Drei Wochen Kuba in "Casas Particulares"

Reisebericht

Drei Wochen Kuba in "Casas Particulares"

Seite 14 von 15
06.04.2011

Vogelbeobachtungsausflug zur Reserva de Bermejas und Krabben im Wald

Eigentlch wollten wir eine Bootsfahrt auf dem Rio Hatiguanica machen. Aber unsere Gastgeberin Dayami hatte uns gesagt, dass zur Zeit zu wenig Wasser in dem Fluß wäre, und außerdem gäbe es zahlreiche Waldbrände in dieser Gegend.

Als Alternative hatten wir uns entschlossen, auf Vogelbeobachtungstour zu gehen. Mit einem erfahrenen Ornithologen wollten wir durch den Urwald in der Reserva de Bermeja streifen und nach seltenen bzw. interessanten Vögeln Aussschau halten.

Nach dem Frühstück hielt der Fahrer mit dem alten US-amerikanischen Auto, welches am Vortag den Geist aufgegen hatte, vor unserer Wohnung an. Diesmal schien das Auto besser drauf zu sein.
Außer dem Fahrer saßen noch ein englisches Paar drin.

Der Fahrer erzählte uns, dass er einen Wolga-Motor (Wolga ist eine russische Automarke) in das Fahrzeug eingebaut hatte. Seitdem gäbe es immer Probleme mit dem Getriebe. So ganz richtig schien der russische Motor nicht mit dem US-amerikanischen Getriebe zusammenarbeiten zu wollen. Jedesmal rasselte es jedes Mal gehörig, wenn der Fahrer den Gang wechselte, und er mußte eine Weile herumprobieren, bis das Getriebe richtig schaltete.

In einem Nachbardorf lasen wir unseren Führer auf, einen sehr kompetenten und leidenschaftlichen Ornithologen. Diesmal ging es zu Fuß weiter - wie schön! Allerdings machten uns schon bald die Mücken zu schaffen.

Wir wanderten durch teilweise üppigen Dschungel.

Unser Ornithologe hatte einen CD-Player dabei, mit welchem er die entsprechenden Vogelgeräusche imitierte.

Unser erstes großes Erlebnis waren 2 kubanische Spechte, die sich an einem Baumstamm gegenübersaßen.
Dann klopfte unser Ornithologe an einen abgestorbenen Baumstamm. Etwas regte sich in dem Baum, und eine Eule lugte aus der Öffnung des Baumes nach oben heraus.

Im weiteren Verlauf unserer Wanderung sahen wir noch einige Eulen, Spechte, Tocororos (Kubas Nationalvogel mit den Farben der kubanischen Flagge), Kolibris, Zaunkönige und andere unbekannte Arten. Viele der Vogelarten, die wir sahen, sind endemisch, d.h. sie kommen nur in dieser Region vor.
Jedesmal, wenn wir eine seltene endemische Vogelart zu sehen bekamen, frühte sich unser Ornithologe riesig. Man merkte ihm an, dass er mit Herz und Seele Ornithologe war.

Ein weiterer Höhepunkt war eine Eule, die gerade einen Specht gefangen hatte, und dabei war, diesen aufzuessen.

Am frühen Nachmittag kamen wir wieder in Playa Larga an. Unser Fahrer erzählte uns, dass es zur Zeit eine regelrechte Krabbenplage gäbe. Die Straßen wären so überfüllt mit Krabben, dass sie teilweise gesperrt werden müßten. Mit ihren scharfen Scheren stellen sie eine große Gefahr für Autoreifen dar.
Auf der Rückfahrt sahen wir schon einige Krabben auf der Straße.

Nach unserer Rückkehr beschloß ich, der Sache auf den Grund zu gehen, und mir die "Krabbenplage" anzusehen. Meine Freundin blieb zu Hause, um sich auszuruhen.

Ich wanderte am Ufer der Schweinebucht entlang, vorbei an schönen Stränden, Korallenriffen und Tauchressorts.

