Drei Tage in Shanghai

Reisebericht

Drei Tage in Shanghai

Reisebericht: Drei Tage in Shanghai

Drei Jahre hatte ich in Shanghai gelebt, bevor ich berufsbedingt im Oktober 2007 nach Tianjin zog. Anfang März trieb es uns wieder nach Shanghai, da meine Arbeitserlaubnis und das Visum von meiner Firma verlängert werden mussten. Es war für meine chinesische Frau und mich ein durchaus willkommener Grund, in unsere alte Heimat zu fahren.

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Taikang Lu

Hier konnte man sehen, was passierte, wenn ein Insidertipp zum Mainstream wurde. Vor drei Jahren war ich das erste Mal hier gewesen, als ich las es entstünde hier ein neues Künstlerviertel. Enttäuscht verließ ich damals die Strasse, da nichts zu sehen war. Heute wimmelte es geradezu von Menschen, ja fast nur von Ausländern. Einen schmalen Gang entlang, also nicht direkt an der Straße, tat sich tatsächlich so etwas alternatives Viertel auf. Es erinnerte an das Hamburger Schanzenviertel. Vielleicht war der Vergleich doch etwas weit hergeholt, aber das lag wohl daran, dass es hier so anders aussah, als sonst in Shanghai. Das Café Kommune zum Beispiel war eines der ersten hier gewesen. Es gehörte einem etwa 25 Jahre alten Australier, der sonntags großes Frühstück –mit dem Spiegelei und den Baked Beans – servierte. Für 48 Yuan war es nicht nur lecker, sondern auch günstig.
Das kleine chinesische Viertel mit seinen traditionellen Hofhäusern hatte sich zu einem Szeneviertel gewandelt, der kleinste Schuppen wurde hergerichtet und zum Cafe umgewandelt. Antiquitäten und Schreibutensilien mit chinesischen Symbolen wurden überteuert verkauft. Kunstvolle Fotografien wurden als Massenware angeboten. Und die Ausländer kauften willig ein. Trotzdem mochte ich das Viertel, es war wunderschön und versprühte keinen gekünstelten Charme. Es war langsam gewachsen, ohne dass ein großer Investor das Viertel luxussaniert hatte.



Shanghai Taikang Lu

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Mit dem Bus fuhr ich weiter nach Xujiahui, im von dort die Metro zu nehmen. Die Straße war atemberaubend. Es war ein fast schnurgerader Straßenzug - Xujiahui Lu und Zhaojiabang Lu - dessen 4 Fahrspüren je Richtung von einem Grünstreifen getrennt wurden. Mal war dies nur ein sehr schmaler Streifen, mal war dies fast schon eine Parkanlage. Zu der ohnehin schon großzügigen Straße kamen auf beiden Seiten noch jeweils eine Spur für Zweiräder hinzu sowie natürlich gelegentliche Abbiegerspuren. Links und rechts der Straße waren erst vor wenigen Jahren Hochhäuser entstanden. Hier wurde einem einmal mehr bewusst, dass man in einer Stadt mit 20 Millionen Einwohnern war.



Shanghai

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Abendessen in Gubei

Abends trafen wir uns mit Freunden im westlich gelegenen Stadtteil Gubei. Wir aßen Hotpot und ich freute mich über die umfangreiche Speisekarte, die ansprechend und auch auf englisch übersetzt war. Ich fragte mich zwar, weshalb man Kartoffel mit „Murphy“ übersetzte, war aber froh, dass wir kein Schweinehirn orderten. Auch vom bestellten Rindsmagen hielt ich mich fern, während die beiden Frauen den mit Begeisterung aßen. Mich erinnerte der vom Aussehen her an alte Schuhsohlen.
In Gubei lebten sehr, sehr viele Ausländer und um sie herum hatte sich eine entsprechende Infrastruktur gebildet. Es gab unzählige westliche Restaurants, unter anderem einen hervorragenden holländischen Bäcker (der zum Bsp. Sehr gutes Schwarzbrot und leckeren Kuchen anbot), Kneipen und Supermärkte. Viele boten allerdings ihre Waren zu ähnlichen Preise wie in Europa an. Ein Schwarzbrot für 2,50 Euro war schon nicht mehr ganz günstig, schon gar nicht, wenn man chinesisches Brot für weniger als einen Zehntel davon kaufen konnte. Gubei war vor einigen Jahren „auf der grünen Wiese“ gebaut wurden, daher gab es quasi keine ursprüngliche Bebauung hier in der Nähe des Hongqiao Flughafens. Wohnungspreise zählten zu den höchsten in der Stadt.



