Reisebericht

Reisebericht: Das Taj Mahal und ein paar Tage in Varanasi oder Zwei Grabstätten in Indien

Reisebericht: Das Taj Mahal und ein paar Tage in Varanasi oder Zwei Grabstätten in Indien

Agra und Varanasi
Zwei Stationen einer selbstorganisierten Reise durch Indien.

Erstmalige Veröffentlichung im Internet

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Leichenverbrennung am Ganges

 
 
 
 
 

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Der letzte Tag war dem vorbehalten was Varanasi oder Benares im Westen berühmt gemacht hatte, den Riten der Hindus am Ganges.
Um 6:30 hatten wir uns wecken lassen. Fast schon ein bischen spät, wie sich herausstellte als wir kurz vor 7 Uhr den nahen Ganges erreichten, die Sonne ging gerade auf (es war Ende November) und viele der Gläubigen hatten den Tag schon mit einem Bad im heiligen Fluß begonnen. Wir ließen uns zu einer Bootsfahrt überreden und der Bootsmann ruderte uns zu einem Verbrennungsplatz.
Der dahinter gelegene Tempel war schwarz vom Rauch der Feuer. Gerade eben wurde eine Leiche verbrannt und zusammen mit unserem Führer erklommen wir die Stufen bis an eine Mauer, welche etwas über der Plattform lag auf der die Zeremonie statt fand. So waren wir nur ein paar wenige Schritte von der schaurigen Stätte entfernt. Ein Brahmane und Angehörige rezitierten Gebete.
Die Szene hinterließ in mir einen beklemmenden Eindruck. Die Bestatter schürten das Feuer mit langen Bambusstangen, mit denen auch die Knochen zerschlagen wurden, die noch aus der schwarzen Leiche herausragten. Das Holz zur Verbrennung war teuer und so wurde sparsam damit umgegangen. Geliefert wurde das Brennmaterial von den am Ufer festgemachten Holztransportern, neben denen auch unser Kahn festgemacht hatte.
Der fürchterlich beißende Gestank hüllte uns ein und es war ein Glück, daß wir noch nüchtern waren. Hoffentlich wurden die Arbeiter, die wohl den ganzen Tag hier verbringen mußten, dafür auch angemessen entlohnt.
Ich wollte fotografieren, doch der Bootsmann duldete das nicht, das sei verboten und selbst als ich den Platz aus etwa 100 Metern Entfernung auf dem Rückweg fotografierte, meckerte er noch, doch ließ ich mir eine Panoramaaufnahme des Ufers mit den darüber kreisenden Geiern nicht verbieten, was er dann auch akzeptierte.
Für die Inder ist der Ganges ja ein reinigendes Gewässer, doch ich spürte Eckel, als ich von den Ruderschlägen einigemal ein paar Tropfen des schmutzigen Flußwassers auf die Haut bekam, denn aller mögliche Unrat trieb im Wasser und auch die Reste der Leichen wurden dem Strom übergeben.

Nach dieser Kahnpartie folgte nochmal ein kurzer Bazarbesuch mit Frühstück, dann ins Hotel um zu packen, denn um 13:45 war check out. Gegen 15 Uhr ließen wir uns zum Bahnhof fahren und kamen im dortigen Restaurant mit Indern, Händlern aus der Mittelschicht, ins Gespräch.
Diese wollten uns glatt weis machen, daß sämtliche der ungezählten Bettler Indiens nach vollbrachtem „Tagewerk“ nach Hause in ihre Bungalows führen und in Wirklichkeit allesamt reiche Nichtstuer seien, die sich nur ärmlich zurecht machten um Mitleid zu erregen.
Nur bei Reden von Politikern hatte ich bisher einen noch größeren Schwachsinn gehört.

Wahr allerdings ist, daß in Indien von manchen Verbrechern Kinder absichtlich schrecklich verstümmelt werden, damit sie als Bettler größere Einkünfte erzielen. Solche Grausamkeiten können gerade auch durch Touristen, die verkrüppelten Kindern hohe Beträge schenken (die diese selbstverständlich abzuliefern haben), befördert werden. Es ist sehr schwer abzuschätzen, was künstlich erzeugt ist und was natürliche Ursachen hat.
Indien mit all seinen Widersprüchen ist eben nicht unbedingt ein Reiseziel für zart besaitete Menschen, aber mit dicker Haut allemal eine Reise wert. Auch wenn selbst dann der berühmte „Kulturschock“ ziemlich drastisch ausfallen kann.
Wer Indien nicht gesehen hat, hat die Welt nicht gesehen.

Um 21 Uhr endlich verließ unser Zug den Bahnhof, um uns in nächtlicher Fahrt nach Sonpur zu bringen. Ich hatte jetzt Zeit, das in den letzen Tagen Erlebte noch einmal Revue passieren zu lassen.
Das Abschlagen von aus einem halb verbrannten menschlichen Körper ragenden Knochen am Ganges hatte in mir einen so tiefen Eindruck hinterlassen, daß dieser mich wohl ein Leben lang begleiten würde. Viel tiefer war dieser Eindruck, als jener des pompösen Mausoleums, das ein verrückter Despot seiner verstorbenen Frau hatte errichten lassen und das auch irgendwann einmal, sei es durch Krieg oder Naturgewalt, nur noch ein unbeachtetes Ruinenfeld sein wird, aus dem vielleicht noch, wie jene Knochen aus der Leiche, die Reste seiner Minarette ragen.




 
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Stadt: Varanasi

Kommentare
  • mamatembo 11.03.2009 | 19:27 Uhr

    Hast du wirklich den Rikscha-Fahrer angeschrien:
    "Noch einmal und ich schlage dich tot, du verfluchter Bastard!" ???

  • schherb 25.02.2011 | 11:58 Uhr

    Von wann stammt denn der RB? Die Infos sind ja wohl nicht mehr aktuell!

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