IM ISLÄNDISCHEN HOCHLAND: auf den Spuren der Edda-Dichtung

Reisebericht

IM ISLÄNDISCHEN HOCHLAND: auf den Spuren der Edda-Dichtung

Reisebericht: IM ISLÄNDISCHEN HOCHLAND: auf den Spuren der Edda-Dichtung

Wir wussten, dass wir angekommen waren. Alles kam uns bekannt vor, die Textstellen aus der Edda schwirrten mir durch den Kopf. „Ich bin so geschafft, dass ich von Kopf bis Fuß vibriere“ sagte ich zu meinem Mann, als ich nach sieben Stunden Fußmarsch über Felstrümmer endlich in unserem Zelt im Dyngjufjalladalur zur Ruhe kam. „Das sind nicht deine Nerven, das ist ein Erdbeben“, antwortete Horst. Mehrere Wochen lang durchstreiften wir den zum Teil weglosen Bereich des isländischen Hochlandes zwischen der letzten bewohnten Farm Svartárkot im Norden, den Gletschern an der Südküste und dem Askja-Massiv mitten in der Wüste.
Gerade diese Mischung aus Legende, Dichtung, Geologie und Geografie machte diese Reise für uns so unvergesslich – so unvergesslich, dass wir im Sommer 2008 wiederkommen werden.

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Askja im Sommer



Eine 'alte Schachtel' als Heimat der Zwerge

Dreki-Hütte an der Askja

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Über die F910 erreichen wir die Dreki Hütte mit angeschlossenem Campingplatz an der Askja im Dyngjufjöll-Gebirge. Eine Menge Hinweise sprechen dafür, dass diese „Schachtel“, wie die Askja in der Übersetzung heißt, die Heimat der Zwerge ist. Genau kann man den mythologischen Spuren nicht mehr folgen, da im Jahr 1875 eine riesige Eruption das 1510 Meter hohe Dyngjufjöll-Massiv völlig veränderte. Irgendwann brach im Zentrum des Felsmassivs der Boden durch und zwischen hoch aufragenden Felswänden bildete sich eine schachtelförmige Einsenkung mit acht Kilometern Kantenlänge. Zur Zeit der Edda-Dichter hatte es die Caldera aber sicher schon gegeben.

Die Askja liegt über 1000 Meter hoch und ist nur zu Fuß erreichbar. Auch im Hochsommer führt der Wanderpfad über Schneefelder und verharrschte Schneebretter. In der isländischen Touristensaison quält sich Tag für Tag eine Urlauberschlange Richtung Viti und Öskjuvatn. Die Busfahrer versorgen die Wanderer sogar mit Plastiktüten, damit das meist nicht sonderlich geeignete Schuhwerk wenigstens etwas vor Eis und Schnee geschützt ist.



Schwarze und rote Lava in der Askja

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Und dann kommt man ins Zwergenland. Schwarz, weiß und rot herrschen als Farben vor. Weißer Schnee, schwarze Felsen und immer wieder Gestein, das wie rotglühend wirkt. Nach etwa fünf Kilometern kommen die beiden Seen in der Mitte der Caldera in Sicht. Unterschiedlicher kann man sich zwei benachbarte Gewässer aber gar nicht vorstellen. Kalt und mit Eisschollen bedeckt, der große Öskjuvatn, daneben unergründlich, tief, warm und nach Schwefel stinkend der Explosionskrater Viti (isländisch: Hölle).

Man kann darin sogar baden!!!!



Viti - die Hölle in der Askja



Lavagebilde in Island - etwa...

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Die Zwerge der Edda-Sagen sind die Schwarzalfen. Sie sind unförmig, rechthaberisch, verwachsen, eitel und anmaßend, heißt es. Sogar unser Wort Alptraum lässt sich etymologisch davon ableiten. Alle Wunderwaffen der germanischen Götterwelt wie Thors Hammer oder Siegfrieds Schwert stammen aus ihrer unterirdischen Werkstatt. Das Reich der Zwerge heißt Svartalfaheimar (Schwarzalfenheim). Es liegt unter der Erde, denn die Sonne verwandelt jeden Zwerg, den sie mit ihren Strahlen trifft, sofort in einen Felsen.Tagsüber arbeiten sie in ihren unterirdischen Werkstätten, manchmal kann man ihr Klopfen, Hämmern und Blasebalgzischen aus dem Erdinneren hören.



