Auf Entdeckungstour in Peru - wilde Natur, Inkaruinen und Pisco Sour

Reisebericht

Auf Entdeckungstour in Peru - wilde Natur, Inkaruinen und Pisco Sour

Reisebericht: Auf Entdeckungstour in Peru - wilde Natur, Inkaruinen und Pisco Sour

Ich schreibe hier über einige meiner Reisehöhepunkte während einer einjährigen Südamerika-Rucksackreise. Der Schwerpunkt dieses Teils liegt auf kleinen Anekdoten und Erlebnissen während der 2 Monate in Peru - zwischen September und Oktober 1996. Einfach Rucksackpacken und Loslassen ...

Seite 2 von 7

Titicacasee

Insel Amantani im Titicacasee

Informationen zum Bild anzeigen Bildinformationen anzeigen

Das Ziel ist Puno, direkt am Titicacasee gelegen, hierhin führt die Straße von La Paz in Bolivien kommend. Größte Stadt am auf über 3800 m hoch gelegenen See, welcher übrigens als der höchst gelegene schiffbare der Welt gilt, mit einer Bevölkerung, welche größtenteils aus reinblütigen Indios besteht. Das Leben und die Zeit schreiten hier und in einem langsameren Rhythmus voran, kein Hasten und Rennen, alles sehr relaxt und ' muy tranquilo'. Die Stadt ist für die meisten Reisenden Ausgangspunkt, um die Inseln des Sees zu besuchen, so auch für mich.

Ich stehe früh auf, packe meinen Rucksack und mache mich auf den Weg zum Hafen, wo jeden Tag Boote für die Einheimischen zu den Inseln Amantani und Taquile ablegen. Auf dem Weg dorthin verlangt mein hungriger Magen nach etwas Nahrhaftem - ich sehe ein Schild 'desayuno - 1 sol' (Frühstück 1 sol, umgerechnet 40 US Cents), denke mir: ' Das ist aber billig ' - und versuche mein Glück. Auf dem Teller ist etwas, was die Leute hier zum Frühstück, Mittag und Abend essen - Reis mit Bohnen, ein Stück Fleisch, dazu ein Getränk. Ich habe eine leicht andere Idee von einem Frühstück, mache er keinen Rückzieher und schaufele tapfer den ganzen Teller in mich hinein. So komme ich satt zum Hafen, das Boot zur Insel Amantani - weniger für den Tourismus erschlossen und mein Ziel heute - ist ablegebereit, ich springe hinein und los geht die Fahrt über den Titicacasee. Das kleine Boot ist voll gepackt mit Waren und Lebensmitteln der Indios von den Inseln. Ich sitze oben auf dem Dach und genieße die Sonne und die Aussicht, als für die wenigen Touristen an Bord an einer der schwimmenden Inseln Halt gemacht wird. Die Indios leben seit Jahrhunderten auf diesen selbst schwimmenden Gebilden aus Schilfgras, mit nicht mehr Platz als für ein paar Hütten und Verschlägen für die Hühner und Schweine. Inzwischen dient es den Indios mehr zum Souvenirverkauf, denn zum wirklich traditionellen Leben auf den Inseln - schade zu sehen, welch negativen Einfluss Tourismus haben kann.

