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Reisebericht: Reise durch Kerala mit Ausflug nach Mysore
Der Virus Indicus führt uns im November 2011 zum 7ten Mal nach Indien.
Wir reisen durch Kerala, diesmal mehr durch den nördlichen Teil mit einem wunderbaren Aufenthalt in Mysore, Karnataka
Der Bericht ist eine Art Tagebuchaufzeichnung, vorort ganz frisch niedergeschrieben :-)
Zur Ruhe kommen auf Vypeen Island bei Kochi
Der Flug verging wie "im Flug", nicht zuletzt wegen des tollen Unterhaltungsprogramms, das die Emirates Airlines bei jedem Sitz eingebaut hatte. Ich habe mir 2 Spielfilme angeguckt und der Frank hat sich der musikalischen Seite des Programms zugewandt und entweder Musik gehört oder das Rolling Stones Konzert aus den 70er Jahren angeschaut. Flugs waren wir in Dubai und im Flieger nach Kochi haben wir meistens geschlafen. Als wir aus dem Flieger in Dubai ausgestiegen sind, haben wir in dem Bus, der uns zum Flughafengebäude brachte, meine indische Kochlehrerin von der VHS in Heidelberg getroffen. Sie ist mit ihrem Mann zum Überwintern nach Bangalore unterwegs. Was für eine Freude, dass wir uns ausgerechnet in Dubai im Bus treffen. Was für ein Zufall!
Die Abholung vom Flughafen hat super geklappt, "Welcome Mrs. Bettina" stand auf dem Schild und schon ging es los auf die Insel Vypeen Island in den Backwaters. Die Unterkunft hat uns erst ein wenig enttäuscht, da es nicht so war, wie im Internet gesehen. Dort war es etwas schöner abgebildet und so wie es war, fanden wir es etwas zu teuer. Nicht dass es uns nicht trotzdem gefallen hätte.
Wie auch immer, nach einer kurzen Ruhepause sind wir bei Sonne los, die Gegend erspähen. Wir haben einen langen, erholsamen Strandspaziergang gemacht, haben die Wärme und das warme Meer an den Füssen genossen, und sind auf dem Rückweg auf dem Inselsträsselchen gelaufen, vorbei an den liebenswürdigen Einwohnern, die uns herzlich begrüßt haben. Es ist auf der Insel total ruhig und absolut wenig bis gar kein Tourismus vorhanden. Unser Koch hatte "noch keine Speisekarte, erst in 3-4 Tagen", somit war die Auswahl nicht groß, aber das was er uns aufgetischt hat, war fantastisch. Dazu das Meeresrauschen und die erfrischende angenehme Brise auf unserer Restaurantterrasse überm Meer, ein wunderbarer erster Tag ging damit zu Ende.
Den nächsten Tag sind wir auf der Terrasse der Unterkunft geblieben, haben einfach das Meer genossen, waren baden (Wasser super angenehm warm), konnten sogar Delfine beobachten, am späten Nachmittag haben wir uns wieder aufgemacht zu einem Spaziergang, dieses Mal zur anderen Seite der Insel bis zum Hafen mit chinesischen Fischernetzen, typisch für die Gegend um Kochi. Am Abend haben wir in einem nicht zu weit entfernten Dachrestaurant gegessen.
Unseren letzten Tag am Meer haben wir uns dann mit der Rikscha zum anderen Teil des langen Strandes fahren lassen. Wir waren hier wirklich viel spazieren. Die Insel ist üppig grün, voller Kokospalmen und duftenden, bunten Blumen, wie im Dschungel blitzen die Häuser unter grünen Blättern hervor, Ziegen und Hühner laufen umher, ein ganz besonders liebenswertes Hundemädchen begleitet uns ein Stück, wir bekommen ständig ein freundliches Lächeln, ein lieber Junge, der Ingenieur werden will, setzt sich am Strand zu uns. Der Tag wurde mit einem ausgiebigen Meer-Bad am "Hausstrand" beendet. Am Abend gab es wieder Leckeres vom Meisterkoch unserer Unterkunft. Außer uns ist jetzt noch ein anderes Pärchen angekommen. Wirklich sehr ruhig hier.
Am nächsten Morgen war die Terasse nass, es ist in der Nacht ein Regenschauer niedergegangen.
Kultur in Thrissur
Am nächsten Tag ging es dann per Rikscha und Bus ins wahrlich staubige Thrissur. Wir sind in einem netten Hotel (Leute und Zimmer) und haben am ersten Tag nur den Tempel gesehen (Sehenswürdigkeit der Stadt...) Hmmm, im Reiseführer steht, von oben "atemberaubender Blick" über die Stadt....oooch, war wohl eher wörtlich gemeint und auf die abgasgeschwängerte Luft gemünzt ;-) Ist hier schon ein Unterschied zu unserem beschaulichen Inselchen.
