Mit Wüstenschiffen in ein Meer der Stille

Reisebericht

Mit Wüstenschiffen in ein Meer der Stille

Reisebericht: Mit Wüstenschiffen in ein Meer der Stille

Nachdem ich schon einige Male in Gruppen in die Wüste gereist bin, musste ich die Einsamkeit und Stille für einmal nur mit zwei Kamelführern und ihren vier Kamelen auf mich wirken lassen. Mentale Erholung pur!

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Entlang dem Djbel Bani

Als ich aufwache, geht gerade die Sonne in ihrer ganzen Pracht auf. Sie taucht die Ebene zwischen den zwei mit Akazien bewachsenen Hügelzügen in goldenes Licht. Die vielen grünen Gräser und Büschchen leuchten noch intensiver als am Tag zuvor. Der Wind hat sich während der Nacht gelegt. Ein kleines Flugzeug fliegt das Tal herauf und an uns vorbei. Das habe ich hier noch nie gesehen.

Jetzt sind auch die anderen wach und stehen auf. Während ich mich verziehe, mich umkleide und etwas wasche, bereitet Malaga schon das Frühstück vor. Sobald ich meinen Schlafplatz aufgeräumt habe und mit allen Habseligkeiten beim Zelt ankomme, steht der „Frühstückstisch“ in der Morgensonne bereit.

Nachdem wir gemütlich gegessen haben, holt Yousef die Tiere und Malaga baut das Zelt ab. Anschliessend helfe ich beim Beladen der Kamele und schon kann es losgehen.

Wir reiten, bzw. marschieren, weiter dem Hügelzug entlang, vorbei an MLachar, wo wir sonst immer die Hügelkette überquert haben. Ganz oben sehen wir Karawanen, die diese stark frequentierte Strecke gewählt haben. Ich freue mich, dass wir jetzt in ein Gebiet kommen, in dem es kaum Touristen haben wird.

Die Kinder verhalten sich anders als vorher. Zuvor sind sie zu uns gelaufen und wollten „Bonbons“ oder „Stilos“. Hier amüsieren sie sich köstlich darüber, wie ich auf dem Kamel sitze. Ich bin die Unterhaltung für eine kleine Schule, die wir passieren.

Endlich finden wir eine Akazie, die gross genug ist, uns genug Schatten zu spenden. Allzu heiss ist es zwar nicht, der Wind hat wieder aufgefrischt und es sind wieder Wolken aufgezogen, die angenehmen Schatten erzeugen. Wieder essen wir die köstlichen Datteln von Yousef, trinken den süssen Tee und dann gibt es Salat. Diesmal mit Sardinen und weissen Bohnen.

In der Ferne sitzen zwei Nomadenmädchen, die Ziegen hüten. Ich bringe ihnen ein paar Nüsse, aber sie wollen sie nicht annehmen. Schön brav nichts annehmen von Fremden, aber natürlich ist das nicht der Grund, vielmehr sind sie zu scheu. Dann ruft Malaga die kleinere der beiden an unseren Tisch. Wir haben viel zu viel Salat, also gibt er der Kleinen einen Teller voll Salat samt Brot für sie und ihre Schwester. Kurze Zeit später kommt das Mädchen mit dem vollen Teller ohne Brot zurück und meint nur verständnislos, das Gemüse sei ja gar nicht gekocht. Nicht mal Malaga und Yousef haben je von Nomaden gehört, die Salat nicht kennen. Sie meinen danach nur lachend, das seien „Nomades en plastique“, also keine echten Nomaden.

Nach dem Essen räumt Malaga die Küche auf und Yousef repariert ein paar Körbe, dann wird Siesta gehalten.

Die Kinder haben ihre Scheu überwunden und nähern sich uns neugierig. Ich gebe ihnen ein paar Ballons und sie gehen wieder, nachdem sie Malaga mit „sirr“ (verschwindet) verscheucht.

Als ich aus meinem Mittagsschlaf erwache, stehen noch viel mehr Kinder da. Es hat sich herumgesprochen, dass es was zu holen gibt. Yousef ist bereits unterwegs, um die Kamele einzusammeln. Wir beladen sie und brechen auf.

Wir gehen ein kurzes Stück, die Kinder folgen uns. Yousef geht mit dem Ältesten Wasser holen. Ich gebe ihm dafür die letzten Ballons für alle.

Eine andere Karawane – allerdings ohne Touristen – zieht an uns vorbei, sie ist viel schneller unterwegs. Wir gehen Richtung Qtara, dem Eingang eines Tales, das wir hinaufsteigen. Anfangs kann ich noch reiten, doch dann wird es zu gefährlich und ich marschiere ein kurzes Stück mit. Oben angekommen hat man eine tolle Aussicht auf eine surreal anmutende Hochebene. Die versprochene „Terrasse“ namens Mschisch, wo wir übernachten werden.

Nach dem Abladen und Absatteln der Kamele werden diese mit Weizen gefüttert. Es wehen immer wieder starke Windböen über uns hinweg, aber wir versuchen es ohne Zelt. Schliesslich hat es hier ja noch keinen Sand. Wir bauen mit den Körben und Sätteln eine kleine Burg auf gegen den Wind und schon ist die Küche betriebsbereit.

Während Malaga Harrera macht, sucht Yousef nach Holz, da es heute Abend Spiesschen mit hausgemachten Pommes Frites geben soll. Auch ein paar Auberginen – Aubertajines, wie Malaga sie scherzhaft nennt – werden frittiert. Zum Dessert gibt es Melone wie am Abend zuvor. Alles schmeckt ausgezeichnet, wie es nicht anders zu erwarten war.

Unseren Verveinetee nehmen wir im Dunkeln zu uns. Der Mond ist zwar schon halbvoll und es hat noch immer ein paar Wolken, aber man sieht genug Sterne. Meine Kopflampe brauche ich heute nicht.

Ich gehe schon früh zu Bett, da ich müde bin und der Wind etwas kühl ist. Zwar reissen immer wieder Windböen an meinem Schlafsack, aber schön eingekuschelt, schlafe ich doch bald ein.



Reparatur


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Kommentare

  • u18y9s26

    Du schreibst über die Maßen ausführlich. Das macht es nicht leicht bis zum Ende zu lesen, es sei denn man lässt sich auf die Ruhe der Wüste und dieser Reise ein.. So eine Reise macht jedoch sicher echte Begegnung mit den Menschen möglich. Deine Porträtfotos haben mir sehr gefallen. Mich hat sehr beeindruckt, mit welchen einfachen Möglichkeiten das Kochen in der Wüste zum Erlebnis wird. In welcher Sprache hast du dich mit deinen Begleitern unterhalten?
    LG Ursula

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