Madagaskar – der verwunschene Wald von Analamera

Reisebericht

Madagaskar – der verwunschene Wald von Analamera

Reisebericht: Madagaskar – der verwunschene Wald von Analamera

Abseits touristischer Pfade bleibt das Reisen auf Madagaskar auch im 21. Jahrhundert spannend, anstrengend und abenteuerlich. Eine kleine Expedition ins Ungewisse mit Überraschungen aller Art. Oktober 2007

Seite 2 von 5

Siesta



Die Brücke von Ankarongana

Ochsenkarren

Informationen zum Bild anzeigen Bildinformationen anzeigen

Dann sind wir in Ankarongana. Der Fahrer lässt uns und das Gepäck im heißen roten Staub des Dorfplatzes zurück. Wir schultern unsere Rucksäcke, die großen auf dem Rücken, die Fotoausrüstungen als Gegengewicht vorn und unseren Proviantsack mit 12 l Wasser und den Broten tragen wir in unserer Mitte. Wohin?

Unsere Frage nach Analamera oder ANGAP wird überall mit Zischlauten und Kopfschütteln beantwortet und keiner scheint Französisch zu sprechen oder zu verstehen. Frustriert wenden wir uns in die Richtung, in die unser Fahrzeug verschwunden ist. Hätten wir vielleicht doch noch nicht aussteigen sollen? Am Ortsausgang brechen wir unter unserer Last fast zusammen und müssen rasten, als plötzlich ein Motorrad auf uns zuhält und der Fahrer uns auf Französisch anspricht.

Doch der Herr ist nicht von der ANGAP und in ganz Ankarongana werden wir keinen Guide finden, aber wir sollen im Dorf Menagizy einen Herren Abdallah aufsuchen, der uns gewiss weiterhelfen könne. Er verlangt von uns Stift und Zettel und schreibt darauf ein Empfehlungsschreiben mit dem wir weiterreisen können. Nur noch 300 m geradeaus, dann rechts über die Brücke und noch 1.5 km bis zum Dorf. Gute Reise.

Neue Hoffnung schöpfend machen wir uns auf den Weg. 300 m, 500 m, 800 m. Der Fluss liegt rechts von uns aber weit und breit ist keine Brücke. Wieder müssen wir abladen und fragen, bis endlich klar wird, dass es überhaupt keine Brücke gibt, sondern lediglich eine knietiefe reißende Fuhrt von ca. 200 m Breite. Sie ist steinig und glitschig und es kostet Überwindung das Gepäck Stück für Stück hinüber zu tragen. Da kommt ein einachsiger Ochsenkarren gerade recht, der uns für ca. 2 Euro bis Menagizo transportiert. Gut durchgeschüttelt und total verdreckt zuckeln wir ca. 3 km bis zum ersehnten Dorf. Der Ochsenkarrentreiber freut sich derweil still und selig lächelnd über den unerwartet hohen Nebenverdienst – das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen liegt bei ca. 190 Euro im Jahr!

Am Rande des 100-Seelen-Ortes zwingt uns ein weiterer Wassergraben wieder zum Fußmarsch. Unsere Schuhe sind schon aufgeweicht doch das Ziel immerhin in Sicht. Das Dorf gruppiert sich um ein paar prächtige Baobabs und Mangobäume, die Häuser bestehen aus den in der Gegend üblichen Holzkonstruktionen mit Palmblattdächern.

Als wir eintreffen rennt Alt und Jung zusammen um die verrückten Vazaha mit offenen Mündern zu bestaunen. Auch hier scheint niemand Französisch zu sprechen und die Frage nach Herrn Abdallah wird vorerst ebenfalls verneint. Ca. eine halbe Stunde fällt niemandem eine Lösung für dieses Dilemma ein, wir stehen ein wenig wie Zirkustiere herum und sehen das schwindende Licht mit Besorgnis.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit kommt Monsieur Abdallah tatsächlich nach Hause und liest unser Zettelchen. Wieder Kopfschütteln und Diskutieren. Dann erklärt er uns, dass er mit Touristen wie uns eigentlich nichts anzufangen weiß, denn er sei kein Guide und der Wald von Analamera ein paar gute Stunden Fußmarsch entfernt. Aber er wird uns morgen früh helfen, und zu einem Freund bringen, der am Rande des Reservates wohnt und schon Wissenschaftler geführt hat. Zunächst sollen wir aber unser Zelt aufschlagen und rasten.

