Musik und Evolution Taktvoller Schimpanse

Zum ersten Mal gelang der wissenschaftliche Nachweis: Unsere nächsten Verwandten haben Rhythmusgefühl. Das belegt die Aufzeichnung eines trommelnden Schimpansen
Taktvoller Schimpanse

Nicht nur schlau, sondern auch musikalisch: der Schimpanse

Ein Schimpanse, der sich in seiner Gefangenschaft die Zeit damit vertreibt, auf einem Eimer zu trommeln - nichts Besonderes, oder? Doch, sagen Forscher. Denn bislang fehlte der wissenschaftliche Nachweis, dass es sich bei solchen Handlungen nicht nur um Krach-, sondern tatsächlich um Musikmachen handelt. Eine rhythmische Tätigkeit, die dem menschlichen Musizieren sehr nahe kommt.

Ein Forscherteam um die Verhaltensforscherin und Primatologin Valérie Dufour hat dazu nun eine zehn Jahre alte Quelle ausgewertet. In der knapp fünf Minuten langen Audio-Aufzeichnung ist Schimpanse Barney mit einem Trommelsolo zu hören. Barney war ein damals 24 Jahre altes Schimpansen-Männchen, das für medizinische Versuche in einem Labor in den Niederlanden gehalten wurde. Der Primat hatte sich im Außengehege spontan einen Eimer geschnappt und begonnen, ein rhythmisch klar strukturiertes Solo zu trommeln.

Zwar ist bekannt, dass Große Menschenaffen Klänge nutzen, um zu kommunizieren. Etwa, indem sie auf Baumwurzeln oder eigene Körperteile schlagen. Doch so ein Verhalten hat mit menschlicher Musik wenig gemeinsam. "Dieses Solo", schreiben die Autoren, "unterscheidet sich von den meisten anderen Schlagfolgen, über die von dieser Spezies berichtet wurde, durch ihre ungewöhnliche Dauer und das Fehlen eines offensichtlichen Kontextes." Außerdem fiel den Forschern die wechselnde Dynamik, das erstaunliche Gleichmaß und die Gemächlichkeit auf, mit der der Menschenaffe seinem musikalischen Zeitvertreib nachging.

Den Forschern zufolge handelt es sich wohl um den ersten Nachweis, dass wir unsere Fähigkeit zu trommeln mit unseren engsten Verwandten teilen.

Der Verhaltensforscher Frans de Waal schreibt dazu auf seiner Facebook-Seite: "Rhythmus ist Teil des Lebens, also wäre es überraschend, wenn Tiere kein Gefühl dafür hätten."

Der britische Archäologe Stephen Mithen nimmt an, dass Musik in der Evolution der menschlichen Spezies eine entscheidende Rolle spielte - lange, bevor es Sprachen gab.

Chimpanzee drumming: a spontaneous performance with characteristics of human musical drumming

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