Drei Wochen Kuba in "Casas Particulares"

Reisebericht

Drei Wochen Kuba in "Casas Particulares"

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23.03.2011

Ein weiterer Tag in Havanna

Den folgenden Tag erkundeten wir den Stadtteil Centro. Centro ist nicht so alt wie die Altstadt Habana Vieja. Dafür gibt es dort einen Gemüsemarkt, wo man günstig für kubanische Pesos Obst und Gemüse kaufen kann, das berühmte Capitolio, einen Nachbau des Capitols in Washington, China Town, die Zigarrenfabrik, wo die berühmten Zigarren hergestellt werden, diverse Kaufhäuser, einige Verkaufsstände von Guarapo und anderen Fruchtsäften sowie die Eisdiele (siehe weiter unten).

In der Nähe des Capitolios, unmittelbar gegenüber dem Eingangstor zum Chinatown befindet sich der "Jurassic Park", ein Park, den dem sehr viele alte amerikanische Autos aus den 30iger bis 50er Jahren stehen. Die meisten verfügen nicht mehr über den Originalmotor, sondern wurden von den erfinderischen kubanischen Bastlern mit russischen Wolga-Motoren oder ähnlichem ausgestattet.
Überhaupt sind die Kubaner in Autos verliebt. Obwohl es wenige Autos in Kuba gibt, haben doch die meisten Männer in Kuba eine große Vorliebe für Autos. Alles, was noch irgendwie fahrtüchtig aussieht, wird mit viel Liebe gepflegt und am Leben erhalten. So besteht der kubanische Fuhrpark aus einem bunten Gemisch von russischen Ladas, Wolgas, Shigulis und uralten amerikanischen Straßenkreuzern sowie modernen Autos aus koreanischer Produktion. Ganz selten sieht man auch mal einen BMW oder Mercedes. Allerdings träumen die meisten jüngeren Männer, mit denen wir uns unterhielten, von einem BMW.

Empfehlenswert sind die Guarapo-Stände. Es ist es wert, sich dort in der Schlange anzustellen, um für einen kubanischen Peso ein Glas leckeren Zuckerrohrsaft zu erstehen.

Ein weiterer Höhepunkt vom Centro war das Eiscafe. Kubanische Frauen sind verrückt nach Helado (Eis) und Kuchen. Vor dem Eiscafe in der Avenida Belgica stand eine größere Schlange meist weiblichen Publikums (die Männer begleiten höchstens ihre Frauen ins Eiscafe oder erstehen für ihre Liebste Eis oder Kuchen). Das Schlangestehen in Kuba ist gut organisiert: Man ruft "Quien es el ultimo?" (Wer ist der letzte?), stellt sich dann hinter den letzten und übernimmt selber diesen Titel. Sobald man einen Nachfolger gefunden hat, kann man noch eine Weile durch die Straßen bummeln und stellt sich dann später, wenn man weiter an die Quelle der Begierde vorgerückt ist, wieder an seinen Platz in der Schlange. Nach ca. 20 Minuten waren wir am Ziel unserer Wünsche und bekamen eine Platz im Cafe angewiesen Es gab an diesem Tag nur eine Sorte Eis (Schokoladeneis). Jeder bekam 3 Kugeln - mehr gab es nicht. Nachdem wir aufgegessen hatten, kam sofort die Kellnerin und kassierte ab, damit wir aufstehen und Platz für die nächsten machen konnten. Der ganze Spaß kostete nur wenige kubanische Pesos.

Übrigens gab es eine Stunde später weder Eis noch Kuchen in diesem Cafe, sondern nur noch Cola und Limonade. Man muß also rechtzeitig kommen, wenn man noch was von dem Eis abbekommen will.

Das Essen an den zahlreichen Verkaufsständen auf den Straßen war es nicht wert, gekauft zu werden. Meistens gab es Hähnchen in jeder nur denkbaren Form, ziemlich schlecht gemachte Pizza oder belegte Brote.
Die Restaurants waren recht teuer und konnten trotzdem von der Qualität kaum mit dem Essen in unserem Casa Particular mithalten. Eine Ausnahme bilden die vom Preis-Leistungsverhältnis recht günstigen Tagesangebote (Menu del Dia) einiger weniger renommierter Restaurants. Für 10 bis 12 CUC gab es ein Menü mit 3 Gängen und ein Getränk.

