Tierforschung: Erschrick nicht, ich bin ein Hai!

Um seine Forschungsobjekte nicht zu irritieren, hat der Enkel des Meereskundlers Jacques-Yves Cousteau ein Tauchgefährt als Haifisch getarnt

Weiße Haie zu beobachten, ohne ihr Verhalten zu beeinflussen, ist schwierig. Lässt sich etwa ein Forscher in einem Käfig hinab und lockt die Raubtiere mit einem Köder, erlebte er meist nur die Bestie - mit offenem Maul und angriffslustig. Fabien Cousteau aus der Familie des berühmten Meeresforschers will dieses einseitige Bild korrigieren und die Tiere so zeigen, wie sie sich ungestört verhalten. Zu diesem Zweck schlüpft der 38-jährige Forscher ins Innere eines maßgeschneiderten, vier Meter langen Unterseebootes, dessen Gestalt einem Haifisch täuschend ähnlich nachempfunden ist.

Zum Tauchen wird das Gefährt mit Wasser gefüllt, den Antrieb leisten pneumatisch gesteuerte Flossen. "Rippen" aus Stahl an einem "Rückgrat" aus kugelsicherem Makrolon Hygard bilden das Skelett. Der "Kopf" aus Fiberglas lässt sich zum Einstieg aufklappen. Die "Haut" des Tauchgeräts besteht aus einer sechs Millimeter dicken Latex-Schicht.

Vor der mexikanischen Küste hat das Gerät seinen ersten Test bestanden: Zumindest einige der anwesenden Raubtiere akzeptierten die Attrappe als ihresgleichen. "Das Verhalten dieser Haie war völlig anders, als wir es etwa von dem Film ‚Der weiße Hai' kennen", sagt Cousteau. "Sie waren sehr vorsichtig und griffen niemals grundlos an." Ihre Art existiere schließlich schon unverändert seit über 400 Millionen Jahren - und "keineswegs, weil sie unnötige Risiken eingehen und über alles herfallen, was sie sehen".

Alle GEOskope aus dem Magazin Nr. 2/06

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