Drei Wochen Kuba in "Casas Particulares"

Reisebericht

Drei Wochen Kuba in "Casas Particulares"

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25.03.2011

Letzter Tag in Havanna und Abfahrt in Richtung Santiago

Der letzten Tag in Havanna bis zur Abfahrt unseres Zuges nach Santiago gingen wir entspannt an. Wir bummelten durch die Altstadt und durch das Centro und deckten uns mit Proviant für die Fahrt ein.

Am späten Nachmittag verabschiedeten wir uns dann von unseren Gastgebern und gingen zum Hauptbahnhof. Dort mußten wir uns zunächst einmal anstellen, um unsere Fahrkarten und Platzkarten bestätigen zu lassen. Anderenfalls werden die Plätze nämlich an einen der vielen Leute in der Warteschleife (Lista de ultima espera) vergeben, die auf einen nicht bestätigten Sitzplatz hoffen.

Gegen 19.00 Uhr sollte unser Zug nach Santiago abfahren. Es handelte sich um den schnellsten und besten Zug Kubas, den Tren Frances. Er besteht aus gebrauchten französischen Wagen, die einmal als TEE (Trans-Europa-Express) in Europa verkehrten.

Unser Bekannter von der kubanischen Bahn erschien auch und erzählte mir zu unserem großen Erschrecken, dass der Tren Frances nicht verkehrt, weil er kaputt wäre und dass der Ersatzzug aus gebrauchten mexikanischen Wagen ohne Klimaanlage ebenfalls kaputt wäre. Niemand könne sagen, wann es weitergehen würde und bis wann der Zug repariert sein würde. Da hiess es erst einmal loslassen. Das ist halt Kuba. Der Bahnhof war voll mit Menschen, die alle auf diesen einen Zug warteten. Eine Studentin neben uns wollte auch nach Santiago. Sie sagte, wenn Gott will, werden wir heute nach Santiago losfahren.

Auf dem Bahnhof gab es alles Mögliche zu Essen, was von fliegenden Händlern für kubanische Pesos verkauft wurde: Hähnchen, Hamburger, Pizza, Kekse, sogar Eis. Bier gab es für CUC im Bahnhofsladen. Die meisten Reisenden verbrachten ihre Zeit mit Fernsehen. Auf den Fernsehern, die überall in der Wartehalle angebracht waren, lief Baseball, der Nationalsport Kubas. Ich kaufte mir erstmal ein Bier, um die Zeit rumzukriegen. Meine Hoffnung war, dass die Bahn sich schon irgendwas einfallen lassen würde und uns ca. 800 Leute hier nicht einfach hängenlassen würde.

Nach ca. 2 Stunden, als wir uns mit unserem Schicksal abgefunden hatten, kam Bewegung in die Massen. Unser Zug fuhr ein. Wir waren sowas von erleichtert. Hauptsache, erstmal im Zug sitzen, egal mit wieviel Verspätung. Ich nahm mir vor, in Zukunft mit unserer oft beschimpften Deutschen Bahn etwas nachsichtiger zu sein, wenn die mal wieder ein paar Minuten Verspätung hat.

Zunächst mußten wir uns noch einmal anstellen, um auf den Bahnsteig zu kommen. Für jeden Wagen gab es eine Extra-Warteschlange. Nach einer weiteren halben Stunde hatten wir endlich unser Ziel erreicht, stiegen ein und suchten unseren Platz. Unser Bekannter von der Bahn hatte uns zum richtigen Wagen geführt und half uns auch, unsere Sitzplätze zu finden. Wir verabschiedeten uns von ihm und bedankten uns bei ihm für seine Hilfe mit einem Stück Seife aus dem Westen (ist in Kuba sehr begehrt).

Die Sitzplätze in dem mexikanischen Zug waren recht bequem. Man konnte die Sitze weit zurückklappen und die Beine beliebig weit ausstrecken - besser als in jedem Bus. Allerdings hatten wir leider Plätze direkt an der Tür erwischt. In der Nacht (es war inzwischen dunkel geworden) war es doch recht kalt, die Tür war meistens offen, weil ständig jemand durch wollte, uns so zog es ziemlich. Außerdem gab es in dem Zug kein Rauchverbot, und die Kubaner sind leidenschaftliche Raucher.
Die Toiletten waren auch sehr gewöhnungsbedürftig. Es gab kein Toilettenpapier, und das Wasser funktionierte auch nicht. Die Toilette bestand aus einem Loch im Boden (so wie in Rußland).

