Frühling in der Kalahari

Reisebericht

Frühling in der Kalahari

Reisebericht: Frühling in der Kalahari

Der Geruch der Kalahari, Krach in der Wüste und eine Milliarde Nagetiere - ein Bildbericht für Naturhungrige die der Zivilisation mal kurz die Zunge rausstrecken möchten.

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Mata-Mata

Nummerngirl

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Unser nächstes Camp Mata-Mata ist zwar ein Grenzübergang , doch außer einer Tankstelle und einem kleinen Shop für die nötigsten Lebensmittel darf man nicht viel erwarten. Der Zeltplatz ist von großen schattenspendenden Bäumen bestanden von denen Tausende Seidenfäden mit winzigen Maden herabhängen. Dazwischen haben Erdhörnchen ihre Höhlen und begutachten neugierig jedes ankommende Fahrzeug, Glanzstare schauen aus ihren orangegelben Augen aufmerksam nach Futter und ein paar Raben vergnügen sich mit seltsam kollernden Geräuschen. Wir unterhalten uns mit einem welterfahrenen älteren Camperpaar über den Einfluss der Chinesen in Afrika, Autofahren in Deutschland und Schlangen in der Kalahari. Begeistert schwärmen sie von der Schönheit der Kapkobra, die sie beim Nossob Camp gleich mehrfach gesichtet haben. Die müssen wir unbedingt finden!



Wetterboten

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Doch erst einmal die Nacht überstehen – das Wetterleuchten dauert seit dem Abend an. Gegen 3 Uhr beginnt der Sandsturm, dann die ersten Regentropfen und schließlich kracht ein mächtiges Gewitter auf uns los. Angst, dass die Äste des Baumes über uns abbrechen könnten, das Zelt flattert wie ein Handtuch im Wind, es ist zu spät um die gelockerten Heringe wieder zu fixieren. Und da ist noch etwas völlig Irritierendes: ein Geruch wie im Raubtierhaus kriecht beißend zu uns in die Schlafsäcke. Kommt das jetzt von den Erdhörnchen oder hat uns wer an der Zeltwand einen Gruß hinterlassen? Wie versteinert aber schlaflos verbringen wir die nächsten 3 Stunden. 6 Uhr wollten wir eigentlich schon am Tor sein und auf Morgenpirsch gehen – die Natur hatte anderes vor. Immerhin sind die Maden verschwunden.



Anpassungskünstler



Tag der Kobra

Schönsein dank Orangenhaut

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Es ist jetzt nur noch 18 Grad kalt und der Geruch hängt über der gesamten Strecke bis Nossob, das sind 120 km über die roten gras- und strauchbewachsenen Dünen rüber bis zum Fluss. Im Camp stocken wir die Vorräte und Benzin nochmals auf. Leider hat unser kleiner KIA keinen besonders großen Tank und wir müssen die nächsten Tage mit dem Treibstoff haushalten. Es sind noch 160 km bis Gharagab auf Schotterpiste und dann kommen 2 Tage fast nur noch Allradstrecken (plus Rückweg). Nach Tieren Ausschau haltend rollen wir mit 40 maximal 50 km/h gen Norden und wundern uns über ein Stück gelbes Plastikrohr, das am Straßenrand liegt. Hier wirft doch sonst niemand etwas weg – oder war es doch etwas anderes? Wir fahren zurück und stellen fest, dass sich das Teil bewegt, es ist komplett orangegelb, stellt einen Halsschild auf, hat schwarze Augen, eine schwarze Zunge und einen wohlklingenden Namen: Naja nivea - eine Kapkobra! Sie ist unglaublich schön – und giftig.



Gharagab

Gharagab ist das nördlichste und entlegenste Camp auf südafrikanischer Seite, die letzten 30 km kommt man nur mit Allradfahrzeugen im Schritttempo hin. Die Dünen liegen fast blank, denn ein riesiges Buschfeuer hat weite Teile der Vegetation hinweggefegt. Reste von verkohlten Grasbüscheln und Sträuchern hinterlassen ein trauriges Bild und doch regt sich schon wieder Leben und grüne Spitzen zeigen sich bei genauerem Hinsehen. Kurz vorm Dunkelwerden erreichen wir endlich unser Ziel, sind müde, hungrig und freuen uns auf ein richtiges Bett, die kleine Küche, eine eigene Dusche. Doch es ist nichts vorbereitet, angeblich wußte der Lageraufseher nichts von unserem Kommen. Notdürftig reinigt er unseren Bungalow bevor wir ihn endlich beziehen können und wir sind kaputt genug um uns nicht weiter daran zu stören.



