IM ISLÄNDISCHEN HOCHLAND: auf den Spuren der Edda-Dichtung

Reisebericht

IM ISLÄNDISCHEN HOCHLAND: auf den Spuren der Edda-Dichtung

Reisebericht: IM ISLÄNDISCHEN HOCHLAND: auf den Spuren der Edda-Dichtung

Wir wussten, dass wir angekommen waren. Alles kam uns bekannt vor, die Textstellen aus der Edda schwirrten mir durch den Kopf. „Ich bin so geschafft, dass ich von Kopf bis Fuß vibriere“ sagte ich zu meinem Mann, als ich nach sieben Stunden Fußmarsch über Felstrümmer endlich in unserem Zelt im Dyngjufjalladalur zur Ruhe kam. „Das sind nicht deine Nerven, das ist ein Erdbeben“, antwortete Horst. Mehrere Wochen lang durchstreiften wir den zum Teil weglosen Bereich des isländischen Hochlandes zwischen der letzten bewohnten Farm Svartárkot im Norden, den Gletschern an der Südküste und dem Askja-Massiv mitten in der Wüste.
Gerade diese Mischung aus Legende, Dichtung, Geologie und Geografie machte diese Reise für uns so unvergesslich – so unvergesslich, dass wir im Sommer 2008 wiederkommen werden.

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Ifing, der Strom der nie vereist

„Ifing heißt der Strom, der den Söhnen der Riesen
Den Grund teilt und den Göttern.
Durch alle Zeiten zieht er offen,
nie wird Eis ihn engen'.



Stricklava - eine Laune der Natur

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Ein Strom, der nie vereist? Und das in Island, dessen Inneres jedes Jahr im Winter unter Eis und Schnee geradezu versinkt? Also können die Mythendichter wohl keinen Fluss aus Wasser gemeint haben. In Island gibt es Vukanströme, die eine verblüffende Ähnlichkeit mit Flüssen haben. Sie entstehen aus extrem gasarmer und dünnflüssiger Magmamasse, sind relativ selten und stammen ausschließlich aus den Kratern von Schildvulkanen. Stricklava ist der geologische Ausdruck für diese Erscheinungsform des Vulkanismus, die ausschließlich in Island und Hawaii vorkommt.

Westlich bis südwestlich des Tafelvulkans Herdubreid erstreckt sich einer der größten Lavaströme der Welt, wie die erstarrte Flut eines riesigen Flusssystems. Er wird Utbruni genannt. Wie ein Grenzfluss trennt er die Herdubreid (Götterburg) vom Dyngjufjalladalur (Steinriesenburg).



Gletscherpanorama im isländischen Hochland

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Hymir im Reich der Eisriesen

Ein Eisriese vor seiner Burg

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Neben der Steinriesenwelt und der Götterburg existiert aber auch noch eine dritte Dimension in der Vorstellung der Mythendichter: die Eisriesenwelt.

Das Reich der Eisriesen ist in der Edda sehr genau beschrieben und zwar in der Hymiskvidha. Die Verse handeln vom Kampf zwischen dem Riesen Hymir und dem Gewittergott Thor. Hymir ist ein Rhimthurse, ein Frost-, Reif- oder Eisriese, der in seiner Eisriesenwelt haust und damit die isländische Gletscherwelt symbolisiert. Dass Götter und Riesen auch nur Menschen sind, zeigt sich im Beginn der Geschichte ganz deutlich. Meeresgott Aegir lädt nämlich die Götter zu einem Gastmahl ein und hat das Bier vergessen. (Wenn das nicht menschlich ist!) Sofort schlägt Kriegsgott Tyr vor, einen Braukessel von seinem Vater, dem Riesen Hymir, zu holen und das Getränk selbst zu brauen.



Jökulsárlón im Süden Islands



Fast bedrohlich wirkt die...

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Der Dichter hat in das Hymir-Lied zahlreiche Ortsbeschreibungen eingearbeitet, die darauf hindeuten, dass das Reich der Eisriesen in der Nähe der Südküste gewesen sein muss. Hier liegt der größte europäische Gletscher, der Vatnajökull, mit seinen unzähligen Gletscherzungen und mehreren Gletscherseen. Sogar Eishöhlen, durch geothermale Vorgänge, im Gletscher entstanden, kann man hier finden. Gleich nebenan der Myrdalsjökull. Unter den Gletschern ticken Zeitbomben in Form aktiver Vulkane. Besonders gefürchtet ist auch heute noch die Katla (Hexe), im Myrdalsjökull, ein Vulkan, nach dem man fast die Uhr stellen kann. Verlässlich bricht sie eigentlich in jedem Jahrhundert zwei Mal aus. Die letzte große Eruption war im Jahr 1918. Sie ist also überfällig….



