Rund- und Studienreisen

1. Platz: Mit den Augen der Brüder Schlagintweit in Ladakh und Kaschmir / DAV SUMMIT CLUB / 94 Punkte

Von 1854 bis 1857 bereisten die Münchner Brüder Adolph, Robert und Herrmann Schlagintweit Indien und den Himalaya. Sie waren Forscher und Künstler, ihre Zeichnungen, Aquarelle, Fotografien prägen bis heute unseren Blick auf Berge, Landschaften und Bewohner. Deshalb dreht sich diese Reise – neben Kulturerlebnissen und Bergwandern – vor allem um das Sehen und Verstehen. Die historischen Aufzeichnungen dienen den maximal 15 Teilnehmern als Wegweiser. Sie bereisen abgelegene Täler in Ladakh, mit Klöstern, in denen der Einfluss Tibets spürbar ist, Gebirgspässe, die mit Gebetsfahnen geschmückt sind, das grüne Industal und schließlich Kaschmir mit seinem Übergang vom Buddhismus zum Islam. Häufig bleibt Zeit für Pausen, um nach dem Vorbild der Schlagintweits den Blick auf Kultur und Natur zu schärfen. Eine ausgesprochen moderne Version der klassischen Bildungsreise, lobte die Jury.

18 Tage ab 2990 €, Tel. 089-64 24 01 17, www.dav-summit-club.de

Rund- und Studienreisen

2. Platz: Andalusien - Religion und Toleranz / ZEIT REISEN / 93 Punkte

"Das islamisch-jüdisch-christliche Weltgespräch" lautet der Untertitel dieser Reise. Er verweist auf das "Goldene Zeitalter" Andalusiens, als dort vom 8. bis zum 12. Jahrhundert in langen Phasen beispiellose Toleranz herrschte. Philosophen, Schriftsteller und Kleriker aller drei Religionen konnten sich frei entfalten. An den Schauplätzen ihres Wirkens von Sevilla über Córdoba bis Granada zeigt Peter Vollbrecht, Gründer des Philosophischen Forums Esslingen, der Reisegruppe, wie die drei Kulturen sich gegenseitig befruchteten. Im maurischen Königspalast von Sevilla, in der Mezquita von Córdoba und in der Alhambra von Granada beschäftigen sich die Teilnehmer mit Themen, die heute aktueller sind denn je: Religion und rationales Denken, der Ursprung der sunnitisch-schiitischen Spaltung, mystische Traditionen von Kabbala und Sufismus und schließlich moderne Debatten über Ethos oder den Kampf der Kulturen. Heute wird die Welt wieder von Religionskriegen erschüttert, deshalb würdigte die Jury diese Reise als außergewöhnlich gut konzipierten Beitrag zum pluralistischen Denken und als geistiges Abenteuer.

8 Tage ab 1590 €, Tel. 040-328 04 55 (im DZ, ohne An- und Abreise), www.zeit.de/zeitreisen

Rund- und Studienreisen

3. Platz: Yunnan-Birma - Old Birma Road / STUDIOSUS / 91 Punkte

Lange war die Grenze zwischen China und dem heutigen Myanmar geschlossen. Seit kurzem dürfen auch Touristen sie wieder passieren. Dabei hat die etwa 1000 Kilometer lange "Old Birma Road", die beide Länder verbindet, eine jahrhundertealte Geschichte. Auf ihr reisten Tee und Jade, Seide und edle Pferde, oft auch Waffen oder Hilfsgüter. So besuchen die Teilnehmer dieser Reise, die im südchinesischen Kunming beginnt, etwa in der alten Handelsstadt Heshun die prächtigen Niederlassungen von Kaufleuten oder die überbordenden Märkte in vielen Kleinstädten entlang der Straße. Burma wird quasi durch die Hintertür betreten, durch das Hochland der Shan. Hier bauten die britischen Kolonialherren einst das Gokteik-Viadukt, 250 Meter über Flussniveau; auch heute noch zieht eine alte Diesellok den Zug im Schritttempo über die Schlucht – mit einer Aussicht für die Reisenden, die schwindlig macht. Später steigen sie auf ein Boot um und fahren den Ayeyarwady abwärts bis Bagan mit seinen 2000 Tempeln und Pagoden, in die alte Königsstadt Mandalay und ins lebhafte Yangon. Eine ungewöhnliche Reise auf einer der interessantesten Routen Asiens, befand die Jury anerkennend.