Endlich setzte sich unser Zug in Bewegung. Im Schrittempo ging es über eine altersschwachen Stahlbrücke, vorbei an den ausgedehnten Hafenanlagen von Havanna und der Ölraffinerie. Es dauerte lange, bis wir die letzten Vororte von Havanna verlassen hatten. Jetzt endlich beschleunigte unser Zug auf bis zu ca. 100 km/h, was ich, ehrlich gesagt, nicht in Kuba erwartet hätte. Die Hauptstrecke von Havanna nach Santiago war in einem für Lateinamerika bemerkenswert guten Zustand.
850 Kilometer lagen vor uns, 16 Stunden Fahrzeit. Unser Zug hielt zunächst nur an wirklich großen Stationen. Leider fanden wir relativ wenig Schlaf, weil häufig Leute die Tür vor uns auf und zu machten und es ziemlich kalt war.

Noch ein paar praktische Informationen zum Bahnfahren in Kuba:

Die Züge der kubanischen Staatsbahn FCC (Union de los Ferrocarriles Cubanos) sind recht unzuverlässig, aber sie fahren (im Gegenteil zu den meisten lateinamerikanischen Ländern, wo es gar keine Reisezüge gibt).
Ein Reservierung von Plätzen oder Kauf von Fahrkarten über das Internet ist nicht möglich. Fahrkarten können nur an den Bahnhöfen der FCC gekauft und bis zu 5 Tage im Voraus reserviert werden.
In Havanna gibt es Fahrkarten für ausländische Touristen am Bahnhof La Coubre (ein paar 100 m vom Hauptbahnhof in Richtung Hafen, Mo - Fr 9.00 bis 15.00 Uhr). Reisepass nicht vergessen (den braucht man auch bei der Rückbestätigung bzw. im Zug)!

In Santiago werden die Fahrkarten an einem kleinen Gebäude vor dem eigentlichen Bahnhof verkauft. Ohne Fahrkarte kommt man nicht in den Bahnhof Santiago hinein.

In Baracoa werden am Busbahnhof von ASTRO/VIAZUL auch Bahnfahrkarten für den Zug von Guantanamo nach Havanna verkauft, obwohl Baracoa gar keinen Bahnanschluß hat.

Fernzüge:

Bei Fernzügen empfiehlt es sich, möglichst zeitig die Fahrkarten zu kaufen, da die Fernzüge, besonders an Wochenenden und vor Feiertagen schnell ausgebucht sind.
Wer keine Fahrkarten mehr bekommt, kann sich im Bahnhof La Coubre (auf der Rückseite, da wo die Leute auf die Busse warten) in die Lista de Espera eintragen lassen. Am Abfahrtstag werden dann Reservierungen von Fahrgästen, die ihre Reservierung abgesagt haben oder nicht zur Rückbestätigung der Reservierung am Abfahrtstag erschienen sind, weiter verkauft. Über Lautsprecher werden die Namen der Reisenden aus der Lista de Espera aufgerufen und diese zum Informationsschalter gebeten.
Wichtig ist für Fernreisende, die Fahrkarte und Reservierung am Abfahrtstag eine Stunde vor Abfahrt des Zuges rückbestätigen zu lassen. In Havanna geschieht das im Hauptbahnhof am Fahrkartenschalter.

Die wichtigsten Fernzüge fahren jeweils jeden 3. Tag von Havanna nach Santiago (der Tren Frances, schnellster Zug Kubas im Wechsel mit dem wesentlich langsameren Regionalzug) und zurück; von Havanna nach Guantanamo und zurück; von Havanna nach Bayamo und zurück sowie von Havanna nach Sancti Spiritus und zurück.