Einen trostlosen Eindruck machten die Bäckergeschäfte. Meist gab es nur ein bis zwei Sorten Brot, und das war auch von bescheidener Qualität. Dafür für Touristen konkurrenzlos billig, weil in kubanischen Pesos bezahlbar.

An dieser Stelle möchte ich Reisende nach Havanna ausdrücklich vor Leuten warnen, die einen auf der Straße ansprechen und von einem Salsa-Festival erzählen, das angeblich nur zu dieser Zeit gerade stattfindet. Meistens wird man, wenn man sich darauf einläßt, in eine völlig überteuerte Nepper-Bar geschleppt und muss dann dem Schlepper auch noch Drinks spendieren. Anschließend wird man dann noch um einige CUC angebettelt, angeblich, damit der Schlepper Milch für seine Kinder kaufen könne.
Es wird auch mit allerlei Stories versucht, Geld zu erbetteln, z.B. ein mittelloser Student braucht dringend Geld für Lehrbücher oder ein Familienvater braucht dringend Geld für Medikamente für sein Kind.
Wenn man sich klarmacht, dass wenige CUC umgerechnet in kubanische Pesos schon fast ein Monatsgehalt darstellen, dann versteht man, wie gross die Versuchung ist, das schnelle Geld mit Betteln zu machen.



Habana Centro, Jurassic Park


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Kommentare

  • doubleegg

    Kuba ausführlich und hautnah. Ein umfassender Bericht der nichts wegläßt und nichts beschönigt. Den harten Alltag auf der Insel erfahren selbst privilegierte (Individual) Touristen und es liegt viel an der Mentalität des Reisenden, wie er damit umgeht. Nicht nur mit schwierigen Transportbedingungen oder Lebensmittelknappheit, mehr noch ist es die traurige Einsicht, dass hier ein Volk für dumm verkauft und um sein Leben betrogen wird. Ich drücke den Kubanern die Daumen für eine freie und gerechtere Zukunft - sie haben es verdient.

  • rojo1.

    Hallo, Wie hiess denn die casa in Havana, und hast Du sonst noch Empfehlungen zu den casas? Danke!

  • frieden_schenker

    Hallo Rojo1,

    das Casa Particular in Havanna, wo wir übernachtet haben, heißt Dos Leones Nelson, Anschrift: Nelson Sarduy, Calle Merced No. 14 und befindet sich zwischen Oficio und San Ignacio in Haban Vieja (Altstadt). Tel.: 0053-07-8603987, e-mail: nelsonsarduy@yahoo.es

    Ich habe noch eine Empfehlung in Playa Larga (das ist an der Schweinbucht an der Karibikküste, guter Ausgangspunkt für Exkursionen in den Urwald (Krokodile, Geier, Schildkröten, Kolibris, Tocororo etc.) und nur wenige Minuten von einem herrlichen Strand entfernt (das Titelbild von meinem Reisebericht zeigt diesen Strand). Dayami, die Gastgeberin, ist studierte Biologin und hat beste Beziehungen zu allem, was mit dem angrenzenden Nationalpark zu tun hat.
    Ausgezeichnete Schnorchelplätze und eine Krokodilfarm sind auch in der Nähe.

    Anschrift: Sra. Dayami Rodriguez y Sr. Eddy Sanchez, Barrio Caleton, Playa Larga, Matanzas, Cuba, Code postal: 43 000, Tel.: 0145-987145, e-mail: dayamichato@yahoo.es.

    Liebe Grüße

    Eckart

  • NinaVesela

    Hallo Eckart, tolles Bericht! Mein Mann und ich wollen wir nächstes Jahr eine Reise nach Kuba machen. Deine Tipps sind sehr hilfsreich. Könntest du mir sagen, was für Geldsumme man einplanen soll. Habt ihr Bargeld immer dabei gehabt? Danke im Voraus. Grüße