21 Tage ab 4390 €, Tel. 00800-24 02 24 02, www.studiosus.com

Aktiv- und Abenteuerreisen

1. Platz: Tadschikistan-Expedition / NOMAD-REISEN / 97 Punkte

„Bam-i Dunya“ nennen die wenigen Bewohner das wilde, ursprüngliche Hochgebirge im östlichen Tadschikistan: "Dach der Welt". Bekannt ist es als Alai-Pamir, ein Gebiet etwa anderthalbmal so groß wie die Schweiz und erst 1928 von einer deutsch-russischen Expedition erforscht. Auf deren Route fahren und wandern die Teilnehmer dieser Reise. In Jeeps lassen sie sich auf Schlaglochpisten durchrütteln und durchqueren Täler mit reißenden Flüssen. Sie übernachten in traditionellen Pamir-Häusern, in Jurten und mitgeführten Zelten. Drei Tage Trekking führen um einen See, der 1911 nach einem starken Erdbeben entstanden ist. Die wenigen Basare, auf die die Reisenden treffen, sind in diesen entlegenen Weiten karg bestückt – umso überwältigender ist die Gastfreundschaft der Pamiri, von der schon frühere Forscher und Reisende berichteten. Eine Pionierreise in eine zu entdeckende Bergregion Asiens, urteilte die Jury.

23 Tage ab 3995 €, Tel. 06591-94 99 80, www.nomad-reisen.de

Aktiv- und Abenteuerreisen

2. Platz: Fahrradreise Madagaskar / AFRIKA ERLEBEN / 87 Punkte

Langsam trottet ein Chamäleon die rote Sandpiste entlang. Der Duft von Eukalyptuswäldern hängt schwer in der Luft. Schlichte Lehmhütten säumen die Route, die auch an Reisfeldern vorbeiführt. Mit dem Rad über die große Insel vor Ostafrika zu fahren bedeutet: Man kommt dicht heran an das tropische Land und seine Menschen. Manchmal auf Bohlenwegen, häufig aber auch auf asphaltierten Landstraßen. Madagaskar ist berühmt für seine einzigartige Flora und Fauna: dickstämmige Affenbrotbäume, kreischende Lemuren, Vanillesträucher und Kakaobäume. Die Radgruppe erfrischt sich mal unter einem Wasserfall oder rastet bei blubbernden Geysiren. Nach 18 Tagen im Sattel und zu Fuß durch den Nationalpark Mantadia folgt die verdiente Erholung auf der ehemaligen Pirateninsel Sainte-Marie, im verwunschenen, autofreien Île aux Nattes, wohin die Gruppe mit einer Piroge übersetzt. Dort erholen sich die Teilnehmer an einsamen Stränden und in einer Lodge mitten im Tropenwald. Eine Reise, befand die Jury, die den Teilnehmern eines der spannendsten Länder Afrikas ganz nahe bringt.

21 Tage ab 1580 € (ohne Flüge), Tel. 030-396 47 42, www.afrika-erleben.de

Aktiv- und Abenteuerreisen

3. Platz: Guatemala: Hochland-Trekking bei den Maya / HAUSER EXKURSIONEN / 85 Punkte

Schon in der Morgendämmerung rauchen die Kochstellen, denn der Tag beginnt früh in den Dörfern des Hochlands. Auch die Teilnehmer dieser Reise stehen zeitig auf, packen ihre Trekkingrucksäcke und schnüren die Bergstiefel. Vor ihnen liegen sportliche Etappen, rund 1500 Höhenmeter bergauf und bergab und bis zu acht Stunden Wanderzeit. Übernachtet wird in Häusern von Einheimischen oder auf einer Pferdefarm, mit den Maya teilen sie das Essen, Führer aus den Dörfern begleiten die Gruppe. Ziele sind etwa der schwefelgelbe Kraterrand eines aktiven Vulkans oder der Gipfel des 3976 Meter hohen Acatenango mit Rundumblick über das Hochland Zentralamerikas. Die Reise erfordert eine gute Kondition, dafür bietet sie, so das Urteil der Jury, neben großartiger Natur vor allem viele intensive Kontakte und Begegnungen mit der Bevölkerung – eine einmalige Chance, die Maya-Kultur aus nächster Nähe zu erleben.

