Frühling in der Kalahari

Reisebericht

Frühling in der Kalahari

Reisebericht: Frühling in der Kalahari

Der Geruch der Kalahari, Krach in der Wüste und eine Milliarde Nagetiere - ein Bildbericht für Naturhungrige die der Zivilisation mal kurz die Zunge rausstrecken möchten.

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Unendlichkeit des Nordens

Die Straße von Springbok nach Upington ist gespenstisch leer und praktisch kurvenfrei. Nur die Fata Morgana über dem Asphalt verschleiert den Blick auf die nächste 50km-Gerade. Links und rechts teilen ewige Zäune das karge Weideland, ab und zu ein paar Ziegen oder Schafe (bei 36 Grad ohne Schatten). Kurioser Blickfang die Nester der Webervögel, die sich entlang des Highways an den Strommasten vergangen haben. Nach ca. 200 km durchfährt man Pofadder und es tut sich absolut kein Grund auf, warum man anhalten sollte, nicht mal wenn man auf Puffottern steht.



Zweckentfremdet



Der große Lärm

Die nächste Etappe heißt Augrabies Falls N. P. Der Oranje bildet die natürliche nördliche Grenze Südafrikas zu Namibia und Botswana. In den Augrabies Fällen stürzt er sich spektakulär und geräuschvoll ca. 190 m in die Tiefe, was die Ureinwohner zu dem Namen ‚Ort des großen Lärms’ inspirierte. Der relativ kleine Nationalpark bietet vor allem geologische Einblicke entlang der 18 km langen Schlucht des Flusses, aber auch viele Vögel, Antilopen, Klippschliefer und botanische Leckerbissen wie Köcherbäume. Es gibt einen Wanderpfad, den man gefahrlos begehen kann - aber bei dieser Hitze trauen wir uns kaum aus dem Auto.



Farbiger Grenzverlauf: Oranjerivier



Upington

Profi-l

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– idyllisch am Oranje gelegen und und letzter Versorgungsposten bevor man 260 km nördlich den Kgalagadi Transfrontier Park betritt. Spätestens hier sollte man alles einkaufen, was zum Campen und Leben in der Kalahari gebraucht wird. Leider haben wir immer noch keine Gaskartusche für unseren Spirituskocher gefunden, aber Wasser, Wein, Milch, Müsli, Toastbrot und ein paar Konserven für ca. 5 Tage sind im Gepäck, nebst minimaler Campingausrüstung. Die ist unsere Rettung. Meine Versuche über www.sanpark.org die dringend benötigten Reservierungen für Unterkünfte zu machen sind alle fehlgeschlagen. Wir haben keinerlei Antwort von der Parkverwaltung bekommen und stehen unangemeldet vor dem Gate. Man kann sich schwer vorstellen, dass in diesem riesigen Gebiet selbst die Zeltplätze ausgebucht sein können - aber es gibt nur wenig Camps und der südafrikanische Platzanspruch ist mit dem unseren einfach nicht zu vergleichen. Hightech-Camper mit riesigen Trailern kommen vorzugsweise am Wochenende, die neben ihren Zelten vom Partypavillon über Satelliten TV bis zur mobilen Küche alles dabei haben, und Grillzeug natürlich. Die brauchen Strom, Wasseranschluss, vieeeel Platz und bleiben meist mehrere Tage , damit sich der Aufbau lohnt.

Irgendwie gelang es dann am Hauptgate für die nächsten Tage Zeltplätze und sogar 2 Nächte in einem Bungalow für uns zu reservieren. Wir sind drin! Überglücklich stellen wir das kleine Zelt in Twee Rivieren in Zaunnähe auf den Campingplatz – und erleben die erste große Überraschung in der Nacht: ein zünftiges Kalaharigewitter. Es bleibt nicht das letzte.



Oryxantilopen



Begegnungen am Flussbett

Beginnen die Erkundung entlang des Auob, ein Fluss der nur ca. alle 11 Jahre Wasser führt. Der Nossob soll sogar nur 2 x in 100 Jahren geflutet sein. Trotzdem sind die Flüsse unschwer zu erkennen, denn hier konzentrieren sich Tiere und Bäume und auch die Wasserlöcher sind im Flußbett angelegt. Riesige Herden Springböcke ziehen durch das Tal, Gnus, Oryx- und Kuhantilopen findet man eher in kleineren Gruppen. Ab und zu kreuzt ein Schakal den Weg, lungert eine Tüpfelhyäne herum oder sieht man einen Mungo auf der Jagd. Der Regen hat die Vegetation bereits deutlich angeschubst, vor allem die Bäume und Sträucher treiben Knospen und duftende Blüten.



