Vancouver Island – und abends kommt der Bär

Reisebericht

Vancouver Island – und abends kommt der Bär

Reisebericht: Vancouver Island – und abends kommt der Bär

Wenn ich an Vancouver Island an der Westküste Kanadas denke, fallen mir zuerst Bären, Lachse und die unendlichen Wälder ein. Genau diese drei Schlagworte sollten dann auch wirklich unseren dreiwöchigen Aufenthalt zwischen der Hauptstadt Victoria und Port Hardy im Norden beherrschen.
Nicht mit dem Wohnmobil, sondern per Zelt, Geländewagen und vor allen Dingen auf Schusters Rappen ließen wir die Abenteuer, die die kanadische Wildnis bot, auf uns wirken. Verblüffende Tierbegegnungen zum Schmunzeln, nette Erlebnisse mit Einheimischen und einige zum Teil kuriose Ideen von „Anders-Reisenden“ sind einmal mehr das Salz in unserer Reisesuppe gewesen.

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Feuergefahr

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Camping im Nationalpark

Sirlonsteak

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Abends suchen wir uns unser Lager auf den Campingplätzen der verschiedensten National- oder Provincialparks. Schon an der Hauptstraße waren uns die charakteristischen Warnschilder der Forstbehörde aufgefallen. Mit einem verschiebbaren Pfeil wird damit die Brandgefahr für das jeweilige Gebiet angezeigt. Obwohl durch die ungewöhnliche Sommerhitze die höchste Stufe ausgerufen war, gab es auf jedem Campground (auch im Wald!) eine Feuerstelle und ausreichend Feuerholz für das abendliche Lagerfeuer. Der Warden brachte uns das Holz sogar vorbei. Es ist schon etwas Besonderes, abends am eigenen Feuer zu sitzen und ein Sirlon-Steak oder ein Lachsfilet zu grillen.



Der erste Bär...

Ob die Trillerpfeife wirklich...

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Wenn da nicht die Bären wären. Schon vor unserer Reise nach Vancouver Island habe ich viel über Bären und ihr Verhalten gelesen. So soll zum Beispiel eine Trillerpfeife um den Hals und regelmäßig genutzt, die brummigen Gesellen rechtzeitig vor uns Menschen warnen. Hörte sich ja logisch und praktisch an. Nur mein lieber Horst konnte das Spotten nicht lassen. „Hast du auch deine Pfeife dabei“, „willst du nicht Mal wieder deine Bärentöne von dir geben“ hörte ich immer wieder. Und dann erwischte es ihn als Ersten. Beim abendlichen Toilettengang (Provinzialpark, drei in Reihe geschaltete Plumpsklos) begegnete Horst seinem ersten Schwarzbären. Beim Verlassen des mit Herzchen geschmückten Etablissements schaute er dem Bären direkt ins Auge. Nur fünf Meter entfernt. Ganz neugierig beobachtete Meister Petz den komischen Menschen. Und ich schaute vom Zelt aus zu und konnte gar nichts machen. Ich weiß nicht, wer von beiden erschrockener war. Mein lieber Mann jedenfalls brüllte den Bären plötzlich an: „Hau ab, haust du endlich ab“. Vielleicht war der Bär erschrocken oder er sagte sich, dass der Klügere nachgibt. Jedenfalls trollte sich Meister Petz mit Kopfschütteln in den Wald und ward nicht mehr gesehen. Eine Begegnung, die uns zu denken gab.



Auch Waschutensilien und...

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Natürlich ist es wichtig, die Verhaltensmaßregeln im Bärenland zu kennen und auch einzuhalten. Lebensmittel müssen immer gut verschlossen und am besten im Auto gelagert werden. Kein bisschen „Duftendes“ - also auch keine Süßigkeiten, Zahnpasta oder Seife haben im Zelt etwas zu suchen. Wenn man diese wichtigste Regel einhält, gibt es auch keine Probleme. Wir haben auf dieser Reise zwanzig Mal im Bärengebiet im Zelt geschlafen und hatten nicht ein einiges Mal Bärenbesuch. Allerdings konnte man auf manchen Plätzen morgens im Waschraum die kuriosesten Geschichten hören. So hatte ein Bär das gesamte Grillmenü einer fünfköpfigen Familie als willkommenes Abendbrot verspeist und weiter im Norden der Insel ist Meister Petz sogar über eine Zeltabspannung gestolpert.



Auge in Auge - mit der Schwarzbärin

Am nächsten Tag dann meine erste Bärenbegegnung. Auf einem einsamen Waldweg ging ich ein Stückchen auf das Dickicht zu, um einige Pflanzen zu fotografieren. Natürlich dachte ich im Eifer des Gefechts nicht an meine Pfeife. Und plötzlich richtet sich Mutter Schwarzbär vor mir auf. Ganz langsam zog ich mich zurück und versuchte, sie nicht zu reizen oder zu stören.