In einem Wald direkt am Wasser wurde ich schließlich fündig. Es raschelte an allen Ecken und Enden. Blieb ich eine Weile stehen, kamen Krabben, so groß wie Kokosnüsse, in rot-schwarz, gelb-schwarz und orange-schwarz, aus zahlreichen Löchern gekrochen. Manche kletterten die Bäume hoch, mache kämpften miteinander. Es war faszinierend, sie zu beobachten. Bei der kleinsten Bewegung huschten sie alle wieder in ihre Löcher zurück. Es müssen Tausende gewesen sein. Auf jedem Quadratmeter waren mehrere Krabben zu sehen. Mehr als eine Stunde beobachtete ich das bunte Treiben, dann machte ich mich auf den Rückweg.

Am Abend nach dem Bad im Meer wurden wir doch noch Zeuge eines richtigen tropischen Regenschauers. Gerade hatten wir uns auf der Veranda unserer Wohnung in Sicherheit gebracht, da fing es an, wie aus Gießkannen zu regnen. Etwa eine halbe Stunde dauerte es, dann war alles vorbei. Eine halbe Stunde später schien die Sonne, als wäre nichts gewesen.



zwei Spechte an einem Baum


Teilen auf

Mein Interessenprofil

Bitte melden Sie sich an, um Reiseziele zu Ihrem Interessenprofil hinzuzufügen.

Kommentare

  • doubleegg

    Kuba ausführlich und hautnah. Ein umfassender Bericht der nichts wegläßt und nichts beschönigt. Den harten Alltag auf der Insel erfahren selbst privilegierte (Individual) Touristen und es liegt viel an der Mentalität des Reisenden, wie er damit umgeht. Nicht nur mit schwierigen Transportbedingungen oder Lebensmittelknappheit, mehr noch ist es die traurige Einsicht, dass hier ein Volk für dumm verkauft und um sein Leben betrogen wird. Ich drücke den Kubanern die Daumen für eine freie und gerechtere Zukunft - sie haben es verdient.

  • rojo1.

    Hallo, Wie hiess denn die casa in Havana, und hast Du sonst noch Empfehlungen zu den casas? Danke!

  • frieden_schenker

    Hallo Rojo1,

    das Casa Particular in Havanna, wo wir übernachtet haben, heißt Dos Leones Nelson, Anschrift: Nelson Sarduy, Calle Merced No. 14 und befindet sich zwischen Oficio und San Ignacio in Haban Vieja (Altstadt). Tel.: 0053-07-8603987, e-mail: nelsonsarduy@yahoo.es

    Ich habe noch eine Empfehlung in Playa Larga (das ist an der Schweinbucht an der Karibikküste, guter Ausgangspunkt für Exkursionen in den Urwald (Krokodile, Geier, Schildkröten, Kolibris, Tocororo etc.) und nur wenige Minuten von einem herrlichen Strand entfernt (das Titelbild von meinem Reisebericht zeigt diesen Strand). Dayami, die Gastgeberin, ist studierte Biologin und hat beste Beziehungen zu allem, was mit dem angrenzenden Nationalpark zu tun hat.
    Ausgezeichnete Schnorchelplätze und eine Krokodilfarm sind auch in der Nähe.

    Anschrift: Sra. Dayami Rodriguez y Sr. Eddy Sanchez, Barrio Caleton, Playa Larga, Matanzas, Cuba, Code postal: 43 000, Tel.: 0145-987145, e-mail: dayamichato@yahoo.es.

    Liebe Grüße

    Eckart

  • NinaVesela

    Hallo Eckart, tolles Bericht! Mein Mann und ich wollen wir nächstes Jahr eine Reise nach Kuba machen. Deine Tipps sind sehr hilfsreich. Könntest du mir sagen, was für Geldsumme man einplanen soll. Habt ihr Bargeld immer dabei gehabt? Danke im Voraus. Grüße