Königliche Faulheit



Milchuhu

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Berühmt und gar nicht schwer zu finden sind die Kalahari Löwen, deren Mähnen bei adulten Männchen schwarz gefärbt sind. Löwen schlafen lang und gerne und wenn sie sich einmal zur Ruhe gelegt haben, stört sie auch ein ganzer Konvoi von Touristenfahrzeugen nicht die Bohne. Diejenigen, die morgens am Straßenrand liegen (weil der Sand so schön angenehm ist), findet man abends oft genau an derselben Stelle wieder. Ganz praktisch, denn so bekommt jeder Hobbyfotograf mal einen Löwen vor die Kamera.
Was man sonst in Richtung namibische Grenze vor die Linse bekommt ist allerdings auch nicht zu verachten: kleine Steinböckchen im Dickicht, Strauße mit ihren Küken, Schwalbenschwanzspinte, Singhabichte, Großtrappen, alle möglichen Greifvögel und sogar einen Milch- oder Blaßuhu (ca. 60 cm groß). Tatsächlich ist die Kalahari wegen ihres Vogelreichtums legendär, es wurden schon 246 Arten gezählt.



Schwalbenschwanzspinte


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Kommentare

  • RdF54

    Was für eine schöne Reise mit tollen Erlebnissen und phantastischen Bildern!
    Bin im Geiste mitgereist und Du hast mit Deinem gut geschriebenen Bericht schönen Erinnerungen hervorgezaubert!!

    LG Robert

  • mamaildi

    Ein schön zu lesender Bericht über eine spektakuläre Reise. So viele spannende Begegnungen im Nirgendwo...

  • Blula

    Einfach toll. . .. der Bericht, die Fotos.. . Eine Einladung, nach Südafrika zu reisen !!!
    LG Ursula

  • DHeckmann (RP)

    Ist die Kalahari nicht großartig? Danke für diesen schönen Bericht und die vielen prima Photos. Ihr hattet ja wirklich Glück! Dirk

  • windweit

    Sowas würde ich auch gerne mal machen! Och Mensch, jetzt hab' ich wieder Fernweh.
    Danke für den mitnehmenden Bericht und die eindrucksvollen Bilder.
    Viele Grüsse,
    Gabi

  • knallus

    Toll !!

  • Schoena

    Ein sehr schön geschriebener und kurzweiliger Bericht, der Lust auf diese einmalige Landschaft mit der großen Artenvielfalt macht. Die Fotos unterstreichen diese Reise noch besonders.

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  • trollbaby

    Hallo Elke!
    Wieder so ein wunderschöner Bericht von Dir mit dem Hauch von Abenteuer und Exotik! Danke für diese kurze Flucht aus der Zivilisation!
    LG Susi

  • astrid

    Afrika ruft! Dein schöner Bericht bringt Sonne in den trüben Dezember! Danke.
    Gruß Astrid

  • condor

    Die Kalahari kann sehr schön, wenn sie blüht. aber auch sehr gefährlich sein, hat uns fast mal in eine ausweglose/gefährliche Situation gebracht. Dieses Unternehmen hat mir gezeigt was eine Fata Morgana ist und möchte das nicht noch einmal erleben. Glück, den einzigsten Farmer weit und breit dort gefunden zu haben. Dennoch, die Reise lohnt sich, aber bitte keine Alleingänge, sondern mit einem wirklich guten Reiseleiter/Führer. Kalahari ist wahrlich ein wahres Abenteuer und voller Überraschungen, so wie hier schon beschrieben.
    Toller Bericht und Fotos.

  • maunz86

    Muss ne mords Gaudi gewesen sein =)

  • MatzeOL

    Hallo Elke,
    vielen Dank für Deinen anschaulichen Bericht mit den wundervollen Bildern. Er hat mir interessante Infos für unseren Urlaub in der Kalahari in diesem Jahjr gegeben.
    LG Mathias aus Oldenburg

  • Zypresse

    Wieso hatte ich diesen Bericht denn soooo lange "übersehen" - dabei ist KTP doch mein absoluter Lieblingspark in Südafrika? Schön beschrieben, stimmungsvolle Fotos, macht Lust auf mehr Kalahari und ein wenig "Heimweh". Danke!
    Auf dem Weg nach Bitterpan mussten wir uns vor vier Jahren in Nossob noch beim Ranger abmelden, bekamen das Tor aufgeschlossen und damit wären Experimente wie Euer "nur mal gucken" nicht möglich gewesen. Auch uns hat damals die fünfte Düne - schon in Einbahnstraßenrichtung - mehrere Anläufe gekostet. Aber Bitterpan hat sich definitiv gelohnt, so toll gelegen, so ungewöhnlich gestaltet.

