Motorrollertour Schweiz - Im Land der Käslochbohrer

Reisebericht

Motorrollertour Schweiz - Im Land der Käslochbohrer

Reisebericht: Motorrollertour Schweiz - Im Land der Käslochbohrer

Motocross in der Sahara? Wasserski in der Karibik? Mountainbiking in Kenia? Eine Reise muss nicht immer ans andere Ende der Welt führen. Es gibt ein Fleckchen Erde, dass ist so nah und doch so anders - das „Goms“, ein Tal im schweizer Kanton Wallis, umgeben von zahlreichen 4.000er-Gipfeln und so tief wie kaum ein anderes in die Alpen eingebettet. Das von der Rhône durchflossene Tal erstreckt sich über 150 km vom Rhônegletscher bis zum Genfer See. Höchste Zeit also für 13 Rollerfreunde, dieses Land (neu) zu entdecken.

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Centovalli und andere Kleinigkeiten

Furka Dampfbahn

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Nebenbei berichtet: Evi und Heike hatten eine unruhige Nacht. Gestern fuhren sie noch am Abgrund vorbei; in ihren Träumen waren sie schon einen Schritt weiter : -))

Rollerfahrer sind (meistens) keine Weicheier, dennoch ist heute für einige von uns - mehr oder weniger - ein Ruhetag angesagt. Ralf und Evelin nutzen dies, einmal eine Fahrt mit der bereits erwähnten Furka-Dampfbahn von Gletsch nach Realp zu unternehmen. Eine lohnenswerte, nostalgische Reise, welche mit ca. 70 CFH/Pers. allerdings nicht ganz billig ist.

Wolf und Traudel sind dagegen auf der sechs Kilometer langen Panoramastrasse vom Grimselpass zum Oberaarsee mit Bergriesen und Gletschern auf Tuchfühlung gegangen. Die schmale Strasse mit wechselndem Einbahnverkehr (Ampel!) eröffnet herrliche Panoramablicke auf Seen und Gletscher.

Der Rest unserer Truppe macht sich über den Simplonpass (2.005 m), der unter den Alpenpassstrassen den Rekord für Lawinengalerien und Tunnel halten dürfte, zum Lago Maggiore auf. Bei Domodossola geht es durch das Val Vigezzo in das wunderschöne Centovalli-Tal. Die Fahrt führt durch die Schluchten der "100 Täler" mit traumhaften Ausblicken in die Täler und die umliegenden Bergketten. Leider präsentiert sich das Centovalli ansonsten heute von seiner schlechten Seite. Die Seeuferstrasse des Lago Maggiore ist durch einen Erdrutsch versperrt und endlose Autoschlagen quälen sich durch die enge Talstraße. Als „Highlights“ gibt es zusätzlich zahlreiche Baustellen; hinter jeder 2. Kurve schaut man in eine rote Ampel und dies alles bei Temperaturen um die 30 Grad. Schließlich ist aber auch das geschafft und es geht über Locarno, Biasca und den Nufenen zurück. Am Hotel angekommen liegen 280 km hinter ihnen.



Furka Dampfbahn



Grindelwald

Grindelwald

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Wir machen einen Abstecher in die Berner Alpen und überqueren erneut den Grimsel, biegen diesmal jedoch bei Innertkirchen in Richtung Interlaken ab. Entlang der Aare erreichen wir den Brienzersee, einen typischen Alpensee im Kanton Bern. Die dicht bewaldeten, steil aufragenden Hänge am Südufer des Sees geben diesem seine wunderschöne dunkelblaugrüne Farbe. Das Flüsschen Lütschine führt uns in das „Gastliche Gletscherdorf Grindelwald, eingebettet in einer abwechslungs- reichen, unverfälschten Alpenlandschaft“ (O-Ton Werbung des Tourismusbüros). Fazit des Autors: Das weltbekannte Bühnenbild Eiger, Mönch und Jungfrau kann man vom Ort heraus nicht sehen und ansonsten ist es ein Touristenort, wie es unzählige gibt. Da gibt es schönere Ziele für eine Motorrollertour.

Zurück im Goms machen Klaus und Ralf am Abend spontan noch einmal einen Abstecher auf den Nufenenpass - mit bereits blinkender Tankanzeige rauf und runter in 40 Minuten. Das Beste: der Pass ist um diese Zeit touristenfrei und die grauen Wolken um die Berggipfel erzeugen eine besondere, fast gespenstische Abendstimmung.