Nach mehrstündiger Fahrt erreiche ich Amantani, die Handvoll Besucher wird auf verschiedene Familien verteilt. Ein Mann vom Dorf bringt mich zu meinen Gastgebern - ein süßes altes Paar, ich schätze beide auf ca. 70 Jahre alt, in Wirklichkeit sind sie wohl mindestens 15 Jahre jünger - und sprechen kaum ein Wort Spanisch. Ich bekomme ein einfaches Bett, drei Mahlzeiten am Tag sowie einige Kerzen für die Abende. Die gesamte Insel ist ohne Stromversorgung, inzwischen wurde von der Regierung ein Dieselgenerator installiert, damit auch diese Leute in den zweifelhaften Genuss des Fortschritts kommen können - hauptsächlich Fernsehen für einige Abendstunden. Als Willkommen bekomme ich etwas zu essen - Reis mit Gemüse sowie eine Quinuasuppe ( dem meistverbreitesten Getreide der Einheimischen ). Am späten Nachmittag starte ich meine erste Erkundungstour. Der steinige Weg führt bergauf, passiert hunderte von Terassenfeldern, welche die gesamte Insel mosaikartig bedecken, zum höchsten Punkt eines kleinen Berges. Von hier oben stelle ich fest, dass dieses Eiland hauptsächlich aus zwei großen Hügeln besteht, wobei ich mich auf dem Gipfel eines von diesen befinde. Die Überreste alter Inkagebäude befinden sich hier, ich setze mich in ihre Nähe, lausche dem steten Wind und schaue zu, wie die Sonne langsam hinter den Bergen verschwindet. Höchste Zeit zum Zurücklaufen, um noch vor Einbruch der Dunkelheit das Haus wieder zu finden, um mein wohlverdientes Abendessen zu genießen Der Hausherr wartet schon etwas besorgt vor der Tür, weil es fast finster ist, als ich wieder eintreffe. Während ich noch esse, dringen merkwürdige Geräusche aus der Küche, oder besser gesagt, dem Raum wo auf offenem Holzfeuer gekocht wird, ich nehme an, dass es sich um Ratten handelt ( mein Appetit verringert sich schlagartig ). Der Hausherr erklärt mir aber auf mein Fragen hin mit Händen und Füßen, dass dies Meerschweinchen seien - eine Leibspeise und Nationalgericht der Peruaner!

Nach einer kühlen Nacht und dem Frühstück breche ich erneut auf, um die restliche Insel zu entdecken. Auf dem Weg zum anderen Hügel begegne ich einer Indiofrau mit zwei Töchtern, die jüngere wird noch im typischen bunten Tuch auf dem Rücken getragen, die andere versteckt sich hinter ihrer Mutter, aber immer wieder verstohlen und scheu mit ihren großen dunklen Kinderaugen zu mir herüber schauend Erst ein Lächeln von mir zaubert ein ebensolches auf ihr Gesicht. Ich setze meine Runde fort und raste an einem schönen Fleck mit wunderschöner Aussicht über den tiefblauen Titicacasee. Ich schaue einigen Männern bei der Feldarbeit zu - zuerst entfernen sie die Steine aus dem Boden, danach pflügen sie mit einem - für unsere westlichen Verhältnisse - primitiv anmutenden Holzpflug, hinter einen Ochsen gespannt.

Tagebuchschreiben gehört für mich zu den wichtigsten Dingen auf Reisen und so verbringe ich meine nächsten Stunden damit, bevor ich für den Sonnenuntergang zum Platz von zurückkehre. Es ist einfach ohne Worte - unbeschreiblich schön und friedlich, die Abendsonne glitzert golden im strahlend blauen See, im Hintergrund färbt sich das Weiß der schneebedeckten Berge langsam von orange zu pink und violett. Ich mache viele Fotos und meine Freunde zu Hause nennen mich aufgrund einer immensen Anzahl solcher Bilder einen Sonnenuntergangsfetischisten - wohl wahr. Ich bleibe noch einen weiteren Tag auf der Insel, welchen ich ähnlich wie den vorigen verbringe, bevor ich, nach herzlichem Abschied von meinen netten Herbergsleuten, von denen ich mich nur schweren Herzens losreißen kann, nach Puno zurückkehre.

Zurück in der Stadt muss ich mir dann überlegen, wie ich am besten nach Cuzco komme, oder besser gesagt, was ist die billigste Möglichkeit? Es gibt zwei Alternativen, erstens den Zug- gemütlich und bequem, aber relativ teuer, zweitens den Bus, 10 Stunden Nachtfahrt über eine ungeteerte Straße, dafür eben preiswert. Tja, was macht der Rucksackreisende mit schmalem Budget? Er nimmt natürlich den Bus und eine schlaflose Nacht in Kauf. In dem letzten Jahr wurde diese Straße komplett asphaltiert, also eine gute Alternative zum Zug, welchen trotzdem die meisten Reisenden bevorzugen.



Meine Herbergsleute auf Amantani


Teilen auf

Mein Interessenprofil

Bitte melden Sie sich an, um Reiseziele zu Ihrem Interessenprofil hinzuzufügen.

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Auf Entdeckungstour in Peru - wilde Natur, Inkaruinen und Pisco Sour 3.25 4

Beliebte Community-Inhalte: AustralienNorwegenThailandVietnamItalienBarcelonaIndien ReiseführerIndien Tipps