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  • Zypresse

    Wieso hatte ich diesen Bericht denn soooo lange "übersehen" - dabei ist KTP doch mein absoluter Lieblingspark in Südafrika? Schön beschrieben, stimmungsvolle Fotos, macht Lust auf mehr Kalahari und ein wenig "Heimweh". Danke!
    Auf dem Weg nach Bitterpan mussten wir uns vor vier Jahren in Nossob noch beim Ranger abmelden, bekamen das Tor aufgeschlossen und damit wären Experimente wie Euer "nur mal gucken" nicht möglich gewesen. Auch uns hat damals die fünfte Düne - schon in Einbahnstraßenrichtung - mehrere Anläufe gekostet. Aber Bitterpan hat sich definitiv gelohnt, so toll gelegen, so ungewöhnlich gestaltet.

  • doubleegg

    @Zypresse: RC ist wie im richtigen Leben - man entdeckt immer wieder was Neues ;-) und Bitterpan steht definitiv auf meiner Liste fürs nächste Mal. Danke für den Tipp.

    @all: An dieser Stelle mein herzliches Dankeschön an alle Besucher, Bewerter und Kommentierer für euer Interesse und eure netten Hinterlassenschaften.

  • condor

    Sehr schöne Beschreibung, dazu die tolle Fotountermalung.
    Ich habe die Kalahari hautnah erlebt, sie ist faszinierd, einzigartig. So wunderschön sie erblühen kann, so gefährlich kann sie sein. Ich weiß wovon ich rede.
    Wer das Abenteuer sucht, kommt auf seine Kosten, dennoch sollte man das Risiko niemals unterschätzen.

    LG. condor

  • traveltime

    Den schönen Bericht hätte ich eher lesen sollen, DANKE!
    LG Rolf

  • ingepeter (RP)

    Hallo Elke, ja spät aber nicht zu spät habe ich jetzt Deinen Bericht gelesen. Spannend, was ihr da so alles erlebt habt und tolle Fotos hast du mit eingestellt. Gut Deine Beschreibung über die Risiken in diesen noch fast unverfälschten Gegenden auf dieser Welt. Wüsten und Einsamkeit sollte niemand unterschätzen. Deine Tierfotos sind ganz wunderbar, vor allem da sie ja nun nicht in irgendwelchen privaten Gameresort aufgenommen wurden. Für mich waren viele Stationen ein Wiedererleben - toll.
    Verwundert hat mich Dein Reisedatum - 2.12. 09 - 5.10.09 :-))
    Gruss Inge

  • Gaby13

    Toller Bericht! Traumhafte Fotos! Das alles schreit nach schnellstmögliche Abreise zum KTP. Ich hoffe auf 2014.
    Danke für diesen wunderschönen Einblick.
    LG Gaby

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  • mhsch

    Hallo Elke,
    deine Beiträge sind große Klasse, schon die Auswahl deiner ( oder eurer ) Reiseziele ist exquisit, was du dann als Reisebericht dahinzauberst, mit deinen excellenten Fotografien ist wundervoll. Ich kann ihn spüren, ... oh, diesen Neid, wenn ich sehe, dass ein Teller mit Essen, oft höher bewertet wird als deine hervorragenden, ausdrucksstarken Fotos, ich sehe in deinen Beiträgen deinen Charakter, du musst ein besonderer Mensch sein. Gruß von mhsch

  • doubleegg

    Hallo mhsch,
    danke für deine offenen, lobenden Zeilen, aber sie sind zuviel der Ehre. Ich versuche nur, ein paar Eindrücke wieder zu geben und mich an das Motto der Community zu halten: Reisen. Trachte danach, meine Selbstdarstellung zugunsten von Geschichten, Infos und Fotos zum Thema zu reduzieren und mich selbst nicht so wichtig zu nehmen. Daher ist Neid auch nicht das richtige Gefühl, ich würde es eher ungläubiges Staunen nennen, wenn ich derartige Bewertungen sehe. Aber man lernt, dass Leute verschieden sind und hier auch total verschiedene Interessen bedient werden. So findet jeder hoffentlich was er sucht - und die Über-den-Tellerrand-Gucker sind mir sehr lieb. Mit augenzwinkendem Grüßen und den allerbesten Wünschen - Elke

  • Lapalala

    Wir haben beim Lesen Deines sehr guten Berichtes über die Kalahari und beim anschauen der tollen Bilder mal wieder in Erinnerungen geschwelgt. Wir waren das erste mal dort, als der Park noch "Kalahari Gemsbock Park" hieß.Mit dem VW Bully haben wir damals in den siebzigern einige Monate in der Kalahari gelebt und gedarbt.
    LG Irmtraud & Fred

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Frühling in der Kalahari 4.58 31

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