Gold und Edelstein horten die Scharzalfen

Bimsstein an der Asjka - oder...

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Gold und Edelstein sollen die Schwarzalfen in der Askja horten. Auf einer Wanderung lassen sich die Stellen finden, an denen die Zwerge auch heute noch ihre Schätze verbergen. Man muss nur die Augen aufmachen und etwas Fantasie mitbringen.

Bei Sonnenschein tritt im gesamten Askjagebiet nämlich ein Phänomen an den Tag, das Staunen lasst: Weite Flächen des Bodens glänzen und glitzern wie Gold in einer Schachtel. Bimsstein ist geologisch nichts anderes als in kleinen Bröckchen erstarrter Lavaschaum, der porös und leichter als Wasser ist. Im Gebiet der Askja wurde überwiegend goldfarbener Bimsstein in großen Mengen eruptiert. Wenn man auf einem Felsabhang steht und über den Schachtelboden schaut, sieht man das glänzende Material so weit das Auge reicht. Heute wird Bims aus dieser Gegend sogar benutzt, um bei modischen Jeans für den „stone-washend“ Effekt zu sorgen.



Weite Bimssteinflächen bedecken den Boden der A...

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Obsidian soweit das Auge schaut.

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Im Askjakessel findet man aber auch Obsidian in Hülle und Fülle. Dieser tief schwarze, stark glänzende Halbedelstein entsteht bei Vulkanausbrüchen durch blitzschnelle Abkühlung kieselsäurehaltiger Lava. Auch heute noch gilt Obsidian in Island als Orakelstein und Glücksbringer. Allerdings ist es Touristen streng verboten, diesen begehrten Schmuckstein als Souvenir mit nach Hause zu nehmen.



Die Drachenschlucht

Drachen spielen als mythische Ungeheuer in vielen Sagen eine Rolle. Zu den bekanntesten Sagen vom Zwergenschatz und Drachenkampf gehört die „Sigurdsage“, die in einigen Heldenliedern der Edda überliefert ist. Zudem wird die Sigurdsage als eine der Quellen des Nibelungenliedes angesehen. Man kann davon ausgehen, dass die Sigurdsage bereits um die Jahrtausendwende in Skandinavien bekannt war. Felsritzungen mit Darstellungen eines Drachenkampfes lassen sich ins Jahr 1020 datieren. Auch im Askja-Gebiet gibt es einen Drachen. Er liegt am Eingang einer wasserreichen Schlucht, die in einem 20 Meter hohen Wasserfall endet. Der Fluss führt hier viel Sand und Bimsstein mit sich, bei Hochwasser schmirgeln die rauen Bimsstückchen bizarre Gebilde aus den Felsen heraus.



Mit etwas Fantasie kann man den Drachen erkennen.

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Kommentare

  • Michael.Thaler

    Eine tolle Idee, mit einem solchen "Reiseführer" Island zu erkunden - und aus meiner Sicht beneidenswert, so viel Zeit "am Stück" dafür zur Verfügung zu haben. Es macht Lust darauf, Island zu entdecken, zumal wir ja auch Fans von Norwegen und Schweden sind... Und ein sehr interessant zu leseneder Bericht mit dramatisch schönen Bildern und viel Detailkenntnis. Mich haben die genauen Bezeichnungen von Vögeln und Flechten fast noch mehr verblüfft als die Sagenkenntnis.

  • Berndthesi

    In meinem Bücherschrank steht das Buch ebenfalls. Es zu lesen ist schon abenteuerlich. Mein Traum: Eines Tages die Zeit nehmen und ebenfalls mit dem Buch als Reiseführer das Land zu erkunden. Ein toller Bericht der wirklich Lust macht.

  • Eviwild

    Sehr schöner Bericht und schöne Bilder !

