Drei Wochen Kuba in "Casas Particulares"

Reisebericht

Drei Wochen Kuba in "Casas Particulares"

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07.04.2011

Fahrt auf dem Rio Hatiguanico und Rückfahrt nach Havanna

Am Abend zuvor hatte uns Dayami, unsere Gastgeberin, gesagt, dass es nun doch wieder möglich wäre, eine Bootsfahrt auf dem Rio Hatiguanico zu unternehmen.

Wir wollten am Nachmittag mit dem VIAZUL-Bus zurück nach Havanna fahren. Der Taxifahrer, der Verwandte von Dayami würde uns auf dem Rückweg vom Rio Hatiguanico gleich an der Autobahnraststätte absetzen, wo der VIAZUL-Bus hält. Also nahmen wir unser Gepäck mit ins Taxi.

Unterwegs lasen wir unseren Führer auf.
Die Autofahrt zum Rio Hatiguanico dauerte eine ganze Weile. Es ging erst ein ganzes Stück auf der Autobahn in Richtung Havanna.
Unterwegs schlug uns unser Taxifahrer vor, uns einen guten Preis für die Rückfahrt mit dem Taxi nach Havanna zu machen. Ich rechnete alles durch und kam zu dem Ergebnis, dass wir auf diese Weise auch nicht mehr bezahlen würden, als wenn wir mit dem Taxi zur Autobahnraststätte zurückfahren würden und dann mit dem Bus fahren würden. Zum Glück hatten wir noch keine Busfahrkarten gekauft und noch keine Plätze reserviert.

Nach einigen Kilometern Fahrt über eine holprige Nebenstraße in den Nationalpark kamen wir zum Rio Hatiguanico. Dort war ein kleines Häuschen mit einer Anlegestelle, an der Motorboote festgemacht waren.
Wir stiegen ein und fuhren los.

Zunächst fuhren wir durch flaches Wasser. Am Ufer sahen wir einige Geier und mehrere Wasserschildkröten. Plötzlich rief meine Freundin: "Ein Krokodil!" Tatsächlich, wir hatten Glück. Das Krokodil (siehe Foto) war gerade vom Ufer ins Wasser gesprungen und untergetaucht. Nach einer Weile sahen wir es, wie es regungslos an einem kleinen Ast mit dem Kopf aus dem Wasser schaute.
Selbst für unseren Führer war das ein Erlebnis. Er sagte, er wäre schon sehr oft auf diesem Fluß entlanggefahren, hätte aber noch nie ein Krokodil gesehen.

Der Fluß wurde immer breiter und tiefer. Wir sahen die Spuren des großen Waldbrandes der letzten Tage. An einigen Stellen rauchte und glimmte es immer noch. Zum Glück hatte der Regen den größten Teil der Brände gelöscht.

Schließlich kamen wir an eine breite Mündung des Flusses und hielten an. Unser Führer zeigte uns, wie aus einer Tiefe von ca. 20 Metern die Quelle des Flusses hervorsprudelte - erstaunlicherweise nicht am Anfang des Flusses, sondern in seiner Mitte!

Wir fuhren in einen Seitenarm des Flusses. An einigen Stellen war er so schmal, dass wir uns bücken mußten. Unser Führer konnte das Boot nicht mehr wenden, weil der Seitenarm zu schmal war. Also ließ er das Boot durch die Strömung wieder zurücktreiben, bis wir das offene Wasser erreichten.

Von hier bis zur Mündung ins Meer waren es noch viele Kilometer. Wir kehrten um.
Auf der Rückfahrt sahen wir noch einige Wasserschildkröten, die dann meistens schnell im Wasser verschwanden.

Die Rückfahrt mit dem Taxi nach Havanna verlief schnell und unkompliziert. Am frühen Nachmittag waren wir schon in unserem Casa Particular.

Nun hattten wir noch etwas mehr als einen Tag bis zum Rückflug vor uns. Diesen verbrachten wir entspannt in Havanna.