18 Tage ab 2990 €, Tel. 089-235 00 60, www.hauser-exkursionen.de

Kurz-, Städte- und Geniesserreisen

1. Platz: Athen-Innovative Initiativen gegen die Wirtschaftskrise / CULTERRAMAR UND TAZ-REISEN / 89 Punkte

Krise ist nur ein Wort? Nicht in der Hauptstadt Griechenlands am Fuß der weltberühmten Akropolis. Das wird zum Beispiel klar, wenn die Reisegruppe in einer sozialen Arztpraxis erfährt, was es bedeutet, wenn ein Drittel der Bevölkerung ohne Krankenversicherung auskommen muss. Oder bei der Initiative "Borume" ("Wir können"), die täglich rund 2500 Essen verteilt, auch an "Neu-Obdachlose": Menschen, die durch die Krise Haus und Wohnung verloren haben. Die "Atenistas" räumen im Stadtzentrum in vernachlässigten Parks auf und renovieren heruntergekommene Schulen und Spielplätze. Überall engagieren sich Aktivisten, entstehen Initiativen; die Teilnehmer dieser Reise treffen deren Vertreter und bekommen aus erster Hand Einblicke in die Lebenswelt der Athener in Zeiten der Eurokrise. Dazu gehört auch das Schicksal tausender Flüchtlinge, die über das Mittelmeer kommen. Selten, so die Jury, hat eine Städtereise so konsequent politische und soziale Probleme aufgegriffen und anschaulich gemacht.

7 Tage ab 790 € (ohne Anreise ), Tel. 06221-433 97 40,

www.culterramar.de, www.taz.de/tazreisen

Kurz-, Städte- und Geniesserreisen

2. Platz: Venedig mit dem Segelschiff / SAPIO - KULINARISCHE ENTDECKUNGSREISEN/ 85 Punkte

Millionen besuchen Venedig, den Markusplatz, die Seufzerbrücke, den Canal Grande, aber wer in die Lagune hinausfährt, gleitet in eine ganz andere Welt hinein, sieht Wildenten und Flamingos, Reusenfischer und winzige, uralte Siedlungen. Zumal, wenn die Reise auf einem historischen Segler stattfindet: Die "Eolo" wurde vor 70 Jahren als Fischerboot gebaut, mit wenig Tiefgang eigens für die flache Lagune; heute ist sie ein komfortabler Segler für maximal zwölf Gäste. Hier hat Mauro Stoppa das Kommando, Fischer und Koch. Er führt die Reisegruppe auf kleine Märkte, weiß, wo der frischeste Fisch angeboten wird, und kennt die traditionellen Rezepte der Küstengegend. Mit ihm bereiten die Teilnehmer an Bord mehrmals ein Fischmenü zu. Im übrigen weiß er zu jedem Kirchlein und jeder Hafenmauer eine Geschichte zu erzählen. Übers Genießen, so die Jury, kann man sich auf dieser Reise Venedig auf ganz neuen Wegen annähern.

4 Tage ab 1998 € (ohne Anreise), Tel. 030-255 629 37, www.sapio.de

Kurz-, Städte- und Geniesserreisen

3. Platz: Lyon für Gourmets - 50 Jahre Bocuse / STUDIOSUS / 82 Punkte

Die Suppe von schwarzen Trüffeln hat er für den französischen Präsidenten kreiert; die Gänseleberstreifen kommen mit Passionsfruchtsoße; das Bresse-Huhn ist in der Schweinsblase gegart – drei von sieben Gängen des Menüs "Grande Tradition Classique", das in Paul Bocuse’ "Auberge du Pont de Collonges" serviert wird. Der Meister ist seit 50 Jahren ohne Unterbrechung mit drei Michelin-Sternen dekoriert – kein anderer Koch hat das geschafft. So ist die Reise nicht nur der Gaumenfreude gewidmet, sondern zugleich eine Verbeugung vor dem großen Chef, der damit auch seine Heimatstadt Lyon zur kulinarischen Hauptstadt Frankreichs geadelt hat. Das Dîner bei Bocuse ist der Höhepunkt der Reise, aber nicht das einzige Sterne-Essen. Die Teilnehmer besuchen auch die Markthalle und ein Weingut, um zu erleben, woher all die Köstlichkeiten stammen.

6 Tage ab 2470 €, Tel. 00800-24 02 24 02, www.studiosus.com

Reisen mit Kindern

1. Platz: Israel: Teens on Tour / FOR FAMILY REISEN / 94 Punkte

Wer nach Israel reist, kommt meist mit vielen Fragen – nicht nur zur Politik im Nahen Osten, sondern auch zum Zusammenleben, zum Alltag, zur Kultur. Welche Rolle spielt die Kibbuz-Bewegung heute? Wie leben arabische Familien in Nazareth im Norden Israels? Gehen Juden und Araber gemeinsam zur Schule? Auf dieser Reise können Eltern und Kinder darauf Antworten finden. Sie begegnen der NGO Sikkuy ("Chance"), die für die Gleichberechtigung aller Staatsbürger Israels arbeitet. Beim Essen in einer arabischen Familie kostet man Humus und Lamm, spricht aber auch über die Lage der Frau im Islam. Ein Kibbuz-Mitglied führt durch die Geschichte der Bewegung, eine jüdischarabische Schule in Jerusalem öffnet ihre Klassenzimmer. Eine Begegnungsreise auf Augenhöhe, urteilte die Jury, ohne Belehrung, sondern altersgerecht und mit Respekt für die jeweiligen Gastgeber.

