Drei Wochen Kuba in "Casas Particulares"

Reisebericht

Drei Wochen Kuba in "Casas Particulares"

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04.04.2011

von Havanna nach Playa Larga

Nach dem Frühstück fuhren wir mit einem Taxi zum VIAZUL-Busbahnhof von Havanna. Für die Touristen gibt es in Havanna einen eigenen kleinen Busbahnhof an Rande von Habana Vedado (Vedado Nuebo). Die Kubaner fahren vom großen Busbahnhof am Plaza de la Revolucion in Habana Vedado. Seit ein paar Jahren dürfen ausländische Touristen die ASTRO-Busse, mit denen die Kubaner größere Strecken verreisen, nicht mehr benutzen.
Diesmal ging es nach Playa Larga an der berühmten Schweinebucht (Bahia de Cochinas) an der Karbikküste. Dort war eine von der CIA inszenierte Invasion im April 1961 kläglich gescheitert. Noch heute findet man dort in der Umgebung Wrackteile der versenkten US-amerikanischen Schiffe. Unser Interesse galt aber nicht der Geschichte, sondern dem Gran Parque Natural Montemar, Kubas größtem Sumpf.

Unsere Fahrt führte die Autopista A1 Richtung Santa Clara entlang, vorbei an ausgedehnten Zuckerrohr und Pampelmusenplantagen. Die Autobahn besitzt 3 Fahrspuren pro Fahrtrichtung und ist kaum befahren. Auf dem Seitenstreifen begegneten uns Pferde- und Ochsengespanne, Fahrräder und Fußgänger. Ab und zu mußte unser Bus die Fahrspur wechseln, um riesigen Schlaglöchern auszuweichen. Der Mittelstreifen der Autobahn ist nicht von der Fahrbahn abgetrennt, wie bei uns, sondern man kann an Kreuzungen auch nach links abbiegen.
Am Stadtrand von Havanna, an einer Ausfallstraße befindet sich die offizielle Stelle zum Trampen. Das Trampen ist in Kuba staatlich organisiert. Sogenannte Amarillos (wegen der gelben Uniformen, die sie tragen) helfen den Trampern, Autos anzuhalten. Alle nicht vollbesetzten Autos mit blauen (staatseigenen) Nummernschilder müssen anhalten, sonst riskieren sie eine Strafe.
Wir fuhren bis zur Raststätte von Jagüey Grande. Dort wurden wir von einem Taxi abgeholt. Der Taxifahrer war ein Verwandter von Dayami, unserer Gastgeberin in Playa Larga. Er war eigentlich Ingenieur für Telekommunikation. Aber er erzählte uns, dass er mit dem Taxifahren ein -zigfaches von dem Verdient, was er als Ingenieur bekommen würde. Eigentlich unbegreiflich, aber typisch für Kuba.
Am frühen Nachmittag trafen wir in unserem neuen Zuhause für die nächsten 3 Tage ein. Dayami ist eigentlich Biologin und arbeitete früher im Nationalpark. Aber das Casa Particular bringt ihr wesentlich mehr Geld ein als ihr Beruf als Biologin. Nebenbei studiert sie Jura.
Unser Haus befand sich nur wenige Minuten vom Karibikstrand.
Wir waren die einzigsten Badegäste. Ein junger Mann kletterte auf eine Kokospalme am Strand und hieb mit einer Machete alle Kokosnüsse ab. Er schenkte jedem von uns eine Nuß, die er vorher aufschnitt.
Unsere Gastgeberin ist eine fantastische Köchin. Zum Abendessen gab es u.a. gebratenes Krokodilfleisch von der Krokodilfarm in der Nähe. Es schmeckte sehr gut.
Dayamis Vergangenheit als Biologin im Nationalpark war sehr nützlich für uns. Sie kannte viele Leute, die dort arbeiten und konnte sehr kurzfristig für uns Führungen durch den Nationalpark organisieren. Auch hier, wie überall in Kuba, kommt man ohne Führer nicht in den Nationalpark hinein.
Playa Larga befindet sich direkt neben dem Nationalpark. Gegenüber von unserem Haus erstrecken sich undurchdringliche Sumpfgebiete. Vor allem Abends wird es hier auch recht ungemütlich - wegen der vielen Mücken.
Außer Expeditionen in den Nationalpark kann man hier noch baden, am Strand liegen oder tauchen.
Kurz vor dem Zubettgehen erblickten wir einen Frosch in Toilettenbecken. Nach einer Weile wurde ihm unsere Gegenwart wohl zu unangenehm, und er sprang mit einem großen Satz aus dem Toilettenbecken heraus, von dort ins Wohnzimmer und dort an die Wand. Nach einer Weile war er verschwunden.
Wir bemerkten, dass wir noch andere Mitbewohner hatten. Ein Gecko spazierte die Wohnzimmerwand entlang. Beides recht angenehme Zimmergenossen, halten sie doch die Mücken in Schach, sollten es doch welche schaffen, durch die Moskitonetze an den Fenstern und Türen zu gelangen.



