Extremadura - kleine Rundreise

Reisebericht

Extremadura - kleine Rundreise

Reisebericht: Extremadura - kleine Rundreise

Von der Extremadura hatte ich keine Vorstellung, wusste nur, dass dieser Landstrich am wenigsten dicht besiedelt ist. So wurde es eine Rundreise der Entdeckungen, jeder Tag bot neue Überraschungen. Zurückgeblieben ist eine Sehnsucht nach diesem Landstrich. Vielleicht sollte ich gar nicht berichten, damit es dort so bleibt, wie es ist. Und doch ist es eine Empfehlung.

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Zafra in Echtzeit

Plaza in Zafra

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Von Zafra aus ist es nicht mehr sehr weit bis Andalusien. Das erklärt vielleicht den ganz anderen Baustil dieser hübschen, kleinen Stadt mit den vielen Schmiedeeisernen Balkongittern an den weiß oder ockerrot getünchten Häusern, der ein wenig an Sevilla erinnert. Zunächst aber standen wir an der Parkuhr, nach unserem Verständnis um 15 Uhr. Die Parkuhr sollte erst ab 17 Uhr zählen, sie zeigte aber schon 17 Uhr und zählte sofort. Das führte zu leichter Verwirrung. Da die Stadt einige Kirchtürme aufzuweisen hat, bestätigte ein Rundumblick die Übereinstimmung der Kirchenuhren mit der Park-Uhr, keine Übereinstimmung jedoch mit der Armbanduhr meines Liebsten. Ich lebe sowieso immer knapp neben, vor oder hinter der Zeit. Auf meinen Gatten ist jedoch Verlass in Bezug auf Kalenderdaten oder Uhrzeiten. In Zafra vor der Parkuhr ging etwas von der Absolutheit meines Vertrauens in diese Verlässlichkeit verloren. Wir hatten seit 5 Tagen 2 Stunden Differenz zur jeweils ortsüblichen Zeit, was sich durch zweimaliges Umstellen der Uhr, einmal von Portugal nach Spanien und einmal durch die Sommerzeit erklärt. Nur hätten die Zeiger in die andere Richtung bewegt werden müssen. Also gehen die Spanier neuerdings gar nicht früher zum Essen, wir waren 5 Abende lang endlich einmal zur richtigen Zeit im Restaurant, nämlich gegen 22 Uhr, obwohl wir dachten, es sei unsere Hungerzeit 20 Uhr. Und auch sonst hatten wir uns unwissentlich an die spanischen Gewohnheiten angepasst. Ein paar mal hatten wir den Verdacht, dass sich in Spanien niemand um die uralten Uhrtürme und deren Uhren kümmert, weil die nach unserer Zeit alle falsch gingen….Versteht sich von selbst, dass wir innerlich Abbitte leisteten.

So konnten wir nun in Übereinstimmung mit den Turmuhren über die mit Bogengängen versehene Plaza Grande, durch die belebte Innenstadt bummeln, auf der Plaza Chica Café trinken, im Einklang mit der Zeit der Bewohner, im Licht der nachmittäglichen Sonne, die wir gestern noch für die Mittagssonne hielten. In den trutzig wirkenden Alcázar aus dem 15. Jahrhundert, der in einen Parador umgewandelt wurde und im Inneren einem Palast gleicht, lohnt es genau so einen Blick zu werfen auf den Renaissance-Kreuzgang wie in die drei alten Kirchen.

Die Leichtigkeit der Bauweise in Zafra, die südliche Anmutung mit den vielen Palmen im Ortskern, die heiteren Farben der Fassaden und die Unbestechlichkeit der Parkuhr gaben diesem Ausflug eine Note der Unvergesslichkeit.




