Madagaskar – der verwunschene Wald von Analamera

Reisebericht

Madagaskar – der verwunschene Wald von Analamera

Reisebericht: Madagaskar – der verwunschene Wald von Analamera

Abseits touristischer Pfade bleibt das Reisen auf Madagaskar auch im 21. Jahrhundert spannend, anstrengend und abenteuerlich. Eine kleine Expedition ins Ungewisse mit Überraschungen aller Art. Oktober 2007

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Abendessen



Analamera - Enthüllungen

Kronenlemur

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Madame Shimone erwartet uns bereits mit Reis und etwas Hühnersuppe – was wir nach 10 Stunden Marsch als echten Luxus empfinden. Der Esstisch besteht aus einer Strohmatte, die sowohl für Mahlzeiten als auch zum Schlafen in der Hütte ausgerollt wird. Der Platz reicht nur für die Gastgeber und uns, die Kinder müssen sich draußen gedulden und schielen immer wieder neugierig herein. In einer Ecke des Raumes befindet sich die Feuerstelle, in einer anderen ein paar Körbe die das gesamte Hab und Gut der Familie enthalten, es gibt weder Strom noch Kerzen. Jeder Tropfen Wasser muss von den Kindern oder Erwachsenen aus dem ca. 1.5 km entfernten Flussbett in Kanistern heraufgetragenen werden. Trotz dieser scheinbaren Armut gehört die Familie zu den Bessergestellten dieses Landes, denn sie sind Selbstversorger, bauen Bananen, Papayas, Zuckerrohr und Trockenreis an und hungern nicht. Herr Beandalana hat sogar ein kleines Bäuchlein und kommt beim Essen richtig ins Schwitzen – ungläubig sehen wir zu, wie er den 3. Teller Reis verdrückt. Dann fallen wir ins Schlafkoma.

Am Morgen versuchen wir unser Glück in einer anderen Richtung, wollen vor allem Chamäleons, Echsen und Schlangen aufspüren. Rund um das kleine Dorf lässt sich nichts blicken, also müssen wir wieder in den Trockenwald hinauf. Ab und zu sehen wir eine rote Markierung der Nationalparkbehörde doch es gibt keine richtigen Wege auf denen man wandern könnte. Die dürren Bäumchen und Sträucher stehen so dicht, dass man kaum durchkommt und ständig rennt man gegen abgebrochene Äste, verfängt sich in Lianen, sticht Zweige und Dornen in Augen, Nase und Ohren oder kratzt sich neue und alte Mückenstiche blutig. Auch sind die wenigen Tiere die wir finden wesentlich scheuer als in den anderen touristisch gut erschlossenen Nationalparks. Langsam verstehen wir, dass Analamera für uns keine zoologischen Sensationen birgt, sondern ein menschliches Lehrstück für unterschiedliche Kulturen bedeutet.

Da ist z. B. die Episode, als wir Herrn Beandalana und seinem Bruder unser Bestimmungsbuch der Reptilien Madagaskars zeigen. Natürlich können sie es nicht lesen, aber die Farbfotos und die Herkunftsgebiete dürften sie interessieren. Doch statt das Buch aufzuschlagen und die Seiten umzublättern, halten sie es vorsichtig wie ein kostbares Vogelei in ihren Händen und schauen minutenlang auf den Einband, fahren mit den Fingern über die Buchstaben und versuchen die deutschen Worte zu identifizieren. Als sie es endlich aufschlagen kann das Staunen nicht größer sein – so viele Tiere gibt es in ihrer Heimat?! Erst später begreifen wir, dass dies vermutlich das erste Buch war, das sie überhaupt in ihren Händen gehalten haben. Schulkinder tragen nie einen Ranzen bei sich, sondern nur Heft und Stift, sie schreiben wahrscheinlich ihr ganzes Wissen von der Tafel ab.

Eine andere Geschichte handelt von Zahnschmerzen. Unser fröhlicher Guide wirkt heute irgendwie bedrückt und nimmt bei der Mittagsrast 2 Schmerztabletten ein. Mitleidig erinnern wir uns an die Frau, welche wir auf unserer ersten Madagaskarreise in einem abgelegenen Dorf am Fluss Tsiribihina trafen. Auch sie war 2 - 3 Tagesreisen von der nächsten Stadt entfernt und musste die Schmerzen in ihrem vereiterten Kiefer ertragen. Es ist furchtbar, doch mit mehr als ein paar Tabletten können wir auch diesmal nicht helfen.

