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Reisebericht: Wart Berg, du sollst eine Burg tragen

Reisebericht: Wart Berg, du sollst eine Burg tragen

Die Wartburg in Eisenach ist eine der schönsten Burgen Deutschlands -sagenhaft im wahrsten Sinne des Wortes, denn viele Sagen ranken sich diese Burg. Sie liegt auf einem Berg mitten im Thüringer Wald und bietet schon von weitem einen imposanten Anblick. Seit 1999 gehört die Wartburg zum Weltkulturerbe der UNESCO.

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Von Fürsten, Minnesängern und Reformatoren

 
 
 
 
 

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Die Führung geht zuerst durch den Palas mit Rittersaal, Speisesaal und Elisabethkemenate. Die Elisabethkemenate ist mit wunderschönen Mosaikarbeiten aus dem 20.Jh. geschmückt, die Szenen aus ihrem Leben darstellen.
Man begegnet der Grabplatte des Gründers der Burg Ludwig dem Springer.



Im Landgrafenzimmer erzählen Wandmalereien des spätromantischen Malers Moritz von Schwind die Legenden um die Entstehung der Burg (leider kam meine Kamera mit den Lichtverhältnissen nicht klar, deshalb die Bilder bitte nur als Dokumentation auffassen). Links im Bild steht Ludwig der Springer auf dem Berg und ruft aus: "Wart Berg, du sollst eine Burg tragen." Er hatte sich bei einem Jagdausflug hierher verirrt und der Berg gefiel ihm, allerdings gehörte er ihm nicht. Deshalb ließ er Körbe mit Erde von seinem Anwesen auf den Berg tragen. Als der rechtmäßige Besitzer sich beschwerte, konnte Ludwig der clevere Springer nachweisen, dass er auf eigener Erde gebaut hatte. Das war im Jahre 1067.

Auf der rechten Seite rät der tapfere Schmied von Ruhla dem weniger couragierten Sohn Friedrich des Springers, sich von seinen Vasallen nicht auf der Nase herumtanzen zu lassen. Er schlägt auf seinen Amboß und ruft "Landgraf werde hart".



 
 
 
 
 

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Im Sängersaal hat Moritz von Schwind die bekannteste Sage der Wartburg dargestellt - den Sängerkrieg. Walter von der Vogelweide, Wolfram von Eschenbach, Heinrich von Ofterdingen und einige andere Minnesänger hielten einen Wettstreit auf der Wartburg ab, wer wohl am besten sänge. Der Schlechteste sollte nicht nur den Wettbewerb sondern auch sein Leben verlieren. Das war Heinrich, nicht etwa, weil er die Tonleiter nicht kannte, sondern weil er es wagte, auf seinen österreichischen Fürsten ein Loblied zu singen und nicht auf seinen Gastgeber Hermann. Er flehte die Gemahlin Hermanns um Gnade an, und sie gewährte ihm ein Jahr Aufschub. Meister Klingsor, bekannter Minnesänger und Zauberer, kam in letzter Minute aus Ungarn angeflogen und schlichtete den Streit. Bei dieser Gelegenheit sagte er auch die Geburt Elisabeths und ihre Heirat mit Hermann Sohn voraus. Und da waren alle zufrieden und wenn sie nicht gestorben sind...
Richard Wagner hat den Sagenstoff in abgewandelter Form als Vorlage für seine Oper "Tannhäuser" verwendet.
Leider wird das Gemälde durch aufsteigende Feuchtigkeit bedroht.



 
 
 
 
 

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In der Burgkapelle finden heute Orgelkonzerte und Gottesdienste statt. Die Wandmalerei stammt aus dem Jahr 1300 und zeigt eine Abendmahlsszene.



Der reich ausgeschmückte Festsaal gefiel dem bayrischen Märchenkönig Ludwig II. so gut, dass er ihn auf Neuschwanstein nachbauen ließ. Der Saal hat eine ausgezeichnete Akustik, deshalb finden regelmäßig Konzerte mit weltweit renommierten Künstlern statt.



 
 
 
 
 

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Im gut bestückten Museum gibts Kunst von Cranach und anderen Meistern zu bewundern. Goethe hat sich öfter auf der Wartburg aufgehalten und hat die Gründung des Museums angeregt.



 
 
 
 
 

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Nun geht die Führung durch den Margaretengang zur Lutherstube.



 
 
 
 
 

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Diese Kammer ist die Wiege der deutschen Schriftsprache. Nachdem Martin Luther auf dem Reichstag zu Worms wegen seiner Thesen für vogelfrei erklärt wurde, ließ Kurfürst Friedrich der Weise ihn entführen und versteckte ihn auf der Wartburg. Nun hatte der rührige Exmönch viel Zeit. Inkognito als Junker Jörg
übersetzte er das Neue Testament in einer Rekordzeit von elf Wochen aus dem Griechischen ins Deutsche. Dabei schaute er dem Volk aufs Maul, scheute sich nicht vor derben Sprüchen und erfand auch selbst neue Wortschöpfungen wie "Perlen vor die Säue werfen" oder "Aus einem glücklichen Arsch kommt ein fröhlicher Furz" (letzteres steht glaub ich nicht in der Bibel).



 
 
 
 
 

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Im mittelalterlichen Burggarten wachsen allerlei Küchen- und Heilkräuter.




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Kommentare
  • enfrente 26.10.2009 | 13:12 Uhr

    Fünft Punkte für diesen wieder tollen und interessanten Reisebericht von dir. Das war eine richtig spannende Reise ins Mittelalter. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich schon so oft an der Wartburg vorbeigefahren bin aber noch nie die Zeit hatte, sie mir anzuschauen. Das muss ich ganz schnell nachholen ..lol.
    lg Romy

  • traveltime 26.10.2009 | 18:41 Uhr

    Toller Bericht, und wieder etwas dazu gelernt.
    LG Rolf

  • mamaildi 26.10.2009 | 19:26 Uhr

    Ich kann mich Romy und Rolf nur anschließen - das nächste Mal wird angehalten. Der Große Festsaal kam mir beim Betrachten der Bilder schon irgendwie bekannt vor, jetzt weiß ich auch warum!

  • Blula 26.10.2009 | 19:56 Uhr

    Auch von mir die volle Punktzahl !! Ganz toller und lehrreicher Bericht. Leider habe ich die Wartburg auch noch nicht besucht, ja noch nicht einmal aus der Ferne gesehen. Muß ich bald nachholen. Bildungslücke... ! Danke, dass Du sie hier so wunderbar dargestellt hast.
    LG Ursula

  • Schoena 27.10.2009 | 15:21 Uhr

    Sehr schön geschriebener, lebhafter Bericht und mit so vielen Bildern bestückt, dass man für einen Besuch der Wartburg gut gerüstet ist. Ich glaube, es wird Zeit, wieder einmal dahin zu reisen.

  • patsmum 09.04.2010 | 20:30 Uhr

    Hallo freyabe!
    Beim Lesen deines schön geschriebenen Berichts bin ich im Geiste wieder durch die Burg spaziert... Die Höfe, die Räume, sogar die Tauben wurden wieder sehr lebendig!
    LG, Brigitte

  • ingepeter (RP) 08.07.2012 | 18:10 Uhr

    .... bald werde ich diese Burg besuchen und die Lektüre Deines Berichtes war schon eine Führung durch die Gemächer. Nun weiß ich, auf welche Aspekte ich ein besonderes Augenmerk richten muss. Lebendig geschrieben ist eine Burgführung auch richtig unterhaltsam und auch zum Lachen .... Gruss Inge

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