Zum Abschied kauften wir in dem Eiscafe, wo wir schon einmal angestanden und Eis gegessen hatten, eine Torte für wenige kubanische Pesos. Sie wurde auf einem Stück Pappe verkauft. Die Leute in der Straße fanden das sehr lustig, wie wir als ausländische Touristen mit solch einer Torte durch die Straße spazierten (was sonst meistens nur kubanische Frauen tun). Wir luden unsere Gastgeber zum Torte essen ein und verabschiedeten uns anschließend zur Fahrt zum Flughafen.

Rückblickend muss ich sagen, dass Kuba es auf jeden Fall wert ist, besucht zu werden, auch wenn es kein preiswertes Reiseziel ist. Es gibt traumhafte Strände mit sehr guter Wasserqualität, zahlreiche Nationalparks, gute Möglichkeiten zum Tauchen und Schnorcheln, viel Kultur und Musik in den Städten und eine weitgehend von Hochhäusern verschonte Kolonialarchitektur.

Aber man sollte viel Gelassenheit und Zeit mitbringen und auf allzu große Ansprüche in punkto Zuverlässigkeit, Pünktlichkeit und sanitären Luxus (zumindest im öffentlichen Bereich) verzichten.

Nervig fanden wir vor allem, dass man, vor allem in den Großstädten, sehr oft angebettelt wird. Die Versuchung, in wenigen Stunden das Monatsgehalt eines kubanischen Arbeiters zu verdienen, ist eben sehr groß.

Der kubanische Sozialismus ist mit Sicherheit nicht so verbissen, grau, eintönig und bürokratisch wie in der ehemaligen DDR. Die Kubaner finden immer Schlupflöcher, um den Staat auszutricksen. Zufrieden sind die wenigsten Kubaner. Sie wollen vor allem Reisefreiheit und mehr Geld, um sich die Dinge zu leisten, die bei uns im Westen selbstverständlich sind.

Die soziale Schieflage zwischen den Leuten, die Devisen verdienen und denen, die keine verdienen (darunter solche Leistungsträger wie Ärzte, Ingenieure, Lehrer), wird immer größer. Solch ein System kann langfristig nicht funktionieren, weil dann immer mehr der gut ausgebildeten Leute (über die Kuba ja verfügt) abwandern bzw. sich im Tourismussektor ansiedeln werden.

Allerdings darf man nicht übersehen, dass es in Kuba vieles gibt, wonach sich die Menschen in anderen lateinamerikanischen Ländern sehnen: kostenlose und gute Schulbildung für alle, ein flächendeckendes Gesundheitswesen, welches für alle zugänglich ist und eine vernachlässigbare Kriminalität. Havanna ist eine der sichersten Großstädte der Welt.
Kubas Züge sind zwar extrem unzuverlässig, aber sie fahren. In weiten Teilen Lateinamerikas gibt es überhaupt keine Personenzüge mehr.

Kubas Engagement im Umweltschutz ist zumindest für amerikanische Verhältnisse vorbildlich.

Aber die Dinge ändern sich auch in Kuba zunehmend schneller. Die Privatwirtschaft hält mit raschen Schritten Einzug. In diesem Jahr wurden Tausende Beschäftigte des staatlichen Sektors entlassen und eine Privatisierung der meisten Kleinbetriebe zugelassen.
Es gibt Joint-Ventueres großer staatlicher Unternehmen mit westlichen Firmen, z.B. die der kubanischen Telefongesellschaft ETECSA mit der spanischen Telekom.

Nach Jahrzehnten der Unterdrückung sind die katholische Kirche, aber auch viele Freikirchen und neue religiöse Strömungen (wie der Santeria-Kult) auf dem Vormarsch. Die Kirchen, die wir gesehen haben, waren alle in tadellosem Zustand bzw. wurden gerade renoviert und waren meistens voll.

Bleibt zu wünschen, dass von Kubas Sozialismus zumindest die positiven Seiten erhalten bleiben.

Zum Abschluß noch die Kontaktadressen von 2 Casas Particulares:

Playa Larga, Peninsula de Zapata (Bahia de Cochinas / Schweinebucht):

1 klimatisierte Ferienwohnung mit fließendem warmen und kalten Wasser, WC, Kühlschrank, 3 Minuten bis zum Strand.
Dayami ist gelernte Biologin, hat im Nationalpark gearbeitet und kann alle geführten Touren in den Nationalpark vermitteln.
Frühstück und Abendessen sind sehr zu empfehlen - ausgezeichnete Küche!
Dayamis Mann bereitet den besten Mojito zu, den wir in Kuba getrunken haben.