Augenweite



Ruhige Randlage

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Trotz des schlechten Starts: Gharagab ist besonders. Hier stehen nur 4 Bungalows am Rande einer kleinen Anhöhe von der man auf ein Wasserloch blickt. Es gibt auch eine Aussichtsplattform aber keinen Zaun und es gibt Löwen, Schakale, Hyänen und Schlangen… Wie in der gesamten Kalahari ist hier jeder Quadratmeter durchsiebt und unterhöhlt von Mäuse-, Mull- und Rattenlöchern, es müssen Milliarden sein. Wir erkunden zu Fuß die nähere Umgebung: 10 m vor uns verschwindet eine Kapkobra in einem Loch und kommt irgendwo rechts wieder aus einem anderen heraus. Eidechsen, Geckos, Spinnen, Skorpione, Sandrennnattern, die schwarze ungiftige Molesnake – sie alle nutzen die Gänge und Löcher der Nager. Eine Streifenmaus finden wir auch in unserer Chipstüte wieder. Alle anderen Lebensmittel hatten wir zum Glück im gasbetriebenen Kühlschrank deponiert.



Untergeschossig


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Kommentare

  • RdF54

    Was für eine schöne Reise mit tollen Erlebnissen und phantastischen Bildern!
    Bin im Geiste mitgereist und Du hast mit Deinem gut geschriebenen Bericht schönen Erinnerungen hervorgezaubert!!

    LG Robert

  • mamaildi

    Ein schön zu lesender Bericht über eine spektakuläre Reise. So viele spannende Begegnungen im Nirgendwo...

  • Blula

    Einfach toll. . .. der Bericht, die Fotos.. . Eine Einladung, nach Südafrika zu reisen !!!
    LG Ursula

  • DHeckmann (RP)

    Ist die Kalahari nicht großartig? Danke für diesen schönen Bericht und die vielen prima Photos. Ihr hattet ja wirklich Glück! Dirk

  • windweit

    Sowas würde ich auch gerne mal machen! Och Mensch, jetzt hab' ich wieder Fernweh.
    Danke für den mitnehmenden Bericht und die eindrucksvollen Bilder.
    Viele Grüsse,
    Gabi

  • knallus

    Toll !!

  • Schoena

    Ein sehr schön geschriebener und kurzweiliger Bericht, der Lust auf diese einmalige Landschaft mit der großen Artenvielfalt macht. Die Fotos unterstreichen diese Reise noch besonders.

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  • trollbaby

    Hallo Elke!
    Wieder so ein wunderschöner Bericht von Dir mit dem Hauch von Abenteuer und Exotik! Danke für diese kurze Flucht aus der Zivilisation!
    LG Susi

  • astrid

    Afrika ruft! Dein schöner Bericht bringt Sonne in den trüben Dezember! Danke.
    Gruß Astrid

  • condor

    Die Kalahari kann sehr schön, wenn sie blüht. aber auch sehr gefährlich sein, hat uns fast mal in eine ausweglose/gefährliche Situation gebracht. Dieses Unternehmen hat mir gezeigt was eine Fata Morgana ist und möchte das nicht noch einmal erleben. Glück, den einzigsten Farmer weit und breit dort gefunden zu haben. Dennoch, die Reise lohnt sich, aber bitte keine Alleingänge, sondern mit einem wirklich guten Reiseleiter/Führer. Kalahari ist wahrlich ein wahres Abenteuer und voller Überraschungen, so wie hier schon beschrieben.
    Toller Bericht und Fotos.

  • maunz86

    Muss ne mords Gaudi gewesen sein =)

  • MatzeOL

    Hallo Elke,
    vielen Dank für Deinen anschaulichen Bericht mit den wundervollen Bildern. Er hat mir interessante Infos für unseren Urlaub in der Kalahari in diesem Jahjr gegeben.
    LG Mathias aus Oldenburg

  • Zypresse

    Wieso hatte ich diesen Bericht denn soooo lange "übersehen" - dabei ist KTP doch mein absoluter Lieblingspark in Südafrika? Schön beschrieben, stimmungsvolle Fotos, macht Lust auf mehr Kalahari und ein wenig "Heimweh". Danke!
    Auf dem Weg nach Bitterpan mussten wir uns vor vier Jahren in Nossob noch beim Ranger abmelden, bekamen das Tor aufgeschlossen und damit wären Experimente wie Euer "nur mal gucken" nicht möglich gewesen. Auch uns hat damals die fünfte Düne - schon in Einbahnstraßenrichtung - mehrere Anläufe gekostet. Aber Bitterpan hat sich definitiv gelohnt, so toll gelegen, so ungewöhnlich gestaltet.