Kirche in Zafra



Römisches, rote Rosen und der Duft von Orangenblüten in Mérida

Mérida ist die Hauptstadt der Extremadura, eines Landstriches etwas größer als die Niederlande, mit nur etwas über einer Million Einwohner, das sind 2,6 % der Spanier. Somit gehört es zu den am wenigsten besiedelten Teilen Europas. Dieses Mal wussten wir schon vorher, es würde uns allerlei Römisches erwarten. Wir parkten in der Neustadt direkt am Fluss Guadiana. So konnten wir durch eine Parkanlage am Wasser entlang direkt auf die imposante Römerbrücke zugehen. Die Brücke befindet sich an einer seichten Stelle des Flusses mit kleinen Flussinseln. Mit 790 m ist sie eine der längsten erhaltenen Brücken aus römischer Zeit. Die zweite römische Brücke über den Fluss Albarregas mit 145 m Länge wurde zur gleichen Zeit erbaut. Diese beiden Bauwerke zeigen, wie wichtig die Stadt zur Römerzeit gewesen sein muss als Schnittpunkt zweier Handelsrouten von Nord nach Süd und Osten nach Westen. Entsprechend dieser Wichtigkeit sind in der Stadt sehr viele historische Bauwerke erhalten. An einigen Stellen ist zu sehen, dass die ganze Stadt auf “geschichtlichem Geröll” gebaut ist, etwa 4 m hoch. Eine U-Bahn dürfte man hier wohl nicht bauen, es würde alles sogleich von den Archäologen beschlagnahmt. Es ist erstaunlich, wie selbstverständlich hier die Tempelreste zwischen Wohnhäusern stehen, wie der Diana-Tempel, der nur versehentlich so heißt. Es war ein Tempel des Kaiserkultes, wurde zu Beginn des ersten christlichen Jahrhunderts gebaut und ist deshalb so gut erhalten, weil er später in einen Palast integriert wurde.

Ein wenig außerhalb der Altstadt führte uns ein Wegweiser zum Aquädukt, was ebenfalls sehr gut erhalten das Albarregastal überbrückt und von unzähligen Storchenpaaren bewohnt wird. Das Aquädukt führt Wasser aus einem 5 km vor der Stadt gelegenen Staubecken in die Stadt hinein.

Für das Römische Theater, das Amphitheater, das 8 v. Chr. eingeweiht wurde und in dem blutige Tier- und Glasdiatorenkämpfe stattfanden, sowie die erhaltenen Teile des Forums mussten wir Eintritt bezahlen. Das Römische Theater war lange Zeit zerstört. In der Neuzeit wurden die Säulen des Theaters geborgen und wieder aufgestellt. Zwischen all den alten Mauern blühen hier prachtvolle duftende Rosen.

Weitere Gebäudereste, Mosaiken und Figuren sind im Römischen Museum ausgestellt; ein sehr schönes neues Ziegelsteingebäude, der römischen Bauweise angepasst, diese aber nicht kopierend, mit einer gut konzipierten Ausstellung, die unbedingt zu empfehlen ist.

Nach so viel Geschichte ruhten wir auf dem sehr schönen, nach Orangenblüten duftenenden Marktplatz zwischen Rathaus und Parador aus. An allen vier Ecken des Platzes luden Stühle und Tische sowie ein Ausschank zum Verweilen ein. Ich hätte gerne noch eine der Kirchen von innen gesehen, aber für diesen Tag war es genug, fast schon zu viel. Für Mérida sollte man sich zwei Tage Zeit nehmen. Versäumen sollte man es auf keinen Fall.



Römerbrücke Mérida


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Kommentare

  • RdF54

    Ein sehr schöner Reisebericht mit tollen Fotos über eine faszinierende Gegend, die für mich bis Dato vollkommen unbekannt war.
    Bin gerne mitgereist!!

    LG Robert

  • juergen.k

    Wehmut kommt auf, wenn ich Deinen Bericht lese.
    So habe ich die Extremadura immer wieder kennengelernt.
    Und die Störche gibt es immer noch auf den Kirchtürmen in der Altstadt von Cáceres, wie ich den Bildern entnommen habe.
    Eine Gegend, wo sich das "Stromern" lohnt zu Burgen, Klöstern, Paradores und Landschaften.