Schwarzbärin auf Vancouver Island



Bärenjunges

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Nach kurzer Irritation graste die Bärin seelenruhig weiter. Klee hieß das Zauberwort. Wie eine Kuh auf der Weide schmatzte sie sich durch das Grünfutter. Auch durch das Klicken meines Fotoapparates ließ sie sich nicht mehr stören.

Plötzlich richtet sie sich auf die Hinterbeine auf, ihre Körpersprache droht mir ganz offensichtlich. Dann sehe ich auch den Grund. Von drei Bäumen lassen sich wie an einer Schnur drei richtige knuddelige Teddybärenkinder herab. Ihnen war wohl Mamas Fressorgie zu lang geworden. Für mich hieß das „Rückzug“. Und zwar so schnell wie möglich. Ab ins Auto und weiter ging die Fahrt. Wieder eine Begegnung der besonderen Art.



Duncan - Stadt der Totempfähle

Restaurierungsarbeiten an einem...

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Auf unserem Weg zum Lake Cowichan passieren wir Duncan. Bekannt ist dieser kleine Ort als Stadt der Totempfähle. Als die Sägemühle als größter Arbeitgeber schließen musste und die Bewohnerzahl des Ortes immer weiter abnahm, hatten die Stadtväter Duncans die zündende Idee. Vielleicht schaute man auch auf den Erfolg des benachbarten Örtchens Chemainus mit seinen Touristen bringenden Wandmalereien. Jedenfalls gab man bei den ortsansässigen Cowichan-Indianern Totempfähle in Auftrag. Seit 1985 wurden mittlerweile rund 50 Totems im Stadtgebiet aufgestellt. Da geht natürlich jedes Touristen-Wohnmobil und jeder Mietwagen in die Bremsen. Auf solche authentischen Fotomotive hat man ja gewartet. Klar, dass alle Restaurants und Imbissstationen bestens auf die Gäste aus USA und Übersee eingestellt sind. Die Pflege und Restaurierung der Zeugen indianischer Kultur und Vergangenheit gibt zudem jungen Indianern Lohn und Brot.



Rund 50 Totempfähle geben dem Ort Duncan ein ga...

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Indianische Heilpflanzen

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Lohnend ist auch ein Besuch im Native Heritage Center des Cowichan-Stammes direkt am Cowichan River. Volkstum, Kunsthandwerk, Musik und Tanz werden hier vorgeführt und im Kulturzentrum auch gelebt. Ein kleines Restaurant bietet Lachs aus dem Fluss in verschiedenen indianischen Zubereitungsformen. Besonders gut gefallen hat mir der Garten mit verschiedenen indianischen Heilkräutern. Alle lateinischen Namen und auch die indianischen Bezeichnungen der Pflanzen sind auf kleinen Schildchen zu erfahren. Dazu gibt es detaillierte, heilkundige Anwendungsbeispiele.



Tanz des Cowichan-Stammes auf Vancouver Island

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Kommentare

  • Wolfgang122

    Sehr anschaulicher Bericht, der mir viele Hinweise gibt, was wir auf unserer nächsten Kanada-Reise noch alles sehen müssen - wenn wir nur Zeit hätten.

  • touran11.04

    Der Bericht hat mir sehr gut gefallen, er ist locker geschrieben und mit sehr schönen Fotos illustriert.
    Nebenbei weckt er Erinnerungen an unsere Reise mit dem Wohnmobil in die Rocky Mountains und Vancouver Island.

  • Brunello

    Wunderbar, die Beschreibung der Begegnungen mit den Bären. Für alle, die gern Bären sehen wollen, aber mit einem weniger mulmigen Gefühl: Von Tofino aus gibt es auch Bear-Watching-Touren, auf denen man vom Wasser aus beobachten kann, wie die Bären bei Ebbe die Felsküsten geschickt nach Seafood absuchen. Sie lassen sich dabei überhaupt nicht stören, da sie vom Wasser aus keine Gefahr vermuten - wirklich beeindruckend.

  • bleuwer

    Der Bericht hat mehr sehr gut gefallen, besonders die Begegnungen mit den Bären. Zumal wir bei einer Wohnmobilreise durch British Columbia incl. Vancouver Island, auch Bärenbegegnungen hatten, aber nur vom sicheren Autositz aus. Selbst das war schon aufregend, aber sicherlich nicht vergleichbar mit den Begegnungen in freier Natur.
    Auch die Illustrierung mit den vielen Bildern gefällt mir gut.