12 Tage ab 2249 €, Kind ab 2049 €, Tel. 07634-69 56 60, www.familien-reisen.com

Reisen mit Kindern

2. Platz: Diesen Sommer werde ich Ackerheld! Der Weg des Essens vom Feld zum Teller / VAMOS ELTERN-KIND-REISEN / 92 Punkte

Kresse zum Beispiel: In wenigen Tagen werden aus winzigen Samen grüne Keimlinge; die kann man ernten, und sie schmecken lecker. Dass auch für Zucchini oder Salat auf dem Acker fleißig gearbeitet werden muss, lernen Kinder von 3 bis 13 Jahren am Rand der Lüneburger Heide, auf dem "Hof Rose". Auf 400 Quadratmetern bio-zertifizierter Erde jäten, pflegen und ernten sie. Die Idee für diesen Familienurlaub stammt aus der Slow-Food-Bewegung, das Ziel: Kinder lernen spielerisch den Wert guten Essens schätzen, und die Eltern dürfen am Abend das daraus gekochte Essen mitgenießen.

7 Tage für eine vierköpfige Familie ab 1354 €, Tel. 0511-400 79 90, www.vamos-reisen.de

Reisen mit Kindern

3. Platz: Segeltörn für Familien in Dalmatien-Kroatien / RENATOUR und SAILORAMA / 83 Punkte

Ein Segelschiff braucht natürlich eine eigene Flagge. Die Crew muss die Befehle des Kapitäns verstehen. Und was ist überhaupt die Kombüse? Bevor Eltern und Kinder (4–13 Jahre) Segel setzen und den Anker aufholen können, gibt es deshalb erst einmal eine seemännische Grundausbildung. Dann aber sticht das Familienschiff von Split aus in See und kreuzt zu einsamen Buchten und kleinen Häfen vor der kroatischen Küste, einem der schönsten Segelreviere Europas. Segeln ist Teamarbeit, daher bewertete die Jury diese Reise als besonders pfiffiges und durchdachtes Angebot für einen Familienurlaub. Im Team lernt man dann auch, eine Sonnenuhr zu bauen oder nach Himmelskörpern den Kurs zu bestimmen.

9 Tage ab 990 €, Kind bis 13 Jahre ab 660 €; Tel. 0911-89 07 04, www.sailorama-segelreisen.at, www.renatour.de

Die Grüne Palme: Der Preis für sanften Tourismus

Andreas Hänel und seine "Sternenparks"

Der Astronom Andreas Hänel von der Fachgruppe "Dark Sky", der Vereinigung der Sternfreunde, setzte sich erfolgreich dafür ein, dass drei Sternenparks in Deutschland entstanden: im Westhavelland, kaum 80 Kilometer von Berlin entfernt, in der Eifel und in der Rhön. Ähnliche Initiativen arbeiten derzeit auf der Schwäbischen Alb und im Harz. Dank seiner freiwilligen Arbeit und seines Engagements entstanden Gebiete ohne Lichtsmog und mit funkelndem Nachthimmel.

Andreas Hänel leistet Pionierarbeit. Mit den Sternenparks entwickeln sich ein nachhaltiger Astro-Tourismus und Sensibilität für ein bisher wenig beachtetes Umweltproblem. Für dieses Engagement verleiht ihm GEO SAISON die Grüne Palme 2015.

www.lichtverschmutzung.de

DIE REGELN:

Jedes Jury-Mitglied vergibt pro Reise 0 bis 10 Punkte, bewertet werden dabei: die Originalität eines Konzepts und das Preis-Leistungs-Verhältnis, der Reiseverlauf und die Ausflüge, die Durchführbarkeit und die Frage, wie sicher die gewählte Destination ist. Bei Reisen aus dem eigenen Haus muss sich der Juror enthalten. Um in diesen Fällen dennoch auf dieselbe Anzahl abgegebener Stimmen zu kommen, wird zum Ergebnis der übrigen Juroren die durchschnittliche Punktzahl der Bewertungen addiert.

Interview zur Grünen Palme

"Der Himmel braucht das Licht nicht"
Interview
"Der Himmel braucht das Licht nicht"
Immer mehr Straßenlaternen und Strahler machen landauf, landab die Nacht zum Tag. Dagegen protestiert die "Initiative gegen Lichtverschmutzung". Wir sprachen mit ihrem Mitglied Andreas Hänel

 

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