  • Karu24

    Danke für Deine netten Worte. Es kennen nicht viele Menschen diese wunderbare Gegend. Du hast mich darauf gebracht, dass ich den Störchen ein Extra-Kapitel widmen wollte. Das werde ich noch nachholen.

  • Blula

    Schön, dass Du mich auf diese Reise mitgenommen hast.. . fühlte mich irgendwie mitgenommen, denn Du schreibst so schön anschaulich. Ich bin in der Extremadura ja auch noch nicht gewesen. Die Fotos, die Du "angefügt" hast, sind außerdem so gut und passend, dass man gar nicht mehr viel Vorsetllungskraft benötigt. Sehr schön!
    LG Ursula

  • Karu24

    Danke auch für Deine Begleitung, ich freue mich, wenn diese schöne Gegend ein bisschen Aufmerksamkeit erfährt.
    LG Karu

  • Skylinemen

    Karu, ein sehr ausführlicher und nützlicher Beitrag mit guten Fotos zur besseren Vorstellung der Gegend.
    Will mich auch gerne auf die Reise machen...schaun wir mal!
    LG,
    Michael

  • Petra67

    Danke für deinen anschaulichen Beitrag!
    Da kommt doch wieder ein bisschen Sehnsucht auf...!
    Ich war selbst zwar erst einmal in der Extremadura, doch mein nächster Besuch dort, im "wahren" Spanien ;-) ist nicht weit!
    Vor kurzem hab ich die offizielle Homepage der Region entdeckt: www.stadtlandextremadura.de

    Ein Besuch dort lohnt sich wirklich!

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  • Karu24

    Danke für Deinen link-Hinweis. Ich war auch nicht zum letzten Mal dort, von mir aus könnte ich gleich morgen wieder hinfahren. Die Gegend ist zwar "preiswert", gemessen am Rest Europas, aber leider kostet Reisen trotzdem Geld. Vorfreude ist aber auch schön... Danke für das Interesse an diesem Beitrag.
    Liebe Grüße
    Erika

  • freeneck-farmer

    Habe jetzt erst, dank Startleiste, dein Bericht gelesen. Sehr schön dieses Teil von Spanien. Ich könnte mich vorstellen da mal mit unser Wohnmobil, ein kleines, hinzufahren. Muß mich mal schlau machen.
    Vielen Dank.
    LG Anneken

  • Karu24

    Hallo Anneken,
    das sollte gut möglich sein, wir trafen Wohnmobil-Fahrer, die seit Wochen in der Gegend unterwegs waren. Allerdings habe ich nicht sehr viele Plätze gesehen, allerdings auch nicht besonders darauf geachtet. Der Frühling ist bestimmt die schönste Zeit dafür, im Sommer ist es nicht mehr so grün, weil alles verbrennt.
    Lieben Gruß und danke für Dein Interesse
    Erika

  • agezur

    Du hast mich gerade auf eine wunderbare Reise mitgenommen - ich hab fast geglaubt dort zu sein!
    Liebe Grüße Christina

  • Aries

    Hallo, Erika,
    ein wundervoller Bericht über eine Gegend, die übersetzt etwa "extrem hart" bedeutet, was sich auf das Leben in früheren Jahrhunderten übertragen läßt. Nicht von ungefähr kamen viele der Abenteurer, die sich mit Kolumbus und dessen Nachfolger auf den Weg nach Südamerika machten, aus dieser Gegend, die ihnen kaum Lebensunterhalt bot.
    Für alle Schmökerfreunde: Das Buch " Die Brücke von Alcántara" von Frank Baer schildert historisch korrekt in atemberaubender Manier die Zeit der "Zerstörung von Toleranz", das Ende der Koexistenz von Muslimen, Juden und Christen. Das Taschenbuch hat rund 850 Seiten, und ich habe es seinerzeit verschlungen!
    Wahrscheinlich können wir im nächsten Jahr ein RC-Treffen in der Extremadura feiern!
    LG Hedi