Kokosnußernte am Karibikstrand von Playa Larga




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Kommentare

  • doubleegg

    Kuba ausführlich und hautnah. Ein umfassender Bericht der nichts wegläßt und nichts beschönigt. Den harten Alltag auf der Insel erfahren selbst privilegierte (Individual) Touristen und es liegt viel an der Mentalität des Reisenden, wie er damit umgeht. Nicht nur mit schwierigen Transportbedingungen oder Lebensmittelknappheit, mehr noch ist es die traurige Einsicht, dass hier ein Volk für dumm verkauft und um sein Leben betrogen wird. Ich drücke den Kubanern die Daumen für eine freie und gerechtere Zukunft - sie haben es verdient.

  • rojo1.

    Hallo, Wie hiess denn die casa in Havana, und hast Du sonst noch Empfehlungen zu den casas? Danke!

  • frieden_schenker

    Hallo Rojo1,

    das Casa Particular in Havanna, wo wir übernachtet haben, heißt Dos Leones Nelson, Anschrift: Nelson Sarduy, Calle Merced No. 14 und befindet sich zwischen Oficio und San Ignacio in Haban Vieja (Altstadt). Tel.: 0053-07-8603987, e-mail: nelsonsarduy@yahoo.es

    Ich habe noch eine Empfehlung in Playa Larga (das ist an der Schweinbucht an der Karibikküste, guter Ausgangspunkt für Exkursionen in den Urwald (Krokodile, Geier, Schildkröten, Kolibris, Tocororo etc.) und nur wenige Minuten von einem herrlichen Strand entfernt (das Titelbild von meinem Reisebericht zeigt diesen Strand). Dayami, die Gastgeberin, ist studierte Biologin und hat beste Beziehungen zu allem, was mit dem angrenzenden Nationalpark zu tun hat.
    Ausgezeichnete Schnorchelplätze und eine Krokodilfarm sind auch in der Nähe.

    Anschrift: Sra. Dayami Rodriguez y Sr. Eddy Sanchez, Barrio Caleton, Playa Larga, Matanzas, Cuba, Code postal: 43 000, Tel.: 0145-987145, e-mail: dayamichato@yahoo.es.

    Liebe Grüße

    Eckart

  • NinaVesela

    Hallo Eckart, tolles Bericht! Mein Mann und ich wollen wir nächstes Jahr eine Reise nach Kuba machen. Deine Tipps sind sehr hilfsreich. Könntest du mir sagen, was für Geldsumme man einplanen soll. Habt ihr Bargeld immer dabei gehabt? Danke im Voraus. Grüße

