Drei Wochen Kuba in "Casas Particulares"

Reisebericht

Drei Wochen Kuba in "Casas Particulares"

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24.03.2011

Fahrt mit dem Hershey-Train nach Mantanzas

Nachdem wir uns nun mit dem Fahrplan und mit den Gepflogenheiten des Hershey-Trains bekannt gemacht hatten, wollten wir es wissen, und die komplette Rundfahrt bis zur Endstation Mantanzas und zurück riskieren. Es gibt nur 3 Züge am Tag. Der erste fährt schon kurz nach 6.00 Uhr, was uns viel zu früh war. Also blieb nur noch der Mittagszug, um noch am gleichen Tag zurückzukommen.

An der Fähre bekam ich diesmal Probleme, weil die Sicherheitsleute in meinem Rucksack ein Taschenmesser entdeckten, was ich zum Schneiden von einer Melone mitgenommen hatte. Ich mußte es in einer nahegelegenen Bar deponieren, damit ich auf die Fähre durfte.

Diesmal fuhr unser Zug pünktlich ab. Die Familie, die wir vor 2 Tagen kennengelernt hatten, fuhr auch diesmal mit.
Unterwegs lernten wir einen Mann kennen, der bei der kubanischen Eisenbahn auf dem Hauptbahnhof in Havanna arbeitet. Er hatte auch einige Jahre als Schaffner bei der Hershey-Bahn gearbeitet. Dieser Mann erzählte uns viel über die Hershey-Bahn, und dass er bei der Kubanischen Eisenbahn nur 250 kubanische Pesos im Monat verdient, das sind umgerechnet 10 CUC (10 US-Dollar).
Als ich ihm erzählte, dass wir am Freitag mit dem Zug nach Santiago fahren wollten, sagte er uns, dass wir uns dann ja auf dem Hauptbahnhof, wo er arbeitet, wiedersehen würden.

An der Station Hershey (Camilo Cienfuegos), auf der Hälfte der Strecke, treffen sich die beiden Züge von/nach Matanzas. Es gibt 2 Zweigstrecken, die noch in Betrieb sind: nach Playas del Este und nach Caraballo. Hierhin fahren je 2 Züge pro von und nach Hershey.

Wir fuhren vorbei an den Ruinen einer riesigen Zuckerfabrik. Dieser Zuckerfabrik und deren ehemaligen Besitzern verdankt die Bahn ihren Namen und ihre Existenz.
Nach der Wende in der DDR, als die ehemaligen Ostblockstaaten keinen kubanischen Zucker mehr zu Vorzugspreisen abkauften, brach die kubansiche Zuckerproduktion ein. Ein Großteil der Zuckerfabriken wurde stillgelegt. Heute bemühlt man sich, von der einseitigen Ausrichtung der Wirtschaft auf das Zuckerrohr loszukommen und andere Produkte anzubauen.

Hinter Hershey wurde die Landschaft gebirgiger und interessanter. Wir fuhren teilweise durch ausgedehnte Urwälder. Nur noch selten tauchten kleinere Dörfer oder entlegene Bauerhöfe auf.
Wir staunten nicht schlecht, als wie sogar einige Minuten vor der fahrplanmäßigen Ankunft in Matanzas eintrafen. So hatten wir noch Zeit für einen kleinen Rundgang in Matanzas.

Hier trifft man kaum noch auf Touristen, die Preise sind wesentlich niedriger als in Havanna und ich bekam sogar Bier für kubanische Pesos zu kaufen.
Die Umgebung von Matanzas ist sehr reizvoll - mit Atlantikstrand, Bergen, Urwald und dem Fluss Rio Yumuri .

Auf der Rückfahrt, als es dunkel wurde, mußten wir feststellen, dass im ganzen Zug kein Licht funktionierte. Es war gespenstisch, in einem stockfinsteren Zug durch die Nacht zu fahren. Nur die Frontscheinwerfer des Zuges beleuchteten die Strecke vor uns.
Unser Bekannter von der kubanischen Eisenbahn erzählte uns, dass er früher als Schaffner mit dem Feuerzeug die Fahrkarten kontrollieren mußte, weil kein Licht ging.



Hershey-Bahn, Bahnhof Hershey


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Kommentare

  • doubleegg

    Kuba ausführlich und hautnah. Ein umfassender Bericht der nichts wegläßt und nichts beschönigt. Den harten Alltag auf der Insel erfahren selbst privilegierte (Individual) Touristen und es liegt viel an der Mentalität des Reisenden, wie er damit umgeht. Nicht nur mit schwierigen Transportbedingungen oder Lebensmittelknappheit, mehr noch ist es die traurige Einsicht, dass hier ein Volk für dumm verkauft und um sein Leben betrogen wird. Ich drücke den Kubanern die Daumen für eine freie und gerechtere Zukunft - sie haben es verdient.

  • rojo1.

    Hallo, Wie hiess denn die casa in Havana, und hast Du sonst noch Empfehlungen zu den casas? Danke!

  • frieden_schenker

    Hallo Rojo1,

    das Casa Particular in Havanna, wo wir übernachtet haben, heißt Dos Leones Nelson, Anschrift: Nelson Sarduy, Calle Merced No. 14 und befindet sich zwischen Oficio und San Ignacio in Haban Vieja (Altstadt). Tel.: 0053-07-8603987, e-mail: nelsonsarduy@yahoo.es

    Ich habe noch eine Empfehlung in Playa Larga (das ist an der Schweinbucht an der Karibikküste, guter Ausgangspunkt für Exkursionen in den Urwald (Krokodile, Geier, Schildkröten, Kolibris, Tocororo etc.) und nur wenige Minuten von einem herrlichen Strand entfernt (das Titelbild von meinem Reisebericht zeigt diesen Strand). Dayami, die Gastgeberin, ist studierte Biologin und hat beste Beziehungen zu allem, was mit dem angrenzenden Nationalpark zu tun hat.
    Ausgezeichnete Schnorchelplätze und eine Krokodilfarm sind auch in der Nähe.

