Der Cheshire Ring: Mit dem Narrowboat von Stoke on Trent nach Manchester

Reisebericht

Der Cheshire Ring: Mit dem Narrowboat von Stoke on Trent nach Manchester

Reisebericht: Der Cheshire Ring: Mit dem Narrowboat von Stoke on Trent nach Manchester

Fahrt mit dem Narrowboat "Emma" (58 Fuß) durch den Harecastle Tunnel auf dem Macclesfield Canal und Peak Forest Canal in Richtung Manchester. Tunnel, Schleusen und Aquädukte auf dem Cheshire Ring erleben und befahren.

18. Mai, Sonntagmorgen in der Marina von Stoke on Trent: heute starten wir unsere Tour um den Cheshire Ring. Nach einem klassischen English Breakfast heißt es „Leinen los“ und auf geht’s in Richtung Harecastle Tunnel, dem Anfang des Rings. Die ersten Kanalmeilen dienen der Gewöhnung an unsere „Emma“, die mit ihren fast 18 Metern Länge Aufmerksamkeit fordert.

„Emma“ ist ein 4 / 5 Personen Narrowboat mit 2 Schlafräumen, einer geräumigen Naßzelle, einer komplett eingerichteten Küche, Essbereich und Salonecke, und für die nächsten 2 Wochen ist sie unser mobiles Heim. Emma wurde uns von Fair Winds Yacht Charter in Hamburg vermittelt und überrascht durch die komplette Ausrüstung (von Pütt un Pann bis Internetanschluß), das üppige Raumangebot und den sehr gepflegten Zustand. Eigentlich hätte uns ein 2-Personenboot genügt, aber wir haben uns als Luxus etwas mehr Raum gegönnt



"Emma"



Schon nach 2 Stunden halten wir vor einem Berg mit einem dunklen Loch – der HarecastleTunnel. Die Durchfahrt wird von einer Tunnelcrew im Einwegverkehr organisiert. Man stellt einen kleinen Konvoi zusammen, man erhält Verhaltensregeln für die Durchfahrt und sobald der Gegenverkehr den Tunnel verlassen hat, bekommen wir grünes Licht. Motor an, Licht an und schon geht’s auf die 2,65 km lange Durchfahrt. Maschinengedröhn, Abgase und eine Tunnelröhre, die den Skipper mitunter zwingt, den Kopf einzuziehen – man könnt’s abenteuerlich nennen. Aber irgendwann sieht man das Licht am Ende des Tunnels und eine erste Bewährungsprobe geht zu Ende. Uns empfängt der Trent & Mersey Canal und überrascht uns mit einer kräftig braunen Wasserfärbung, die durch die Verbindung zu den stillgelegten Kohleminen verursacht wird. Jetzt einmal links abbiegen, nach 300 m noch einmal eine 90 Grad Kehre und schon führt uns der Macclesfield Canal über ein erstes Aquädukt in Richtung Peak District.





Welche Vorstellung hat ein Bewohner des Kontinents von einer typisch englischen Landschaft? Sie muß ihren Ursprung im Kanal und im Umfeld des Peak Districts haben: Weißdorn und Flieder am Ufer verströmen betörenden Duft. Immergrünes Farmland, eingerahmt in Hecken, läßt Augen und Seele zur Ruhe kommen. Und hin und wieder ein Herrenhaus, ein Farmhaus, Rindvieh, Schafe, Pferde und, und, und….!



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Wir duchfahren die erste Schleuse und dann sagt der Kanalführer: an Brücke 8c beginnt der Weg zu Little Moreton Hall (Sehenswürdigkeit!!! ). Über Felder, Wiesen und Zäune erreichen wir dieses einmalige Fachwerkhaus aus dem 15. Jahrhundert. Man traut seinen Augen nicht. Kein Boden ist eben, keine Wand senkrecht und irgendwie hat man den Eindruck, der Zusammenbruch ist nicht mehr fern. Aber – dank des Fachwerks und einer liebevollen Restaurierung wird dieses Haus weitere Jahrhunderte überstehen.

Die Weiterfahrt nach Congleton beendet unsere erste Tagestour und wir fühlen uns schon deutlich entschleunigt.



Little Moreton Hall

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Am nächsten Morgen fahren wir in Richtung Bosley Locks. Die Anfahrt zur Bottom Lock führt den Kanal über das beeindruckende Aquädukt, das das Tal des River Dane überquert. Stopp, innehalten, Eindruck und Ausblick geniessen und schon geht’s in die erste von zwölf Schleusen des Bosley Flights. Super Aufwärmtraining für die 92 Schleusen des Cheshire Rings.

Wenige Meilen weiter erwartet uns eine elektronisch gesteuerte und mit Elektromotor betriebene Drehbrücke. Tricky – mal funktioniert sie, mal funktioniert sie nicht. Das Warten auf den Service bringt eine willkommene Zwangspause. Relax – Coffee, Cake & Afternoon Nap!!!