In Thrissur haben wir per Taxi einen Ausflug zum Sri Krishna Tempel in Guruvayur gemacht, den wir zwar nicht von innen sehen durften, da wir keine Hindus sind, jedoch war der Besuch sehr beeindruckend, es war wiedermal eine Gelegenheit die Inder beim Ausüben ihrer Religion zu beobachten. Es gab eine unglaublich lange Schlange am Eingang des Tempels, die andere lange Schlange hat sich beim Becken mit heiligem Wasser gebildet, wo gebadet wurde. Ein Konzert mit Gebetsgesängen, begleitet von Musikinstrumenten und ein paar Tempelelefanten gab es auch. Wir haben auch mal ein Filmchen gemacht mit dem neuen Foto, das macht viel Spaß, die eine oder andere Szene mal zu filmen. Fotografiert wird natürlich auch wie wild ;-) Danach ging es weiter zum Ausbildungscamp für die Tempel- und Festivalelefanten. Die standen an Ketten vor Palmblätterhaufen und haben gefressen. Gemäß eines Angestellten dort werden sie morgens und abends zur Futterstelle und zur Badestelle gebracht und eben ab und an zum Tempel, wenn grad wieder mal was los ist. Alles in allem haben uns die Elefanten leid getan. Nach unserer Rückkehr in die Stadt haben wir Thrissur noch per pedes erkundet. Wir haben eine schöne Kirche entdeckt, so bunt bemalt innen, und auch gleich den Pfarrer kennengelernt, der uns angesprochen hat. Er konnte etwas Deutsch, hat in Rom Theologie studiert und eine paar Jahre in einer Kirchengemeinde in Augsburg verbracht. In der Kirche wurde auch gebeichtet, am Beichtstuhl standen von der einen Seite die Männer an und von der anderen Seite die Frauen. War schon was los beim Beichten ;-) Dann sind wir die ganzen unzähligen Stufen zum Kirchturm hoch gelaufen (man konnte auch mit dem Fahrstuhl fahren.....), aber die Schweißtreiberei hatte sich wegen der im Treppenhaus befindlichen Kunstgalerie mit kirchlichen Motiven wirklich gelohnt. Von diesem Turm war die Aussicht auf Thrissur dann wirklich atemberaubend. Wir haben dann noch eine Weile dem Gottesdienst, der gerade anfing, beigewohnt, uns dann aber wegen Verständnisproblemen raus geschlichen. (Gottesdienst war logischerweise in Malayalam). Unser Essen im Luciya Palace war bombastisch, wir konnten uns nach all den Köstlichkeiten kaum bewegen.
Kalpetta im Wayanad
Am nächsten Tag wollten wir dann wie geplant mit dem Zug nach Calicut fahren, um von da aus mit dem Bus weiter nach Kalpetta ins Wayanand zu gelangen. Der Frank hat gleich am Bahnhof Freundschaft mit einem Inder geschlossen, bzw. umgekehrt. Der Mann war so verliebt und begeistert vom Frank. DAS hätte ich filmen sollen, wie er ihn angeguckt hat, als wir dann im Zug saßen. Als es losging, kam raus, das wir Schnarchnasen im falschen Zug saßen, wieder ging’s nach Guruvayur zur Tempelstadt...... Dort mussten wir dann den Bus nach Calicut nehmen, was nicht ganz so bequem war und länger gedauert hat, dann noch mal per Bus nach Kalpetta. Es hat alles reibungslos geklappt, war aber 10-mal anstrengender, mit dem Zug wäre es so schön geworden, naja, das nächste Mal. Das Wetter war auch grau, und so sind wir als Empörer unterwegs gewesen, haben nicht so einen schöne Fahrt gehabt, aber die Belohnung kam, denn unser im Internet herausgesuchtes Green Mount Cottage war nicht nur frei, sondern auch sowas von sauber und schön. Dann haben wir bei der lieben Familie noch ein Abendessen bekommen. Bei der Abreise haben wir erfahren, dass wir eingeladen waren, mussten dafür nicht mal was bezahlen. Ja, das Zimmer also toll, am nächsten Morgen Sonnenschein, das Frühstück auf unserer Terrasse, alles bestens sozusagen. Wir haben dann per Rikscha (den lieben Fahrer am Tag vorher kennengelernt und dann angerufen) einen Tagesausflug gemacht. Zunächst zum Chembra Peak, den höchsten Berg in der Region. Hier konnte man eine "Wanderung" hinauf machen, mit Guide, was wir natürlich auch gleich tun wollten. Es fing wunderbar an zwischen Teeplantagen, um dann in einer extrem steilen Kraxelei zu enden. Wir haben es also dann nicht bis ganz hoch geschafft, da wir den Tag überleben wollten. Es war heiß und wirklich nicht mehr schön zu "laufen", da es senkrecht hoch ging. Wunderschön war jedenfalls die Aussicht, fast oben waren zwei schöne Seen, alles so lieblich, die Landschaft ein Traum. Die Gegend ist auch Urlaubsziel vieler Inder aus Bangalore, einer großen Stadt in Karnataka. Die Natur ist fantastisch, Teeplantagen soweit das Auge reicht, Kaffee und Pfeffer wird angebaut, überall Palmen, ein Traum. Nachdem wir den "Weg" wieder runtergerutscht waren, haben wir zur Entspannung noch einen schönen See (den Pookot Lake) besucht, ein Ausflugsziel mit Tretbooten und vielen Äffchen. Es war eine anstrengender Tag, den wir dann mit einem leckeren Essen ausklingen ließen.