  • ulandra

    Schön, daß es noch Menschen wie Euch gibt, die nicht wie Schafe mit ihrem "Reiseführer mit Insider-Tips" oder wie sich die einschlägigen Touristenbilderbücher nennen, die Sehenswürdigkeiten abklappern, sondern mit fundierten Kenntnissen über Natur und Kultur die schönsten und interessantesten Stellen suchen, auch wenn der Weg dahin steinig ist. Toller Bericht und sehr schöne Fotos, bring´ uns mehr davon mit, wenn Du wieder hinfährst, sie machen süchtig!

  • epmal54

    Lesenswerter Bericht, imponierende Bilder, gelungene Verknüpfungen zur nordischen Mythologie - fast schon eine kurze Einführung in diese Thematik. Da wir 2005 Island bereist und bewundert haben, kamen mir hier doch viele Erinnerungen dieses spannenden Aufenthaltes. Eure Fahrt zur Askja ist jedoch schon nichts mehr für "Normaltouristen". Deshalb Respekt vor Eurer Leistung.

  • AndyH

    Ein wunderbar geschriebener Bericht, ateberaubende Bilder und eine wirklich außergewöhnliche Reise! Ich habe neulich einen Diavortrag über Island gesehen und bin fasziniert von den Kontrasten und der Landschaft! Dein Bericht ist noch das "Tüpfchen auf dem I" meiner Faszination!

    Viele Grüße,
    Andy

  • poseydon

    Ein schöner Bericht, eine tolle Reiseidee und schöne Bilder!

  • nach oben nach oben scrollen
  • windweit

    Was für eine Landschaft! Klasse Bilder und ein guter Bericht.
    Grüsse, Gabi

  • lautine

    Hallo Beate,
    sieben Wochen auf Island, das nenne ich Glück. Ihr habt in dieser Zeit gerade die schwierigen Teile auf eure eigene Art erforscht. Danke für die vielen geologischen Hinweise und die schönen Fotos.
    Nachdem wir Island im Juli 2008 auch zwei Wochen lang entdecken durften, schätzen
    wir euren Bericht noch mehr.
    LG von den Lauties

  • RdF54

    Einfach ein klasse Bericht über einen, nicht allzu bekannten Teil von Island!
    Toll - anders - faszinierend!
    Mit super Fotos unterlegt, die einen in die Mythologie der Zwege, Riesen und Götter führt!

    LG Robert

  • Kongo

    Vielen Dank für diese kleine Entführung in die nordische Sagenwelt und Geologie dieser faszinierenden Insel. Sehr bildhaft und kurzweilig geschrieben. Und übrigens eine tolle Idee mit dem schönen Abschlussfoto.

    Gruß von Kongo

  • Raudi

    Einfach Klasse Dein Reisebericht ! Ich beneide Dich um diese Erlebnisse . Wunderschön wie Du uns auf deine Reise mitgenommen hast ! LG Hans

  • Blula

    Liebe Beate!
    Es hat sich für mich wieder mal mehr als gelohnt, mit Dir auf eine Reise zu gehen. Dieser Island- Bericht ist was ganz Besonderes. Deine Idee auch noch, mit der EDDA als Wegweiser durch die germanische Götterwelt zu streifen... Toll. Das hat mir ganz große Freude gemacht zu lesen. Nicht zu vergessen... Deine Fotografien sind wunderschön!!!
    LG Ursula

  • nach oben nach oben scrollen
  • Vinni

    Wunderbarer Bericht! Das macht wirklich Lust auf Island - gut, daß Flug und Mietwagen für den Sommer schon gebucht sind. :) Ihr Glücklichen, die ihr die Zeit für so intensive Abenteuer hattet! Danke, daß du uns teilhaben läßt!

    Liebe Grüße
    Vinni

  • cirrus

    Mit sehr viel Genuss und Freude habe ich auf der Reise viel gelernt und miterlebt.
    Es war wunderschön und ich habe die Zwerge genau gesehen....
    Vielen Dank LG Christel

  • RELDATS

    Einfach Klasse, Bericht und Fotos.
    Nette Grüße von Josef

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