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Reisebericht: Bolivien - der Südwesten
Eine Reise durch den Altiplano, über den Salar de Uyuni und die Hochwüste im Südwesten mit ihren bunten Seen und Vulkanen
Wüste und Vulkane
Die letzen Ausbrüche liegen viele tausend Jahre zurück, und doch sieht es aus, als wäre es eben passiert. Schwefelbrocken liegen auf dem bunten Auswurf, bis auf ein paar Fahrspuren ist alles unberührt. Ab und an stehen ein paar hausgroße Felsen im Kies und bröseln vor sich hin. Formen von bizarrer Schönheit sind so entstanden, an einer Stelle heißen sie Dali-Rocks.
Vereinzelt trauen sich Grashalme an die Oberfläche und manchmal bilden karge Polster geometrische Muster. Weiter unten Steppen-Landschaft: bis an den Horizont kniehohe Büsche, die schon hunderte Jahre ums Überleben kämpfen. Und Llareta, das einzige Grün. Es kann mehrere Quadratmeter bedecken und sieht aus wie Moos. Aber es ist steinhart und ein zurückentwickelter Busch, innen verholzt.
Die Vulkane erreichen die 6000 Meter, es gibt hier keine Gletscher und wenige Schneefelder. So schön sie anzuschauen sind, für uns Bergsteiger sind sie kein Vergnügen. Allein besteige ich den Cerro Pabellon. Er thront über der Laguna Colorada und eigentlich sieht der Aufstieg von Süden harmlos aus. Es gibt zwar keinen Pfad, aber der Schotter ist nicht zu steil und lässt sich gut laufen. Doch bald balanciere ich über mürbe Blöcke, groß wie Gefriertruhen. Wenn sie nicht unter mir zerbrechen, drohen sie zu kippen - und die Nachbarn mit. Sturm kommt auf, der Wind greift den Körper an, die Sicht wird schlecht. In kurzer Zeit hat sich ein anständiges Horrorszenario zusammengebraut. Nach unten will ich hier nicht, zu fragil ist das Gestein. Auf dem Gipfel peitscht mir ein Graupelschauer ins Gesicht, aber ich finde einen etwas besseren Abstieg.
Der Licancabur über der Laguna Verde ist höher, aber einfacher. Es gibt einen klaren Pfad, denn schon die Inkas haben ihn bestiegen. Die Besteigungen von abgelegenen Bergen dieser Höhe in präkolumbischer Zeit sind ein ungeklärter Mythos. Aber vielleicht kann die Überlegenheit einer Herrscher-Kaste nicht besser demonstriert werden, als durch die Fähigkeit, sich in diese ebenso unwirtliche wie berührend schöne Landschaft zu begeben.
Flamingos und Vicuňas
Am Salar de Challaviri hatten wir eine weitere Nacht mit ca. -25°C. Die Morgensonne ist gerade da, aber der Anlasser mag sich noch nicht drehen. Wir gönnen ihm und uns die Erwärmung und spazieren die Küste entlang. Das seichte Salzwasser ist kompakt gefroren. Darinnen vier Flamingos, bis zu den Knien wie einbetoniert. Nur einer ist schon aufgetaut und steht durchgefroren und steif auf dem Eis. Nach einer Weile watschelt er zu Fuß los. Wir folgen am Ufer, er führt uns zu einer großen Kolonie. Hunderte Vögel sind hier, aber nur ganz langsam kommt das Leben in Gang. Mit dem Schnabel wird kopfüber Nahrung aus dem Salzwasser gefiltert. Der Flugbetrieb und das Schnattern nimmt allmählich zu. Plötzlich verabreden sich ein paar Jugendliche und üben ihren Balztanz. Noch etwas unsynchron, aber sicher nicht zum ersten Mal. Als wir zurückkommen, befreit sich gerade der letzte der Festgefrorenen. Und auch das Auto ist nun soweit, den Tag zu beginnen.
Das Überleben der zarten Vögel hier ist unglaublich anrührend, das der Vicuňas ebenso. In kleinen Gruppen halten sie große Fluchtdistanz und sind stets wachsam. Aber wohin sollen sie in der weiten Landschaft fliehen? Es sind zarte Geschöpfe, die kleinsten der Kameltiere. In 5000m Höhe lecken sie den ganzen Tag zwischen den Steinen herum, was sie da finden entzieht sich unserer Kenntnis. Ihre Kotplätze sind klar abgegrenzt, kreisrund und bis zu zwei Meter im Durchmesser. Als hätten sie Angst, die Landschaft zu beschmutzen. Sie scharren längliche Schlafkuhlen in den Kies, gleichmäßig wie im japanischen Garten. Ihr schönes Fell liefert die wärmste Wolle der Welt, und deswegen wurden sie beinahe ausgerottet. Sie sind nun streng geschützt, aktuell nehmen die Bestände deutlich zu. Im Dreiländereck Chile-Peru-Bolivien wird einmal im Jahr eine große Herde zusammengetrieben und geschoren. Ein Kilo Rohwolle wird für 1000 US-$ gehandelt. Sie gelten als nicht domestizierbar, und doch haben die Inkas aus ihnen Alpakas gezüchtet.
