Sonographie: Walmusik schlägt bunte Wellen

Ein Software-Experte hat das Schwingungsspektrum von Walgesängen in optische Muster verwandelt - und farbenprächtige "Mandalas" erhalten

Längst haben sich Tonaufnahmen von Buckelwalen, den Meistersängern im Meer, einen Platz in den CD-Regalen der Menschenwelt erobert. Nun haben diese Gesänge auch eine visuell ansprechende Gestalt bekommen. Der US-amerikanische Software-Entwickler Mark Fischer hat die Klangaufnahmen von Buckel- und anderen Walen mit einer speziellen Technik in opulente Bilder und Filme übertragen. Den Kern bildet ein mathematisches Verfahren, das den Schall in Schwingungs-Bausteine zerlegt, in so genannte Wavelets. Produziert ein Wal ein tiefes Brummen, werden "Bass-Wavelets" erzeugt. Erhebt sich der Gesang in den höchsten Tonbereich, kommen schneller schwingende "Sopran"- oder Ultraschall-Wavelets hinzu.

Die unterschiedlichen Stimmlagen und Lautstärken der Wavelets stellt Fischer grafisch mit verschiedenen Farbtönen dar. Die auf- und absteigenden Gesangskonturen eines Buckelwals zeichnen auf diese Weise "Gebirgspanoramen", das Knarren eines Belugas erzeugt wogende "Kornfelder", während das psychedelische Blubbern eines Zwergwals lange "Perlen-Girlanden" aufspannt.

Und wenn die einzelnen Passagen der Walgesänge in Kreisform übertragen werden, ergeben sich kaleidoskopartige, an Mandalas erinnernde Figuren. Mit seinen Bildern ist Fischer mittlerweile auf Kunstausstellungen gefragt. Doch Meeresbiologen sehen in dem Verfahren nicht nur künstlerisches Potenzial: Mit ihm lassen sich Unterschiede im akustischen Verhalten einzelner Wale und verschiedener Walspezies besonders gut erkennen. Womöglich sei die Darstellungstechnik auch ein probates Werkzeug "zur Entdeckung von Grammatik und Syntax in der Walkommunikation", so Fischer.

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