Kognition: Stutzende Vierbeiner

Ein Forscher hat ermittelt, dass Hunde eine Vorstellung ihres Besitzers haben

Aus einer einzigen Sinneserfahrung umfassende Zusammenhänge zu erschließen, setzt eine komplexe intellektuelle Leistung voraus. Menschen, zum Beispiel, greifen auf mentale Konzepte zurück, die ihnen helfen, eine Wahrnehmung mit vorhandenem Wissen abzugleichen und Beziehungen zwischen Eindrücken zu erkennen. Ein Team um den Kognitionswissenschaftler Ikuma Adachi von der Universität Kyoto hat jetzt belegt, dass auch Haushunde eine ähnliche gedankliche Leistung erbringen. Die Forscher spielten insgesamt 28 Hunden per Computer die Stimmen ihrer Besitzer oder von Fremden vor, die fünfmal hintereinander den Namen des Tieres riefen.

Die Klangquelle war zunächst verdeckt, später wurde das Hindernis entfernt. Die Hunde konnten daraufhin auf einem Monitor das Gesicht des ihnen bekannten oder eines unbekannten Menschen sehen. Das Ergebnis: Wenn Stimme und Bild zusammenpassten (fremd–fremd oder bekannt–bekannt) beachteten die Hunde den Monitor deutlich kürzer als in Fällen, in denen der Klang sich nicht mit dem Aussehen der Person deckte. Offenbar stutzen die Tiere, wenn ihre Wahrnehmung von der früher gewonnenen Vorstellung abweicht. In ähnlicher Weise reagieren auch menschliche Säuglinge.

Adachis Kollege Brian Hare vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig sieht darin einen Beweis für eine mentale Repräsentation im Hirn der Hunde: "Sie haben ein Bild ihres Besitzers im Kopf, an das sie denken können und welches sie dazu befähigt, gedankliche Schlüsse zu ziehen."

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GEO Nr. 05/97
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