Sra. Dayami Rodiguez & Sr. Eddy Sanchez
Barrio Caleton, Playa Larga,
Cienaga de Zapata
Matanzas, Cuba
Cod. postal: 43 000
Tel: (0145) 987145
e-mail: dayamichato@yahoo.es

In Havanna, Altstadt:

Habitaciones Dos Leones - Nelson

zentrale Lage, 7 Minuten zum Plaza Vieja, 15 Minuten zum Hauptbahnhof;
2 klimatisierte Zimmer mit fließendem warmen und kalten Wasser, WC, Kühlschrank; Frühstück und Abendessen nach Wunsch (sehr gut, alles hausgemacht), sehr freundlich und hilfsbereit

Nelson Sarduy
Calle Merced No. 14
entre Oficios y San Igancio
Habana Vieja
Tel.: 0053 07 860 3987
E-Mail: nelsonsarduy@yahoo.es



Anlegestelle am Rio Negro (Seitenarm des Rio...


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Kommentare

  • doubleegg

    Kuba ausführlich und hautnah. Ein umfassender Bericht der nichts wegläßt und nichts beschönigt. Den harten Alltag auf der Insel erfahren selbst privilegierte (Individual) Touristen und es liegt viel an der Mentalität des Reisenden, wie er damit umgeht. Nicht nur mit schwierigen Transportbedingungen oder Lebensmittelknappheit, mehr noch ist es die traurige Einsicht, dass hier ein Volk für dumm verkauft und um sein Leben betrogen wird. Ich drücke den Kubanern die Daumen für eine freie und gerechtere Zukunft - sie haben es verdient.

  • rojo1.

    Hallo, Wie hiess denn die casa in Havana, und hast Du sonst noch Empfehlungen zu den casas? Danke!

  • frieden_schenker

    Hallo Rojo1,

    das Casa Particular in Havanna, wo wir übernachtet haben, heißt Dos Leones Nelson, Anschrift: Nelson Sarduy, Calle Merced No. 14 und befindet sich zwischen Oficio und San Ignacio in Haban Vieja (Altstadt). Tel.: 0053-07-8603987, e-mail: nelsonsarduy@yahoo.es

    Ich habe noch eine Empfehlung in Playa Larga (das ist an der Schweinbucht an der Karibikküste, guter Ausgangspunkt für Exkursionen in den Urwald (Krokodile, Geier, Schildkröten, Kolibris, Tocororo etc.) und nur wenige Minuten von einem herrlichen Strand entfernt (das Titelbild von meinem Reisebericht zeigt diesen Strand). Dayami, die Gastgeberin, ist studierte Biologin und hat beste Beziehungen zu allem, was mit dem angrenzenden Nationalpark zu tun hat.
    Ausgezeichnete Schnorchelplätze und eine Krokodilfarm sind auch in der Nähe.

    Anschrift: Sra. Dayami Rodriguez y Sr. Eddy Sanchez, Barrio Caleton, Playa Larga, Matanzas, Cuba, Code postal: 43 000, Tel.: 0145-987145, e-mail: dayamichato@yahoo.es.

    Liebe Grüße

    Eckart

  • NinaVesela

    Hallo Eckart, tolles Bericht! Mein Mann und ich wollen wir nächstes Jahr eine Reise nach Kuba machen. Deine Tipps sind sehr hilfsreich. Könntest du mir sagen, was für Geldsumme man einplanen soll. Habt ihr Bargeld immer dabei gehabt? Danke im Voraus. Grüße

