Mit Wüstenschiffen in ein Meer der Stille

Reisebericht

Mit Wüstenschiffen in ein Meer der Stille

Reisebericht: Mit Wüstenschiffen in ein Meer der Stille

Nachdem ich schon einige Male in Gruppen in die Wüste gereist bin, musste ich die Einsamkeit und Stille für einmal nur mit zwei Kamelführern und ihren vier Kamelen auf mich wirken lassen. Mentale Erholung pur!

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Zurück in die Zivilisation

Ich wache früh auf, ca. 4:00 Uhr oder 5:00 Uhr, weil mein Magen schmerzt. Die Tajine Royale schlägt zu, ich habe wohl zu viele Pflaumen gegessen. Ich leide etwa ein oder zwei Stunden, dann nehme ich homöopathische Kügelchen und schon bald geht es mir besser.

Der Wind hat zwar die Richtung geändert, bläst aber unvermindert stark. Nach dem Frühstück verabschiedet sich Said, besteigt eines seiner Kamele und reitet los. Er will Zagora in drei Stunden erreichen.

Auch wir machen uns auf den Weg, aber etwas langsamer. Es sieht gar nicht so weit aus bis zum Berg von Zagora, der sich deutlich sichtbar vor uns erhebt. Aber das täuscht! Je weiter wir reiten, desto weiter weg scheint der Berg zu sein. Noch mal kreuzen ein paar Mini-Sanddünen unseren Weg. „Pour le plaisir des yeux“, sagt Malaga. Der Wind ist kalt, obwohl er aus Osten weht, also aus der Wüste.

Während der Orangenpause beschliessen wir, dass wir die geplante Mittagsrast auslassen und direkt nach Zagora reiten. Yousef legt ein schnelles Tempo vor. Links liegt der neue Flughafen von Zagora. Eigentlich wäre er bereit, aber der König muss ihn noch eröffnen und wann das sein wird, weiss man nicht so genau. Auch die Zufahrtsstrasse ist noch im Bau. Ich freue mich schon, dass ich das nächste Mal nach Zagora fliegen kann, inchallah!

Dann taucht Zagora wie eine Fata Morgana aus der über dem Boden flimmernden Luft auf. Wir machen noch mal eine Orangenpause. Ich frage Malaga, wie lange es noch dauert bis wir in der Caravane sind. Er meint in zwei Stunden. Ich bin etwas erstaunt und meine, ich hätte eine Stunde geschätzt. Yousef schätzt eineinhalb Stunden. Wir stoppen die Zeit. Ich feuere Yousef aus Spass an, damit ich gewinne.

Schliesslich kommen wir zu den Palmengärten, die auf dieser Seite Zagora begrenzen. Wir müssen noch durch die Palmerie reiten, die grösser ist als ich erwartet hätte. Genau nach einer Stunde erreichen wir die Caravane. Die Kamele legen sich vor der Türe zur Caravane nieder, die sich gleich neben dem kleinen „Palast“ von Marianne und Hamid befindet. Ich nehme mein Gepäck und gehe auf die Terrasse. Danach darf ich duschen.

Den Rest des Tages verbringe ich damit, ein paar Besorgungen in Zagora zu machen, mein Gepäck zu entsanden, Wäsche zu waschen und etwas zu entspannen. Nach einem vorzüglichen Abendessen und einer Shisha ist der Tag auch schon vorbei.



Palmerie



Akklimatisierung

Um sieben bin ich wach. Während der Nacht bin ich ein paar Mal erwacht und dachte ich wäre noch in der Wüste. Das habe ich immer in den ersten Nächten, wenn ich zurück bin aus der Wüste.

Später kommt die Hennafrau. Sie ist Araberin und deshalb verschleiert. Normalerweise bemalt sie bei Hochzeiten die Hände und Füsse der Gäste. Ich lasse mir die Handflächen und –rücken bemalen und muss dann zwei Stunden das Henna wirken lassen.

Nach dem Mittagessen gehe ich nochmal nach Zagora, um Geschenke einzukaufen. Der Himmel ist wolkenverhangen und es regnet immer wieder etwas. Wir besuchen Ibrahim. Das meiste meiner Einkäufe sind Geschenke für oder Bestellungen von Bekannten. Ein gutes Geschäft für Ibrahim.

