • ingepeter (RP)

    Liebe Elke, Dein Bericht ist so spannend, da kann man gar nicht aufhören und schwupps schon ist er zu Ende. Die Begegnung mit Jonny gehört zu den Erlebnissen der besonderen Art selbst für mich als Leserin. Den Kulturschock hin und zurück, scheint ihr gut überstanden zu haben und sicherlich bleibt der unbequemere und abenteurlichere Teil für immer unvergesslich. Danke für einen tollen Reisebericht mit einer Unzahl an wundervollen Fotos. Gruss Inge

  • trollbaby

    Liebe Elke!
    Was für ein Abenteuer-Urlaub! Durch Deine sensationellen Fotos und Deinem mitreissenden Bericht hat man das Gefühl, selbst dabei gewesen zu sein! Nur mit dem Vorteil, nicht mit den Mücken kämpfen zu müssen - und keine Angst haben zu müssen, auf eine Schlange oder Spinne zu stoßen. Das ist ja bei mir das Hindernis, solche Reisen jemals zu unternehmen. Ich würde in der Wildnis eingehen vor Angst vor diesen Tieren! Aber Dank Dir konnte ich das trotzdem einmal erleben! Vielen Dank dafür!
    LG Susi

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  • doubleegg

    Ich danke euch allen herzlichst fürs Mitreisen, Mitfiebern, Bilder bewerten und eure aufmunternden Worte. So macht das Reisen sogar hinterher noch einmal Spaß und ich freue mich, dass ihr so tapfere (ja du Susi), interessierte und geduldige Begleiter seid.
    Beste Grüße und Wünsche - Elke

  • Blula

    Liebe Elke! Dein Bericht ist einfach atemberaubend. Ich habe mehrmals die Luft angehalten beim Lesen. Ich bewundere Dich schlichtweg dafür, dass Du den Mut hast, eine solche Abenteuerreise zu unternehmen. Danke für diesen packenden und interessanten Bericht und die wunderbaren Fotografien.
    LG Ursula

  • mhsch

    Hallo Elke, so ein schöner Reisebericht, spannend geschrieben mit schönen Fotos illustriert, da will ich auch hin. Gruß mhsch

  • ursuvo

    Hallo Elke,
    endlich habe ich Deinen total interessanten und sehr gut geschriebenen Bericht gelesen - es war faszinierend!! Ich habe Deinen Mut sehr bewundert!!!
    Ich war vor über 20 Jahren auch mal für ein Wochenende im Pantanal - allerdings nicht sooo wild wie Du.Und es war im Oktober odér November doch noch sehr trocken dort. Aber die Brücken die Du auf den Fotos zeigst kenne ich auch - wir waren dort zu zweit mit Fahrer und einem Guide(damal spottbillig in Brasilien gebucht) - und vor jeder Brücke mußten wir vorsichtshalber aussteigen und zu Fuß rübergehen.Per Boot sind wir dann zur Unterkunft auf einer Insel gefahren und haben auch den folgenden Tag per Boot das Pantanal "erkundet". Es war zwar nicht soooo abenteuerlich wie bei Dir - aber doch ein Erlebnis "für's Leben".

  • widix

    Liebe Elke,
    es ist ein wunderbares Erlebnis, mit Deinem Reisebericht durchs Patanal reisen zu dürfen: Spannend geschrieben und Deine Bilder sind schlichtweg grandios. Da ich mich ab und zu auch an Tierbildern in der Wildnis vesuche, weiß ich wie schwierig es ist, gute Fotos zu bekommen. Dies ist Dir absolut gelungen!
    Es war schön für mich, durch diesen Bericht wieder nach Brasilien reisen zu dürfen. Ich war vor über 20 Jahren mit einer Exkursion dort und wir sind durch die Wildnis in Rio Grande do Sul gereist, Iguacu inklusive. Es ist ein wunderbares Land und ich hatte viele schöne Erlebnisse. Leider hatten wir damals keine Möglichkeit ins Pantanal zu kommen. Jetzt weiß ich, was ich alles verpasst habe.
    LG Sabine

  • buschbaby (RP)

    ganz toll, und vor allem die Bilder. Pantanal geht also auch nicht so touristisch !

    LG

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  • mychaosland

    Super schöner Bericht, wunderbare Bilder !

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