  • frieden_schenker

    Hallo NinaVesela,

    das hängt davon ab, wie lange Ihr in Kuba bleiben wollt. Wir hatten zu zweit für 3 Wochen ca. 3000 Euro (einschließlich Flug mit Air France und einschließlich Übernachtungen in Casa Particulares) gebraucht.
    Bargeld solltet Ihr immer dabei haben, und zwar 90% in CUC (Pesos Convertibles) und etwa 10% (so ca. 200 Euro) in kubanischen Pesos (moneda nactional). Kreditkarten funktionieren nur in großen teuren Hotels und Reiseschecks gar nicht, also alles in bar mitnehmen.
    Alle Züge, Fähren und Fernbusse (Viazul) müssen in CUC bezahlt werden, genauso wie die Unterkunft und die meisten Taxis (mit Taxifahrern kann man handeln und ggf. den umgerechneten Betrag, den man sonst in CUC bezahlt hätte, auch in kubanischen Pesos bezahlen). In allen größeren Restaurants und Bars muss man in CUC bezahlen, aber viele Paladares nehmen auch kub. Pesos.
    Die neuen Devisengeschäfte nehmen ausschließlich CUC, aber beim Bäcker, auf dem Agropecuario (Obst- / Gemüsemarkt), im normalen Cafe und an Guarapo-Stand (Zuckerrohrsaft) kann mit kub. Pesos bezahlt werden. Im Zweifelsfall immer vorher fragen, ob kub. Pesos akzeptiert werden (?Accepta moneda nacional?).
    Ohne Spanischkenntnisse macht eine Individualreise (ohne organisierte Reisegruppe) in Kuba wenig Sinn, weil die wenigsten Leute Englisch können (selbst in den Casas Particulares nicht). Fahrkartenkauf für Bahn oder Bus z.B. geht ohne Spanisch gar nicht. Außerhalb von Havanna spricht so gut wie kein Mensch Englisch. Je besser die Spanischkenntnisse, umso weniger wird man beschissen.
    Vorsicht vor Schleppern, vor allem in Havanna: Als Tourist wird man von vielen Leuten als wandelnde Brieftasche angesehen, und mit vielen Tricks versuchen einige "Spezialisten" einem möglichst viele Devisen abzuknöpfen. Z.B. gibt es die Masche mit dem Salsa-Festival: Jemand quatscht einen auf Englisch an und behauptet, in Havanna ist gerade ein Salsa-Festival und er könne einem eine gute Bar zeigen, wo gerade der Bär steppt. Am Ende landet man in einer elenden Spelunke mit total überteuerten Drinks, und der Schlepper läßt sich dann auch noch Drinks spendieren und bettelt einen am Ende noch um ein paar CUC an, um angeblich Milch für die Kinder kaufen zu können.
    Oder man wird angesprochen mit der Geschichte, dass das Kind schwerkrank wäre und man dringend Medizin braucht, und ob man nicht ein paar CUC übrig hätte.
    Kubanische Großstädte sich die sichersten der Welt, aber man sollte sich vor Schleppern, Diebstahl und Bettelei in Acht nehmen.
    Geschenke in Form von Kugelschreibern oder Seife oder Kosmetika für die Frauen sind o.k. und werden dankbar genommen.
    Aber die Dinge ändern sich schnell in Kuba (neues Reisegesetz, weitere Liberalisierung von Handwerk und Dienstleistungen), so dass mein Wissensstand vielleicht schon wieder veraltet ist (Stand: 2011).

    Lg. Eckart

  • Steffania

    Danke für den interessanten Bericht mit vielen Hintergrundinfos. Kuba steht bei mir 2015 auf dem Plan und ich bin sehr gespannt, was mich erwarten wird.
    LG Steffi

  • frieden_schenker

    Hallo Steffi,

    dann wünsche ich Dir für 2015 eine schöne Reise nach Kuba. Sicher wird inzwischen sehr vieles anders sein als zu der Zeit, als wir in Kuba waren.
    Inzwischen gibt es ein neues Reisegesetz, welches den Kubanern erlaubt, frei zu reisen (wenn sie es sich denn leisten können) und in der Wirtschaft wurde sehr Vieles liberalisiert.

    Lg. Eckart

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  • diegoraiz

    Ich rate allen, die private Haushalte in Kuba in der Website zu buchen http://www.bedandbreakfastcuba.org .

  • Blula

    Hallo Eckard!
    Ich konnte hier mal einen Kubabericht von einem wahren Insider dieser Insel lesen. Danke, ich habe nun durch Dich so viel erfahren, wie bisher noch nirgendwo.
    LG Ursula

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