Kakerlaken: "Hier entlang, bitte!"

Als Vorratsschädlinge und Krankheitsüberträger sind sie berüchtigt. Nun wollen Forscher den Kerbtieren zu Leibe rücken - mit wehrlosen Mini-Robotern

Selbst mit Gift ist der Gemeinen Küchenschabe (Blatta orientalis) kaum beizukommen. Forscher von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) haben nun eine Finte ersonnen, die Krabbeltiere in einen Hinterhalt zu locken: Sie schleusten Mini-Roboter in eine Population ein und brachten die Insekten dazu, sie als Artgenossen zu akzeptieren - und sich mit ihnen an einem Ort zu versammeln.

81387fe8365644c3c457e89870cd0870

Kakerlaken inspizieren ihren künstlichen Artgenossen in einem Unterschlupf

Zuvor studierte das Team um Roland Siegwart, Professor für Autonome Systeme an der ETH, das Verhalten der Kerbtiere. Das ist recht simpel: Die Tiere halten sich gern in Gruppen auf, kennen keine eigentliche Hierarchie und bevorzugen dunkle, feuchte Stellen. Bei der Futtersuche und der Suche nach angenehmen Ruheorten gilt: Viele können nicht irren. Da sie schlecht sehen können, orientieren sich die Insekten an den Kakerlaken-typischen Bewegungen ihrer Artgenossen - und an deren Duftstoffen, so genannten Pheromonen.

Äußerliche Ähnlichkeit ist nebensächlich

Die Schweizer konstruierten nun Mini-Roboter von der Größe einer Streichholzschachtel mit einem vibrationsarmem Antrieb, verschiedenen Kameras und Sensoren. Sie programmierten die Roboter so, dass sie - genau wie echte Kakerlaken - mit mäandernden Bewegungen gegenseitige Nähe suchen und sich an dunklen Stellen versammeln. Außerdem riechen die künstlichen Artgenossen auch noch gut - dank einer Pheromon-getränkten Umhüllung.

Den Forschern gelang es nun im Experiment, die Kakerlaken dazu zu bringen, sich an einer Stelle um die Roboter zu versammeln. Und das, obwohl die künstlichen Artgenossen mit ihren ansonsten keine Ähnlichkeit aufweisen. "Dass Roboter sich in solchen Maße in eine Tierpopulation einschleichen können, ist einzigartig", meint Siegwart.

In einem weiteren Experiment boten die Forscher den Kakerlaken zwei Verstecke an, ein helles und ein dunkles. Die Tiere ließen sich von den Robotern bereitwillig zu dem helleren Unterschlupf führen, obwohl sie natürlicherweise das dunklere bevorzugt hätten.

Bis zur Einsatzreife ist der Weg allerdings noch weit: Momentan stellt sogar eine Türschwelle für die Roboter noch ein unüberwindbares Hindernis dar.

Die Pressemitteilung der ETH Zürich
GEO.de Newsletter