Am nächsten Tag sind wir um 6 Uhr morgens vom gebuchten Jeep abgeholt worden, der uns den ganzen Tag begleitet hat. Erst ging es zum National-Wildlife-Tier-Park, wir haben aber kaum Tiere gesehen, was uns nicht gewundert hat, da ein Jeep nach dem anderen da rumgefahren ist.... Das hätten wir uns ersparen können. Naja, das weitere Programm war toll, einen alten Jain-Tempel haben wir gesehen, viele schöne Aussichtspunkte angefahren. Unser Fahrer hat uns auch die Pflanzen erklärt (habe zum ersten Mal Ingwerpflanzen gesehen), er hat uns auf viele schöne und interessante Dinge aufmerksam gemacht. Den Abschluss bildete ein Abstecher zu einem Wasserfall, riesig und in einem kleine Kessel gelegen, man kam sich vor wie Mowgli im Dschungelbuch. Leider kein Foto, Akku leer.... aaaaaaahhhhhh..
Es war wieder so erstaunlich, wie die Inder, wenn sie uns im Jeep erspäht haben, erfreut lachen, winken oder rufen. Die Leute in Kerala freuen sich derart uns zu sehen..... hmmmmm.......
Nach einem leckeren Abendessen und ausgiebigen Regenschauer ging dann die letzte Nacht ins Land. Hier sind wir so schön geweckt worden, erst von den Gesängen des Muezzins aus der Moschee und dann gleich im Anschluss den Gesängen für Vishnu (hat uns unser Gastgeber erklärt) aus dem Hindutempel. Das hat schon was.... ist schon angenehmer als die scheppernden Kirchenglocken um die Ecke bei uns zuhause.
Schöne Tage in Mysore - unserer neuen Liebe
Jetzt sind wir also per Bus in Mysore gelandet, eine wunderbare Busfahrt liegt hinter uns, Platz am Fenster, guter Bus, gemütlicher Fahrer (für indische Verhältnisse), schöne Pause mit Ananassaft - frischgepresst - 40 Rupien für beide... Die Landschaft ist traumhaft.
Wir sind im Parklane gelandet, dem Hotel in dem meine Freundin und ich vor 10 Jahren abgestiegen sind. Es ist total umgebaut und ...wunderschön. Eins der wenigen Hotels mit wirklicher Atmosphäre. Wir finden, die haben hier wirklich was tolles draus gemacht. Freuen uns schon aufs Abendessen. Soooot....wir sind schon gespannt auf unsere Tage hier, der kleine Trip zum Markt war schon anders als das Herumlaufen in Kerala. Hier sind die Leute...“geschäftstüchtiger". Nichtsdestotrotz gefällt es uns hier prächtig, es gibt so viel zu erleben. Deshalb bleiben wir auch 5 Tage statt der geplanten 2.....