Hotpot

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Tag 3 - Buerobesuch und Metrofahrt

Montag hatte ich vormittags im Büro zu tun. Nach dem Frühstück - ich hatte ein Kartoffelsalat Sandwich – machte ich mich auf den Weg. Doch ich hatte Zeit, im Grunde musste ich nur meinen Pass und die Registrierung des Hotels abgeben. Nachdem alles erledigt war, gingen wir mit ein paar Leuten noch schnell zum Lunch, bevor ich mich verabschiedete. Wir landeten bei Pizza Hut. Da dort gerade Arabische Wochen waren, trug die Bedienung ein Handtuch auf dem Kopf.
Da Nahe unserem Büro die Metrolinie 8 neu eingeweiht worden war, nutze ich die Chance, um wenigstens mit einer der neuen Linien zu fahren. Metros faszinierten mich und eigentlich hatte mein Plan für die Tage in Shanghai Fahrten mit allen drei neuen Linien vorgesehen.
Bahnhofsarchitektur – auch von Metrostationen - konnte wunderschön, ja geradezu spektakulär sein. Davon zeugten die Bauten der Pariser Metro oder die der U-Bahn in Moskau. In London hatten einige der weltbesten Architekten Bahnhöfe für die „Jubilee Line Extension“ entworfen. Doch, Shanghai war da ganz anders. Auf der schon Anfang letzten Jahres eingeweihten Verlängerung der Linie 2 war es tatsächlich gelungen, Stationen zu entwerfen, die aussahen, als seien sie schon zehn Jahre alt. Nicht nur, dass man die Gestaltung der vorhandenen Stationen der Linie 2 exakt übernommen hatte. Nein, etwa die Station „Loushanguan Lu“ hatte schon zur Eröffnung einfach abgenutzt und fast schäbig ausgesehen.
Die neu gestalteten Metrostationen der Linie 8 glichen alle mehr oder weniger den in den letzten Jahren entstandenen. Dies lag daran, dass es offenbar in Shanghai stets das gleiche Designinstitute war, welches die Stationen entwarf. Sie waren meist weiß gestaltet und nur zur Orientierung in den Farben der jeweiligen Linie gekennzeichnet. Sie waren ansprechend, modern und nüchtern - aber alle zusammen einfach langweilig.



Shanghai Moganshan Lu M50

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Moganshan Lu und Rückfahrt

Nachmittags sah ich noch im Künstlerviertel M50 an der Moganshan Lu vorbei. In der Nähe des Hauptbahnhofes am Suzhou Creek gelegen, haben sich chinesische Künstler in einer alten Textifabrik Galerien, Ateliers und Werkstätten eingerichtet. Die Metrolinien 3 und 4 halten 10 bis 15 Minuten zu Fuß entfernt an der Zhongtan Lu. Auf dem Nachbargrundstück steht eine verlassene alte Villa, etwas weiter steht ein entkerntes Industriegebäude, von dem nur noch das Stahlbetonskelett übrig ist. Zwei alte Backsteinhallen stehen ebenfalls in der Naehe des Suzhou Creek, dessen Ufer gerade als Fußweg hergerichtet wird.



Shanghai Zhong Yuan Lian Wan Zhen

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Um die Ecke hatten wir bis vor ein paar Monaten gewohnt. Das Wohngebiet „Zhong Yuan Liang Wan Zhen“ zaeht zu den größten in Shanghai. Und schreckte mit seinen 34 geschossigen Bebauungen Freunde und Familie in Deutschland ab, die dies auf Fotos sahen. Unsere Besucher mussten jedoch zugeben, dass das verdichtete, am Wasser gelegene Viertel mit seinen Grünanlagen und Geschäften durchaus seinen Charme hat. Bei seiner Einweihung vor etwa zehn Jahren hatten sich die Bewohner noch bitterböse über den strengen Geruch des Suzhou Creek beschwert. Inzwischen sind aber die meisten Industrieanlagen entlang des Flusses verschwunden und die Wasserqualität konnte erheblich verbessert werden.
Ich musste zur neuen Buchhandlung in der Moganshan Lu, außerdem genoss ich die Atmosphäre zwischen den Galerien. Meine Frau hatte ein Jahr lang hier gearbeitet, daher kannte ich viele der Galerien – es machte mir besonderen Spaß, die Karikaturen der alten sozialistischen Bildnisse anzusehen. Davon gab es viele. Fotografien des modernen Shanghais, das sich mitteln Abrissbirnen ihren Weg durch das alte Shanghai fraß. Alles war hier irgendwie irgendwo zu finden.



Shanghai Moganshan Lu M50

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Abends ging es dann um 20.00 Uhr wieder nach Tianjin zurück. Leicht fiel es uns nicht, Shanghai wieder zu verlassen. Aber, Ende des Jahres würde mein vertrag auslaufen – es würde uns beiden deutlich leichter fallen, Tianjin zu verlassen und nach Deutschland zu gehen, als dies von Shanghai aus der Fall gewesen wäre.
Wir erreichten Tianjin wieder am Dienstagmorgen und waren um 7.15 Uhr zuhause. Es war fast noch die Zeit, zu der ich üblicherweise aufstand. Also ging es zuerst unter die Dusche, anschließend gab es Frühstück und dann konnte es zur Baustelle gehen. Im Zug hatte ich die Nacht hervorragend geschlafen und sah nicht ein, warum ich nicht zur Arbeit gehen sollte. Ich freute mich schon auf das naechste Mal in Shanghai ...



Shanghaii Railwaystation

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Kommentare

  • kawasakipower

    Vielen Dank für den ausführlichen Bericht,das vermittelt einem das wahre leben,sowas steht ja in keinem Reiseführer.
    Gruß Melanie

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Drei Tage in Shanghai 3.57 7

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