Im Bewässerungsgraben der umliegenden Reisfelder können wir uns waschen und unter einem Mangobaum, der Boden ist mit Zebudung bedeckt, verbringen wir die Nacht. Immer wieder wecken uns die unheimlichen Flügelschläge der Flughunde die auf Mangos verrückt sind und ab und zu klatscht eine der Früchte auf unser Zeltdach – autsch.



Frauen in Menagizo



Zum Ende der Welt: Mosorolava

Pantherchamäleon

Informationen zum Bild anzeigen Bildinformationen anzeigen

6 Uhr. Das Gepäck neu sortiert und verschnürt warten wir auf Herrn Abdallah, während das Dorf geräuschvoll erwacht und Zebuweiden und hellgrünen Reisfelder in warmes Licht getaucht werden. Nach dem Frühstück nimmt Monsieur Abdallah sein Fahrrad, zieht Gummistiefel an die staksigen Beine und geht eilig voraus in Richtung Park. Wir folgen nur mühsam mit unserem Gepäck und hoffen, dass der Tag nicht allzu heiß wird.

Der Weg führt uns an einer Gruppe Getreide stampfenden Frauen vorbei auf eine gras- und buschbewachsene Hochebene, an die sich in der Ferne eine Bergkette und sanfte Hügel schmiegen. Ab und zu müssen wir einen Wasserlauf oder ein Schlammloch durchqueren. Die Rucksäcke drücken uns fast zu Boden und die Füße quellen in den nassen Schuhen immer weiter auf. Nach zwei Stunden gelangen wir zu einem Gatter mit einem Hinweisschild. Hier beginnt das Reservat von Analamera.

Monsieur Abdallah erklärt unterwegs, dass sein Freund leider kein Französich versteht und wir alles Notwendige besser jetzt und hier mit ihm besprechen müssen. Also den Zeitpunkt für den Rückweg, wann das Buschtaxi von Ankarongana wieder in Richtung Diego Suarez fährt, wohin wir mit unserem Guide gehen, ob wir lieber Chamäleons oder Lemuren sehen wollen, was wir essen wollen usw. usw. Der Entscheidungszwang ist ein gutes Mittel, die Plackerei vorübergehend auszublenden und schließlich führt uns der Weg an einer Bananenplantage vorbei auf einen winzigen Ort zu.

Sechs Hütten auf einer kleinen Anhöhe, in der Mitte ein bizarrer, großen Wollkapseln tragender Baum, das ist das Dorf Mosorolava. Es wird nur von einer Großfamilie bewohnt, ist auf keiner Karte verzeichnet und von Google Earth bislang unentdeckt. Schade, dass unser auserkorener Guide AUSGERECHNET heute nicht zu Hause ist. Eventuell soll er am Abend oder nächsten Morgen wieder zurückkehren. Da wir schon so weit gekommen sind, wollen wir nicht verzweifeln und den Tag nutzen. Bauen das Zelt zwischen einem Flüsschen und der Ansiedlung auf und lernen schon mal den Namen unserer Führers auswendig: Monsieur BEANDALANA.

Herr Abdallah instruiert während dessen die Frau des Guides, für uns bitte jeden Abend etwas Reis zu kochen. Reis womit? Da wir nur eine Stange Baguette und eine Dose Konserven pro Frühstück eingeplant haben und wissen, dass eine madagassische Mahlzeit oft nur aus Reis und einer teeähnlichen Suppe besteht, macht uns diese Frage ratlos. Da fällt mein Blick auf die umherpickenden Hühner und ich sage „poulet“. So schnell das Wort gefallen ist hat Madame Shimone auch schon ein Huhn gefangen und schlachtet es ohne Umstände. Endlich ist alles geklärt und wir verabreden uns mit Monsieur Abdallah in 3 Tagen in Menagizo.

Den Nachmittag verbringen wir mit Erkundungen in der Umgebung des Dorfes, streifen entlang der Zebuweiden, Wasserläufe und Zuckerrohrfelder und beobachten kleine Schlangen, Eidechsen und Chamäleons, verirren uns ein bisschen - das mobile Navigationssystem versagt, da es nur 2 Satelliten findet - und finden glücklich wieder zurück.



