Motorrollertour Schweiz - Im Land der Käslochbohrer

Reisebericht

Motorrollertour Schweiz - Im Land der Käslochbohrer

Reisebericht: Motorrollertour Schweiz - Im Land der Käslochbohrer

Motocross in der Sahara? Wasserski in der Karibik? Mountainbiking in Kenia? Eine Reise muss nicht immer ans andere Ende der Welt führen. Es gibt ein Fleckchen Erde, dass ist so nah und doch so anders - das „Goms“, ein Tal im schweizer Kanton Wallis, umgeben von zahlreichen 4.000er-Gipfeln und so tief wie kaum ein anderes in die Alpen eingebettet. Das von der Rhône durchflossene Tal erstreckt sich über 150 km vom Rhônegletscher bis zum Genfer See. Höchste Zeit also für 13 Rollerfreunde, dieses Land (neu) zu entdecken.

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Leise rieselt der Schnee

Grimselsee

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Auf Grund der teilweise weiten Anreise sind einige mit dem Motorradanhänger angereist. Wie sich zeigen sollte, eine weise Entscheidung. Der Grimselpass zeigt sich heute von seiner fiesesten Seite. Tiefhängende, dunkle Wolken, Seitenwind und 10 cm Schnee ( im Juli !! ) bei 3 Grad. Bis auf die Knochen durchgefroren erreichen die harten Selbstfahrer unser Hotel in Gluringen.



Grimselsee



Val d’Anniviers und das Val de Moiry

Val d’Anniviers und das Val de...

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Kühl aber wunderbar sonnig empfängt uns der nächste Morgen. Nach einem ausgiebigen Frühstück ein kurzer Blick auf das Wetterradar: keine Überraschungen in Sicht. Eine letzte Tasse Kaffee, noch ein kurzes Schwätzchen, dann starten die Motoren.

Wir fahren in Richtung Brig (Tipp: Sehenswerte historische Altstadt mit barockem Stockalperpalast) und biegen dann in das Val d’Anniviers (Eifischtal), einem Seitental des Rhônetals, ab. Auf schmaler Piste schlängeln wir uns durch den Pfynwald, einem der größten weitgehend unversehrten Föhrenwälder Mitteleuropas, wo einst Räuber die Gegend unsicher machten, und erreichen bei Vissoie das Val de Moiry, welches sich bis zum Moiry-Gletscher erstreckt. Auf der steil am Abhang gelegenen Terrasse des „Relais des Pontis“ genießen wir mit einem wunderbaren Blick auf die umliegenden Berge noch einen Crêpe, ehe wir uns auf verwinkelten, am Felsen klebenden Strassen zum 2.331 m hoch gelegenen Stausee „Lac de Moiry“ aufmachen. Wir durchfahren einen dunklen, in den Felsen gehauenen Tunnel, Wasser tropft von der Höhlendecke und plötzlich liegt der See, eingebettet zwischen den schneebedeckten 3.000er Gipfeln des Sasseneire, dem Garde de Bordon und dem Pte du Tsate vor uns. Das türkisgrüne Wasser des Sees glitzert in der Sonne. Da gibt es nur eins: Zündschlüssel abziehen, Motorroller auf den Seitenständer und einfach den traumhaften Anblick genießen!

So seelisch gestärkt verlangt jetzt auch unser Gaumen sein Recht. Im nahegelegenen „Cafe Mission“ gönnen wir uns daher bei einem Cappuccino noch eine leckere Crème Brulée. Soviel Zeit muss sein.

Auf der Rückfahrt verlassen wir bei Susten die Hauptstrasse und schwingen durch lichte Wälder, welche immer wieder einen Blick auf das Rhônetal freigeben, auf einer kleinen, gelegentlich leider mit einigen tiefen Schlaglöchern versehenen, Hangstrasse über die kleinen Örtchen Ergisch und Eischoll bis nach Visp. Unterwegs macht Ralf fast noch Bekanntschaft mit einem schweizer Postbus, der urplötzlich hinter einer Kurve auftaucht. Nur die berühmte Briefmarke trennt seine Seitenkoffer vom dunkelgelben Blech als sie sich passieren. Gut wenn dein Schutzengel unterwegs nicht schläft !



Lac de Moiry



Drei auf einen Streich: Grimsel - Susten - Furka

Wallis

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Drei Pässe über 2.000 m, sechs Auf- und Abfahrten an einem Tag. Wer dies auslässt ist selber schuld.