Und weiter geht’s in Richtung Macclesfield. Begleitet von immer den gleichen Landschaftsbildern am rechten wie am linken Ufer: Weißdorn & Flieder, Wiesen & Hecken, Farmhäuser & Gutshäuser. Schafe, Ziegen, Kühe und Pferde (Shirehorses) folgen interessiert dem Narrowboat und über allem legt sich der Duft von aufspringenden Blüten. Springtime in Britain – ein Fest für alle Sinne.




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Nach der Übernachtung in Macclesfield geht es anschließend über Bollington nach Marple. Man ahnt es schon – immer in einer Duftwolke von Weißdorn und Flieder…..! Ein Stopp in diesem kleinen malerischen Ort lohnt immer. Sei es zum Auffüllen der Vorräte, oder einem Sightseeing Walk, oder zwecks Imbiss und Drink im Pub.

Hier treffen wir auf zwei wunderschön restaurierte alte Narrowboatfrachter. Ihre angegrauten Besitzer mühen sich über Stunden, die Schraube des einen Museumsstücks von einem im Propeller gefangenen Draht zu befreien. Mühsam, mühsam und kalt, wenn man im Mai bis zur Brust im kühlen Kanalwasser steht.



Oldtimer

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In Marple endet der Macclesfield Canal und der Peak Forest Canal erwartet uns mit der Marple Flight und ihren 16 Schleusen. Schön, schön, wunderschön - der Kanal steigt über die Schleusen mehr als 60 m zu Tal. Am rechten Ufer grünes Grünzeug – grüner kann’s nicht werden. Das linke Ufer windet sich um Marple herum. Hunde und ihre Herrchen aus Marple schauen immer wieder gerne bei den Schleusenmanövern zu.

Da der Wasserhaushalt des Peak Forest Canals mitunter knapp wird, stellt die British Waterways einen ehrenamtlichen Schleusenwärter ab, der das kontrollierte Öffnen und Schließen der Schleusen überwacht. So wird einerseits verhindert, dass die Boote über Schlick rutschen, und andererseits erhalten die Bootscrews Unterstützung beim Bedienen der Schleusen.



Marple Flight

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Apropos Schleusen – Schleusen – Schleusen….

Zu den Kanalschleusen ist zu sagen, dass sie bis auf wenige Ausnahmen von Hand bedient werden. Die Schieber (Ventile) werden gekurbelt und die Tore durch Druck (Popo) oder Zug gegen die hölzernen Hebel geöffnet bzw. geschlossen. Manchen Kanalfahrer schauderts, wenn er hört, dass 90 und mehr Schleusen zu durchfahren sind. Der Schauder ist unbegründet. Schleusen sind das Salz in der Suppe des Kanalfahrens. Hier trifft man andere Bootscrews zum Smalltalk, man spricht sich ab und unterstützt sich gegenseitig. Man tauscht sich aus, man erhält Tipps, man öffnet und schließt dem jeweils anderen Schieber und Tore, und nicht selten trifft man sich im nächsten Pub beim Guinness. Auf Neudeutsch: Schleusen sind Meeting Points und Communication Centers. Hier lernt man Land und Leute kennen.



Schleusen

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Old Mary…

Nach der Bottom Lock der Marple Flight begegnet uns ein Relikt aus dem 19. Jahrhundert. Wir trauen unseren Augen kaum, als uns die 160 Jahre alte „Mary“, gezogen von einem Kaltblüter und begleitet von drei Bootsleuten in zünftiger Arbeitskleidung, entgegen kommt. „Mary“ ist ein Frachter (Narrowboat) und hat in ihren jungen Jahren Waren und Menschen auf den Kanälen transportiert. Heutzutage wird das traditionelle Treideln von der Horse Boating Society für die Nachwelt bewahrt. Man restauriert die alten Boote, trainiert Pferde und Crews und bietet allen Kanalwanderern und Kanalfahrern eine tolle Show. Den wirklichkeitsnahen Einblick in die Arbeitswelt des 19. Jahrhunderts gibt’s gratis obendrauf.



Maria

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Zum Abschluß des Peak Forest Canals gibt’s noch einmal ein imposantes Aquädukt über den River Goyt. Im Jahre 1800 fertiggestellt, trägt es den Kanal in 30 m Höhe über das Flußtal. Der Autor des Kanalführers nennt es eine „stupendous erection“ und recht hat er. Übrigens verläuft parallel das noch höhere Viadukt, das die Eisenbahn übers Tal führt.

Mit dem Narrowboat tauchen wir anschließend ins Dunkel des Hyde Bank Tunnels (308 yards) und des Woodley Tunnels (176 yards) und mit Erreichen des Ashton Canals befinden wir uns schon im Grossraum von Manchester. Darüber mehr in einer weiteren Folge zu einem späteren Zeitpunkt.



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