Unseren ersten Tag haben wir im Maharaja's Palast verbracht. Hier war ich vor 10 Jahren schon, aber es war wieder ein grandioses Erlebnis. Wir hatten Audio-Guides auf Deutsch, also eine super interessante Führung durch den Palast per Kopfhörer und Abspielgerät. Alles wurde so interessant und detailiert erklärt und dazu noch mit indischer Musik untermalt. Man hat über die Geschichte(n) des Palastes und seiner Bewohner, seiner Ausstattung und Kunst auf diese Weise viel mehr mitbekommen. Das gab es vor 10 Jahren noch nicht. Nachdem wir das Palast-Gelände noch ausführlich erkundet haben, mit den Tempeln, Gärten und Elefanten, haben wir die Restenergie noch in der Stadt ausgelebt, sind zur der im Reiseführer erwähnten St. Philomena's Cathedral marschiert, die ein wenig an den Kölner Dom erinnert und haben in diesem Stadtviertel noch eine Prozession zu Ehren einer Göttin miterlebt. Ein Getrommel und Getöse, Kracher wurden abgeschossen, viele haben getanzt, die Menschen sind der Göttin begeistert feiernd durch die Straßen gefolgt. Wir haben dadurch, dass wir hier alles zu Fuß zurücklegen, schon einiges von der Stadt gesehen. Auf dem Weg haben wir noch am Straßenstand einige Leckereien getestet, köstlich....., somit fiel unser späteres Abendessen im Parklane deutlich spärlicher aus, als am Abend zuvor. Im Parklane gefällt es uns wirklich sehr gut, das Hotel hat einfach einen Charakter, das ist wie ein Zuhause in der Fremde, das klingt jetzt irgendwie abgedroschen, aber es fühlt sich einfach so an. Die Leute sind so nett, man fühlt sich wirklich gut umsorgt, und abends, beim wirklich ausgezeichneten Abendessen, macht es viel Spaß die vielen unterschiedlichen Leute zu beobachten, die dort auch essen. Es sind mindestens 80 % Inder da, der Rest setzt sich aus Touristen zusammen. Überhaupt haben wir in diesem Urlaub bisher nur ganz wenige Touristen getroffen. Meist sitzen wir als einzige im Bus unter den Einwohnern. Wir werden auch ständig gefragt, wo wir herkommen, ein Lächeln unsererseits wird erfreut zurückgegeben, die Kinder wollen fotografiert werden, eine ganz liebenswerte Stadt ist Mysore. Die ganz Geschäftstüchtigen befinden sich hauptsächlich am Devaraja Market, den wir am ersten Nachmittag erkundet haben. Ansonsten ist es wirklich schön, sich in Mysore aufzuhalten.
Am Freitag ging es dann nach zur Festungsstadt Srirangapatnam vom Tipu Sultan. Dieser Mann hat den Engländern zusammen mit seinem Vater Haidar Ali erbitterten Widerstand geleistet, um dann doch letztendlich zu scheitern. Hier gab es einen schönen Tempel inklusive rotem Tupfen auf die Stirn, ein Gefängnis, in dem der Sultan Engländer eingesperrt hatte, der Platz an dem er zu Tode kam, eine von ihm gebaute Moschee und schließlich seinen Sommerpalast zu bewundern. Auch sein Grabmal haben wir zusammen mit unzähligen Moslems besucht, es ist dort außer ihm auch sein Vater und seine Mutter begraben. Die Moslems haben an seinem Grab gesungen und Gebete gesprochen. Kann sein, dass es vielleicht damit zusammen hängt, dass sein Geburtstag war, vielleicht ist es da auch immer so viel los.
Nach dieser Exkursion in die indische Geschichte ging es zum puren Vergnügen in die Brindavan Gardens, Zier-Gärten bei Mysore, mit vielen Wasserspielen und schönen Blumen, die sobald es dunkel wird, illuminiert werden. Es gibt auch die tanzenden Fontänen, die zu den beliebten Bollywoodklängen bewegt werden. Die Inder haben mitgesungen und deutlich Spaß gehabt.
Gestern ging es dann nach 10 Jahren wieder nach Somnathpur, wo der Keshava-Tempel aus dem 13ten Jahrhundert zu bewundern war. Wir sind per Bus los aufs Land, zunächst nach Bannur, wo es umzusteigen galt zum Dörfchen Somnathpur. Bei der Weiterfahrt haben wir was erlebt, da warte ich schon ewig drauf.... Der Bus in Bannur war proppenvoll, die Leute quollen schon aus den Türen raus und auf dem Dach saßen auch schon ein paar Leute. Wir wurden hergerufen, wir sollen ruhig mit, allerdings aufs Dach, juhuuuuuuuu! Wir sind unter dem johlenden Beifall der Menge aufs Dach gekraxelt und haben die Weiterfahrt bei frischer Luft, ohne Gedränge und mit super Aussicht genossen. Wir waren so richtig auf dem Land, es waren kleine Dörfchen, viele Kühe und Ziegen liefen umher, ... Später sind noch Schuljungs dazu gestiegen, was für eine Freude für uns und die Kinder auf dem Busdach. Es war auch wirklich nicht gefährlich, der Bus fuhr ja nicht schnell, hielt andauernd bei den Dörfern an. Es wurde wild gewunken, also diese Busfahrt vergessen wir sicher nicht mehr.
