Madagaskar – der verwunschene Wald von Analamera

Reisebericht

Madagaskar – der verwunschene Wald von Analamera

Reisebericht: Madagaskar – der verwunschene Wald von Analamera

Abseits touristischer Pfade bleibt das Reisen auf Madagaskar auch im 21. Jahrhundert spannend, anstrengend und abenteuerlich. Eine kleine Expedition ins Ungewisse mit Überraschungen aller Art. Oktober 2007

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Stolze Mutter



Der Schatz

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Am Abend waschen wir uns im Bach, der in der Regenzeit ein ordentlich reißender Fluss sein muss, und schlendern zum Dinner. Es gibt Reis mit einem walnussgroßem Stück Huhn und Brühe. Und das Beste: Monsieur Beandalana ist zurück! Er begrüßt uns mit einem unwiderstehlichen Lachen und löst sofort eine Monsterwelle Sympathie aus. Obwohl wir uns nur mit Händen und Füßen und ein paar Brocken Englisch verständigen können sind wir erleichtert und freuen uns auf die beiden nächsten Tage in Analamera. Die Nacht ist unruhig und von grausigen Schreien zerrissen. Später erfahren wir, dass es die niedlichen Kronenlemuren sind, die sich so teuflisch gebärden.

Nächster Tag - wir wollen einen Ausflug in einen entfernten Teil des Nationalparks machen, wo sich Propithecus perrieri normalerweise aufhält, eine schwarze Lemurenart die es nur noch in diesem winzigen Gebiet des Landes gibt. Kilometerweit wandern wir über endlose Grassteppe mit einzelnen Bäumen, dann einen Flusslauf entlang bis wir endlich im Trockenwald ein wenig Schatten vor der Hitze finden. Monsieur Beandalana geht aufmerksam vor uns und hält Ausschau nach allerlei Getier, mit T-Shirt, langen Baumwollhosen und einem Strohhut bekleidet und einem kleinen grünen Rucksack. In diesem befindet sich sein Schatz.

Es ist ein Schulheft in das er alle Einnahmen einträgt, die er als Guide verdient und alle Wörter, die er dabei lernt – und zwar auf Englisch - on the way! Da ist z. B. das Wort 'parrot'. Wir rufen es aus, als einer der unverwechselbaren grauen Papageien lautstark über uns hinweg fliegt. Monsieur Beandalana lacht vor Freude laut auf und bittet mich, das Wort in sein Heft zu schreiben. Dann übt er die Aussprache und schreibt die Lautschrift nebst dem madagassischen Wort hinein. Unterwegs holt er immer wieder das Schulheft aus dem Rucksack, übt mit kindlichem Eifer SEIN neues Wort.

Seine Freude ist hochgradig ansteckend und so sind wir keineswegs traurig, dass wir an diesem Tag keinen der extrem seltenen Lemuren zu Gesicht bekommen. Dafür nähern wir uns einem kleinen Vögelchen, dass sich durch Schnalzlaute bis auf wenige Zentimeter anlocken lässt, beobachten die ewig scheuen Couas, riesige Chamäleons, Kronenlemuren und langschwänzige Flycatcher. Diese Vogelart ist besonders hübsch, die Weibchen rotbraun, die Männchen weiß-schwarz mit himmelblauen Ringen um die Augen. Herr Beandalana liebt das Wort Flycatchaaar und da wir die Geschlechter unterscheiden wollen, nennen wir sie Madam und Monsieur Flycatcher – und schütteln uns vor Lachen.

Auf dem Rückweg lässt sich die Wolke von Moskitos nicht mehr ignorieren, die uns schon den ganzen Weg entlang im Wald verfolgt. Hunderte Einstiche zieren unsere juckenden Arme und Beine und nichts auf der Welt wäre verlockender als ein kühles Bad. Ohnehin wandern wir entlang eines grünen Flussbettes und schielen immer wieder sehnsüchtig hinab. Monsieur Beandalana scheint unsere Gedanken zu lesen und führt uns zu einer Vertiefung die aussieht wie ein biblischer Swimmingpool. Zuerst ermutigt er uns hineinzusteigen, doch plötzlich kramt er das Wort ‚crocodile’ aus seinem Wortschatz. Woher kennt er das denn? Gibt es hier tatsächlich Krokodile, so wie im unweit entfernten heiligen See von Anivorano? Da werden die Biester mit Rindern gefüttert und werden immer fetter und älter. Aber nein, er hat uns nur gefoppt und so steigen wir lachend und glücklich ins kühle Nass, bevor wir uns auf den Heimweg machen.