Bergpanorama



Schweizer Gipfelparade: Furka - Oberalp - Lukmanier – Nufenen

Abfahrt vom Oberalppass

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Vier schöne Alpenpässe liegen ganz nahe beieinander. Beste Voraussetzungen also für eine tolle Pässetour. Erneut schwingen wir uns die engen Kurven des Furkapasses empor. Auf der anderen Talseite begleitet uns schnaufend die Furka-Dampfbahn den steilen Hang hinauf und bläst schwarze Rauchwolken in den blauen Himmel.
Der Aufstieg zum Oberalppass, welcher das westlich gelegene Rhônetal mit dem östlich verlaufenden Rheintal verbindet, beginnt an einem kleinen Kreisel bei Andermatt. Der Pass führt direkt aus dem Vorderheintal zur Gotthardregion. Auf der einen Seite geht es Richtung Schöllenenschlucht, die gegenüberliegende Strasse führt in die urige Altstadt von Andermatt. Der Straßenzustand ist hervorragend. Hinter dem Ortsausgang weitet sich die Strasse. Kaum Bitumen, dafür lange, weite Kurven. Mehrfach durchfahren wir kleine Tunnel. Der berühmte Glacier Express taucht immer da wieder auf, wo man ihn gerade nicht erwartet. Es folgt noch eine kleine Steinschlaggalerie, dann haben wir schon die Passhöhe (2.044 m) erreicht. Ein See, die am Ufer verlaufende Lawinengalerie und mehrere Dreitausender prägen die Landschaft. Hinter dem Pass erwarten uns an der Ostflanke sogleich einige sehr enge, reizvolle Serpentinen; dann streckt sich das schmale Teerband in Richtung Disentis.
In Disentis passieren wir die berühmte, im Jahre 750 gegründete Abtei St. Martin, das älteste Benediktinerkloster der Schweiz und folgen dem Wegweiser zum „Passo del Lucomagno“, welcher den Kanton Graubünden mit dem Tessin verbindet, wobei die Kantongrenze genau über die Passhöhe verläuft. Wir überqueren den Vorderrhein und beginnen den 61 km langen Aufstieg. Die Strasse führt zunächst durch die Tunnel der wildromantischen „Medelserschlucht“ oder „Las Ruinas“. Dann weitet sich das Tal plötzlich zur Talmulde mit der Pyramide des Péz Vallatscha im Hintergrund. Von weitem sehen wir schon die mächtige Staumauer des Lai da Sontga Maria, dem mit 1.972 m höchsten Punkt der Passstraße. Die Straße ist stellenweise eine Betonpiste. Eine einsame Serpentine beansprucht kurz unsere Aufmerksamkeit. Wir durchfahren kleine Ortschaften mit Walserhäusern und urigen Holzstadel. Mit nur wenigen Kehren gewinnt das Asphaltband bei gleichmäßig schwacher Steigung langsam an Höhe. Durch eine mehrere hundert Meter lange, unheimliche, stockfinstere Galerie erreichen wir schließlich die eigentliche Passhöhe.
Lichte Fichten- und Kiefernwälder begleiten uns die Südrampe hinab durch das verwunschene Valle Santa Maria und das Valle di Blenio, auch Tal der Sonne genannt. Der Name trifft zu - es wird merklich wärmer. 32 Grad zeigt das Thermometer. Mediterraner Duft liegt in der Luft. Wir sind im Tessin, dem Sonnenbalkon der Schweiz. Begleitet von bis in die Höhen bewaldeten Steilhängen, vorbei an Weinbergen, Palmen und waghalsig am Berg gelegenen Steinbrüchen erreichten wir Biasca.
Wir folgen der alten Gotthardstrasse nach Norden, biegen bei Airolo ins reizvolle Val Bedretto ab und beginnen den Aufstieg zum Nufenenpass, dem mit 2.478 m höchsten Pass der Schweiz. Eine breite Betonpiste geleitet uns empor. Je höher wir kommen, umso größer werden die Schneeflecken links und rechts der Strasse. Der Passsattel bietet einen wundervollen Ausblick nordwärts auf die Berner Alpen sowie nach Südwesten auf den Griesgletscher und das Blinnenhorn (3.300 m). 10 Haarnadelkurven reihen sich bei der Abfahrt aneinander. Glücklicherweise ist die kleine Strasse ohne offene Bitumenflächen, denn es hat zwischenzeitlich zu regnen angefangen. Erst wenige Tropfen, dann stürzt ein Platzregen herab. Die Fahrbahn wird rutschig. Fast möchte man seinen Motorroller um die Kurven tragen. Schließlich kommen wir aber alle mit Glück und fahrerischem Können unbeschadet wieder ins Goms zurück.
Der Ruf nach `ner Tanke für Scooter und Mensch wird nun unüberhörbar und wir lassen den Tag im Restaurant Blinnenhorn bei einem leckeren Appenzeller – oder auch 2 oder… - genussvoll ausklingen.