Der Tempel war grandios, inzwischen ist die Mauer außen rum wohl teilweise zusammengefallen und wird renoviert. Die feinen Steinarbeiten sind wirklich sehenswert.
Holprig und staubig ging es dann zurück nach Mysore, in der Tasche unsere Neuzugang, der Stier Nandi, das Reittier Shivas, das wir im Dörfchen in einem kleinen Laden erstanden haben.
Am Abend sind wir noch zum Palast, wir haben bei dem Ladenbesitzer erfahren, dass Samstags auch eine Palastbeleuchtung stattfindet, allerdings nur eine halbe Stunde, sonntags dauert der Spaß ja eine Stunde. Es war nur mäßig was los, so konnten wir in Ruhe fotografieren und filmen und den grandiosen Anblick der mit 1000en von Glühbirnen erhellten Palast genießen.
Unseren letzten Tag hier haben wir mit vielen indischen Sonntagsausflüglern auf dem Chamundi Hill verbracht. Dort steht oben auf dem Gipfel der Sri Chammundeswari-Tempel, der natürlich sonntags mehr als gut besucht war. Herauf ging’s per Bus, runter per Pedes, vorbei am Nandi, der großen Stierfigur mit Priester. Dann sind wir noch bei unserem Lieblings-Ananassaftverkäufer vorbei und haben dort noch ein leckeres Zwischenmahl geschlappert. Muss unbedingt das Rezept recherchieren zuhause...
Soot, jetzt traben wir ab, die Palastbeleuchtung genießen, dann ein letztes leckeres Abendessen im Parklane, der Abschied von Mysore fällt uns schwer.
Morgen geht’s dann weiter um halb 8 morgens per Bus nach Kannur, uns zieht es jetzt wieder ans Meer.
An der Malabarküste
Wir grüßen vom Pfefferland, wie man Malabar übersetzen kann. Also gar nicht schlimm, wenn man dahin gewünscht wird, wo der Pfeffer wächst.
Die Weiterfahrt von Mysore nach Kannur war holprig, wir saßen im Bus ganz vorne, das war besser für den Rücken, da kommen die Schläge nicht so durch, allerdings mit Blick nach vorne raus, das kann den Blutdruck steigern... Die Straße nach Kannur, an vielen Dörfern vorbei, war teilweise nur ein mit Schlaglöchern durchzogener Asphaltstreifen in der Mitte. Trotz vieler Stops in den Dörfern waren wir schon nach 6 Stunden in Kannur. Wir hatten von Mysore aus ein Zimmer im Costa Malabari reserviert, welches an einem schönen Strand ca. 8 km südlich von Kannur liegen soll und hochgelobt wird. Da es auch hochpreislich ist, wollten wir erst noch ein anderes Hotel in Kannur anschauen, das war aber nicht so ansprechend, um 3 Tage zu bleiben und außerdem voll. Somit war uns die Entscheidung abgenommen, trotz des für Indien hohen Preises (ca. 40 Euro für uns zwei zusammen und sozusagen "all inklusive" - also mit Essen / Trinken) einen Versuch zu wagen. Was soll ich sagen, wir sind wirklich im Paradies gelandet. Das Costa Malabari besteht aus 2 Häusern, das Haupthaus und ein zweites direkt am Meer. Wir hatten Glück und waren für das Haus am Meer gebucht. Dazu kam noch wunderbarerweise, dass wir das Zimmer mit Palmen- und Meerblick (direkt vom Bett aus) bekommen haben. Das Zimmer ist einfach und liebenswert. Das kleine Häusle (es hat 4 Zimmer) liegt eingebettet im Keraladschungel zwischen Palmen, Blumen, vielen Pflanzen oben an einer Klippe. Eine schwindelerregend steile Treppe führt runter zum ganz lieblichen Palmen- und Felsenbegrenzten idyllischen Strand. In der Nacht hat uns die Musik der raschelnden Palmenblätter und die Brandung des Meeres in süße Träume geleitet. An den Fenstern haben uns Moskitonetze vor störenden Stechmücken geschützt.