Flycatcher


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Kommentare

  • winni

    Leider ist auf der Seite 6 nichts. Habt ihr die Reise privat gemacht oder mit einer Reisegesellschaft? War die Reise im Oktober 2007 und wie kann man es selber organisieren? Auch hätte ich gerne mehr Informationen, wie ihr die Reise vorbereitet habt. Wie ist das Wetter im Oktober dort. lg winni

  • doubleegg

    Hallo winni,
    es gibt eigentlich nur 5 Seiten? Die Reise war im Oktober 2007 und privat organisiert. D. h. wir haben den Flug mit Air France und 3 Inlandsflüge mit Air Madagascar im voraus gebucht. Die restlichen Strecken mit Buschtaxis. Die Route wurde vorher genau nach den Flügen festgelegt, da wir nur 3.5 Wochen zur Verfügung hatten. Wir haben ausschließlich Nationalparks und Reservate bereist. Wetter im Oktober ist ok, nicht zu heiß und noch keine Regenzeit. Ein paar Brocken Französisch oder besser Madagassisch sollte man sich vorher schon aneignen. Ein neuer Reiseführer Madagaskar kommt - glaube ich - dieses Frühjahr in den Handel.
    Herzliche Grüße doubleegg

  • Weltenbummlerin

    Hallo doubleegg!
    Toller Bericht. Obwohl ich während meiner Reise den Nordteil des Landes nicht bereisen konnte - jetzt war ich da!
    Viele Grüße,
    weltenbummlerin

  • Sahara

    Wow, was für eine tolle Reise! Ich bin von Madagsakr begeistert und dieser Bericht hat es geschafft, mich dorthin mitzunehmen! Danke dafür!!!

  • Focuswelten (RP)

    Hi!

    Tolle Reise, die Du da "hingelegt" hast. Der Bericht hat mich ganz besonders gefreut, da ich dieses Jahr auch wieder nach Madagaskar fahren - und diesmal endlich wieder den Norden bereisen werde. Letztes Jahr ging es nicht, da die Wirbelstürme bei unserer Zeit auf Madagaskar den Nordteil vom Rest der Insel vollständig abgeschnitten hatten.

    Veloma
    Beppo - Focuswelten

  • RdF54

    ein schöner fesselnder Bericht!!
    LG Robert

  • trollbaby

    Beim Lesen dieses tollen Berichts kommt Abenteuerfeeling pur hoch! Dafür 5 Punkte!
    LG Susi

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  • brandriba

    Ganz, ganz toll, hat echt Freude gemacht virtuell mitzureisen. Dafür von mir 5PT!!
    LG Dani

  • Blula

    Ganz, ganz toll und packend erzählt. Bin fasziniert, nicht nur von Euren Eindrücken, sondern auch von den großartigen Fotografien. Super!!
    LG Ursula

  • BuWe

    Ein faszinierender Reisebericht, liebe Elke. VlG Anne Do.

  • Zaubernuss

    was für ein schöner Reisebericht! Ich danke Dir für die vielen Einblicke in eine mir unbekannte Welt!
    LG: Ursula

  • mamaildi

    Wie schön, wenn immer mal wieder ältere Berichte in der Zierleiste auftauchen, da findet man dann solche Schätzchen!!
    Vom "Ende der Welt" wird häufig gesprochen - du bringst es uns hier näher. Klasse erzählt und dann noch die tollen Bilder dazu, dickes danke!
    LG Ildiko

  • windweit

    Ich bin fasziniert! Das ist eine Art von Abenteuer, wie ich es mag. Auch wenn ich es hasse, viel Gepäck durch die Gegend zu schleppen und von Mücken zerstochen zu werden. Und ich kann gar nicht verstehen, warum ich den noch nicht gelesen habe.
    LG Gabi

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