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  • Zypresse

    Wieso hatte ich diesen Bericht denn soooo lange "übersehen" - dabei ist KTP doch mein absoluter Lieblingspark in Südafrika? Schön beschrieben, stimmungsvolle Fotos, macht Lust auf mehr Kalahari und ein wenig "Heimweh". Danke!
    Auf dem Weg nach Bitterpan mussten wir uns vor vier Jahren in Nossob noch beim Ranger abmelden, bekamen das Tor aufgeschlossen und damit wären Experimente wie Euer "nur mal gucken" nicht möglich gewesen. Auch uns hat damals die fünfte Düne - schon in Einbahnstraßenrichtung - mehrere Anläufe gekostet. Aber Bitterpan hat sich definitiv gelohnt, so toll gelegen, so ungewöhnlich gestaltet.

  • doubleegg

    @Zypresse: RC ist wie im richtigen Leben - man entdeckt immer wieder was Neues ;-) und Bitterpan steht definitiv auf meiner Liste fürs nächste Mal. Danke für den Tipp.

    @all: An dieser Stelle mein herzliches Dankeschön an alle Besucher, Bewerter und Kommentierer für euer Interesse und eure netten Hinterlassenschaften.

  • condor

    Sehr schöne Beschreibung, dazu die tolle Fotountermalung.
    Ich habe die Kalahari hautnah erlebt, sie ist faszinierd, einzigartig. So wunderschön sie erblühen kann, so gefährlich kann sie sein. Ich weiß wovon ich rede.
    Wer das Abenteuer sucht, kommt auf seine Kosten, dennoch sollte man das Risiko niemals unterschätzen.

    LG. condor

  • traveltime

    Den schönen Bericht hätte ich eher lesen sollen, DANKE!
    LG Rolf

  • ingepeter (RP)

    Hallo Elke, ja spät aber nicht zu spät habe ich jetzt Deinen Bericht gelesen. Spannend, was ihr da so alles erlebt habt und tolle Fotos hast du mit eingestellt. Gut Deine Beschreibung über die Risiken in diesen noch fast unverfälschten Gegenden auf dieser Welt. Wüsten und Einsamkeit sollte niemand unterschätzen. Deine Tierfotos sind ganz wunderbar, vor allem da sie ja nun nicht in irgendwelchen privaten Gameresort aufgenommen wurden. Für mich waren viele Stationen ein Wiedererleben - toll.
    Verwundert hat mich Dein Reisedatum - 2.12. 09 - 5.10.09 :-))
    Gruss Inge

  • Gaby13

    Toller Bericht! Traumhafte Fotos! Das alles schreit nach schnellstmögliche Abreise zum KTP. Ich hoffe auf 2014.
    Danke für diesen wunderschönen Einblick.
    LG Gaby

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  • mhsch

    Hallo Elke,
    deine Beiträge sind große Klasse, schon die Auswahl deiner ( oder eurer ) Reiseziele ist exquisit, was du dann als Reisebericht dahinzauberst, mit deinen excellenten Fotografien ist wundervoll. Ich kann ihn spüren, ... oh, diesen Neid, wenn ich sehe, dass ein Teller mit Essen, oft höher bewertet wird als deine hervorragenden, ausdrucksstarken Fotos, ich sehe in deinen Beiträgen deinen Charakter, du musst ein besonderer Mensch sein. Gruß von mhsch

  • doubleegg

    Hallo mhsch,
    danke für deine offenen, lobenden Zeilen, aber sie sind zuviel der Ehre. Ich versuche nur, ein paar Eindrücke wieder zu geben und mich an das Motto der Community zu halten: Reisen. Trachte danach, meine Selbstdarstellung zugunsten von Geschichten, Infos und Fotos zum Thema zu reduzieren und mich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Daher ist Neid auch nicht das richtige Gefühl, ich würde es eher ungläubiges Staunen nennen, wenn ich derartige Bewertungen sehe. Aber man lernt, dass Leute verschieden sind und hier auch total verschiedene Interessen bedient werden. So findet jeder hoffentlich was er sucht - und die Über-den-Tellerrand-Gucker sind mir sehr lieb. Mit augenzwinkendem Grüßen und den allerbesten Wünschen - Elke

  • Lapalala

    Wir haben beim Lesen Deines sehr guten Berichtes über die Kalahari und beim anschauen der tollen Bilder mal wieder in Erinnerungen geschwelgt. Wir waren das erste mal dort, als der Park noch "Kalahari Gemsbock Park" hieß.Mit dem VW Bully haben wir damals in den siebzigern einige Monate in der Kalahari gelebt und gedarbt.
    LG Irmtraud & Fred

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Frühling in der Kalahari 4.58 31

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