Morgens um halb 9 gab es Frühstück. Wir bekamen wirklich leckeren knusprigen Toast (das erwähn ich so extra, da das in Indien nicht immer sooo üblich ist), Butter mit Ananasmarmelade, Omelette (wer wollte), die leckeren kleinen indischen Bananen, einen frischgepressten Fruchtsaft (einmal Ananas, einmal Trauben, einmal Wassermelone), den köstlichen und nicht so starken Keralakaffee mit Milch. Zum Mittagessen um 1 gab es ein Bananenlassi, Salat, Gemüse, Chapatis und einen Obstsalat aus Wassermelone, Ananas und Papaya. Aber ganz leicht und sooo lecker. Dann kam um 7 das Abendessen, 2 mal auf Bananenblättern, immer so liebevoll angerichtet, die tollsten Gemüsegerichte aus Südindien (immer 4 verschiedene - z.B. Okras, Bohnen mit Kokosnuss, Blumenkohl, roter Spinat, Gemüsegurkencurry, dazu Papadams (die knusprigen Fladen), Reis und gebratene Fischstückchen. Immer wieder bekamen wir nachgeschöpft vom guten Geist des Hauses, dem Linu, der das fantastische Essen, gekocht von einer wahren Künstlerin, serviert hat. Ein noch längerer Aufenthalt hätte die Taille komplett ruiniert...
Seit diesem Aufenthalt sind wir absolute Fans der südindischen Küche. Wir haben Gerichte gegessen, die kennen wir so überhaupt nicht, das gibt es auch nicht in den indischen Lokalen in Deutschland, da liegt das Augenmerk eher auf der nordindischen Küche, mit Ghee gekocht und mit sämigen Soßen (äh auch übrigens super lecker!!!) Die Keralaküche ist jedenfalls unglaublich gut und leicht. Am Tag unserer Ankunft kamen auch 2 Engländerinnen an, die Georgy und die Lizzie, die 4 Monate zusammen durch Indien reisen, vorher viel gespart haben, ihre Wohnung und Jobs gekündigt haben, um sich diesen Traum zu erfüllen. Nach der Reise versuchen sie dann in Schottland in Edinburgh Fuß zu fassen, der Stadt aus der Georgi ursprünglich herkommt. Wir sind schon gespannt, Georgi wird uns auf dem Laufenden halten, eine Einladung haben wir jedenfalls schon. Es war wirklich toll, das wir die 3 Tage dort mit den beiden verbringen konnten, so liebe Frauen und in so vielen Dingen genau unsere Wellenlänge. Sie sind auch in der Nacht abgereist allerdings nach Trivandrum. Wir haben uns immer fantastisch unterhalten und sind beim Abendessen noch lange mit den beiden sitzen geblieben. Wir 4 haben beim Essen zwischen unseren Seufzern, hmmm wie guut, immer wieder nach den Gewürzen gefragt, die in dem einen oder anderen Gericht verwendet wurden. Wir haben daraufhin am nachfolgenden Tag der Abendessenzubereitung beiwohnen dürfen. Linu hat genau erklärt, was wo mit reinkommt, wie was hergestellt wird, etc. Wir haben alles mitgeschrieben und werden das zuhause versuchen. Ganz neue Sachen haben wir hier gegessen, dass da noch mal was neues kommt ;-)
Am Strand waren wir natürlich auch, waren schön baden, auch mal am in 15 Minuten zu Fuß zu erreichenden größeren Nachbarstrand.
Ein Highlight war die Theyyam-Vorführung im nicht weit entfernten Dorf, unsere Teilnahme wurde vom Manager des Costa Malabari , dem Kurien, organisiert. Wir 4 wurden per Taxi abgeholt und dort beim Tempelchen abgeliefert. Beim Theyyam handelt es sich um eine religiöse Zeremonie, die vorwiegend in dieser Gegend praktiziert wird. Hierbei dringt der im Tempel geehrte Gott in den prächtig geschminkten und geschmückten Tänzer nach einigen Zeremonie, Getrommel und Tänzen ein und beantwortet dann Fragen der Dorfbewohner zu deren Problemen. Also es wird gesagt, sobald der Mann den Zustand erreicht hat, IST er dieser Gott. Einer der Ansässigen lud uns ein, auch eine Frage zu stellen, er hatte sogar eine Frau organisiert, die das übersetzt hätte, der Gott sprach und verstand ja schließlich kein Englisch sondern nur Malayalam :-)
Ich muss ja zugeben, ich war kurz davor. Aber dann hab ich es doch nicht gemacht, hab mir das bildlich vorgestellt, wie ich, die Touristin den exotischen Gott aus Indien befrage.... Hmmm, hätte ich vielleicht doch? Hier hatten wir mit den Mädels aus London noch lange Gespräche. Ach das war ein Erlebnis, unglaubliches Indien...
Beim Abschied von Lizzie und Georgi, von Linu und dem Costa Malabari gab es Tränen....nicht zu knapp.....