Fahrpläne sind Mangelware. In Havanna hängen im Bahnhof La Coubre (auf der Rückseite) handgeschrieben auf einer Tafel die Abfahrtszeiten der Fernzüge von und nach Havanna.
Auf jeden Fall empfiehlt es sich, am Informationsschalter bzw. Fahrkartenschalter nach den aktuellen Abfahrtszeiten nachzufragen, und ob der Zug überhaupt fährt.

Regionalzüge:

Regionalzüge von Havanna in Richtung Pinar del Rio (teilweise auch in andere Richtungen) fahren nicht vom Hauptbahnhof, sondern vom Bahnhof 19 de Noviembre im Stadtteil Vedado ab.
Es gibt in Kuba eine ganze Menge von Regionalzügen, auch auf Strecken, wo man gar nicht denkt, dass da noch ein Zug fährt. Das Problem ist nur, herauszubekommen, wann und ob diese Züge fahren. Dafür sind Spanischkenntnisse unbedingt erforderlich.

Im Internet gibt es (inoffizielle) Fahrpläne unter:
http://www.fahrplancenter.com/AIFFLAKubaEntry04.html (in deutsch, englisch und spanisch)
oder unter: http://www.seat61.com/Cuba.htm (in englisch).



Straßenmusik in Habana Vieja


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Kommentare

  • doubleegg

    Kuba ausführlich und hautnah. Ein umfassender Bericht der nichts wegläßt und nichts beschönigt. Den harten Alltag auf der Insel erfahren selbst privilegierte (Individual) Touristen und es liegt viel an der Mentalität des Reisenden, wie er damit umgeht. Nicht nur mit schwierigen Transportbedingungen oder Lebensmittelknappheit, mehr noch ist es die traurige Einsicht, dass hier ein Volk für dumm verkauft und um sein Leben betrogen wird. Ich drücke den Kubanern die Daumen für eine freie und gerechtere Zukunft - sie haben es verdient.

  • rojo1.

    Hallo, Wie hiess denn die casa in Havana, und hast Du sonst noch Empfehlungen zu den casas? Danke!

  • frieden_schenker

    Hallo Rojo1,

    das Casa Particular in Havanna, wo wir übernachtet haben, heißt Dos Leones Nelson, Anschrift: Nelson Sarduy, Calle Merced No. 14 und befindet sich zwischen Oficio und San Ignacio in Haban Vieja (Altstadt). Tel.: 0053-07-8603987, e-mail: nelsonsarduy@yahoo.es

    Ich habe noch eine Empfehlung in Playa Larga (das ist an der Schweinbucht an der Karibikküste, guter Ausgangspunkt für Exkursionen in den Urwald (Krokodile, Geier, Schildkröten, Kolibris, Tocororo etc.) und nur wenige Minuten von einem herrlichen Strand entfernt (das Titelbild von meinem Reisebericht zeigt diesen Strand). Dayami, die Gastgeberin, ist studierte Biologin und hat beste Beziehungen zu allem, was mit dem angrenzenden Nationalpark zu tun hat.
    Ausgezeichnete Schnorchelplätze und eine Krokodilfarm sind auch in der Nähe.

    Anschrift: Sra. Dayami Rodriguez y Sr. Eddy Sanchez, Barrio Caleton, Playa Larga, Matanzas, Cuba, Code postal: 43 000, Tel.: 0145-987145, e-mail: dayamichato@yahoo.es.

    Liebe Grüße

    Eckart

  • NinaVesela

    Hallo Eckart, tolles Bericht! Mein Mann und ich wollen wir nächstes Jahr eine Reise nach Kuba machen. Deine Tipps sind sehr hilfsreich. Könntest du mir sagen, was für Geldsumme man einplanen soll. Habt ihr Bargeld immer dabei gehabt? Danke im Voraus. Grüße