    Anschrift: Sra. Dayami Rodriguez y Sr. Eddy Sanchez, Barrio Caleton, Playa Larga, Matanzas, Cuba, Code postal: 43 000, Tel.: 0145-987145, e-mail: dayamichato@yahoo.es.

    Liebe Grüße

    Eckart

  • NinaVesela

    Hallo Eckart, tolles Bericht! Mein Mann und ich wollen wir nächstes Jahr eine Reise nach Kuba machen. Deine Tipps sind sehr hilfsreich. Könntest du mir sagen, was für Geldsumme man einplanen soll. Habt ihr Bargeld immer dabei gehabt? Danke im Voraus. Grüße

  • frieden_schenker

    Hallo NinaVesela,

    das hängt davon ab, wie lange Ihr in Kuba bleiben wollt. Wir hatten zu zweit für 3 Wochen ca. 3000 Euro (einschließlich Flug mit Air France und einschließlich Übernachtungen in Casa Particulares) gebraucht.
    Bargeld solltet Ihr immer dabei haben, und zwar 90% in CUC (Pesos Convertibles) und etwa 10% (so ca. 200 Euro) in kubanischen Pesos (moneda nactional). Kreditkarten funktionieren nur in großen teuren Hotels und Reiseschecks gar nicht, also alles in bar mitnehmen.
    Alle Züge, Fähren und Fernbusse (Viazul) müssen in CUC bezahlt werden, genauso wie die Unterkunft und die meisten Taxis (mit Taxifahrern kann man handeln und ggf. den umgerechneten Betrag, den man sonst in CUC bezahlt hätte, auch in kubanischen Pesos bezahlen). In allen größeren Restaurants und Bars muss man in CUC bezahlen, aber viele Paladares nehmen auch kub. Pesos.
    Die neuen Devisengeschäfte nehmen ausschließlich CUC, aber beim Bäcker, auf dem Agropecuario (Obst- / Gemüsemarkt), im normalen Cafe und an Guarapo-Stand (Zuckerrohrsaft) kann mit kub. Pesos bezahlt werden. Im Zweifelsfall immer vorher fragen, ob kub. Pesos akzeptiert werden (?Accepta moneda nacional?).
    Ohne Spanischkenntnisse macht eine Individualreise (ohne organisierte Reisegruppe) in Kuba wenig Sinn, weil die wenigsten Leute Englisch können (selbst in den Casas Particulares nicht). Fahrkartenkauf für Bahn oder Bus z.B. geht ohne Spanisch gar nicht. Außerhalb von Havanna spricht so gut wie kein Mensch Englisch. Je besser die Spanischkenntnisse, umso weniger wird man beschissen.
    Vorsicht vor Schleppern, vor allem in Havanna: Als Tourist wird man von vielen Leuten als wandelnde Brieftasche angesehen, und mit vielen Tricks versuchen einige "Spezialisten" einem möglichst viele Devisen abzuknöpfen. Z.B. gibt es die Masche mit dem Salsa-Festival: Jemand quatscht einen auf Englisch an und behauptet, in Havanna ist gerade ein Salsa-Festival und er könne einem eine gute Bar zeigen, wo gerade der Bär steppt. Am Ende landet man in einer elenden Spelunke mit total überteuerten Drinks, und der Schlepper läßt sich dann auch noch Drinks spendieren und bettelt einen am Ende noch um ein paar CUC an, um angeblich Milch für die Kinder kaufen zu können.
    Oder man wird angesprochen mit der Geschichte, dass das Kind schwerkrank wäre und man dringend Medizin braucht, und ob man nicht ein paar CUC übrig hätte.
    Kubanische Großstädte sich die sichersten der Welt, aber man sollte sich vor Schleppern, Diebstahl und Bettelei in Acht nehmen.
    Geschenke in Form von Kugelschreibern oder Seife oder Kosmetika für die Frauen sind o.k. und werden dankbar genommen.
    Aber die Dinge ändern sich schnell in Kuba (neues Reisegesetz, weitere Liberalisierung von Handwerk und Dienstleistungen), so dass mein Wissensstand vielleicht schon wieder veraltet ist (Stand: 2011).

    Lg. Eckart

  • Steffania

    Danke für den interessanten Bericht mit vielen Hintergrundinfos. Kuba steht bei mir 2015 auf dem Plan und ich bin sehr gespannt, was mich erwarten wird.
    LG Steffi

  • frieden_schenker

    Hallo Steffi,

    dann wünsche ich Dir für 2015 eine schöne Reise nach Kuba. Sicher wird inzwischen sehr vieles anders sein als zu der Zeit, als wir in Kuba waren.
    Inzwischen gibt es ein neues Reisegesetz, welches den Kubanern erlaubt, frei zu reisen (wenn sie es sich denn leisten können) und in der Wirtschaft wurde sehr Vieles liberalisiert.

    Lg. Eckart

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  • diegoraiz

    Ich rate allen, die private Haushalte in Kuba in der Website zu buchen http://www.bedandbreakfastcuba.org .

  • Blula

    Hallo Eckard!
    Ich konnte hier mal einen Kubabericht von einem wahren Insider dieser Insel lesen. Danke, ich habe nun durch Dich so viel erfahren, wie bisher noch nirgendwo.
    LG Ursula

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