  • frieden_schenker

    Hallo NinaVesela,

    das hängt davon ab, wie lange Ihr in Kuba bleiben wollt. Wir hatten zu zweit für 3 Wochen ca. 3000 Euro (einschließlich Flug mit Air France und einschließlich Übernachtungen in Casa Particulares) gebraucht.
    Bargeld solltet Ihr immer dabei haben, und zwar 90% in CUC (Pesos Convertibles) und etwa 10% (so ca. 200 Euro) in kubanischen Pesos (moneda nactional). Kreditkarten funktionieren nur in großen teuren Hotels und Reiseschecks gar nicht, also alles in bar mitnehmen.
    Alle Züge, Fähren und Fernbusse (Viazul) müssen in CUC bezahlt werden, genauso wie die Unterkunft und die meisten Taxis (mit Taxifahrern kann man handeln und ggf. den umgerechneten Betrag, den man sonst in CUC bezahlt hätte, auch in kubanischen Pesos bezahlen). In allen größeren Restaurants und Bars muss man in CUC bezahlen, aber viele Paladares nehmen auch kub. Pesos.
    Die neuen Devisengeschäfte nehmen ausschließlich CUC, aber beim Bäcker, auf dem Agropecuario (Obst- / Gemüsemarkt), im normalen Cafe und an Guarapo-Stand (Zuckerrohrsaft) kann mit kub. Pesos bezahlt werden. Im Zweifelsfall immer vorher fragen, ob kub. Pesos akzeptiert werden (?Accepta moneda nacional?).
    Ohne Spanischkenntnisse macht eine Individualreise (ohne organisierte Reisegruppe) in Kuba wenig Sinn, weil die wenigsten Leute Englisch können (selbst in den Casas Particulares nicht). Fahrkartenkauf für Bahn oder Bus z.B. geht ohne Spanisch gar nicht. Außerhalb von Havanna spricht so gut wie kein Mensch Englisch. Je besser die Spanischkenntnisse, umso weniger wird man beschissen.
    Vorsicht vor Schleppern, vor allem in Havanna: Als Tourist wird man von vielen Leuten als wandelnde Brieftasche angesehen, und mit vielen Tricks versuchen einige "Spezialisten" einem möglichst viele Devisen abzuknöpfen. Z.B. gibt es die Masche mit dem Salsa-Festival: Jemand quatscht einen auf Englisch an und behauptet, in Havanna ist gerade ein Salsa-Festival und er könne einem eine gute Bar zeigen, wo gerade der Bär steppt. Am Ende landet man in einer elenden Spelunke mit total überteuerten Drinks, und der Schlepper läßt sich dann auch noch Drinks spendieren und bettelt einen am Ende noch um ein paar CUC an, um angeblich Milch für die Kinder kaufen zu können.
    Oder man wird angesprochen mit der Geschichte, dass das Kind schwerkrank wäre und man dringend Medizin braucht, und ob man nicht ein paar CUC übrig hätte.
    Kubanische Großstädte sich die sichersten der Welt, aber man sollte sich vor Schleppern, Diebstahl und Bettelei in Acht nehmen.
    Geschenke in Form von Kugelschreibern oder Seife oder Kosmetika für die Frauen sind o.k. und werden dankbar genommen.
    Aber die Dinge ändern sich schnell in Kuba (neues Reisegesetz, weitere Liberalisierung von Handwerk und Dienstleistungen), so dass mein Wissensstand vielleicht schon wieder veraltet ist (Stand: 2011).

    Lg. Eckart

  • Steffania

    Danke für den interessanten Bericht mit vielen Hintergrundinfos. Kuba steht bei mir 2015 auf dem Plan und ich bin sehr gespannt, was mich erwarten wird.
    LG Steffi

  • frieden_schenker

    Hallo Steffi,

    dann wünsche ich Dir für 2015 eine schöne Reise nach Kuba. Sicher wird inzwischen sehr vieles anders sein als zu der Zeit, als wir in Kuba waren.
    Inzwischen gibt es ein neues Reisegesetz, welches den Kubanern erlaubt, frei zu reisen (wenn sie es sich denn leisten können) und in der Wirtschaft wurde sehr Vieles liberalisiert.

    Lg. Eckart

  • nach oben nach oben scrollen
  • diegoraiz

    Ich rate allen, die private Haushalte in Kuba in der Website zu buchen http://www.bedandbreakfastcuba.org .

  • Blula

    Hallo Eckard!
    Ich konnte hier mal einen Kubabericht von einem wahren Insider dieser Insel lesen. Danke, ich habe nun durch Dich so viel erfahren, wie bisher noch nirgendwo.
    LG Ursula

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Drei Wochen Kuba in "Casas Particulares" 5.00 17

Beliebte Community-Inhalte: AustralienNorwegenThailandVietnamItalienBarcelonaIndien ReiseführerIndien Tipps