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Reisebericht: WUNDERWELT PANGALANESKANAL - Wo der Indische Ozean den Regenwald berührt

Reisebericht: WUNDERWELT PANGALANESKANAL - Wo der Indische Ozean den Regenwald berührt

Eine Reise entlang des über 600 km langen Pangalaneskanals an der Ostküste von Madagaskar. Eine Reise zu den entlegendsten Gebieten dieser riesigen Insel - zwischen Indischem Ozean und den letzten Regenwäldern von Madagaskar.

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5. Verzaubert - Einblicke in die madagassische Mythologie

Als die Sonne untergeht, paddeln wir durch eine grandiose Seenlandschaft, dicht gesäumt von wogenden Schilfgraswiesen. Und hier zeigt das tropisch-feuchte Klima seinen ersten, ganz entscheidenden Vorteil: kleine Schäfchenwolken saugen gierig die Feuchtigkeit auf, werden größer und größer. Bald türmen sich gigantische Wolkenberge am Himmel, die von den letzten, durchbrechenden Sonnenstrahlen effektvoll in Szene gesetzt werden - eine Sinfonie in Orange und Blau. Unsere Piroge gleitet durch einen rotglühenden Lavasee, bei jedem Paddelschlag sprühen die Funken.



 
 
 
 
 

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Kein Wunder, dass sich zahlreiche Mythen und Legenden um die Seen des Pangalanes-Kanals ranken. Das Handeln der Menschen wird in dieser verwunschenen Gegend nach den sogenannten Fadys ausgerichtet, die in der madagassischen Weltanschauung eine große Rolle spielen. Das sind 'Gesetze' oder 'Verbote', die streng beachtet werden müssen, damit kein Unglück geschieht. So ist es auf einigen Teilen des Kanals nicht erlaubt, rote Kleidung zu tragen oder bei der Durchquerung des Sees zu sprechen. Wer diese Fadys missachtet, den schluckt der See für alle Zeiten.
Gerade noch rechtzeitig schlagen wir die Zelte auf, bevor die grandiose Wolkenstimmung umschlägt in einen abendlichen Wolkenbruch. Wir bauen einen Baldachin aus einer Plastikplane und während auf dem Lagerfeuer frische Langusten grillen, nehmen wir schon einmal den Schlummertrunk vorweg: Rum Vanille und selbstgemachten Punsch Coco - könnte das Leben schöner sein?



6. Auf den Spuren der Fabelwesen

Am nächsten Tag 'übernehmen' die Vazahas das Ruder und stellen nach kürzester Zeit fest, dass das ein echter Knochenjob ist. Die glitzernden Seen, die von Horizont zu Horizont reichen, gehen über in ausgedehnte Flussauen mit einer unendlich artenreichen Vogelwelt oder in enge, moorbraune Kanalarme mit starker Strömung. Manchmal durchbricht der Ozean mit seiner unbändigen Kraft die schmale Barriere zwischen sich und dem Hinterland und trifft ungebremst auf den Kanal. Er bringt die Einbäume, die friedlich auf dem Kanal daherdümpeln, ins Schwanken und schafft durch die Durchmischung seines Salzwassers mit dem Süßwasser des Kanals einen neuen Lebensraum für brackwasserliebende Arten. Die Natur folgt hier ihren eigenen Gesetzen, der Mensch ist klein in seinen Möglichkeiten.



 
 
 
 
 

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Die Strömung wird immer stärker, wir müssen beim Rudern richtig Gas geben, um nicht abgetrieben zu werden. Der Kanal ist bald nur noch wenige Meter breit und die sonnigen Uferböschungen werden gesäumt von üppigem Grün. Eisvögel sitzen auf den bizarren Elefantenohr-Pflanzen und haben ihren Blick starr auf die Wasseroberfläche gerichtet, bereit zur Jagd auf ein vorbeischwimmendes Fischchen. Ein Summen, Zirpen und Surren zahlloser Insekten liegt in der Luft und beweist, dass die Taktik der fleischfressenden Kannenpflanze, die hier in großen Büschen wächst, voll aufgeht. Mit ihrem (für den Mensch nicht wahrnehmbaren) verführerischen Duft lockt sie die Insekten in ihre tödliche Falle. Die endemische Ravenala madagascariensis ragt vielerorts aus dem dichten Unterwuchs. Diese Bananenpflanze trägt einen langen Stamm, an dessen Ende sich ein Blattfächer befindet, der die einzelnen Wedel genauso majestätisch abspreizt wie ein balzender Pfau seine Schwanzfedern beim Radschlagen. Ihr charakteristisches Äußeres machte sie zum Wahrzeichen Madagaskars und weil die Reisenden in früheren Zeiten mit der Machete ein Loch in den Blattfächer schlugen und trinkbares Wasser herauslief, gaben ihr die Einheimischen auch den Namen 'Baum der Reisenden'.