  • frieden_schenker

    Hallo NinaVesela,

    das hängt davon ab, wie lange Ihr in Kuba bleiben wollt. Wir hatten zu zweit für 3 Wochen ca. 3000 Euro (einschließlich Flug mit Air France und einschließlich Übernachtungen in Casa Particulares) gebraucht.
    Bargeld solltet Ihr immer dabei haben, und zwar 90% in CUC (Pesos Convertibles) und etwa 10% (so ca. 200 Euro) in kubanischen Pesos (moneda nactional). Kreditkarten funktionieren nur in großen teuren Hotels und Reiseschecks gar nicht, also alles in bar mitnehmen.
    Alle Züge, Fähren und Fernbusse (Viazul) müssen in CUC bezahlt werden, genauso wie die Unterkunft und die meisten Taxis (mit Taxifahrern kann man handeln und ggf. den umgerechneten Betrag, den man sonst in CUC bezahlt hätte, auch in kubanischen Pesos bezahlen). In allen größeren Restaurants und Bars muss man in CUC bezahlen, aber viele Paladares nehmen auch kub. Pesos.
    Die neuen Devisengeschäfte nehmen ausschließlich CUC, aber beim Bäcker, auf dem Agropecuario (Obst- / Gemüsemarkt), im normalen Cafe und an Guarapo-Stand (Zuckerrohrsaft) kann mit kub. Pesos bezahlt werden. Im Zweifelsfall immer vorher fragen, ob kub. Pesos akzeptiert werden (?Accepta moneda nacional?).
    Ohne Spanischkenntnisse macht eine Individualreise (ohne organisierte Reisegruppe) in Kuba wenig Sinn, weil die wenigsten Leute Englisch können (selbst in den Casas Particulares nicht). Fahrkartenkauf für Bahn oder Bus z.B. geht ohne Spanisch gar nicht. Außerhalb von Havanna spricht so gut wie kein Mensch Englisch. Je besser die Spanischkenntnisse, umso weniger wird man beschissen.
    Vorsicht vor Schleppern, vor allem in Havanna: Als Tourist wird man von vielen Leuten als wandelnde Brieftasche angesehen, und mit vielen Tricks versuchen einige "Spezialisten" einem möglichst viele Devisen abzuknöpfen. Z.B. gibt es die Masche mit dem Salsa-Festival: Jemand quatscht einen auf Englisch an und behauptet, in Havanna ist gerade ein Salsa-Festival und er könne einem eine gute Bar zeigen, wo gerade der Bär steppt. Am Ende landet man in einer elenden Spelunke mit total überteuerten Drinks, und der Schlepper läßt sich dann auch noch Drinks spendieren und bettelt einen am Ende noch um ein paar CUC an, um angeblich Milch für die Kinder kaufen zu können.
    Oder man wird angesprochen mit der Geschichte, dass das Kind schwerkrank wäre und man dringend Medizin braucht, und ob man nicht ein paar CUC übrig hätte.
    Kubanische Großstädte sich die sichersten der Welt, aber man sollte sich vor Schleppern, Diebstahl und Bettelei in Acht nehmen.
    Geschenke in Form von Kugelschreibern oder Seife oder Kosmetika für die Frauen sind o.k. und werden dankbar genommen.
    Aber die Dinge ändern sich schnell in Kuba (neues Reisegesetz, weitere Liberalisierung von Handwerk und Dienstleistungen), so dass mein Wissensstand vielleicht schon wieder veraltet ist (Stand: 2011).

    Lg. Eckart

  • Steffania

    Danke für den interessanten Bericht mit vielen Hintergrundinfos. Kuba steht bei mir 2015 auf dem Plan und ich bin sehr gespannt, was mich erwarten wird.
    LG Steffi

  • frieden_schenker

    Hallo Steffi,

    dann wünsche ich Dir für 2015 eine schöne Reise nach Kuba. Sicher wird inzwischen sehr vieles anders sein als zu der Zeit, als wir in Kuba waren.
    Inzwischen gibt es ein neues Reisegesetz, welches den Kubanern erlaubt, frei zu reisen (wenn sie es sich denn leisten können) und in der Wirtschaft wurde sehr Vieles liberalisiert.

    Lg. Eckart

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  • diegoraiz

    Ich rate allen, die private Haushalte in Kuba in der Website zu buchen http://www.bedandbreakfastcuba.org .

  • Blula

    Hallo Eckard!
    Ich konnte hier mal einen Kubabericht von einem wahren Insider dieser Insel lesen. Danke, ich habe nun durch Dich so viel erfahren, wie bisher noch nirgendwo.
    LG Ursula

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