Biologie: Immer der Nase nach

Antarktische Seevögel spüren ihre Beute mit einem hochsensiblen Geruchssinn auf

Wären sie bei der Jagd allein auf ihre Augen angewiesen, würden Albatrosse, Sturmvögel und andere Röhrennasenarten wohl verhungern. Denn auf der Suche nach Krill- und Fischschwärmen fl iegen sie oft Tausende Kilometer über die konturlosen Wasserwüsten der Ozeane. Aber nicht die wenigen festen Landmarken, sondern sich ständig wandelnde Duftkarten scheinen sie zu leiten: Ihr ausgezeichneter Geruchssinn weist ihnen den Weg zu ergiebigen Fischgründen. Das fanden Gabrielle Nevitt von der University of California in Davis und ihre Kollegen bei Experimenten auf Ile Verte heraus, einem kleinen Eiland des subantarktischen Kerguelen-Archipels.

Wie die Verhaltensforscherin feststellte, können Seevögel den Geruch von Dimethylsulfid (DMS), einer Substanz, die vom Phytoplankton abgegeben wird und der sich Tage bis Wochen in der Luft hält, schon in sehr kleinen Mengen wahrnehmen, und folgen ihm. Von Phytoplankton ernährt sich unter anderem der Krill. In Tests reagierten die geflügelten Probanden auf den Geruch der Krebstiere mit erhöhter Herzschlagfrequenz. Nevitt geht davon aus, dass die Vögel über das DMS zunächst nahrungsreiche Gewässer orten und sie dann systematisch "immer der Nase nach" absuchen, wobei sie Beutetiere anhand der spezifischen Duftnote einer Spezies unterscheiden.

Wie junge Seevögel, die üblicherweise ohne die Hilfe ihrer Eltern zum ersten Mal auf Jagd gehen, ihre Beute erkennen, galt bisher als Rätsel. Nach Studien mit Küken von höhlenbrütenden Arten vermutet Gabrielle Nevitt, dass sich deren Geruchssinn in den ersten Lebenswochen entwickelt: wenn sie durch den ausgewürgten Mageninhalt der sie anfangs ernährenden Eltern mit den Gerüchen des Ozeans in Kontakt kommen. Ermutigend für Nevitt, dass andere Wissenschaftler nun die von ihr entwickelten Forschungsstrategien auch bei Riesenhaien, Pinguinen, Seelöwen, Seeschildkröten und Meeresfischen anwenden. "Früher machten sich meine Kollegen gern über mich lustig, wenn ich zum Beispiel Experimente mit fliegenden Drachen veranstaltete, an denen duftgetränkte Wattebäusche hingen."

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