 
 
 
 
 

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Dieser Pflanzenreichtum ist Vorbote für den wohl spannendsten Abschnitt des Pangalanes - den Weg durch den Regenwald. Immer weiter verjüngt sich der Kanal, bis kaum mehr zwei Boote nebeneinander passen. Unvermittelt gleiten wir hinein in das undurchdringliche Dickicht des Urwaldes. Immer wieder packt unser madagassischer Freund Patrick seine große Machete aus und schlägt überhängende Elefantenohr-Pflanzen und Zweige ab. Er leistet damit einen wichtigen Beitrag, um den schmalen Kanal vom Wildwuchs zu befreien. Ließen die Einheimischen hier der Natur freien Lauf, wären sie bald vollkommen von der Außenwelt abgeschnitten. Der Kanal ist ihre einzige Versorgungsader - würde er zuwuchern, gäbe es keine Möglichkeiten zum Waren- und Personentransport mehr.
In das Zwitschern der Vögel mischt sich das Rauschen der Baumwipfel. Frösche quaken, Grillen zirpen und die Strömung gluckst und plätschert unter unseren Booten. Sonnenstrahlen fallen durch das Blätterdach und malen bunte Muster auf das Wasser, in dem sich die exotischen Pflanzen tausendfach widerspiegeln. Knallbunte Frösche lauern an den Ufern auf vorbeifliegende Beute, giftgrüne Spinnen sitzen perfekt getarnt auf giftgrünen Pflanzen oder sind geschäftig dabei, große Netze hoch über unseren Köpfen zu spannen.



 
 
 
 
 

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Ein Chamäleon sitzt reglos auf seinem Ast, wartet bis ihm ein Insekt direkt vor die Nase fliegt. Mit seinen getrennt voneinander beweglichen Augen visiert es das Opfer kurz an, dann schnellt die klebrige Zunge in Sekundenbruchteilen hervor, packt das Insekt und schleudert es direkt in den Schlund des Jägers. Unsere Bootsmänner wirken beunruhigt - die Legende nämlich besagt, dass dieses Tier ein Unglücksbote sei, ein Wanderer zwischen den Welten, der mit einem Auge ins Diesseits und gleichzeitig mit dem anderen Auge ins Jenseits blicken könne.



 
 
 
 
 

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Kommentare
  • Sahara 05.03.2008 | 19:16 Uhr

    Wow, ein toller Bericht mit superschönen Fotos! Wunderbar dargestellt. Madagaskar muss toll sein, das ist bestimmt die Reise wert!

  • Toni69 (RP) 05.03.2008 | 22:02 Uhr

    Hallo Josef,
    einen super Reisebericht hat Katja da gezaubert... und Deine Fotos sind einfach der Hammer!
    Ich bin in 1 Woche wieder auf Madagaskar, und werde auch wieder am Canal de Pangalanes sein... ich trinke dann ein THB auf Euer Wohl.
    Ich hoffe das ich auch ein paar annehmbare Fotos mitbringe...
    Veloma, Euer Thorsten

  • nepalgoods (RP) 08.03.2008 | 11:49 Uhr

    Begeisternde Fotos und packende Schreibweise. Danke!

  • klaudo 13.03.2008 | 13:38 Uhr

    Schöner Bericht, hätte ein bißchen mehr auf die Bevölkerung eingehen können.
    Ansonsten scheint sich ja nicht viel in diesem Traumland verändert zu haben.
    Mein Besuch der Insel liegt allerdings schon über 20 Jahre zurück. Trotzdem erscheint mir nach diesem Bericht alles sehr vertraut.
    Toll, danke....

  • winni 21.07.2008 | 15:59 Uhr

    Wunderbarer Bericht und tolle Fotos. Werde im Oktober dorthin fliegen. Freue mich schon auf das Land. vg winni

  • Aussie 23.08.2008 | 23:16 Uhr

    ein sehr schöner Bericht mit traumhaften Aufnahmen. LG Roswitha

  • astrid 05.11.2008 | 21:55 Uhr

    Ein großartiger Bericht mit phantastischen, gut zusammengestellten Fotos.

  • nach oben nach oben scrollen
  • CaroOnTour 09.01.2009 | 23:05 Uhr

    Ja, das Land ist wirklich mehr als eine Reise wert.... !

  • THBDZAMARAMBO 20.04.2009 | 19:54 Uhr

    darauf freu ich mich, machen ja auf der Tour dieses Jahr bestimmt einige Teile von deinem Reisebericht oder?...Grüße und Veloma!

  • Aussie 20.04.2009 | 20:04 Uhr

    ein ganz herrlicher Bericht zum mitreisen in Gedanken. LG Roswitha
    Bewertung hat leider nicht funktioniert.

  • Aussie 20.04.2009 | 20:05 Uhr

    ein ganz herrlicher Bericht zum mitreisen in Gedanken. LG Roswitha
    Bewertung hat leider nicht funktioniert.
    Nun doch beim 3. Mal

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