  • frieden_schenker

    Hallo NinaVesela,

    das hängt davon ab, wie lange Ihr in Kuba bleiben wollt. Wir hatten zu zweit für 3 Wochen ca. 3000 Euro (einschließlich Flug mit Air France und einschließlich Übernachtungen in Casa Particulares) gebraucht.
    Bargeld solltet Ihr immer dabei haben, und zwar 90% in CUC (Pesos Convertibles) und etwa 10% (so ca. 200 Euro) in kubanischen Pesos (moneda nactional). Kreditkarten funktionieren nur in großen teuren Hotels und Reiseschecks gar nicht, also alles in bar mitnehmen.
    Alle Züge, Fähren und Fernbusse (Viazul) müssen in CUC bezahlt werden, genauso wie die Unterkunft und die meisten Taxis (mit Taxifahrern kann man handeln und ggf. den umgerechneten Betrag, den man sonst in CUC bezahlt hätte, auch in kubanischen Pesos bezahlen). In allen größeren Restaurants und Bars muss man in CUC bezahlen, aber viele Paladares nehmen auch kub. Pesos.
    Die neuen Devisengeschäfte nehmen ausschließlich CUC, aber beim Bäcker, auf dem Agropecuario (Obst- / Gemüsemarkt), im normalen Cafe und an Guarapo-Stand (Zuckerrohrsaft) kann mit kub. Pesos bezahlt werden. Im Zweifelsfall immer vorher fragen, ob kub. Pesos akzeptiert werden (?Accepta moneda nacional?).
    Ohne Spanischkenntnisse macht eine Individualreise (ohne organisierte Reisegruppe) in Kuba wenig Sinn, weil die wenigsten Leute Englisch können (selbst in den Casas Particulares nicht). Fahrkartenkauf für Bahn oder Bus z.B. geht ohne Spanisch gar nicht. Außerhalb von Havanna spricht so gut wie kein Mensch Englisch. Je besser die Spanischkenntnisse, umso weniger wird man beschissen.
    Vorsicht vor Schleppern, vor allem in Havanna: Als Tourist wird man von vielen Leuten als wandelnde Brieftasche angesehen, und mit vielen Tricks versuchen einige "Spezialisten" einem möglichst viele Devisen abzuknöpfen. Z.B. gibt es die Masche mit dem Salsa-Festival: Jemand quatscht einen auf Englisch an und behauptet, in Havanna ist gerade ein Salsa-Festival und er könne einem eine gute Bar zeigen, wo gerade der Bär steppt. Am Ende landet man in einer elenden Spelunke mit total überteuerten Drinks, und der Schlepper läßt sich dann auch noch Drinks spendieren und bettelt einen am Ende noch um ein paar CUC an, um angeblich Milch für die Kinder kaufen zu können.
    Oder man wird angesprochen mit der Geschichte, dass das Kind schwerkrank wäre und man dringend Medizin braucht, und ob man nicht ein paar CUC übrig hätte.
    Kubanische Großstädte sich die sichersten der Welt, aber man sollte sich vor Schleppern, Diebstahl und Bettelei in Acht nehmen.
    Geschenke in Form von Kugelschreibern oder Seife oder Kosmetika für die Frauen sind o.k. und werden dankbar genommen.
    Aber die Dinge ändern sich schnell in Kuba (neues Reisegesetz, weitere Liberalisierung von Handwerk und Dienstleistungen), so dass mein Wissensstand vielleicht schon wieder veraltet ist (Stand: 2011).

    Lg. Eckart

  • Steffania

    Danke für den interessanten Bericht mit vielen Hintergrundinfos. Kuba steht bei mir 2015 auf dem Plan und ich bin sehr gespannt, was mich erwarten wird.
    LG Steffi

  • frieden_schenker

    Hallo Steffi,

    dann wünsche ich Dir für 2015 eine schöne Reise nach Kuba. Sicher wird inzwischen sehr vieles anders sein als zu der Zeit, als wir in Kuba waren.
    Inzwischen gibt es ein neues Reisegesetz, welches den Kubanern erlaubt, frei zu reisen (wenn sie es sich denn leisten können) und in der Wirtschaft wurde sehr Vieles liberalisiert.

    Lg. Eckart

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  • diegoraiz

    Ich rate allen, die private Haushalte in Kuba in der Website zu buchen http://www.bedandbreakfastcuba.org .

  • Blula

    Hallo Eckard!
    Ich konnte hier mal einen Kubabericht von einem wahren Insider dieser Insel lesen. Danke, ich habe nun durch Dich so viel erfahren, wie bisher noch nirgendwo.
    LG Ursula

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