Der Kurien hat uns auch unser Sleepers-Zugfahrtticket besorgt, nach 3 wundervollen Nächten und Tagen sind wir dann um halb 9 abends im "Sleepers"-Zug nach Varkala gesessen, bzw. später gelegen. An Schlaf war kaum zu denken, es war kein Sleepers AC, was eine höhere Klasse bedeutet, alles war voll. Wir waren im Sleepers mit 3 schmallen Pritschen auf jeder Seite ausgestatteten Zellen gebucht..... Also wörtlich "Augen zu und durch". Mit der Devise haben wir die 10 Stunden überbrückt... Wir waren froh, als es rum war....
Hier in Varkala mussten wir traurig feststellen, dass "unser" Jenny's Paradies vom letzten Mal den Besitzer gewechselt hat, das Haus gehört jetzt einer Französin, alle schönen Zimmer sind jetzt grell bemalt, alles ist irgendwie heruntergekommen. Wir haben dann trotzdem ein einfaches aber helles und freundliches Zimmer für zirka 7,50 Euro gefunden, 10 Meter vom Cliff von Varkala entfernt, also für Meeresrauschen in der Nacht ist gesorgt. Was eine große Freude war, ist, dass wir den Sajeeh vom Jenny"s Paradies im Kerala Coffee House gefunden haben, bzw. er hat uns erkannt und "guten Morgen" gesagt, was für eine Freude ihn wieder zu treffen, wir waren damals so traurig, bei der Abreise, auch weil er sich so lieb um alles im Jennys Paradies gekümmert hat. Jetzt sind wir also wieder in Varkala, waren heute schon baden und ein leckeres Essen haben wir auch schon hinter uns, hier wieder auf uralten Spuren, wir haben in dem Restaurant am Südcliff gegessen, wo ich vor 10 Jahren gewohnt habe. Eine Ausnahme, dass dieses Hotel und Restaurant noch existiert. Vom Sajeeh haben wir erfahren, dass die letzten beiden Jahre sehr schlecht waren und auch deshalb nicht nur das Jennys Paradies in Schwierigkeiten gekommen ist und einige sogar schließen mussten. Doch es gibt viel neue Hotels und Restaurant... Mal sehen wie es weitergeht mit Varkala.
Ungeplantes Urlaubsende - Ausklang in Varkala
Am letzten Tag geht es um halb 3 früh los per Taxi von Varkala zum Flughafen. Unseren geplanten Aufenthalt in Kochi mussten wir leider ausfallen lassen (aber nein, wir VERSCHIEBEN ihn natürlich nur aufs nächste Mal!). Der Frank hatte ja zuhause immer mal Probleme mit seinem Knie. Am Dienstag Nachmittag, unser wunderbarer Badetag ging seinem Ende zu, wollte er sich noch vom Sand befreien und ist ins Meer gelaufen. Dabei hat er das Gleichgewicht verloren und ist dann ziemlich tief in die Knie gegangen, um sich zu fangen. Dabei hat das Problemknie dann den Geist aufgegeben. Mit schmerzverzerrtem Gesicht kam er aus dem Wasser gehumpelt. Gleich waren auch zwei Inder zustelle, der Aufpasser vom Strand und einer, der mit einer älteren Italienerin gereist ist, wohl ihr Fahrer, bzw. Reiseführer. Der Frank konnte kaum auftreten und deshalb haben ihn die beiden über die Felsen des Strandes getragen. Er saß auf deren Armen wie in einer Schaukel, seine Arme um die Schultern der Helfer. So einen Griff habe ich noch nie gesehen.... Es kam außer der Italienerin noch eine Schwedin dazu, die Notärztin ist. Sie untersuchte den Frank notdürftig und meinte die Knochen stünden völlig o.k., sie tippte auf einen gerissenen Meniskus und es wäre nicht schlimm, wir sollten uns keinen Sorgen machen und da wir am Freitag heimfliegen, sollten wir hier nichts mehr unternehmen in ärztlicher Hinsicht, falls es dem Frank nicht zu sehr schmerzen würde. Wir sind dann per Rikscha zurück gefahren, die von den Helfern herbei gerufen wurde. Es war so eine schnelle Hilfe und Anteilnahme, die Italienerin war auch so was von nett, hat Tipps gegeben, da sie auch Knieprobleme hat, und hat uns ein Schmerzmittel gegeben, falls wir eins bräuchten. Am Abend sind wir noch in das Restaurant neben unserem Hotel Essen gegangen, der Frank konnte ja kaum Auftreten, also nicht zu weit weg durfte es sein. Dort war reges Interesse, was denn passiert sei (die Leute kannten uns ja schon, wir waren schon mehrmals dort gewesen, mal abends, mal mittags). Einer der Angestellten schlug dann vor, ein Ayurveda Öl zu besorgen und morgen früh dem Frank Umschläge zu machen. Er schwört ja auf das Öl und klang so euphorisch, dass wir ihm diese nette Hilfsbereitschaft nicht abschlagen konnten ;-)
