Physiologie: Sie hat den längeren Atem

Trotz geringerer Körpergröße speichern Kalifornische Seelöwinnen mehr Sauerstoff als die Bullen

Fische und Weichtiere aus den Tiefen des Atlantik stehen auf dem Speiseplan des Kalifornischen Seelöwen Zalophus californianus. Dank ihres torpedoförmigen Körpers sind die Meeressäuger schnelle Schwimmer und exzellente Taucher: Auf der Suche nach Beute können sie mehr als 140 Meter hinabstoßen und bis zu 15 Minuten unter Wasser bleiben. Dazu reicht die Luft in ihren Lungen nicht aus: Bei tauchenden Säugetieren wird das Atemorgan in größeren Tiefen zusammengedrückt und enthält wenig Sauerstoff. Daher speichern Seelöwen wie auch Walrosse oder Seehunde das nötige Atemgas im Blut und in ihren Muskeln. Aus dem Speichervermögen können Wissenschaftler ableiten, in welchen Tiefen sich die Tiere normalerweise aufhalten.

Um mehr über das Tauchverhalten der Seelöwen zu erfahren, untersuchten Michael Weise und sein Team von der University of California Santa Cruz Blut und Muskelgewebe von insgesamt 134 Tieren. Dabei stellten sie fest, dass die Sauerstoffspeicherkapazität nicht nur von Alter und Größe der Seelöwen, sondern auch von ihrem Geschlecht abhängt. Erwartungsgemäß lagen alle Werte bei den kleinen Jungtieren niedriger als bei muskelbepackten ausgewachsenen Exemplaren. Überrascht waren die Forscher aber darüber, dass die Weibchen deutlich höhere Werte des Sauerstoff bindenden Pigments Myoglobin pro Gramm Muskel aufwiesen als die Männchen. Michael Weise vermutet, dass dies ein Effekt der Anpassung an unterschiedliche Aufgaben und Tauchreviere ist. Denn die Mütter ernähren die Welpen in den ruhigen Buchten Südkaliforniens, die sich während El-Niño- Perioden aufheizen und wenig Futter bieten - Weibchen müssen also in dieser Zeit besonders tief und lange tauchen.

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GEO Nr. 05/97
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