Danach fahren wir in die Kasbah, wo sich die Silberschmiede befindet. Das ist ein gefährliches Pflaster für mein Portemonnaie. Abdul erkennt mich auch sofort wieder, wie schon vor einem Jahr. Ich staune immer wieder über das Personen-Gedächtnis der Marokkaner, aber ich kaufe auch viel ein und hinterlasse so wohl einen bleibenden Eindruck. Ich liebe marokkanischen Silberschmuck! Abdul chauffiert uns zurück nach Zagora, da er lieber Bargeld hat und meines bei weitem nicht ausreicht. Ich lasse Geld raus und bezahle.

Noch ein letztes Mal darf ich die Kochkünste Malagas geniessen und begebe mich früh zu Bett, da ich sehr müde bin und morgen ein anstrengender Tag wird.



Heimreise

Heute gibt es Frühstück mit erwärmter gesüsster Milch, extra für mich – ein kleines Abschiedsgeschenk von Malaga. Hassan wir mich nach Ouarzazate fahren.

Die Fahrt verläuft ruhig, wir hängen beide unseren Gedanken nach. Um 11:00 Uhr erreichen wir den Flughafen. Ich stelle mich an fürs Check-in. Eine Gruppe Holländer hat schon eingecheckt und die Frauen machen Grosseinkäufe in der „Boutique“ des Flughafens. Eine der Frauen probiert „pantalons climatisés“ an. Die Männer amüsieren sich über ihre Frauen. Ich mich auch.

Hinter mir steht ein nervöser Marokkaner im Anzug in der Schlange. Als ich mich mal nicht sofort bewege und zu den fünf Leuten vor mir aufschliesse, sagt er mir, ich solle aufschliessen. Als ob wir nicht trotzdem weiterhin warten müssten. Ich rege mich aber nicht auf, ich habe immer noch viel Ruhe von der Wüste in mir, das ganze belustigt mich eher. Am liebsten würde ich ihm sagen, was Malaga immer sagt: „Les gens qui sont pressés sont déjà partis“ – die eiligen Leute sind bereits tot. Ich belasse es aber bei einem „schuaya, schuaya“ – langsam, langsam.

Nach dem Check-in verabschieden Hassan und ich uns und ich gehe durch den Sicherheitscheck, wo mein Pass den Ausreisestempel erhält. Dann heisst es warten. Die Maschine ist schon da. Diesmal handelt es sich nur um eine kleine Propellermaschine. Beim Boarding weht einen der Wind fast weg. Entsprechend holprig ist auch der Start, aber es ist nicht wirklich schlimm. Unter mir ziehen die letzten Reste von Wüste vorbei. Ich nehme noch mal Abschied und bin schon recht traurig, da ich weiss, dass es eine Weile dauern wird bis ich wieder in die Wüste reisen kann.

Wir müssen den hohen Atlas überqueren. Auf den höchsten Gipfeln hat es immer noch Schnee, obwohl in ca. zehn Tagen meteorologischer Sommeranfang ist in Marokko. Der Schnee bleibt wohl das ganze Jahr liegen. Dann verdecken ein paar Wolken die Sicht nach unten.

Auch in Casablanca geht alles wie am Schnürchen. Der Flug in die Schweiz landet einigermassen pünktlich in Genf und mein Gepäck kommt auch an. Im Zug kann ich mich langsam dem Gedanken annähern, dass meine Ferien vorbei sind und ich morgen wieder arbeiten muss.

Die Ferien waren spannend, erlebnisreich, entspannend und trotzdem nie langweilig – einfach nur schön. Ich freue mich schon auf meinen nächsten Besuch in der Wüste.


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Kommentare

  • u18y9s26

    Du schreibst über die Maßen ausführlich. Das macht es nicht leicht bis zum Ende zu lesen, es sei denn man lässt sich auf die Ruhe der Wüste und dieser Reise ein.. So eine Reise macht jedoch sicher echte Begegnung mit den Menschen möglich. Deine Porträtfotos haben mir sehr gefallen. Mich hat sehr beeindruckt, mit welchen einfachen Möglichkeiten das Kochen in der Wüste zum Erlebnis wird. In welcher Sprache hast du dich mit deinen Begleitern unterhalten?
    LG Ursula

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