Der von den Gipfeln des Ritzlihorns (3.282 m) und den Gerstenhörnern (3.189 m) umgebende Grimselpass ist Teil dieser legendären, oft durchfahrenen Pässerunde und bietet alles, was ein Pass haben muss: einen furchterregender Steilhang, ausgedehnte weite Serpentinen und abwechslungsreiche Landschaften. Wir erreichen den Pass über den kleine Ort Gletsch, von wo aus man die furchterregende Serpentinenkonstruktion von weit her zwischen den Steilhängen des Rhônetals sehen kann. Der Eindruck trügt jedoch. Die Rampe besteht tatsächlich lediglich aus 7 Kehren. Diese sind recht lang und breit und auch für Anfänger gut geeignet. In der vierten Kehre sollte man unbedingt eine kurze Pause einlegen und den Blick auf den Furkapass und den leider kaum noch vorhandenen Rhônegletscher genießen. Ein genussvolles Panorama, ehe die Schlussgerade auf die Passhöhe ( 2.165 m) führt. Vorbei am kristallklaren, tiefblauen Totensee führt uns die Passstrasse am Grimselsee mit seinen imposanten Staumauern entlang. Graugrün patinierte, gigantische Felsplatten tapezieren die Bergflanken und verleihen der Grimsel ein fast unwirkliches Aussehen. Die Strasse geleitet uns ins Haslital hinunter und geizt dabei nicht mit fulminanten Ausblicken auf das Tal. Entlang der Aare erreichen wir Innertkirchen, wo wir zum Sustenpass (2.224 m), einem der angeblich schönsten schweizer Pässe, abbiegen. Waldreich steigt die Strasse bergan, dennoch erhaschen wir gelegentliche Blicke auf die Wendenstöcke (3.042 m) und die Fünffinger (3.023 m), deren wilde Felsgrate sich messerscharf gegen den Himmel abheben. Die Landschaft geht in ein Hochtal mit saftig grünen Wiesen über. Auf der Sonnenterasse des Restaurants Bären genießen wir noch einmal den Augenblick, ehe die ersten Serpentinen den Passaufstieg ankündigen. Hier ändert sich jetzt die Aussicht. Der Blick zurück ins Tal ist versperrt, dafür öffnet sich der Blick auf den unterhalb des Susten liegenden Steingletscher. Wie tausende Diamanten glitzern seine Eiskristalle. Wir durchfahren zahlreiche kurze Tunnel und können dabei immer wieder herrliche Blicke auf die Gletscher des Eggstockmassivs werfen. Die Bergwelt wird karger. Kurz vor dem Pass durchfahren wir eine steile Felslandschaft. Auf der Passhöhe angekommen ruht der Blick auf einer großartigen Bergwelt - die Fünffinger (3.023 m), die Wendenstöcke (3.042 m), den Stucklistock (3.308 m), den Fleckistock (3.417 m) und das Sustenhorn (3.503m). Rauschende Wasserfälle stürzen zu Tal, der Wind pfeift und ringsum nur Berggipfel und Gletscher. Das ist bestes Alpenfeeling.

Durch das Maiental geht es in einigen wenigen, gut zu durchfahrenden Serpentinen auf gepflegtem Asphalt auf einer schier endlosen Geraden wieder hinab ins Tal. Inmitten des 500 Seelen Dörfchens Göschenen, am Nordportal des Sankt-Gotthard-Tunnels, führt uns eine kleine Nebenstrasse durch das „Göschener Tal“ hinauf zum Göscheneralpsee, wobei sie bis zur Staumauer über insgesamt 6 Kehren an Höhe gewinnt. Über dem grünblauen Wasser des Stausees, eingebettet zwischen dem Sustenhorn (3.503 m.), Damma- (3.630 m) und Galenstock (3.583 m), leuchten die Schnee- und Eisfelder des Dammagletschers. Hier könnten wir ewig verweilen. Eine leckere Gerstensuppe im naheliegenden Berggasthaus stärkt uns für den letzten Alpenpass des Tages – den Furka.

Vor Andermatt durchfahren wir die Schöllenenschlucht, passieren das in den Felsen gehauene „Urner Loch“ und machen einen kurzen Halt an der Teufelsbrücke. Hier kann man auch das Suworow-Denkmal besichtigen, ein Andenken an den russisch-österreichischen Versuch, Napoleon zu stoppen, der Tausende das Leben kostete und am Ende misslang.

In Realp, am Bahnhof der historischen Furka-Dampfbahn, beginnt die enge, abenteuerlich in die Höhe steigende Straße zum Furkapass. Leitplanken - Fehlanzeige. Lediglich Begrenzungssteine trennen uns vom Abgrund. Nichts für Leute mit Höhenangst. Serpentine reiht sich an Serpentine bis wir auf der Passhöhe auf 2.436 m Höhe mit einem tollen Ausblick auf das Gotthardmassiv und das Urserental belohnt werden.

Die Abfahrt hinunter nach Gletsch (1.757 m) besteht ebenfalls größtenteils aus recht engen, an den Berg geklebten Serpentinen und ist ähnlich steil wie der Anstieg über die Ostrampe. Die gesamte Strecke erlaubt einen fantastischen Ausblick hinunter ins Tal und hinüber zum Grimselpass. Etwa drei Kilometer unterhalb der Furka-Passhöhe eröffnet sich uns beim Hotel Bélvèdere der Ausblick auf den Rhônegletscher. (Vorsicht: viele freilaufende Touristen queren hier die Strasse!). Der Rhônegletscher selber hat durch die Klimaerwärmung einiges von seiner spektakulären Größe eingebüsst: Noch um das Jahr 1850 reichte der Eisstrom bis weit in den Talboden hinunter, heute liegt seine Gletscherzunge nur noch auf Höhe des Hotels.



Grimsel-Stausee


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Kommentare

  • trollbaby

    Schöner Bericht und vor allem einmal etwas anderes, mit dem Motorroller durch die Schweiz zu kurven! Auch die Fotos gefallen mir gut!
    LG
    Susi

  • mamaildi

    Hört sich nach ziemlich vielen Kurven in kurzer Zeit an - Respekt! Dass ihr von Grindelwald aus Eiger, Mönch und Jungfrau nicht sehen konntet, muss wohl am Wetter gelegen haben. Wir waren letztes Jahr dort und konnten sie sehr gut sehen! ;-))
    Liebe Grüße - Ildiko

  • RdF54

    Da wird´s einem richtig schwindlig beim Lesen ... :-)
    Schöner Bericht, über eine Gegend, die ich auch ob der Berge sehr gerne habe. Deine wunderbaren Fotos bingen Erinnerungen zurück!

    LG Robert

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