  • frieden_schenker

    Hallo NinaVesela,

    das hängt davon ab, wie lange Ihr in Kuba bleiben wollt. Wir hatten zu zweit für 3 Wochen ca. 3000 Euro (einschließlich Flug mit Air France und einschließlich Übernachtungen in Casa Particulares) gebraucht.
    Bargeld solltet Ihr immer dabei haben, und zwar 90% in CUC (Pesos Convertibles) und etwa 10% (so ca. 200 Euro) in kubanischen Pesos (moneda nactional). Kreditkarten funktionieren nur in großen teuren Hotels und Reiseschecks gar nicht, also alles in bar mitnehmen.
    Alle Züge, Fähren und Fernbusse (Viazul) müssen in CUC bezahlt werden, genauso wie die Unterkunft und die meisten Taxis (mit Taxifahrern kann man handeln und ggf. den umgerechneten Betrag, den man sonst in CUC bezahlt hätte, auch in kubanischen Pesos bezahlen). In allen größeren Restaurants und Bars muss man in CUC bezahlen, aber viele Paladares nehmen auch kub. Pesos.
    Die neuen Devisengeschäfte nehmen ausschließlich CUC, aber beim Bäcker, auf dem Agropecuario (Obst- / Gemüsemarkt), im normalen Cafe und an Guarapo-Stand (Zuckerrohrsaft) kann mit kub. Pesos bezahlt werden. Im Zweifelsfall immer vorher fragen, ob kub. Pesos akzeptiert werden (?Accepta moneda nacional?).
    Ohne Spanischkenntnisse macht eine Individualreise (ohne organisierte Reisegruppe) in Kuba wenig Sinn, weil die wenigsten Leute Englisch können (selbst in den Casas Particulares nicht). Fahrkartenkauf für Bahn oder Bus z.B. geht ohne Spanisch gar nicht. Außerhalb von Havanna spricht so gut wie kein Mensch Englisch. Je besser die Spanischkenntnisse, umso weniger wird man beschissen.
    Vorsicht vor Schleppern, vor allem in Havanna: Als Tourist wird man von vielen Leuten als wandelnde Brieftasche angesehen, und mit vielen Tricks versuchen einige "Spezialisten" einem möglichst viele Devisen abzuknöpfen. Z.B. gibt es die Masche mit dem Salsa-Festival: Jemand quatscht einen auf Englisch an und behauptet, in Havanna ist gerade ein Salsa-Festival und er könne einem eine gute Bar zeigen, wo gerade der Bär steppt. Am Ende landet man in einer elenden Spelunke mit total überteuerten Drinks, und der Schlepper läßt sich dann auch noch Drinks spendieren und bettelt einen am Ende noch um ein paar CUC an, um angeblich Milch für die Kinder kaufen zu können.
    Oder man wird angesprochen mit der Geschichte, dass das Kind schwerkrank wäre und man dringend Medizin braucht, und ob man nicht ein paar CUC übrig hätte.
    Kubanische Großstädte sich die sichersten der Welt, aber man sollte sich vor Schleppern, Diebstahl und Bettelei in Acht nehmen.
    Geschenke in Form von Kugelschreibern oder Seife oder Kosmetika für die Frauen sind o.k. und werden dankbar genommen.
    Aber die Dinge ändern sich schnell in Kuba (neues Reisegesetz, weitere Liberalisierung von Handwerk und Dienstleistungen), so dass mein Wissensstand vielleicht schon wieder veraltet ist (Stand: 2011).

    Lg. Eckart

  • Steffania

    Danke für den interessanten Bericht mit vielen Hintergrundinfos. Kuba steht bei mir 2015 auf dem Plan und ich bin sehr gespannt, was mich erwarten wird.
    LG Steffi

  • frieden_schenker

    Hallo Steffi,

    dann wünsche ich Dir für 2015 eine schöne Reise nach Kuba. Sicher wird inzwischen sehr vieles anders sein als zu der Zeit, als wir in Kuba waren.
    Inzwischen gibt es ein neues Reisegesetz, welches den Kubanern erlaubt, frei zu reisen (wenn sie es sich denn leisten können) und in der Wirtschaft wurde sehr Vieles liberalisiert.

    Lg. Eckart

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  • diegoraiz

    Ich rate allen, die private Haushalte in Kuba in der Website zu buchen http://www.bedandbreakfastcuba.org .

  • Blula

    Hallo Eckard!
    Ich konnte hier mal einen Kubabericht von einem wahren Insider dieser Insel lesen. Danke, ich habe nun durch Dich so viel erfahren, wie bisher noch nirgendwo.
    LG Ursula

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