Psychosomatik: Hamster neigen zu Kummerspeck

Furcht vor Stärkeren verleitet Goldhamster, zu viel zu fressen

Ratten oder Mäuse verlieren in belastenden Situationen ihren Appetit. Nicht so der gemeine Goldhamster Mesocricetus auratus: Das Tier entwickelt unter solchen Bedingungen Heißhunger und Fettleibigkeit - ähnlich wie die meisten Menschen.

Ein Team um Michelle Foster von der Georgia-State-Universität in Atlanta/USA hat deshalb den Hamster zum Modellfall erkoren: Aus den Ergebnissen einer genauen Kontrolle seines Fressverhaltens hoffen die Wissenschaftler, auch Rückschlüsse auf Übergewichts-Faktoren beim Menschen ziehen zu können.

Für das Experiment wurden jüngere Hamster mehrmals für jeweils sieben Minuten zu älteren, stärkeren Artgenossen in den Käfig gesetzt. Innerhalb weniger Sekunden und nach kurzem Revierkampf ordneten sich die Eindringlinge dem "Hausherrn" unter - und begannen bald darauf, deutlich mehr zu fressen. Voraussetzung: Die Hamster mussten innerhalb von 30 Tagen mindestens viermal dieser Aggression ausgesetzt sein. Verstärkt wurde die Reaktion noch durch unregelmäßigen Stress; bei einem klar geordneten Tagesablauf mit erwartbarer, planmäßiger Konfrontation fiel die Reaktion viel schwächer aus.

Auch dies ist eine Parallele zum menschlichen Verhalten: "Unvorhersagbare Stress-Ereignisse sind für Menschen viel schädlicher als prädiktable", schreiben die Forscher. "Sie bringen die Regelprozesse im Körper aus dem Gleichgewicht." Dann sammelt sich das Fett wie beim Menschen vor allem am Bauch - dieses so genannte Viszeralfett gilt als besonders gesundheitsschädlich. Ähnlich sind sich Hamster und Menschen auch hormonell: Unter Stress produzieren sie verstärkt das Nebennierenhormon Cortisol, das den Appetit anregt. Ratten und Mäuse hingegen bilden Corticosterone, die offenbar den Hunger eindämmen. Die Forscher hoffen, dass durch ihre Erkenntnisse neue Medikamente gegen Fettleibigkeit entwickelt werden können.

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