  • winni

    Gefällt mir. Ein gut geschriebener Bericht mit schönen Fotos. vg winni

  • hamburg

    beeindruckend

  • paulus03

    Ein toller Bericht. Ich habe ihn gerade rechtzeitig gefunden. Wir fahren im Juni auch auf dieser Route und da konnte ich mir einiges vormerken!

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  • windweit

    Hmm, vielleicht sollte ich doch mal wieder nach Nordamerika fahren.
    Ich war "im letzten Jahrhundert " in Kanada. Als langsame Wanderin am Ende der Gruppe hatte ich immer ein bisschen Sorge, daß ich alleine vor einem Bären stehe. Wir haben aber nur von weitem aus dem Auto welche gesehen.
    Ein Bericht, wie ich ihn mag.
    Grüße, Gabi

  • Focuswelten (RP)

    Hallo!

    Endlich komme ich dazu mal einen Kommentar abzugeben: Toller Bericht! Wenn ich mir nicht in Afrika einen tückischen Virus eingefangen hätte, würde ich sofort auch mal dorthin fahren. Aber solange ich den Erreger des "Afrikareisefiebers" in mir trage, freue ich mich jedenfalls über so gute Berichte über diese schöne Region!

    Servus
    Beppo - Focuswelten

  • UlrikeNiemann

    Wow! Ich bin ganz neu im Forum und habe gleich diesen super Bericht gefunden!! Hatte sehr viel Spaß ihn zu lesen! Danke dafür! Mein Mann und ich haben zwei Jahre auf Vancouver Island gelebt und nachdem ich diesen bericht gelesen habe, kommt ein gewisses Heimweh hoch!!!

  • Vigl

    Toller Reisebericht! Da packt einen doch glatt das Fernweh. Und wenn wir nicht zum Bären nach Kanada kommen, dann kommt halt der Bär zu uns in die Alpen ;-)

  • Schoena

    So stelle ich mir einen Reisebericht vor. Super! Man wird mit auf die Reise genommen und darf auch an manche Episode miterleben. Dazu die vielen Tipps und schönen Fotos. Man merkt, der Profi ist auf Reisen.

  • Asterix2

    Eine wunderbare Auffrischung der Erinnerung an unsere eigenen Erlebnisse im wunderschönen Kanada. Sehr anschaulich und spannend beschrieben.
    Wir fuhren mit einem Campmobil zu viert so ungefähr die gleiche Route....
    im September. Traumhaft !!! Muß man wirklich nochmal hin !!!

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  • LudwigII.

    Dafür gibt es nur einen Ausdruck, einfach "bärig" schön.

  • anweber

    Bei den Vorbereitungen einer Reise in den Westen Canadas bin auf Ihren Bericht gestossen. Durch einen so gut geschrieben und mit ebenso guten Fotos dokumentierten Bericht wird die Lust diesen Teil Canadas zu besuchen immer grösser. Danke für Ihren Beitrag
    anweber 17.2.2009

  • vroni1962

    Toller Reisebericht! Waren letzte Jahr in Kanada. Leider haben wir nur einen Bären gesehe - und eine Kamera war leider nicht zur Hand. Da habt Ihr mehr Glück gehabt. Wirklich super!
    L.G.
    Vroni

  • Segelfilmer.de

    Ja, so kann ich mir gut vorstellen, wie die Reise in Kanada war. Obwohl ich bisher noch nie dort war.

    Die Fotos sind wie immer bei Ihnen über jeden Zweifel erhaben!

    Liebe Grüße - Thomas

  • MatzeOL

    Unglaublich reichhaltiger und lebhafter Bericht, der die Lust auf diese schöne der Ecke der Welt noch mehr steigert. Danke für die viele Mühe, die darin steckt.
    Liebe Grüße Mathias

  • Zaubernuss

    Erst heute entdeckt, Deine Bärengeschichten und die abenteuerliche, schön erzählte Reise. Danke auch für die vielen Bilder und die guten Informationen über das mir fremde Reiseland, bis jetzt noch ...... LG: Ursula

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  • Bluesfreundin (RP)

    Liebe Beate,
    wunderschöner Bericht, der Lust auf mehr macht. Vielen Dank dafür . Und das Bild mit dem Kind und dem Wal ist atemberaubend schön und hat zu Recht so viele Punkte...
    Herzliche Grüße - Sigrid

  • brandriba

    Schöne Reise, sehr schöner Reisebericht und die tollen Bilder: Ein Zeitsprung auch mit wiederbelebten Erinnerungen an unsere Reise 2005 auf diese tolle Insel. Danke LG DAni

  • Frank_E

    Hab Deinen Bericht erst jetzt gefunden & gelesen. Sehr informativ und lebendig geschrieben. Da werden Erinnerungen wach :-)
    Viele Grüße Frank

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