Umwelt: Gefährdete Delfine

Innerhalb eines Jahres ist ein Fünftel der letzten Irawadi-Flussdelfine in Kambodscha verendet

Was den Bestand von Orcaella brevirostris im Mekong so dramatisch gefährdet, ist noch nicht geklärt. Fest steht nur, dass seit Anfang des Jahres 2005 bereits 24 Tiere ans Ufer gespült worden sind, berichtet der World Wildlife Fund (WWF). Eine alarmierende Zahl, denn von den 180 Irawadi-Flussdelfinen weltweit existieren schätzungsweise noch höchstens 100 im größten Strom Kambodschas.

Zwei Drittel der gestrandeten Tiere waren Kälber im Alter von zwei bis zwölf Wochen. Das Massensterben könnte deshalb durch Umweltgifte in der Muttermilch verursacht worden sein, vermutet Petr Obrdlik, Süßwasser-Experte des WWF in Deutschland. Seit langem weiß man, dass Delfinsterben ein Indikator für Flussverschmutzung ist. Wahrscheinlich ist der Mekong chemisch stark belastet: etwa durch Dioxine, unter anderem aus dem Kampfstoff "Agent- Orange", der von der US-Armee im Vietnamkrieg zur Entlaubung der Wälder eingesetzt worden ist. Da dieses Umweltgift äußerst stabil ist, kann es noch nach Jahrzehnten vom Boden ins Flusswasser gespült werden. Aber auch Quecksilber aus den flussnahen Goldminen oder Pestizide aus der Landwirtschaft kommen als Ursachen infrage.

Gründliche Untersuchungen der Todesfälle stehen bislang noch aus. Den toten Tieren dürfen die WWF-Experten nur nach besonderer Genehmigung Gewebe entnehmen. Um die Proben zu analysieren, müssen diese in Speziallabore ins Ausland verschickt werden, was einer Ausfuhrgenehmigung bedarf. Dennoch hoffen die Naturschützer, das Rätsel noch in diesem Jahr zu lösen. Seit 2004 ist immerhin der kommerzielle internationale Handel mit Irawadi-Delfinen durch das Artenschutzabkommen CITES verboten. Alle Flussdelfinarten gelten laut der internationalen Roten Liste als vom Aussterben bedroht. Um die Irawadi-Delfine, die auf einer Flusslänge von 190 Kilometern zwischen der kambodschanischen Stadt Kratie und der Grenze zu Laos leben, zu retten, müssen die WWFMitarbeiter auch die kambodschanischen Fischer aufklären.

Denn die Süßwasserdelfine haben sich in der Vergangenheit häufig in deren Netzen verheddert und sind erstickt. Dabei könnte die Bevölkerung von den Delfinen profitieren: Die bis zu zweieinhalb Meter großen Flusssäuger sind äußerst verspielt und dafür bekannt, dass sie den Fischern die Beute in die Maschen treiben.

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