  • Karu24

    Vielen Dank, Hedi, für diesen Hinweis. Ich werde das Buch sofort bestellen. Ja, ich kann mir vorstellen, wie hart es sein muss, im Sommer dort zu leben, wenn alles Grün verbrennt, die Erde hart und rissig wird, die Temperaturen gnadenlos sind. Ich weiß nicht, ob die Gnadenlosigkeit der "Eroberer" daher rührte.
    Der zaberhafte Frühling dort lässt jedoch alles andere vergessen.
    LG Erika
    P.S. Was muss ich mir unter einem RC-Treffen vorstellen? War das ein Scherz oder gibt es so was?

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  • Aries

    War nur ein Scherz...
    Ich hatte nur die Vision von vielen RC-lern, die sich mit Kind und Kegel, WoMo, Zelt oder Motorrad auf in die Extremadura machen, nachdem sie deinen Bericht gelesen haben.
    Die Gnadenlosigkeit der conquistadores rührt von der Gnadenlosigkeit der ganzen Zeit her - und speziell in der Extremadura gab es für nachgeborene Söhne nun gar nichts zu erben, die mußten sehen, wo sie blieben. Und da bot sich die Neuentdeckung "Amerika" an!

    Eine bekannte Historikerin, Barbara Tuchman, hat übrigens die These entwickelt, dass die Brutalität des spätmittelalterlichen Menschen daher rührt, dass sie als Kinder sich selbst überlassen blieben. Es starben so viele im Kindesalter, dass die Eltern schon mal vorsichtshalber keine emotionale Bindung an den noch kleinen Nachwuchs aufbauten, sondern ihn erst dann "aufnahmen", wenn der mit fünf oder sechs Jahren aus dem Gröbsten heraus war.
    Auch später, im Barock etwa, gaben adelige Eltern den Nachwuchs zwecks Aufzucht den Bediensteten. Der Begriff der "Mutterliebe" ist ein relativ neuer, geschichtlich betrachtet.

    Sagt die Wahlhistorikerin
    Hedi :-))

  • Karu24

    Barbara Tuchmann habe ich auch gelesen, "Der ferne Spiegel" und "Die Dummheit der Regierenden" (hochacktuell übrigens).
    Die Liebe überhaupt scheint eine "Erfindung" der Neuzeit zu sein. Ich stimme nicht ganz überein mit dieser These von der sonst sehr geschätzten Frau Tuchmann. Wenn ich sehe, zu welchen "Brutalos" sich über-wohl-behütete Kinder der Moderne entwickeln können und welche "gnadenlosen" Waffen im zivilisierten Westen entwickelt werden, scheint das Problem noch anderswo zu liegen.
    Nein, mir wäre eine plötzliche Überschwemmung der Extremadura mit Reisenden aller Art auch nicht recht. Es gehört mit zu den Reizen des Landstrichs, dass es so wenig Touristen gibt,
    schreibt mit besten Grüßen die Touristin
    Erika

  • Aries

    Ich stimme mit dir überein - die Wurzel von Egoismus und Brutalität muss woanders liegen...
    "Der ferne Spiegel" ist ansonsten das packendste historische Sachbuch, das ich je gelesen habe.
    Ich habe ihm übrigens Material für eines meiner "Gedichte mit Geschichte" entnommen, das wieder einmal historisch korrekt ist, aber ansonsten ziemlich albern...
    Kuckst du hier:
    www.amoris.biz/thread.php?threadid=1018
    Fröhliche Grüße von
    Hedi

  • Karu24

    Danke für den link, ich bin sprachlos überrascht. Sehr gut, ich habe es mit Freude gelesen, speziell den Schluss mit dem Wort "verblich".
    Was es doch alles zu entdecken gibt im Netz!
    Schönen Sonntag
    Erika

  • Aries

    Knicks und Danke!
    :-)))

  • NiklasR

    Super Bericht!

    Bei den Fotos noch mehr auf den Bildausschnitt achten, aber sonst klasse Bilder, alle Achtung!

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