Verhalten: Haarige Verkehrsknoten

Schimpansen in Guinea haben Regeln für das Überqueren einer Straße entwickelt

Tua bleibt an der Dschungeltrasse stehen, blickt zweimal nach links und zweimal nach rechts, vergewissert sich, dass kein Auto naht, und gibt seinen Schutzbefohlenen das Zeichen loszugehen. Im Gänsemarsch laufen sie an Tua vorbei, hinüber zur anderen Seite. Am Schluss der Kolonne geht der breitschultrige Yolo und passt auf, dass keiner aus der Gruppe zurückgeblieben ist. Dass die Beschreibung dieser und ähnlicher Szenen unter Wissenschaftlern für Aufsehen sorgte, ist durch die ungewöhnlichen Protagonisten zu erklären: Es sind zwölf Mitglieder einer Familie von Schimpansen (Pan troglodytes), die in den Wäldern Guineas nahe dem Dorf Bossou leben.

Ein Team schottischer und japanischer Forscher von den Universitäten Stirling und Kyoto hat die Bossou-Schimpansen im Zeitraum von vier Monaten dabei gefilmt, wie sie einen Fußgängerweg und eine Autostraße querten, die ihren Heimatwald vom angrenzenden offenen Buschland trennen. Die Aufnahmen zeigen, dass die Affen ihre Strategie dem jeweiligen Gefahrenpotenzial anpassen. So liegt die Wartezeit zwischen Ankunft und Überqueren bei der breiten Straße deutlich höher als bei dem schmalen Weg und steigt noch an, wenn sich Fahrzeuge in Sichtweite des Lotsen befinden. Tua, Foaf und Yolo, die drei erwachsenen Männchen der Gruppe, nehmen meist die risikoreichen Positionen an der Spitze und am Ende des Trupps ein, mit Weibchen und Jungen in der sichereren Mitte.

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