Auffahrt zum Nefenenpass



Nufenen - St. Gotthard - Nufenen / Furka

Wir folgen der jungen Rhône bis Ulrichen, biegen dort ins Äginental ab und haben erneut den Steilhang zum Nufenenpass vor uns. Die Sonne strahlt vom Himmel, als wolle sie uns für das gestrige Regenwetter entschädigen. Gelegenheit für uns, auf dem Pass das obligatorische Gipfelphoto zu schießen.
Kurz darauf erreichen wir Airolo. Nach einem kurzen Stück Asphaltstrasse Richtung Gotthardpass wechseln wir auf die Kopfsteinstrasse (Pavés) der alten Gotthardstrasse. Bald erreichen wir den Höhepunkt unserer heutigen Tour: Tremola...oh Tremola! Für viele klingt dieser Name wie Musik in den Ohren doch weit gefehlt: das Val Tremola, das wir bezwingen wollen, heißt frei übersetzt „Tal des Zitterns”. Die zwischen 1827 und 1830 gebaute Tremola und ist heute das längste Baudenkmal der Schweiz. Sie ist keine gewöhnliche Alpenstrasse, sondern Teil des Mythos Gotthard.
Und eine Erfahrung wert. Auf der Südseite des 2.100 Meter hohen Gotthards dreht und windet sich die alte Passstrasse halsbrecherisch in gemauerten, eng übereinander liegend Serpentinen den Berg hinauf. Ihr Kopfsteinpflasterbelag verlangt jenen alles ab, die sich mit ihr messen. Eingekesselt im Urgestein des Gotthard-Massives windet sich die Straße in 32 Kehren zur Passhöhe, wovon 24 auf das eigentliche Val Tremola entfallen und sogar eigene Namen tragen. Häufig liegt sie im Schatten der Berge und hoch über uns erkennen wir immer wieder die Galerien der neuen Trasse. Wie schon während des Aufstiegs finden unsere Augen auch auf dem Gotthardsattel, der im Osten vom Lago della Sella und im Westen vom Lago di Lucendro eingeschlossen ist, eine beeindruckende Aussicht. In der Ferne können wir sogar die Gipfel des Piz Centrale (3.001 m) und des Winterhorns (2.661 m) erkennen.

Während die Anderen den Gotthard nach Norden hinabfahren, um über den Furka zurückzukehren, wählen Evi, Heike, Gerhard und Ralf diesmal die neue Südtrasse, welche mit ihren bestens präparierten Kehren ein Leckerbissen für Kurvenfans und Genusstourer ist. Noch einmal das Bergpanorama bei einem Espresso auf der Terrasse des Gipfelrestaurants des Nufenen genossen, dann erreichen auch wir wieder wohlbehalten unsere Unterkunft.



Gruppenbild mit Damen



Wir sind dann mal weg

Auch die schönste Reise geht einmal zu Ende. Ein letztes Frühstück, ein letzter Blick auf eine beeindruckende Bergwelt, die Silver Wing auf den Hänger verladen und dann geht es wieder in die Heimat – bis zu 800 km liegen vor uns.


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Kommentare

  • trollbaby

    Schöner Bericht und vor allem einmal etwas anderes, mit dem Motorroller durch die Schweiz zu kurven! Auch die Fotos gefallen mir gut!
    LG
    Susi

  • mamaildi

    Hört sich nach ziemlich vielen Kurven in kurzer Zeit an - Respekt! Dass ihr von Grindelwald aus Eiger, Mönch und Jungfrau nicht sehen konntet, muss wohl am Wetter gelegen haben. Wir waren letztes Jahr dort und konnten sie sehr gut sehen! ;-))
    Liebe Grüße - Ildiko

  • RdF54

    Da wird´s einem richtig schwindlig beim Lesen ... :-)
    Schöner Bericht, über eine Gegend, die ich auch ob der Berge sehr gerne habe. Deine wunderbaren Fotos bingen Erinnerungen zurück!

    LG Robert

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