Umgebung Mosorolava


Teilen auf

Mein Interessenprofil

Bitte melden Sie sich an, um Reiseziele zu Ihrem Interessenprofil hinzuzufügen.

Kommentare

  • winni

    Leider ist auf der Seite 6 nichts. Habt ihr die Reise privat gemacht oder mit einer Reisegesellschaft? War die Reise im Oktober 2007 und wie kann man es selber organisieren? Auch hätte ich gerne mehr Informationen, wie ihr die Reise vorbereitet habt. Wie ist das Wetter im Oktober dort. lg winni

  • doubleegg

    Hallo winni,
    es gibt eigentlich nur 5 Seiten? Die Reise war im Oktober 2007 und privat organisiert. D. h. wir haben den Flug mit Air France und 3 Inlandsflüge mit Air Madagascar im voraus gebucht. Die restlichen Strecken mit Buschtaxis. Die Route wurde vorher genau nach den Flügen festgelegt, da wir nur 3.5 Wochen zur Verfügung hatten. Wir haben ausschließlich Nationalparks und Reservate bereist. Wetter im Oktober ist ok, nicht zu heiß und noch keine Regenzeit. Ein paar Brocken Französisch oder besser Madagassisch sollte man sich vorher schon aneignen. Ein neuer Reiseführer Madagaskar kommt - glaube ich - dieses Frühjahr in den Handel.
    Herzliche Grüße doubleegg

  • Weltenbummlerin

    Hallo doubleegg!
    Toller Bericht. Obwohl ich während meiner Reise den Nordteil des Landes nicht bereisen konnte - jetzt war ich da!
    Viele Grüße,
    weltenbummlerin

  • Sahara

    Wow, was für eine tolle Reise! Ich bin von Madagsakr begeistert und dieser Bericht hat es geschafft, mich dorthin mitzunehmen! Danke dafür!!!

  • Focuswelten (RP)

    Hi!

    Tolle Reise, die Du da "hingelegt" hast. Der Bericht hat mich ganz besonders gefreut, da ich dieses Jahr auch wieder nach Madagaskar fahren - und diesmal endlich wieder den Norden bereisen werde. Letztes Jahr ging es nicht, da die Wirbelstürme bei unserer Zeit auf Madagaskar den Nordteil vom Rest der Insel vollständig abgeschnitten hatten.

    Veloma
    Beppo - Focuswelten

  • RdF54

    ein schöner fesselnder Bericht!!
    LG Robert

  • trollbaby

    Beim Lesen dieses tollen Berichts kommt Abenteuerfeeling pur hoch! Dafür 5 Punkte!
    LG Susi

  • nach oben nach oben scrollen
  • brandriba

    Ganz, ganz toll, hat echt Freude gemacht virtuell mitzureisen. Dafür von mir 5PT!!
    LG Dani

  • Blula

    Ganz, ganz toll und packend erzählt. Bin fasziniert, nicht nur von Euren Eindrücken, sondern auch von den großartigen Fotografien. Super!!
    LG Ursula

  • BuWe

    Ein faszinierender Reisebericht, liebe Elke. VlG Anne Do.

  • Zaubernuss

    was für ein schöner Reisebericht! Ich danke Dir für die vielen Einblicke in eine mir unbekannte Welt!
    LG: Ursula

  • mamaildi

    Wie schön, wenn immer mal wieder ältere Berichte in der Zierleiste auftauchen, da findet man dann solche Schätzchen!!
    Vom "Ende der Welt" wird häufig gesprochen - du bringst es uns hier näher. Klasse erzählt und dann noch die tollen Bilder dazu, dickes danke!
    LG Ildiko

  • windweit

    Ich bin fasziniert! Das ist eine Art von Abenteuer, wie ich es mag. Auch wenn ich es hasse, viel Gepäck durch die Gegend zu schleppen und von Mücken zerstochen zu werden. Und ich kann gar nicht verstehen, warum ich den noch nicht gelesen habe.
    LG Gabi

  • nach oben nach oben scrollen
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar abzugeben. Madagaskar – der verwunschene Wald von Analamera 4.46 28

Beliebte Community-Inhalte: AustralienNorwegenThailandVietnamItalienBarcelonaIndien ReiseführerIndien Tipps