Am Nachmittag gehen wir trotzdem wieder gemeinsam auf Pirsch, sehen einen kleinen nachtaktiven Lemuren, der tagsüber blind in einer Baumhöhle hockt, die bis zu 60 cm großen Furcifer oustaleti Chamäleons, die sich zuerst verstecken, sich dann aber aufblähen und ihren gelben Rachen aufsperren, kleine ungefährliche Schlangen und die lautstarken Kronenlemuren.



Sportive lemur


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Kommentare

  • winni

    Leider ist auf der Seite 6 nichts. Habt ihr die Reise privat gemacht oder mit einer Reisegesellschaft? War die Reise im Oktober 2007 und wie kann man es selber organisieren? Auch hätte ich gerne mehr Informationen, wie ihr die Reise vorbereitet habt. Wie ist das Wetter im Oktober dort. lg winni

  • doubleegg

    Hallo winni,
    es gibt eigentlich nur 5 Seiten? Die Reise war im Oktober 2007 und privat organisiert. D. h. wir haben den Flug mit Air France und 3 Inlandsflüge mit Air Madagascar im voraus gebucht. Die restlichen Strecken mit Buschtaxis. Die Route wurde vorher genau nach den Flügen festgelegt, da wir nur 3.5 Wochen zur Verfügung hatten. Wir haben ausschließlich Nationalparks und Reservate bereist. Wetter im Oktober ist ok, nicht zu heiß und noch keine Regenzeit. Ein paar Brocken Französisch oder besser Madagassisch sollte man sich vorher schon aneignen. Ein neuer Reiseführer Madagaskar kommt - glaube ich - dieses Frühjahr in den Handel.
    Herzliche Grüße doubleegg

  • Weltenbummlerin

    Hallo doubleegg!
    Toller Bericht. Obwohl ich während meiner Reise den Nordteil des Landes nicht bereisen konnte - jetzt war ich da!
    Viele Grüße,
    weltenbummlerin

  • Sahara

    Wow, was für eine tolle Reise! Ich bin von Madagsakr begeistert und dieser Bericht hat es geschafft, mich dorthin mitzunehmen! Danke dafür!!!

  • Focuswelten (RP)

    Hi!

    Tolle Reise, die Du da "hingelegt" hast. Der Bericht hat mich ganz besonders gefreut, da ich dieses Jahr auch wieder nach Madagaskar fahren - und diesmal endlich wieder den Norden bereisen werde. Letztes Jahr ging es nicht, da die Wirbelstürme bei unserer Zeit auf Madagaskar den Nordteil vom Rest der Insel vollständig abgeschnitten hatten.

    Veloma
    Beppo - Focuswelten

  • RdF54

    ein schöner fesselnder Bericht!!
    LG Robert

  • trollbaby

    Beim Lesen dieses tollen Berichts kommt Abenteuerfeeling pur hoch! Dafür 5 Punkte!
    LG Susi

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  • brandriba

    Ganz, ganz toll, hat echt Freude gemacht virtuell mitzureisen. Dafür von mir 5PT!!
    LG Dani

  • Blula

    Ganz, ganz toll und packend erzählt. Bin fasziniert, nicht nur von Euren Eindrücken, sondern auch von den großartigen Fotografien. Super!!
    LG Ursula

  • BuWe

    Ein faszinierender Reisebericht, liebe Elke. VlG Anne Do.

  • Zaubernuss

    was für ein schöner Reisebericht! Ich danke Dir für die vielen Einblicke in eine mir unbekannte Welt!
    LG: Ursula

  • mamaildi

    Wie schön, wenn immer mal wieder ältere Berichte in der Zierleiste auftauchen, da findet man dann solche Schätzchen!!
    Vom "Ende der Welt" wird häufig gesprochen - du bringst es uns hier näher. Klasse erzählt und dann noch die tollen Bilder dazu, dickes danke!
    LG Ildiko

  • windweit

    Ich bin fasziniert! Das ist eine Art von Abenteuer, wie ich es mag. Auch wenn ich es hasse, viel Gepäck durch die Gegend zu schleppen und von Mücken zerstochen zu werden. Und ich kann gar nicht verstehen, warum ich den noch nicht gelesen habe.
    LG Gabi

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