An einem Checkpoint im Hochland wird uns ein gefangenes Tier vorgeführt. Es ist am Verenden, das Fell ist stumpf. Für ein paar Bolivianos sollen wir es fotografieren. Natürlich lehnen wir ab, aber ich bin auch zu feige, etwas zu sagen.
Zurück
Ein langer Damm führt durch Salzschlamm zurück zum Salar de Uyuni. Wir hatten schon erheblich Probleme, die Piste hierher überhaupt zu finden. Am Ende des Steinwalls ist das Salz zwar kompakt, aber es steht unter Wasser. Bis zu den Radnarben, und die Ausdehnung der Überflutung ist nicht anzusehen. Es gefällt uns gar nicht, aber wir können die Situation nicht abschätzen und beschließen umzukehren. Wieder auf dem Damm steige ich zum Fotografieren auf das Autodach - und sehe am Horizont einen weißen Streifen. Jetzt wagen wir uns doch durch das Wasser, und schon nach wenigen Kilometern stehen wir auf trockenem Salz. Der Jeep hat nun eine dicke Salz-Kruste, aber wir fliegen mit 100km/h über die Sechsecke. Das GPS gibt die Richtung, und nach einer Stunde sind wir wieder auf „unserer“ Insel.
Zwei Tage später navigieren wir durch die Häuserschluchten von La Paz und geben das Auto zurück. Im Anschluss gelingt uns ein einwöchiges Trekking über zwei weglose, 5000m hohe Pässe hinab in die Yungas. Und die Besteigung der 6000er Potosi, Sajama und Illimani - in 10 Tagen, mit öffentlichen Bussen und nur zu zweit, ohne Träger oder Führer. Aber das ist eine andere Geschichte.
© Text und Fotos: Tilmann Graner
Weitere Bolivien-Fotos auf www.foto-tilmann-graner.de
Autovermietung in La Paz - Petita ermöglicht selbstständige Fahrten mit Allradfahrzeugen durch den SW Boliviens (Salar de Uyuni, Laguna Colorada, Laguna Verde)
Persönliche Meinung von TilmannGraner:
Im Wesentlichen ist man auf erkennbaren Pisten sehr unterschiedlicher Qualität unterwegs. Die Route der kommerziellen Anbieter wird von bis zu ca. 25 Jeeps täglich befahren, meist alle zur gleichen Zeit am gleichen Ort. Auf anderen Strecken ist fast nichts los, aber es gibt Militärposten und Verkehr zu den Minen. Offroad oder Wüstenkenntnisse sind nicht mehr
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Dieser schöne Bericht macht Lust auf mehr!
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Lieber Tilmann,
das ist ein wunderschöner Bericht und Deine Fotos sind eine Wucht.
Du zeigst Bilder, die nicht das Übliche zeigen: Berg, Hügel, Mensch, Sonnenuntergang. Jedes Einzelne erzählt eine Geschichte: vom Land, der Einzigartigkeit des Ortes und der unendlichen Weite. Jedes Bild verbindet das, was wirklich ist, mit dem was Du fühlst. Wie die Stille, die man mitempfindet, während man Dein Bild betrachtet. Deine Fotos, das sind Deine Gefühle - deswegen sind sie so gut. Da ist nichts Aufgesetztes, nicht Arrangiertes. Sie sind das, was Dich in dem Moment gefangen hält und berührt. Und immer bleibt Deine Person bescheiden im Hintergrund. Dein Spiel mit Licht und Dunkelheit, mit Nähe und Weite - es ist wunderbar harmonisch.
Irgendwann machen wir auch so eine Reise - am besten mit Dir. Dorthin, wo Du so schöne Geschichten erzählen kannst.
Deine Nicole -
Prima Bericht: gut geschrieben und mit tollen Fotos!!!
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Für mich alten Bolivien-Kenner war die Information über den Autoverleih in La Paz wichtig, denn bei diesen Touren in den Südwesten sind zuverlässige Fahrzeuge unbedingt notwendig. Vielleicht starte ich auch noch mal wieder in meine zweite Heimat. Danke und weiter so !
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Wunderbar geschrieben; muchas gracias!
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Wieder ein toller Bericht von Dir über eine Region, die für mich noch ein weißer Fleck ist. Die schönen Fotos machen Lust auf mehr!
Vielleicht muss ich doch mal in die Anden ...
LG Robert -
Phantastisch. Ein wirklich wunderbar geschriebener Reisebericht mit sehr schönen Fotos. Fotos die dein innerstes Seelengefühl ausdrucken. Sehr gut gelungen alles. lg Romy
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Ach Gott, da möchte man gleich wieder hinfahren. Die Bilder sind großartig!
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