In der Nacht konnte der Frank das Bein dann gar nicht mehr belasten und so waren wir froh, dass um halb 9 der nette Inder mit dem Fläschchen kam, so Wattebinden hat er auch gleich mitgebracht. Wir hatten ja am Dienstag noch das Zimmer gewechselt, im gleichen Haus war das Zimmer zum Meer raus, mit großem Balkon frei geworden. Gott sei Dank, so konnte die Behandlung auf dem Balkon stattfinden, Massage mit ordentlichem Ölwickel. Wir haben dann den Tag auf unserem Balkon verbracht, ich habe im Restaurant nebenan Frühstück geholt und so hatten wir es den Umständen entsprechend ganz gemütlich mit Blick aufs Meer. Wir haben viel gelesen, ich bin zwischendrin mal raus telefonieren und habe bei der Gelegenheit doch noch ein kleines Kochbüchlein mit Keralaküche gefunden. Das Erstehen von Kochbüchern zu Kerala war ja auch ein Ziel unseres Besuchs in Kochi. Aber so hab ich ja schon mal ein bissel was gefunden. Am Abend haben wir auch Essen geholt und auf dem Balkon bei Kerzenlicht gegessen. Später kam dann wieder der Inder vorbei und hat dem Frank einen heißen Tamarindenblätteraufguss verpasst. Jedenfalls war das alles so erfolgreich, dass er schon morgens bald wieder ein bisschen rumlaufen konnte, also immerhin nur mal ins Bad, gestern war ansonsten absoluter Ruhetag angesagt.
Heute geht es noch ein bissel besser mit dem Laufen, wir sind zum Frühstück ins Restaurant gegangen, sind dann per Rikscha nochmal hoch zum Blackbeach gefahren, wo es mit dem Knie passiert ist. Dort haben wir bestimmt 1 1/2 Stunden direkt am Meer in einem Cafe gesessen. Die beiden Helfer und die Italienerin waren auch da und haben sich gleich erkundigt, wie es dem Frank geht. Heute Abend gehen wir auch wieder in "unser" Restaurant um die Ecke, es muss zum Abschluss nochmal ein Chicken Tikka sein :-)
Da wir jetzt nicht in Kochi sind, müssen wir halt von hier per Taxi fahren. Mit dem Zug - das geht gar nicht, der Frank kann ja auch nichts tragen und müsste zu viel laufen. So werden wir hier vorm Hotel eingesammelt und vor der Flughafentür abgesetzt. Es wird so 4 Stunden dauern bis Kochi, kostet umgerechnet ca. 60 Euro. Ja, so hat sich der Urlaub gegen Ende leider etwas verkompliziert, ist schade, aber Gott sei Dank erst gegen Ende. Wir haben das Beste draus gemacht und hoffen jetzt, dass das mit dem Knie schnell wieder in Ordnung kommt. Also sind wir auch froh, morgen abzureisen. Vom Wetter her war es in Varkala durchwachsen, wir hatten am Sonntag sogar einen richtigen Regentag, das kennen wir hier gar nicht sonst. Oft kam auch Bewölkung auf und am Abend Regen. Der Klimawandel macht sich sicher bemerkbar. Um diese Zeit ist die Regenzeit normalerweise rum.
Im Costa Malabari bei Kannur hatten wir auch mal einen richtigen Tropenregen, das kann auch was schönes sein, auf dem Bett zu liegen und draußen tropft es im Dschungel und alles ist so fruchtbar und die Natur ist so üppig. Hier in Varkala hätten wir drauf verzichten können ;-) Aber wir haben oft gebadet und unsere Spaziergänge haben wir auch gemacht. Was will man mehr?
Ansonsten fällt es schwer wie immer. Die Wärme der Luft, des Wassers und die Herzlichkeit & unglaublich Hilfsbereitschaft der Menschen hier, die bunten Farben und Gerüche, das Meeresrauschen, die Palmen, die ganze Atmosphäre wird uns wieder fehlen, davon nehmen wir ganz schwer Abschied. Das ist jedesmal das selbe, aber auch ein gutes Zeichen, dass es uns wieder einmal so gefallen hat im geliebten Indien.
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