Gletschersee Jökulsárlón in Südisland


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Kommentare

  • Michael.Thaler

    Eine tolle Idee, mit einem solchen "Reiseführer" Island zu erkunden - und aus meiner Sicht beneidenswert, so viel Zeit "am Stück" dafür zur Verfügung zu haben. Es macht Lust darauf, Island zu entdecken, zumal wir ja auch Fans von Norwegen und Schweden sind... Und ein sehr interessant zu leseneder Bericht mit dramatisch schönen Bildern und viel Detailkenntnis. Mich haben die genauen Bezeichnungen von Vögeln und Flechten fast noch mehr verblüfft als die Sagenkenntnis.

  • Berndthesi

    In meinem Bücherschrank steht das Buch ebenfalls. Es zu lesen ist schon abenteuerlich. Mein Traum: Eines Tages die Zeit nehmen und ebenfalls mit dem Buch als Reiseführer das Land zu erkunden. Ein toller Bericht der wirklich Lust macht.

  • Eviwild

    Sehr schöner Bericht und schöne Bilder !

  • ulandra

    Schön, daß es noch Menschen wie Euch gibt, die nicht wie Schafe mit ihrem "Reiseführer mit Insider-Tips" oder wie sich die einschlägigen Touristenbilderbücher nennen, die Sehenswürdigkeiten abklappern, sondern mit fundierten Kenntnissen über Natur und Kultur die schönsten und interessantesten Stellen suchen, auch wenn der Weg dahin steinig ist. Toller Bericht und sehr schöne Fotos, bring´ uns mehr davon mit, wenn Du wieder hinfährst, sie machen süchtig!

  • epmal54

    Lesenswerter Bericht, imponierende Bilder, gelungene Verknüpfungen zur nordischen Mythologie - fast schon eine kurze Einführung in diese Thematik. Da wir 2005 Island bereist und bewundert haben, kamen mir hier doch viele Erinnerungen dieses spannenden Aufenthaltes. Eure Fahrt zur Askja ist jedoch schon nichts mehr für "Normaltouristen". Deshalb Respekt vor Eurer Leistung.

  • AndyH

    Ein wunderbar geschriebener Bericht, ateberaubende Bilder und eine wirklich außergewöhnliche Reise! Ich habe neulich einen Diavortrag über Island gesehen und bin fasziniert von den Kontrasten und der Landschaft! Dein Bericht ist noch das "Tüpfchen auf dem I" meiner Faszination!

    Viele Grüße,
    Andy

  • poseydon

    Ein schöner Bericht, eine tolle Reiseidee und schöne Bilder!

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  • windweit

    Was für eine Landschaft! Klasse Bilder und ein guter Bericht.
    Grüsse, Gabi

  • lautine

    Hallo Beate,
    sieben Wochen auf Island, das nenne ich Glück. Ihr habt in dieser Zeit gerade die schwierigen Teile auf eure eigene Art erforscht. Danke für die vielen geologischen Hinweise und die schönen Fotos.
    Nachdem wir Island im Juli 2008 auch zwei Wochen lang entdecken durften, schätzen
    wir euren Bericht noch mehr.
    LG von den Lauties

  • RdF54

    Einfach ein klasse Bericht über einen, nicht allzu bekannten Teil von Island!
    Toll - anders - faszinierend!
    Mit super Fotos unterlegt, die einen in die Mythologie der Zwege, Riesen und Götter führt!

    LG Robert

  • Kongo

    Vielen Dank für diese kleine Entführung in die nordische Sagenwelt und Geologie dieser faszinierenden Insel. Sehr bildhaft und kurzweilig geschrieben. Und übrigens eine tolle Idee mit dem schönen Abschlussfoto.

    Gruß von Kongo

  • Raudi

    Einfach Klasse Dein Reisebericht ! Ich beneide Dich um diese Erlebnisse . Wunderschön wie Du uns auf deine Reise mitgenommen hast ! LG Hans

  • Blula

    Liebe Beate!
    Es hat sich für mich wieder mal mehr als gelohnt, mit Dir auf eine Reise zu gehen. Dieser Island- Bericht ist was ganz Besonderes. Deine Idee auch noch, mit der EDDA als Wegweiser durch die germanische Götterwelt zu streifen... Toll. Das hat mir ganz große Freude gemacht zu lesen. Nicht zu vergessen... Deine Fotografien sind wunderschön!!!
    LG Ursula

  • nach oben nach oben scrollen
  • Vinni

    Wunderbarer Bericht! Das macht wirklich Lust auf Island - gut, daß Flug und Mietwagen für den Sommer schon gebucht sind. :) Ihr Glücklichen, die ihr die Zeit für so intensive Abenteuer hattet! Danke, daß du uns teilhaben läßt!

    Liebe Grüße
    Vinni

  • cirrus

    Mit sehr viel Genuss und Freude habe ich auf der Reise viel gelernt und miterlebt.
    Es war wunderschön und ich habe die Zwerge genau gesehen....
    Vielen Dank LG Christel

  • RELDATS

    Einfach Klasse, Bericht und Fotos.
    Nette Grüße von Josef

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