Taxonomie: Sternzeichen Walhai

Eine Astronomen-Software hilft bei der Unterscheidung von Walhaien - anhand des Musters der Leuchtpunkte auf ihrer Haut

"Die erste Begegnung war fast surreal. Dieses gigantische Wesen kam direkt auf mich zu. Um ein Haar hätte ich vor Aufregung meinen Schnorchel verschluckt." So beschreibt der australische Meeresbiologie Brad Norman seinen Kontakt mit einem Walhai (Rhincodon typus). Und fügt hinzu: "Wenn Sie über dem Tier schwimmen, sehen Sie nicht seine Umrisse, sondern nur die hellen Punkte, die wie Sterne am nächtlichen Himmel leuchten."

Der riesige, aber für Menschen harmlose Hai, der sich nur von Krill und anderen kleinen Meerestieren ernährt, ist der größte Fisch der Welt - und doch nahezu unbekannt. In einem Zeitraum von 150 Jahren, zwischen 1828 und 1978, wurden nur 350 Sichtungen von Exemplaren des bis zu 18 Meter langen Tieres verzeichnet. Seither hat sich die Zahl der Begegnungen zwischen Mensch und Walhai durch den zunehmenden Unterwassertourismus merklich erhöht. Trotzdem gilt er als selten, und die Internationale Naturschutzunion (IUCN) stuft die Art mittlerweile als "gefährdet" ein: Das Fleisch des Walhais und seine Flossen sind auf dem asiatischen Markt sehr begehrt.

Um detaillierte Informationen über die Verbreitung und Bedrohung der Meeresriesen systematisch zu sammeln, hat Brad Norman gemeinsam mit dem US-Computeringenieur Jason Holmberg die Datenbank ECOCEAN eingerichtet. Zur Unterscheidung der einzelnen Tiere, die Strecken bis zu 10.000 Kilometer zurücklegen, genügen Fotos - und eine Software, die ursprünglich für das "Hubble"-Weltraumteleskop entwickelt worden ist, um Sternmuster erkennen zu können. Da das Muster auf der Haut des weiß gefleckten Walhais so unverwechselbar ist wie ein Fingerabdruck, kann jedes Tier eindeutig identifiziert werden. Mittlerweile sind dank dieser Technik mehr als 500 Walhaie registriert worden. (Weitere Informationen unter www.rolexawards.com).

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